Die ecoi.net-Themendossiers bieten einen Überblick zu einem ausgewählten Thema. Das Themendossier Nigeria behandelt die wichtigsten aktuellen sicherheitsrelevanten Vorfälle, gegliedert in die drei Landesteile Nord-, Süd-, und Zentralnigeria. Die Informationen stammen aus ausgewählten Quellen und erheben nicht den Anspruch vollständig zu sein.

1. Allgemeine Informationen

Nigeria ist die größte Volkswirtschaft Afrikas, mit 175 Millionen Einwohnern das bevölkerungsreichste Land des Kontinents und zudem eine Gestaltungsmacht auf dem afrikanischen Kontinent und in der Welt. Das Land steht allerdings vor großen Herausforderungen, da die Erträge aus der Erdölförderung bisher kaum armutsreduzierende Wirkung hatten. Mehr als zwei Drittel der Bevölkerung leben in extremer Armut und es herrscht hohe Arbeitslosigkeit (GIZ, ohne Datum)[i]. Korruption und Missregierung haben die Autorität und Legitimität des Staates untergraben. Trotz umfangreicher Erdölvorkommen liegen die Indikatoren für menschliche Entwicklung unter den weltweit Niedrigsten. (CRS, 1. Februar 2019, Summary)[ii]

Nigeria umfasst 36 Bundesstaaten, die in 774 lokale Regierungsgebiete (Local Government Areas, LGAs), und das Bundesterritorium Abuja (Federal Capital Territory, FCT, gegliedert sind. Jeder Bundesstaat verfügt über eine Regierung und über ein Landesparlament (State House of Assembly). (GIZ, Dezember 2015)

Nach dem Ende der Militärherrschaft im Mai 1999 wurde die vierte Republik mit der Wahl von Olusegun Obasanjo ausgerufen. Seither war der Konflikt in Nigeria von einem Aufstand im Nigerdelta, periodischen Gewaltsausbrüchen im „Middle Belt“ und einem Anstieg von Gewalt im Nordosten gekennzeichnet (FfP, 21. April 2014)[iii]. Nach dem Tod von Präsident Yar’Adua, der Obasanjo nachfolgte, wurde 2011 Goodluck Jonathan zum Präsidenten gewählt (USDOS, 25. Juni 2015, Executive Summary)[iv]. Seit Mai 2015 ist Muhammadu Buhari der Präsident Nigerias (BBC, 2. Oktober 2015)[v]. Bei den Wahlen im Februar 2019 wurde Buhari erneut gewählt. Die SWP schreibt nach Verkündung des Wahlsiegers durch die unabhängige nigerianische Wahlkommission INEC (Independent National Electoral Commission): “Dass sich die Sicherheits- und Wirtschaftslage in Nigeria mit der Wiederwahl Buharis grundlegend ändern wird, ist nicht zu erwarten. Buhari ist prinzipiell mit den gleichen Ankündigungen in die Wahl gegangen wie vor vier Jahren. Die Bilanz der ersten Amtszeit ist nicht sonderlich erfolgreich, Impulse für eine Trendwende sind nicht zu erkennen. Es sieht eher nach reinem Machterhalt aus.” (SWP, April 2019, pp. 1-3)[vi]

Ethnische und religiöse Konflikte sind in Nigeria alltäglich. Zehntausende NigerianerInnen wurden in den vergangenen beiden Jahrzehnten bei religiös motivierten und Zusammenstößen zwischen Gemeinschaften getötet. Ethnische, regionale und religiöse Spaltung stünden oftmals mit dem Zugang zu Land, Arbeit und sozioökonomischer Entwicklung in Zusammenhang und werden manchmal von PolitikerInnen angeheizt. Die gewaltsame islamistische Gruppe Boko Haram trägt seit 2009 zu einer starken Verschlechterung der Sicherheitsbedingungen im Nordwesten des Landes bei. In der südlichen Delta-Region werden Konflikte und Kriminalität seit Jahrzehnten durch lokale Missstände in Zusammenhang mit der Erdölproduktion im Gebiet angefacht. Mittels unregelmäßiger Verhandlungen zwischen der Regierung und den örtlichen Milizen und eines andauernden Amnestieprogramms hat sich die Region beruhigt. 2016 kam es kurzzeitig zu einem Anstieg der Angriffe auf Erdöleinrichtungen, die weiterhin eine Bedrohung für die Stabilität und die Erdölproduktion darstellen. Proteste im von der ethnischen Gruppe der Igbo dominierten Südosten gegen vermeintliche Marginalisierung führten zu Zusammenstößen mit Sicherhitskräften. Im „Middle Belt“ stieg in den vergangenen Jahren der gewaltsame Wettkampf um Ressourcen zwischen nomadischen Hirten und sesshaften bäuerlichen Gemeinschaften, der sich auch auf die südlichen Bundesstaaten ausbreitet. (CRS, 1 February 2019, pp. 1-2)

2. Der zentrale Landesteil und Abuja

(Bundesstaaten: Adamawa, Benue, Federal Capital Territory, Kogi, Kwara, Nasarawa, Niger, Plateau, Taraba)

2.1. Allgemeine Informationen

Nigeria ist zwar hauptsächlich für die Öl- und Gasproduktion bekannt, jedoch sind 70 Prozent der Arbeitskräfte des Landes in der Landwirtschaft beschäftigt. Kleinbetriebe im Zentrum und Süden des Landes sind für den Großteil der Wurzelknollen- und Gemüseernte verantwortlich, während die Hirten im Norden den Großteil hinsichtlich Getreide und Viehbestand erwirtschaften. Historisch waren die Beziehungen zwischen den Hirten und den sesshaften Bauerngemeinschaften harmonisch. Das Vieh der Hirten düngte das Land der Bauern im Austausch für Weiderechte. Jedoch nahmen die Spannungen im Laufe des vergangenen Jahrzehnts mit gewaltsamen Zwischenfällen in den zentralen und südlichen Bundesstaaten zu. In mindestens 22 der 36 nigerianischen Bundesstaaten kam es bereits zu Zwischenfällen. (ICG, 19. September 2017, S. 1) [vii]

