UNHCR-Jahresstatistik für Industriestaaten 2012: Höchste Zahl von Asylanträgen seit 2003

UNHCR veröffentlichte die Jahresstatistiken zu Asylanträgen in Industriestaaten 2012. Der Bericht behandelt 44 Länder in Europa, Nordamerika, Australasien und Nord-Ost-Asien und zeigt einen Anstieg der Asylanträge um 8 Prozent im Vergleich zu 2011. Damit ist 2012 das antragsstärkste Jahr seit 2003. Der stärkste Anstieg ist bei Asylanträgen von SyrerInnen zu verzeichnen.

„Neue und bereits länger anhaltende Konflikte, wie jene in Syrien, Afghanistan, Irak und Somalia sind die Hauptursachen für einen neuerlichen Anstieg von Asylanträgen in Industriestaaten um acht Prozent im Jahr 2012. [...]

„Kriege zwingen mehr und mehr Menschen dazu, Asyl zu suchen“, so UN-Flüchtlingshochkommissar António Guterres. „Der Erhalt des internationalen Asylsystems ist deshalb wichtiger denn je. Angesichts der vielen aktuellen Konflikte ist es nicht an der Zeit, die Türen vor jenen Menschen zu schließen, die in Angst um ihr Leben aus ihrer Heimat flüchten müssen“.

Differenziert man nach einzelnen Regionen, war Europa 2012 mit 355.500 Anträgen in 38 Staaten die Hauptzielregion von Asylsuchenden. Zum Vergleich: Im Jahr 2011 wurden 327.600 Asylanträge gezählt. Deutschland verzeichnete dabei mit 64.500 Asylanträgen die höchste Anzahl und eine Steigerung von 41 Prozent verglichen mit dem Vorjahr. Es folgen Frankreich mit 54.900 (plus fünf Prozent) und Schweden mit 43.900 Neuanträgen (plus 48 Prozent). Die Steigerung der Antragszahlen in der Schweiz um 33 Prozent (insgesamt 25.900) stellte das Land nahezu auf eine Stufe mit Großbritannien, das 27.400 Neuanträge und ein Plus von sechs Prozent verzeichnete.

In Österreich wurden 2012 17.415 Asylanträge gestellt, das entspricht einem Plus von 21% gegenüber 2011. Die meisten Asylanträge wurden in Österreich von Afghanen gestellt.

Im transkontinentalen Ländervergleich zeigt sich, dass die USA mit 83.400 Asylanträgen die meisten Asylsuchenden registrierten, 7.400 mehr als 2011. Die meisten Antragssteller kamen dabei aus China (24 Prozent), Mexiko (17 Prozent) und El Salvador (sieben Prozent).

Auch in Nordostasien und Australien wurde eine Zunahme von Asylsuchenden registriert, doch insgesamt blieb die Zahl der Anträge niedrig. Auf Japan und Südkorea entfielen 3.700 Neuanträge, das sind 28 Prozent mehr als 2011. Die Zahl der Menschen, die in Australien um Asyl angesucht haben, ist mit insgesamt 15.800 Neuanträgen um 37 Prozent gestiegen.

Bei allen im UNHCR-Bericht untersuchten Ländern stiegen die Asylantragszahlen in den letzten fünf Jahren unterschiedlich stark an. Bezogen auf ihre Einwohnerzahl verzeichneten Malta, Schweden und Liechtenstein mehr Asylwerber als andere Länder, nämlich jeweils 21,7, 16,4 und 16,1 pro 1.000 Einwohner.

Bei den Herkunftsländern zeigt sich, dass die meisten Asylsuchenden nach wie vor aus Afghanistan kommen. 2012 waren es 36.600 Menschen, verglichen mit 36.200 im Jahr zuvor. Es folgt Syrien. Die Auswirkungen des dortigen Konflikts spiegeln sich in der Zahl der Asylerstanträge wider: Sie stiegen um 191 Prozent auf 24.800 Antragsteller. Danach kommt Serbien (und der Kosovo: S/RES/1244(1999)) mit 24.300 Anträgen und einer Steigerung um 14 Prozent an dritter Stelle.

Viele Asylanträge wurde auch von Staatsbürgern aus China (24.100) und Pakistan (23.200) gestellt. Bei letzteren ist es die höchste jemals verzeichnete Asylantragszahl und ein Anstieg um 21 Prozent verglichen mit 2011.

Nicht zu verwechseln sind die Asylerstanträge mit der Anzahl jener Menschen, denen der Flüchtlingsstatus tatsächlich gewährt wird. Sie sind auch kein Indikator für Zuwanderung. In den meisten Fällen bleiben jene Menschen, die Zuflucht vor einem Konflikt suchen, in den jeweiligen Nachbarländern, in der Hoffnung, bald wieder nach Hause zurückkehren zu können. Ein Beispiel dafür ist Syrien: 24.800 Asylsuchende in Industriestaaten stehen mehr als 1,1 Millionen registrierten Flüchtlingen in den Nachbarstaaten gegenüber. Dennoch kann die Anzahl der Asylanträge die vorherrschende globale Sicherheitslage und politische Risiken widerspiegeln, denn es gilt: Je mehr bewaffnete Konflikte, umso mehr Menschen müssen ihre Heimat verlassen.“ (UNHCR-Österreich, Presseaussendung, 21. März 2013)

In Österreich wurden 17.415 Asylanträge gestellt, das entspricht einem Plus von 21% gegenüber 2011. Die meisten Asylanträge wurden in Österreich von Menschen aus Afghanistan (4.003), der Russischen Föderation (3.098) und Pakistan (1.827) und gestellt. Unter den 10 antragsstärksten Herkunftsländern gab es starke Anstiege bei der Russischen Föderation (+34%), Pakistan (+92%), Syrien (+118%) und dem Iran (+67%).

Klicken Sie hier, um den ganzen Bericht (inkl. Statistiken im Anhang) zu lesen (PDF).

Siehe auch Aussendung von Eurostat zu Asylanträgen in der EU im Jahr 2012, die auch Informationen zu Asylentscheidungen enthält: Eurostat, 22. März 2013.

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