UNHCR-Bericht zu Weltflüchtlingszahlen: Höchster Stand seit 1994

UNHCR veröffentlichte den jährlichen „Global Trends“-Bericht, der umfassende Daten und Zahlen zu Flucht und Vertreibung im Jahr 2012 bietet.

Aus der Pressemitteilung:

„Die Zahl der Flüchtlinge und Binnenvertriebenen hat weltweit den höchsten Stand seit 1994 erreicht. Ein Hauptgrund hierfür ist der Syrien-Konflikt, so der neue UNHCR-Bericht ‚Global Trends’, der heute, einen Tag vor dem Weltflüchtlingstag, in Genf veröffentlicht wurde.

Der Bericht bietet umfassende Daten und Statistiken zum Thema ‚Flucht und Vertreibung im Jahr 2012′. Die Angaben beruhen auf Informationen von Regierungen, nichtstaatlichen Partnerorganisationen (NGOs) und eigenen Zählungen. Ende 2012 waren demnach insgesamt über 45,2 Millionen Menschen auf der Flucht (2011: 42,5 Mio.): 15,4 Millionen Flüchtlinge, 937.000 Asylsuchende und 28,8 Millionen Binnenvertriebene (IDPs).

Hauptursache für die weltweite Flucht und Vertreibung bleibt der Krieg. 55 Prozent der Flüchtlinge in der UNHCR-Statistik stammen aus gerade einmal fünf Staaten: Afghanistan, Somalia, Irak, Syrien und dem Sudan. Der Bericht listet zudem neue Massenfluchtbewegungen auf: aus Mali, der Demokratischen Republik Kongo, dem Sudan (Richtung Süd-Sudan) und aus Äthiopien. [...]

Die Kluft zwischen ärmeren und reicheren Staaten bei der Aufnahme von Flüchtlingen wird dabei immer offensichtlicher. Von den rund 10,5 Millionen Flüchtlingen unter UNHCR-Mandat (weitere 4,9 Millionen palästinensische Flüchtlinge fallen unter das Mandat des UN-Hilfswerks für Palästina-Flüchtlinge UNRWA) befinden sich die Hälfte in Staaten mit einem Pro-Kopf-Jahreseinkommen von weniger als 5.000 US-Dollar. Insgesamt leben 81 Prozent der Flüchtlinge weltweit in Entwicklungsländern. Vor einem Jahrzehnt waren es lediglich 70 Prozent.

Insgesamt sind 46 Prozent aller Flüchtlinge weltweit Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. Von unbegleiteten Minderjährigen oder Kindern, die von ihren Eltern getrennt sind, wurden im letzten Jahr 21.300 Asylanträge eingereicht. Dies ist die höchste jemals von UNHCR erfasste Zahl in diesem Bereich. [...]

Die meisten Flüchtlinge weltweit stammen weiterhin aus Afghanistan. Diese Angabe gilt bereits seit 32 Jahren. Durchschnittlich ist jeder vierte von Flucht und Vertreibung Betroffene aus Afghanistan. 95 Prozent von ihnen haben in Pakistan oder im Iran Aufnahme gefunden.

Somalia, ein weiterer langwieriger Konflikt, ist das zweitgrößte Herkunftsland von Flüchtlingen weltweit, wenngleich sich deren Zahl nicht mehr in dem Umfang erhöhte wie in den Jahren zuvor. Es folgen der Irak (746.700) und Syrien (471.400).“ (UNHCR-Pressemitteilung, 19. Juni 2013)

Der Bericht kann unter folgender Adresse gelesen werden:

UNHCR: Global Trends 2012. Displacement. The New 21st Century Challenge, 19. Juni 2013
http://unhcr.org/globaltrendsjune2013/UNHCR%20GLOBAL%20TRENDS%202012_V05.pdf

Update 20. Juni 2013:

Siehe die folgenden zwei EUROSTAT-Publikationen für Zahlen zu Asylentscheidungen in der Europäischen Union im Jahr 2012:

EUROSTAT: Asylentscheidungen in der EU27 [96/2013], 18. Juni 2013

EUROSTAT: Asylum applicants and first instance decisions on
asylum applications: 2012 [Data in focus 5/2013], 3. Mai 2013

„Im Jahr 2012 erkannten die EU27 Mitgliedstaaten 102 700 Asylbewerber als schutzberechtigt an, gegenüber 84 300 im Jahr 2011. [...] Im Jahr 2012 wurden in der EU27 407 300 Entscheidungen über Asylanträge gefällt, davon 274 500 in erster Instanz und 132 800 in endgültigen Berufungsentscheiden. [...]

Im Jahr 2012 waren Syrer die größte Personengruppe, der in der EU27 der Schutzstatus zugesprochen wurde. Von den 18 700 Syrern, die in der EU27 den Schutzstatus erhielten, wurden mehr als 70% in zwei Mitgliedstaaten verzeichnet: in Deutschland (8 400) und in Schweden (5 000). Von den 13 500 Afghanen, die den Schutzstatus erhielten, wurden 3 200 in Deutschland, 2 800 in Schweden, 1 900 in Österreich und 1 500 in Belgien registriert und von den 8 100 Somaliern 2 100 in Schweden sowie jeweils 1 100 in Malta und in den Niederlanden.“ (EUROSTAT, 18. Juni 2013)

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