Der Bundesstaat Plateau liegt an der Grenze zwischen dem großteils christlichen Süden und überwiegend muslimischen Norden und ist seit Jahrzehnten von unregelmäßig auftretenden ethnischen und religiösen Spannungen betroffen. Die großteils landwirtschaftlich tätigen christlichen Gemeinschaften behaupten, dass sich die muslimischen Fulani-Hirten die Gebiete der sogenannten indigenen Bevölkerung aneignen möchten. Die Fulani entgegnen, dass sie von Diskriminierung betroffen sind und ihnen ihre grundlegenden Rechte, darunter der Zugang zu Land, Bildung und politischen Ämtern, verwehrt werden, obwohl sie seit Generationen in dem Gebiet leben. Seit 2000 sind in Plateau laut Beobachtern über 10.000 Menschen getötet worden. (AFP, 17. September 2015)[viii]

Religiös motivierte Gewalt ist insbesondere in der Stadt Jos ein Problem. Die Spannungen zwischen den Gemeinschaften im kulturell diversen „Middle Belt“ sind sowohl religiöser als auch ethnischer Natur und sind Resultat des Wettbewerbs über Ressourcen zwischen ethnischen Gruppen, die als „Siedler“ oder als „Indigene“ klassifiziert werden. In Jos werden die überwiegend christlichen Berom als Indigene angesehen, während die vorwiegend muslimischen Hausa-Fulani als Siedler angesehen werden. (CRS, 15. November 2013, S. 12)

Der gewaltsame Konflikt hat mittlerweile tribale, religiöse und regionale Dimensionen angenommen. Jährlich werden im Middle Belt und in südlich davon gelegenen Gebieten etwa 2.500 Personen getötet. Der Konflikt ist bereits so tödlich, dass viele NigerianerInnen befürchten, er könne so gefährlich wie der Boko-Haram-Aufstand werden. (ICG, 20. Juli 2017)

Weitere Informationen zu Zwischenfällen hinsichtlich des Konflikts zwischen Hirten und Bauern finden sich auch im Abschnitt zu den nördlichen Bundesstaaten.

2.2. Aktuelle Lage

Elf DemonstrantInnen, ein Journalist und ein Polizist wurden am 22. Juli 2019 getötet, als die nigerianische Polizei das Feuer bei einer Demonstration des schiitischen Islamic Movement in Nigeria (IMN) in Abuja eröffnete. Laut Augenzeugen und offiziellen Angaben wurden Dutzende weitere Personen verletzt oder verhaftet. (HRW, 24. Juli 2019) [ix]

Zwischen 1. Jänner und 30. Juni 2019 kam es unter anderem in vielen Bundesstaaten des „Middle Belt“ bei gewaltsamen Vorfällen zwischen Bauern und Hirten zu schweren menschlichen und materiellen Verlusten, sowie zu Vertreibungen. (UN Security Council, 5. Juli 2019, S. 4-5) [x]

In Wukari im Bundesstaat Taraba kam es Ende Juni 2019 weiterhin zu interkommunalen Konflikten zwischen den Tiv und Junkun, wobei 20 ZivilistInnen Berichten zufolge von Tiv-Milizen getötet wurden. (ACLED, 1. Juli 2019) [xi]

Trotz der Unterzeichnung einer Friedensvereinbarung zwischen Anführern der Tiv und der Junkun am 11. Juni 2019 kam es in Wukari zu interkommunaler Gewalt zwischen den beiden Gruppen, mit 22 toten ZivilistInnen. (ACLED, 25. Juni 2019)

Nahe Wukari im Bundesstaat Taraba, wurden am 4. Juni 2019 bei interkommunaler Gewalt 12 Angehörige der Tiv getötet. (ACLED, 11. Juni 2019)

Am 14. April 2019 wurden 16 Personen im Gebiet Akwanga im Bundesstaat Nasarawa während Spannungen zwischen Farmern und Hirten getötet. Am 17. April 2019 wurden 15 Personen bei Angriffen von Fulani-Hirten im Gebiet Numa im Bundesstaat Adamawa getötet und drei weitere verletzt. Zudem wurden am 19. April 2019 11 Personen im Bundesstaat Benue von unbekannten Bewaffneten getötet, während 40 weitere Personen vermisst werden. (ACLED, 23. April 2019, S. 2)

“Am Abend des 18.03.19 griffen Kämpfer der Terrororganisation Boko Haram die Stadt Michika (Hauptsitz der gleichnamigen Local Government Area, Bundesstaat Adamawa) an und versuchten eine dort befindliche Bank auszurauben. Sie sollen die Bank sowie einige Häuser angezündet haben. Nach längeren Gefechten mit der Armee konnten die Angreifer vertrieben werden”(BAMF, 25. März 2019, S. 6) [xii]

Im Jahr 2018 intensivierte sich der jahrzehntelange Konflikt zwischen nomadischen Hirten und Bauern im Middle Belt. Mindestens 1.600 Personen wurden im Zuge der Gewalt getötet und weitere 300.000 vertrieben. (HRW, 17. Jänner 2019)

Im Juni 2018 töteten mutmaßlich Bauern fünf Hirten im Bundesstaat Plateau. Als Vergeltung griffen Hirten Ortschaften im Gebiet an, wobei 86 Menschen getötet und hunderte weitere verletzt wurden. Im September 2018 töten mutmaßliche Hirten 51 Menschen im Bundesstaat Adamawa und entführten etwa 24 Personen. (HRW, 17. Jänner 2019)

