Dokument #2146060
ACCORD – Austrian Centre for Country of Origin and Asylum Research and Documentation (Autor)
16. Oktober 2026
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Allgemeine Lage und Reichweite der Maßnahmen gegen Angehörige mutmaßlicher Gülen-Anhänger:innen
Wirtschaftliche und soziale Benachteiligungen sowie konkrete Folgen
Zugang zu Beschäftigung und Beförderungen
Bildung, Sozialleistungen und gesellschaftliche Ausgrenzung
Schutzwilligkeit und Schutzfähigkeit des türkischen Staates bei privater Diskriminierung
Strafrechtliche Ermittlungen und Verfahren gegen Angehörige: Bedeutung der Familienzugehörigkeit
Angaben zu Ermittlungen aufgrund familiärer Beziehungen
Weitere Fälle strafrechtlicher Maßnahmen gegen Angehörige
Weitere Rechtsbeschränkungen und gerichtlicher Rechtsschutz
Kündigungen im Zusammenhang mit mutmaßlichen Gülen-Verbindungen
Passentzug und Ausreisebeschränkungen
Quellen
Anhang
Kurzbeschreibungen zu den in dieser Anfragebeantwortung verwendeten Quellen sowie Ausschnitte mit Informationen aus diesen Quellen finden Sie im Anhang.
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Allgemeine Lage und Reichweite der Maßnahmen gegen Angehörige mutmaßlicher Gülen-Anhänger· innen
Das Immigration and Refugee Board of Canada (IRB) fasst in einer Anfragebeantwortung vom November 2024 Herkunftsländerinformationen zusammen und gibt unter anderem ein Interview mit einem Non-Resident Senior Fellow des Silk Road Studies Program[1] wieder, der zu politischen, religiösen und sicherheitsbezogenen Themen in der Türkei schreibt. Dem Senior Fellow zufolge seien Angehörige von Gülen-Anhänger·innen, die in der Türkei geblieben seien, während des massiven staatlichen Vorgehens nach dem gescheiterten Putschversuch 2016 ins Visier geraten. Ein vom Finnish Immigration Service 2023 interviewter Vertreter von Human Rights Watch habe die Lage der Familienangehörigen als eine Form kollektiver Bestrafung bezeichnet. Ein an einer britischen Universität tätiger Associate Professor habe erklärt, Familienmitglieder mutmaßlicher Gülen-Anhänger·innen würden mit diesen gleichgesetzt (IRB, 20. November 2024).
Das Finnish Immigration Service erklärt in einem Bericht über die Lage von Personen mit Verbindungen zur Gülen-Bewegung vom Juni 2024, Familienmitglieder und Verwandte seien wegen der mutmaßlichen Gülen-Verbindungen eines Angehörigen eingeschüchtert und unter anderem Entlassungen, Vermögensbeschlagnahmungen, schikanösen justiziellen Maßnahmen und Strafverfolgung ausgesetzt worden. Die Einschätzungen zur Reichweite des Vorgehens seien unterschiedlich: Ein Forscher gehe davon aus, dass vorwiegend die unmittelbare Familie sowie Eltern und Geschwister betroffen seien und ein systematisches Vorgehen gegen entferntere Verwandte kaum praktikabel sei. Andere Quellen berichteten auch über Maßnahmen gegen Onkel, Cousins und Schwager. Laut einem türkischen Politikexperten sei die Praxis unmittelbar nach dem Putschversuch 2016 willkürlicher gewesen und durch eine stärkere Systematisierung der Fallbearbeitung eingeschränkt worden. Die Behörden könnten jedoch weiterhin nach eigenem Ermessen gegen Angehörige vorgehen. Der unklare Begriff der „Verbindung“ zu einer terroristischen Organisation, „iltisak“, begünstige diese Willkür. Expert·innen der EU-Delegation zufolge unterscheide sich das Vorgehen gegen Angehörige von Fall zu Fall. Einige Quellen nähmen an, bei hochrangigen Personen innerhalb der Bewegung könnten auch entferntere Familienmitglieder betroffen sein. Eine prominente gesellschaftliche Stellung könne laut der EU-Delegation hingegen auch dazu führen, dass die Behörden eine Person unbehelligt ließen. Der Doktorandin Emine Neval von der Universität Helsinki zufolge könne auch Vermögen eine Rolle spielen, da Ermittlungen eingeleitet werden könnten, um darauf zuzugreifen. Quellen beschrieben sowohl Fälle, in denen mehrere Familienmitglieder betroffen seien, als auch solche, in denen nur eine Person oder ein·e Ehepartner·in ins Visier gerate. Angehörige würden mitunter festgenommen, wenn die Behörden die eigentlich gesuchte Person nicht erreichen könnten, etwa weil diese das Land verlassen habe. Der Politikexperte habe dies als Festhalten von Familienmitgliedern als „Geiseln“ bezeichnet (Finnish Immigration Service, Juni 2024, S. 40–44).