Im Juni 2018 wurden mindestens 84 Menschen bei Selbstmordanschlägen auf eine Moschee im Bundesstaat Adamawa getötet. (HRW, 17. Jänner 2019)

Seit Jänner 2018 wurden bei einer Eskalation der Gewalt zwischen Hirten und Bauern über 1.300 Menschen getötet. Der Konflikt habe sich von spontanen Reaktionen über Provokationen bis hin zu den nun tödlicheren geplanten Angriffen entwickelt. Insbesondere die Bundesstaaten Benue, Plateau, Adamawa, Nasarawa und Taraba sind betroffen. (ICG, 26 July 2018, Principal Findings)

Im ersten Halbjahr 2018 kam es zu mehreren Zusammenstößen zwischen Hirten und Bauern in den Bundesstaaten des Middle Belt. (UN Security Council, 29. Juni 2018, S. 4)

Am 23. Juni 2018 kam es zu einem großen, koordinierten Angriff von Fulani-Hirten auf ethnische Berom-Bauern in Barkin Ladi im Bundesstaat Plateau, wobei etwa 200 Menschen getötet wurden. Am darauf folgenden Tag stationierte die Regierung Truppen im Gebiet, sowie in den benachbarten Bundesstaaten Benue und Taraba, wo es seit Jahresbeginn ebenfalls zu Zusammenstößen zwischen Hirten und Bauern gekommen war. Im Bundesstaat Plateau hielten die Kämpfe in den folgenden Tagen an und betrafen Barkin Ladi sowie die benachbarten Gebiete Mangu, Riyom, Jos North und Jos South. (ACAPS, 10. Juli 2018, S. 2)[xiii]

Über 20 Personen wurden bei Zusammenstößen zwischen Hirten und Bauern im Bundesstaat Benue getötet. Nachdem ein Hirte laut Polizeiangaben tot aufgefunden worden war, griff eine mit Macheten bewaffnete Gruppe im Distrikt Okpokwu zur Vergeltung Personen, darunter Frauen und Kinder, an. 24 Personen wurden dabei getötet. (Thomson Reuters, 7. März 2018)[xiv]

Laut eigenen Angaben wird die nigerianische Armee Truppen in den zentralen Landesteilen stationieren. In den vergangenen Wochen wurden bei Zusammenstößen zwischen semi-nomadischen Hirten und Farmern Dutzende Menschen getötet. Im Jänner wurde ein Massenbegräbnis für 73 bei gewaltsamen Vorfällen getötete Menschen abgehalten. (Thomson Reuters, 7. Februar 2018)

“Seit dem 31.12.17 wurden im Rahmen des Bauern-Hirten-Konflikts in mehreren Bundesstaaten rund hundert Menschen getötet. Die meisten von ihnen, 73 Bauern und Dorfbewohner, starben im Bundesstaat Benue. Sie waren in abgelegenen Dörfern in den Local Government Areas Guma und Logo von Fulani-Hirten getötet worden. Die Toten wurden am 11.01.18 in einem Massengrab in der Hauptstadt Makurdi beerdigt. In Reaktion auf die Vorfälle verlegte das Miltär Sondereinheiten in die Bundesstaaten Benue, Taraba und Nasarawa. In Benue war am 01.11.17 ein neues Gesetz in Kraft getreten, das Viehhirten verbietet, als Nomaden durch den Bundesstaat zu ziehen. Bei dem Konflikt zwischen den halbnomadischen Fulani-Hirten und den sesshaften Ackerbauern handelt es sich um einen Streit um Land- und Weiderechte. Aufgrund des starken Bevölkerungswachstums wurden in den letzten Jahrzehnten die Weiderouten der Hirten zunehmend zugebaut. Auch die vermehrte Wüstenbildung in Nordnigeria veranlasste die Hirten, neues Weideland in südlicheren Gebie-ten zu suchen.” (BAMF, 15. Jänner 2018)

3. Boko Haram und die nördlichen Bundesstaaten

(Bundesstaaten: Bauchi, Borno, Gombe, Jigawa, Kaduna, Kano, Katsina, Kebbi, Sokoto, Yobe, Zamfara)

3.1. Allgemeine Informationen

Die Boko Haram entstand 1990 aus einer Gruppe radikalislamischer Jugendlicher in der Moschee Al-Hadschi Muhammadu Ndimi in Maiduguri, berichtet die International Crisis Group (ICG). Der ehemalige Anführer der Boko Haram, Mohammed Yusuf, war zuvor Prediger und Anführer des Jugendflügels der Salafistengruppe Ahl-Sunnah, Shababul Islam (Vorhut der Islamischen Jugend, Islamic Youth Vanguard) (ICG, 3. April 2014, S. 7). Laut der deutschen Wochenzeitung Die Zeit sehen Experten „die anfängliche Attraktivität von Boko Haram vor allem in den politischen und sozialen Verhältnissen im Norden Nigerias begründet: Die Gesellschaft ist ethnisch und religiös zersplittert, Armut und Arbeitslosigkeit höher als in anderen Landesteilen. Der Staat kommt seinen Aufgaben nur bedingt nach, die Lokalregierungen sind oft korrupt. Während die Gruppe in den ersten Jahren gewaltlos agierte, radikalisierte sie sich etwa ab 2009 und bekämpft seither aktiv den nigerianischen Staat.“ (Die Zeit, letzte Aktualisierung 18. November 2015)[xv]