Das Stockholm Center for Freedom (SCF) beschreibt in einem Bericht über Maßnahmen gegen Familienangehörige von Regierungsgegner·innen vom Juli 2024 die Aufnahme von Angehörigen mutmaßlicher Gülen-Anhänger·innen in schwarze Listen als eine Form der Verantwortlichmachung von Familienangehörigen. Dabei würden Angehörige aufgrund der ihren Verwandten zugeschriebenen Handlungen oder Verbindungen ebenfalls als Bedrohung eingestuft (SCF, 15. Juli 2024, S. 77).
Wirtschaftliche und soziale Benachteiligungen sowie konkrete Folgen
Die Federazione Italiana Diritti Umani (FIDU) beschreibt in einem Bericht vom Juni 2026, die Folgen der als „zivilen Tod“ bezeichneten Maßnahmen im Rahmen des Ausnahmezustands würden sich auch auf Ehepartner·innen, Kinder und weitere Familienangehörige erstrecken. Dazu würden der Verlust von Sozial- und Krankenversicherungsschutz, die Verweigerung verschiedener Sozialleistungen, einschließlich Leistungen für Menschen mit Behinderungen und Katastrophenopfer, sowie Hindernisse beim Zugang zu Bildung, Stipendien, Beschäftigung im öffentlichen Dienst und anderen reglementierten Berufen gehören. Hinzu kämen gesellschaftliche Stigmatisierung, informelle Überwachung und die Herausnahme von Pflegekindern aus Familien aus Sicherheitsgründen (FIDU, Juni 2026, S. 12–13).
Auch in Fällen, wo ein/e Ehepartner·in oder ein Kind selbst nicht durch ein Notstandsdekret entlassen worden sei, sei die Person in 29,7 Prozent der Fälle aufgrund der Entlassung der befragten Person diskriminiert worden. Die Befragten hätten unter anderem geschildert, dass staatliche Banken Transaktionen der Familie unterbunden hätten, ein·e Ehepartner·in aus einem Doktoratsprogramm gedrängt worden sei, einem Kind wegen der Entlassung eines Elternteils der Zugang zu einem Beruf, etwa im Polizeidienst, verweigert worden sei oder der berufliche Vertrag eines Ehepartners beziehungsweise einer Ehepartnerin beendet worden sei. Bereits die Nähe zu einer entlassenen Person sei damit zu einer Ursache rechtlicher und sozialer Benachteiligung geworden (FIDU, Juni 2026, S. 27).
Zugang zu Beschäftigung und Beförderungen
Das IRB berichtet im November 2024, dem weiter oben erwähnten Senior Fellow zufolge sei Arbeitsplatzverlust eine häufigere Form der Benachteiligung von Angehörigen mutmaßlicher Gülen-Anhänger·innen. Mehreren Quellen zufolge könnten Angehörige tatsächlicher oder mutmaßlicher Anhänger·innen Schwierigkeiten beim Zugang zu Beschäftigung haben, insbesondere wenn ein·e Ehepartner·in inhaftiert sei. Eine Doktorandin der Universität Helsinki habe im Mai 2023 erklärt, diese Familien würden gesellschaftlich ausgegrenzt und als „Terroristen“ bezeichnet. Aus Sorge vor einem möglichen Arbeitsplatzverlust könne eine Person eine Scheidung erwägen, wenn gegen ihre·n Partner·in ermittelt werde (IRB, 20. November 2024).
Das niederländische Außenministerium berichtet im August 2023 unter Berufung auf eine nicht näher definierte Quelle, Angehörige tatsächlicher oder mutmaßlicher Gülen-Anhänger·innen könnten auf dem Arbeitsmarkt Herausforderungen begegnen und dadurch Beschäftigungs- oder Beförderungsmöglichkeiten verlieren. Zum Ausmaß dieser Praxis lägen keine Informationen vor (Netherlands Ministry of Foreign Affairs, August 2023, S. 45–46).