Amnesty International (AI) zufolge wurden im Jahr 2014 über 4.000 Menschen von der Boko Haram getötet, obwohl die tatsächliche Anzahl der Toten vermutlich höher sei. In den ersten drei Monaten des Jahres 2015 töteten Kämpfer der Boko Haram mindestens 1.500 Menschen. Seit Juli 2014 nahm die Boko Haram größere Städte ein. Im Februar 2015 kontrollierte die Gruppe den Großteil des Bundesstaats Borno, sowie die Bundesstaaten Adamawa und Yobe. Im August 2014 erklärte der Anführer der Boko Haram, Abubakar Shekau, die von der Gruppe kontrollierten Gebiete zum Kalifat (AI, 13. April 2015, S. 3) [xvi]. Später schwor Shekau dem Islamischen Staat (IS) die Treue, worauf das von der Boko Haram kontrollierte Gebiet vom IS als „Islamic State of West Africa Province“ als Teil des angestrebten globalen Kalifats bezeichnet wurde (BBC, 4. Mai 2015). Als Reaktion auf den Treueschwur Boko Harams zum ‚Islamischen Staat‘ starten Nigerias Nachbarländer Tschad und Niger am 8. März eine Militäroffensive auf nigerianischem Boden (Die Zeit, letzte Aktualisierung 18. November 2015). Laut dem Global Terrorism Index der Denkfabrik Institute for Economics and Peace ist die Boko Haram aktuell die weltweit tödlichste terroristische Gruppe. Für das Jahr 2015 wird der Gruppe die Verantwortung für 6.644 Tote zugeschrieben (IEP, November 2015, S. 4)[xvii].

Im August 2016 verkündete ISIS, dass Abubakar Shekau von Abu Musab al-Barnawi als neuer Anführer der Gruppe ersetzt wird. Wegen interner Kämpfe kam es zu einer Trennung der Gruppe. Shekau verfügt hauptsächlich im Sambisa Forest weiterhin über Anhänger und Unterstützer. Diese Gruppe ist als Boko Haram bekannt. Die Regierungen Nigeria, Niger, Tschad und Kamerun bezeichnen jedoch beide Gruppen als Boko Haram, mit der Differenzierung „Shekau-Fraktion“ und „al-Barnawi-Fraktion“. (USDOS, 19 September 2018).

Seit der Angelobung von Präsident Buhari im Mai 2015 wurden effektivere Maßnahmen gegen die Aufständischen ergriffen. Die Aufständischen konnten aus dem Großteil der zuvor von ihnen kotrollierten Gebiete vertrieben werden. Berichten zufolge änderten die Aufständischen ihre Taktik in Richtung asymmetrische Kriegsführung, darunter Entführungen, Vergewaltigung, Zwangsrekrutierung von Kindern und Jugendlichen, Selbstmordanschläge und sexuelle Versklavung. Laut ExpertInnen ist ein umfassender militärischer Sieg jedoch unwahrscheinlich und die Sicherheit ist weiterhin beträchtlich durch die Aufständischen bedroht. (UNHCR, Oktober 2016, S. 1-2) [xviii]

3.2. Aktuelle Lage

Laut Angaben des staatlichen nigerianischen Fernsehens wurden mindestens 65 Personen bei einem mutmaßlichen Angriff von Islamisten auf Besucher eines Begräbnisses getötet. Bislang bekannte sich keine Gruppe zu dem Anschlag, jedoch hatten die Boko Haram und die rivalisierende Splittergruppe Islamic State in West Africa (ISWA) zuvor oft Angriffe im Gebiet durchgeführt. (Reuters, 28. Juli 2019)

Im Juli 2019 kam es zu einem Angriff der Boko Haram auf das Binnenvertriebenenlager Dalori nahe Maiduguri im Bundesstaat Borno. Am 27. Juli 2019 wurden zudem mindestens 23 ZivilistInnen im Gebiet Nganzai im Bundesstaat Borno bei einem Selbstmordanschlag der Boko Haram auf Besucher eines Begräbnisses getötet (siehe auch oben erwähnten Vorfall). (ACLED, 30. Juli 2019)

Zwischen 29. Juni und 3. Juli kam es im Bundesstaat Katsina zu einer Serie von Angriffen auf ZivilistInnen. Bei Angriffen auf zehn Ortschaften in der Local Government Area (LGA) Kankara wurden 11 Personen und bei Angriffen auf drei Ortschaften in der LGA Dan Musa 17 Personen getötet. Es ist unklar, wer für die Angriffe verantwortlich ist. Im Bundesstaat Zamfara startete das Militär Angriffe gegen Milizen. In Bawa wurden zehn Milizangehörige getötet. Bei Luftangriffen in Dumburum und Munhaye wurden Berichten zufolge 30 Menschen getötet. (ACLED, 9. Juli 2019)

Ende Juni 2019 wurden bei Angriffen der Boko Haram auf Bauern und örtliche Gemeinschaften im Bundesstaat Borno 29 ZivilistInnen getötet. Im Bundesstaat Yobe griff die Boko Haram einen Miitärstützpunkt in Goniri an. Berichten zufolge wurden mehrere Boko-Haram-Kämpfer getötet. (ACLED, 1. Juli 2019)

Am 16. Juni 2019 kam es in Konduga zu einem dreifachen Sebstmordanschlag der Boko Haram, der von drei Kindern durchgeführt wurde. Berichten zufolge wurden 30 Menschen getötet. Bei Einsätzen des Militärs im Gebiet Baga [im Bundesstaat Borno] gegen Stützpunkte von Boko Haram und ISWA wurden 42 Menschen getötet. (ACLED, 25. Juni 2019)

Am 14. Juni 2019 kam es zu einem Anschlag der Boko Haram auf einen Militärstützpunkt in Kareto, im Bundesstaat Borno. Ein Militärangehöriger wurde getötet und die Aufständischen entwendeten Waffen und Fahrzeuge. Im Gebiet Shiroro im Bundestaat Niger wurden bei Angriffen einer unbekannten bewaffneten Gruppe auf acht Ortschaften 62 ZivilistInnen getötet. (ACLED, 17. Juni 2019)

Bei Militäreinsätzen gegen die Boko Haram im Bundesstaat Borno wurden Anfang Juni 20 an den Kampfhandlungen beteiligte Personen getötet. Im Bundesstaat Zamfara wurden am 3. Juni 2019 beim Angriff einer Miliz auf die Ortschaft Kanoma 16 ZivilistInnen getötet. Am 1. Juni 2019 wurden beim Angriff einer Miliz acht ZivilistInnen in der Ortschaft Lilo getötet. (ACLED, 11. Juni 2019)

Beim Angriff der Boko Haram auf einen IDP-Konvoi im Bundesstaat Borno am 26. Mai 2019 wurden 25 Personen, darunter fünf Soldaten getötet. Die Boko Haram griff im Bundesstaat Borno zudem das Bakassi-Binnenvertriebenenlager an, wobei fünf ZivilistInnen getötet wurden. Auch die Stadt Maiduguri im Bundesstaat Borno wurde am 28. Mai 2019 Ziel eines Boko-Haram-Angriffs, jedoch wurden keine Todesfälle bestätigt. (ACLED, 4. Juni 2019)

Trotz Bemühungen zur Terrorismusbekämpfung konnte die Boko-Haram-Fraktion ISWA zwischen 1. Jänner und 30. Juni 2019 ihr Einsatzgebiet ausdehnen. Im Jänner 2019 übernahm die Boko Haram kurzfristig die Kontrolle in der Stadt Rann. Laut Angaben der nigerianischen Polizei wurden in den nördlichen Bundesstaaten Nigerias zwischen Jänner und April 2019 189 terroristische Anschläge durchgeführt, wobei 453 Menschen getötet und 201 Menschen entführt wurden. (UN Security Council, 5. Juli 2019, S. 4)

In Kajuru und Kachia, im Bundesstaat Kaduna wurden 117 Menschen getötet und mehrere Häuser, Farmen und Viehbestand zerstört. Zwischen Jänner und April 2019 wurden im Bundesstaat Zamfara bei Angriffen von bewaffneten Banditen, Viehdieben und Milizen auf ZivilistInnen etwa 497 Menschen getötet und 385 entführt. (UN Security Council, 5. Juli 2019, S. 4-5)

Zwischen 7. und 9. April 2019 griffen unbekannte Bewaffnete im Bundesstaat Katsina Ortschaften an. Bei den folgenden Kämpfen mit örtlichen Bürgerwehren wurden mindestens 47 Menschen getötet. Im Bundesstaat Zamfara griff die nigerianische Luftwaffe Stellungen von ‘Banditen’, darunter Viehirten in Waldgebieten, wobei Dutzende Personen getötet wurden.” (ACLED, 16. April 2019, S. 2)

“Am 30.03.19 griffen Bewaffnete im nordwestlichen Bundesstaat [Zamfara, Anm. ACCORD] die Dörfer Kursasa, Kurya und Gidan Achali (Shinkafi Local Government Area) an. Laut Angaben von Dorfbewohnern wurden hierbei über 40 Personen, meist Bauern, getötet. Laut Polizeiangaben sollen lediglich zehn Personen auf einem Bauernhof im Dorf Kursasa getötet worden sein.” (BAMF, 1. April 2019, S. 4)

“Am Morgen des 23.02.19, kurz vor der Öffnung der Wahllokale, wurde Maiduguri (Hauptstadt des Bundesstaates Borno) von mehreren Explosionen und Gewehrfeuer erschüttert. Wie aus Sicherheitskreisen verlautete, sollen Boko-Haram-Kämpfer die Stadt mit Granaten angegriffen haben. Die Angreifer seien jedoch von Soldaten zurückgedrängt worden. Laut offiziellen Armeeangaben habe es sich bei dem Geräuschlärm um Militärübungen gehandelt. Noch am 23.02.19 erklärte die von der Terrororganisation Boko Haram abgespaltene Gruppe ISWA (Islamic State in West Africa), dass sie in Maiduguri den Flughafen, eine Armeebasis und ein Regierungsgebäude angegriffen habe. […] Am 18.02.19 attackierten mutmaßliche Kämpfer der Terrororganisation Boko Haram eine Gruppe von Feuerholz- und Holzkohlenhändler bei Koshebe (Jere Local Government Area, Bundesstaat Borno), die sich im Busch aufhielten. Hierbei wurden mindestens 18 von ihnen getötet.” (BAMF, 25. Februar 2019, S. 5)

“Am 12.02.19 attackierten Kämpfer der von der Terrororganisation Boko Haram abgespaltenen Gruppe IS-WA (Islamic State in West Africa) den Autokonvoi des Gouverneurs von Borno, Kashim Shettima. Dieser war von Maiduguri aus auf der Dikwa-Ngala Straße unterwegs zu einer Wahlkampfveranstaltung in Gam-boru-Ngala (Hauptsitz der Ngala Local Government Area). Laut Angaben des Sprechers von Shettima sollen bei dem Angriff drei Personen im Konvoi getötet worden sein. Teilweise wird in der Presse von bis zu zehn Toten und mehreren entführten Personen berichtet. Laut ISWA, der sich am 13.02.19 zu dem Angriff bekannte, soll es 42 Todesopfer gegeben haben.” (BAMF, 18. Februar 2019, S. 6)

Laut offiziellen Angaben wurden in acht Ortschaften im Gebiet Kujuru im Bundesstaat Kaduna die Leichen von 66 Personen entdeckt, Davon 22 Kinder und 12 Frauen, die von ‘kriminellen Elementen’ getötet worden waren. (BBC, 15. Februar 2019)

Das BAMF erwähnt den Vorfall ebenso und berichtet weiters: “Laut Maisamari Dio, Anführer der im Kujuru Gebiet vorherrschenden christlichen Ethnie der Adara, sollen am 10.02.19 muslimische Fulani ein Dorf der Adara angegriffen und mehrere Personen getötet haben. Hierauf hätten die Adara Vergeltungsangriffe auf Fulani unternommen.” (BAMF, 18. Februar 2019, S. 6)

“Am Morgen des 28.01.19 nahmen Kämpfer der Boko Haram kampflos die etwa sieben Kilometer von der kamerunischen Grenze in der Region des Tschadsees gelegene Ortschaft Rann (Bundesstaat Borno, Verwaltungssitz der Kala Balge Local Government Area) ein. Laut Angaben von Amnesty International töteten sie mindestens 60 Einwohner und brannten, wie eine Auswertung von Satellitenbildern ergeben habe, Hunderte von Gebäuden nieder. Die nigerianische Armee hatte einen Tag vor dem Angriff der Terroristen die Stadt verlassen, nachdem kurze Zeit vorher die ebenfalls in der Stadt zum Schutz der Bevölkerung stationierten kamerunischen Einheiten der Multi-National Joint Task Force (MNJTF) abgezogen worden waren. Boko Haram hatte die Stadt Rann, in der sich auch ein Lager mit Zehntausenden von intern Vertriebenen befindet, bereits am 14.01.19 nach Kämpfen mit der Armee für einen Tag besetzt. Laut UN-Angaben flüchteten in Folge der beiden Angriffe der Boko Haram auf Rann insgesamt rund 35.000 Zivilisten über die Grenze nach Kamerun.“ (BAMF, 4. Februar 2019, S. 4)

Am 14. Jänner 2019 griff die Boko Haram die Stadt Rann im Bundesstaat Borno an, wobei mehr als 9.000 Personen vertrieben wurden. Westlich und südliche von Rann wurden große Gebiete niedergebrannt. Über 100 Gebäude wurden durch das Feuer zerstört oder schwer beschädigt. (AI, 18. Jänner 2019)

“Nachdem es zwischen Januar und Juli 2018 insgesamt 3 Terroranschläge im Nordosten Nigerias gegeben hat, zu denen sich der IS bekannt hat, stieg deren Anzahl danach weiter an: Allein im August waren es 3, im September 4, im Oktober schon SWP-Aktuell 21 April 2019 4 6 Angriffe. Die Lage eskalierte: 10 Anschläge im November, 19 im Dezember 2018.” (SWP, April 2019, pp. 3-4)

Die Boko Haram und ISIS-WA griffen im Jahr 2018 im Bundesstaat Borno Bevölkerungszentren und Sicherheitspersonal an. Die Boko Haram führte zudem in eingeschränktem Ausmaß Angriffe in Adamawa durch, während ISIS-WA Ziele im Bundesstaat Yobe angriff. Die zwei aufständischen Gruppen würden weiterhin die Fähigkeit besitzen, im Nordosten des Landes Angriffe gegen zivile und militärische Ziele durchzuführen. Beide Gruppen führten im Jahr 2018 Angriffe mittels einer hohen Anzahl von am Straßenrand versteckten improvisierten Sprengsätzen durch. ISIS-WA war es weiterhin möglich, effektive komplexe Angriffe auf Stellungen des Militärs durchzuführen. (USDOS, 13. März 2019, Section 1g)

Im Jahr 2018 kam es weiterhin zu Entführungen, Selbstmordanschlägen und Angriffen auf ivile Ziele durch die Boko Haram. Mindestens 1.200 Menschen wurden im Nordosten getötet und fast 200.000 vertrieben. (HRW, 17. Jänner 2019)

Sich wiederholende Gewalt zwischen Hirten und Bauern, sowie damit in Zusammenhang stehender Viehdiebstahl und Banditerie stellten im Jahr 2018 in vielen nördlichen Bundesstaaten, darunter Zamfara und Kaduna eine ernsthafte Bedrohung des Friedens und der Sicherheit dar. Im Mai 2018 wurden mindestens 45 Personen bei einem Angriff von Banditen auf die Ortschaft Gwaska, im Bundesstaat Kaduna getötet. Zamfara war 2018 wahrscheinlich am stärksten von Angriffen von Banditen betroffen, mit mindestens 400 Toten und über 38.000 Vertriebenen. Im Juli 2018 stationierte die Regierung aufgrund der Unsicherheit 1.000 Soldaten in Zamfara. (HRW, 17. Jänner 2019)

Amnesty International veröffentlicht im Dezember 2018 einen Bericht zu Zusammenstößen zwischen Hirten und Bauern, insbesondere in den nördlichen Landesteilen. Die Organisation dokumentierte 312 Angriffe und Vergeltungsangriffe in 22 Bundesstaaten und Abuja zwischen Jänner 2016 und Oktober 2018. Mindestens 3.641 Personen wurden schätzungsweise getötet, 406 verletzt, 5.000 Häuser niedergebrannt und 182.530 Personen vertrieben. Die Organisation besuchte im Zuge der Erstellung des Berichts 56 Gemeinschaften in den Bundesstaaten Adamawa, Benue, Kaduna, Taraba und Zamfara. (AI, 17. Dezember 2018, S. 6-16)

4. Südnigeria, Biafra und das Nigerdelta

(Bundesstaaten: Abia, Akwa-Ibom, Anambra, Bayelsa, Cross River State, Delta, Edo, Enugu, Imo, Ondo, Rivers)

4.1. Allgemeine Informationen

Das im Süden Nigerias gelegene Nigerdelta ist reich an Ressourcen aber von Unsicherheit betroffen (ICG, 29 September 2015, S. 1). Der Konflikt im Nigerdelta ist durch Vandalismus an Erdöleinrichtungen, massiven Diebstahl in Verbindung mit der Erdölproduktion, Protesten wegen Umweltverschmutzung, Entführungen zur Erpressung von Lösegeld, Unsicherheit und Gewalt zwischen Gemeinschaften gekennzeichnet. Die Forderungen der verschiedenen militanten Gruppen variierten, schließen aber oft eine größere Autonomie für die Region und einen größeren Anteil der Einkünfte aus dem Erdölgeschäft ein (CRS, 18 July 2012, S. 13). Der von der Movement for the Emancipation of the Niger Delta (MEND) angeführte Aufstand hatte die nigerianische Ölindustrie und die Einkünfte aus den Exporten zum Erliegen gebracht. Im Juni 2009 wurde der Aufstand durch eine Amnestie für die Aufständischen beendet. Eine gewisse Stabilität konnte wiederhergestellt werden (ICG, 29 September 2015, S. 1). In Folge der Amnestie ist es zu einer Verringerung des Gewaltniveaus gekommen, jedoch ist dieses im Jahr 2014 erneut angestiegen (USDOS, 25. Juni 2015, Executive Summary). Die Präsidentschaft von Präsident Jonathan von 2010 bis 2015, Geldleistungen und Ausbildung für die ehemaligen Aufständischen und Vereinbarungen mit Anführern des Aufstands konnten die Konflikte aber unter Kontrolle halten. (ICG, 29 September 2015, S. 1).

2016 griffen neue militante Gruppen, die verschiedene Forderungen stellten, jedoch wieder zu den Waffen. Die Namen der Gruppen änderten sich zwar, doch es besteht kein Zweifel, dass dies „alter Wein in neuen Flaschen“ ist. Die neuen militanten Gruppen beharren weiterhin auf Kontrolle der Ressourcen und führen Anschläge auf Erdöleinrichtungen durch. (African Centre for the Constructive Resolution of Disputes, 12. September 2017)[xix]

Seit die Regierung im November 2016 mit ethnischen und politischen AnführerInnen in der Region Gespräche führte, kam es nicht mehr zu größeren Anschlägen auf Erdöleinrichtungen durch militante Gruppen im Nigerdelta. Trotzdem ist die Lage in der Region weiterhin fragil. Angriffe auf die Bevölkerungsgruppe der Igbos oder andere „Southeners“ im Norden könnten dazu führen, dass einige militante Gruppen im Nigerdelta erneut Erdöleinrichtungen angreifen, um entweder die Regierung unter Druck zu setzen, die Igbo-feindliche Gewalt zu beenden oder um kriminelle Aktivitäten zu verschleiern. (ICG, 20. Juli 2017)

4.2. Aktuelle Lage

Kriminelle Gruppen entführten im Jahr 2018 im Nigerdelta und im Südosten ZivilistInnen, oftmals um Lösegeld zu erhalten. Entführungen auf dem Meer waren weit verbreitet. (USDOS, 13. März 2019, Section 1b)

“Am 17.08.18 protestierten Frauen der verbotenen Pro-Biafra-Organisation IPOB (Indigenous People of Biafra) in der Stadt Owerri (Hauptstadt des südöstlichen Bundesstaates Imo) u.a. für die Freilassung ihres in der Gewalt der nigerianischen Behörden vermuteten Anführers Nnamdi Kanu sowie für ein Referendum über die Unabhängigkeit des Gebietes Biafra. Die Polizei löste die Demonstration unter Einsatz von Tränengas auf. Am 20.08.18 wurden 112 von 114 der bei der Demonstration verhafteten Frauen vor ein Magistratsgericht in Owerri gestellt. Die Anklage war ihnen u.a. vor, der verbotenen Organisation IPOB anzugehören, was nach dem Terrorismusgesetz mit einer Haftstrafe von bis zu 20 Jahren geahndet werden kann. Ferner hätten sie sich der Verschwörung zur Begehung von Verbrechen strafbar gemacht. Aufgrund der Unzuständigkeit des Gerichts für einen Teil der Straftaten wurde die Verhandlung zwecks Beratung mit der Generalstaatsanwaltschaft von Imo auf den 03.09.18 vertagt.” (BAMF, 27. August 2018, S. 5)

Piraten halten 12 Mitglieder eines Schweizerischen Frachtschiffs als Geiseln fest. Die Piraten schlugen 45 Seemeilen von Bonny Island im Nigerdelta zu. (BBC, 23. September 2018)

Im ersten Halbjahr 2018 kam es in den Bundesstaaten Edo, Ebonyi und Kogi zu Zusammenstößen zwischen Hirten und Bauern mit zahlreichen Toten, Vertreibung und der Zerstörung von Eigentum. (UN Security Council, 29. Juni 2018, S. 4)

„Laut Polizeiangaben wurden am 27.02.18 elf mutmaßliche IPOB-Mitglieder im Zentrum von Enugu (Hauptstadt des gleichnamigen südöstlichen Bundestaates) verhaftet. Diese hatten vorher eine Veranstaltung der Eastern Consultative Assembly im Universal Hotel unterbrochen, da der IPOB-Anführer Nnamdi Kanu bei der Ehrung verdienter Igbo-Führer nicht berücksichtigt worden war. Die Pro-Biafra-Organisation (IPOB) ist seit September 2017 als Terrororganisation in Nigeria verboten.” (BAMF, 5. März 2018)

Bei einem Zwischenfall im Bundesstaat Rivers, der in Zusammenhang mit Spannungen zwischen rivalisierenden Banden stehen soll, wurden mindestens 16 Menschen getötet. (BBC, 2. Jänner 2018)

5. Weitere Quellen mit Informationen zur sicherheitsrelevanten Lage in Nigeria

Unter folgendem Link findet sich eine Datenbank des Projekts Nigeriawatch[xx], die gefiltert nach Bundesstaaten auf Gewaltvorfälle durchsucht werden kann:

Weitere Informationen zu sicherheitsrelevanten Entwicklungen finden sich auch unter
folgendem Link:

Weitere Überblickskarten zu Gewaltvorfällen in Nigeria finden sich auch unter folgenden Links:

6. Quellen: (Zugriff auf alle Links am 13. August 2019)


[i] Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) ist eine staatliche Entwicklungszusammenarbeitsorganisation der Bundesrepublik Deutschland.

[ii] Das Congressional Research Service (CRS) ist der Recherchedienst des US-amerikanischen Kongresses.

[iii] Der Fund for Peace (FfP) ist eine unabhängige, gemeinnützige Forschungs- und Bildungsorganisation mit Hauptsitz in Washington, D.C., deren Arbeit darauf abzielt, zur Vermeidung gewaltsamer Konflikte und zur Förderung nachhaltiger Sicherheit beizutragen.

[iv] Das US Department of State (USDOS) ist das US-amerikanische Außenministerium.

[v] Die British Broadcasting Corporation (BBC) ist eine britische Rundfunkanstalt.

[vi] Die Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) in Berlin ist eine Stiftung bürgerlichen Rechts und Trägerin des Deutschen Instituts für Internationale Politik und Sicherheit.

[vii] Die International Crisis Group (ICG) ist eine unabhängige, nicht profitorientierte Nicht-Regierungsorganisation, die mittels Informationen und Analysen gewaltsame Konflikte verhindern und lösen will.

[viii] Agence France-Presse (AFP) ist eine internationale Nachrichtenagentur.

[ix] Human Rights Watch (HRW) ist eine internationale Menschenrechtsorganisation.

[x] Der UN Security Council ist ein Organ der Vereinten Nationen, das für die Wahrung des Friedens und der Sicherheit zuständig ist.

[xi] Das Armed Conflict Location & Event Data Project (ACLED) ist ein Projekt, das Daten zu Konflikten sammelt, analysiert und Daten zu Krisen aufbereitet.

[xii] Das BAMF ist das deutsche Bundesamt für Migration und Flüchtlinge

[xiii] Das Assessment Capacities Project (ACAPS) ist ein nicht-profitorientiertes, nicht-staatliches Projekt mit Sitz in Genf, das humanitäre Analysen bereitstellt.

[xiv] Thomson Reuters ist eine internationale Nachrichtenagentur mit Sitz in London.

[xv] Die Zeit ist eine deutsche Wochenzeitung

[xvi] Amnesty International (AI) ist eine internationale Menschenrechtsorganisation.

[xvii] Das Institute for Economics and Peace (IEP) ist eine Denkfabrik mit Sitz in Sydney, die sich für ein besseres Verständnis der sozialen und wirtschaftlichen Faktoren einsetzt, die zu einer friedlicheren Gesellschaft führen.

[xviii] United Nations High Commissioner for Refugees (UNHCR) ist das Flüchtlingshochkommissariat der Vereinten Nationan.

[xix] Das African Centre for the Constructive Resolution of Disputes ist eine südafrikanische zivilgesellschaftliche Organisation, die in ganz Afrika im Bereich Konfliktverhinderung tätig ist.

[xx] Nigeriawatch ist ein Projekt, das von der University of Ibadan mit Unterstützung des French Institute for Research in Africa (IFRA-Nigeria) betrieben wird

[xxi] ACAPS ist ein Konsortium der beiden NGOs Norwegian Refugee Council und Save the Children mit Sitz in Genf.

[xxii] Der Council on Foreign Relations (CFR) ist eine private US-amerikanische Denkfabrik mit Fokus auf weltweiten außenpolitischen Themen.

[xxiii] Partners for Peace (P4P) ist ein Programm des Fund for Peace (FfP), das sich für ein friedliches Nigerdelta einsetzt

Dieses Themendossier beruht auf einer zeitlich begrenzten Recherche ausschließlich auf ecoi.net. Es ist als Einstieg in bzw. Überblick über ein Thema gedacht und stellt keine Meinung zum Inhalt eines Ansuchens um Asyl oder anderen internationalen Schutz dar. Alle Übersetzungen sind Arbeitsübersetzungen für die keine Gewähr übernommen werden kann. Chronologien stellen keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Jede Aussage wird mit einem Link zum entsprechenden Dokument referenziert.

Zitieren als:

ACCORD – Austrian Centre for Country of Origin and Asylum Research and Documentation: ecoi.net-Themendossier zu Nigeria: Sicherheitslage, 13. August 2019
https://www.ecoi.net/de/laender/nigeria/themendossiers/sicherheitslage/

Quelle
ACCORD – Austrian Centre for Country of Origin and Asylum Research and Documentation
Veröffentlicht
13. August 2019

1. Allgemeine Informationen
2. Der zentrale Landesteil und Abuja
2.1. Allgemeine Informationen
2.2. Aktuelle Lage
3. Boko Haram und die nördlichen Bundesstaaten
3.1. Allgemeine Informationen
3.2. Aktuelle Lage
4. Südnigeria, Biafra und das Nigerdelta
4.1. Allgemeine Informationen
4.2. Aktuelle Lage
5. Weitere Quellen mit Informationen zur sicherheitsrelevanten Lage in Nigeria
6. Quellen