Das niederländische Außenministerium nennt im Folgebericht vom Februar 2025 den Sohn eines zwangsweise entlassenen Richters als Beispiel. Einer Quelle zufolge habe dieser aufgrund der Vergangenheit seines Vaters keine Beschäftigung im öffentlichen Dienst erhalten können (Netherlands Ministry of Foreign Affairs, Februar 2025, S. 50).
Das Finnish Immigration Service zitiert im Juni 2024 die Menschenrechtsorganisation İnsan Hakları Derneği (İHD), der zufolge Sicherheitsüberprüfungen im öffentlichen Dienst auch Familienangehörige erfassten. Mutmaßliche Verbindungen zur Gülen-Bewegung würden dabei im Einstellungsverfahren berücksichtigt. Die Organisation nenne keine ausdrückliche Rechtsgrundlage für diese Praxis (Finnish Immigration Service, Juni 2024, S. 37). Den vom Finnish Immigration Service befragten Quellen zufolge würden die türkischen Behörden über rechtliche und technische Möglichkeiten verfügen, den familiären Hintergrund jeder Person zu überprüfen und bei Bedarf Verbindungen zu Angehörigen mit mutmaßlichem Gülen-Bezug festzustellen (Finnish Immigration Service, Juni 2024, S. 39). Einem Mitglied einer zivilgesellschaftlichen Organisation zufolge erfolge die Sicherheitsüberprüfung bei Bewerbungen im öffentlichen Dienst zentral über das e-Devlet-System und beziehe Informationen über Familienmitglieder und Verwandte ein. Die Arrested Lawyers Initiative erläutere, behördliche Datenbanken enthielten Angaben zu Eltern, Kindern, Geschwistern und zum Familienstand (Finnish Immigration Service, Juni 2024, S. 40).
Das Finnish Immigration Service erläutert weiters, im öffentlichen Dienst beschäftigte Angehörige könnten Beförderungsmöglichkeiten verlieren; Kindern könne der Zugang zu Stellen insbesondere bei Militär, Polizei und Justiz verwehrt werden. Eine Sicherheitsüberprüfung könne negativ ausfallen, weil der Vater als Mitglied der Gülen-Bewegung oder der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) eingestuft werde, auch wenn die sich bewerbende Person selbst keine Verbindungen zu diesen Organisationen habe. Die Einstellungspraxis sei jedoch nicht einheitlich: Manche öffentlichen Einrichtungen würden Kinder von Personen mit Gülen-Verbindungen ohne Schwierigkeiten beschäftigen. Beim Militär, dem türkischen Wissenschafts- und Technologieforschungsrat sowie den Unternehmen Aselsan und Havelsan seien die Regeln laut einem türkischen Rechtsexperten hingegen besonders streng. Ein Vertreter einer Monitoringorganisation habe angegeben, betroffene Kinder könnten Arbeit im Privatsektor finden. Mehrere Quellen beschrieben die mündliche Prüfung beziehungsweise das Bewerbungsgespräch für den öffentlichen Dienst als Mittel, Angehörige trotz guter schriftlicher Ergebnisse auszuscheiden. Als Gründe würden etwa Maßnahmen gegen Eltern oder Ehepartner·innen während des Ausnahmezustands, die Beschäftigung der Mutter als Köchin an einer Gülen-nahen Schule oder der Schulabschluss eines Geschwisters an einer solchen Einrichtung herangezogen (Finnish Immigration Service, Juni 2024, S. 40–44).
SCF führt im Juli 2024 aus, die oben beschriebene Aufnahme in schwarze Listen könne auch den Zugang zu Beschäftigung verhindern. Der ehemalige Basketballspieler Enes Kanter Freedom habe angegeben, seine Geschwister hätten in der Türkei keine Arbeit finden können und seien zudem an der Ausreise gehindert worden. Der Menschenrechtsverteidiger und Oppositionspolitiker Ömer Faruk Gergerlioğlu habe erklärt, die Maßnahmen nach dem Putschversuch hätten nicht nur Personen betroffen, gegen die wegen Gülen-Verbindungen ermittelt worden sei; einen Großteil der Folgen hätten deren Familien getragen (SCF, 15. Juli 2024, S. 79–80).
Bildung, Sozialleistungen und gesellschaftliche Ausgrenzung
Das niederländische Außenministerium berichtet im Februar 2025, Angehörige tatsächlicher oder mutmaßlicher Gülen-Anhänger·innen könnten im sozialen Leben benachteiligt werden. Eine Quelle habe von Fällen gehört, in denen ihnen der Zugang zu bestimmten sozialen Dienstleistungen verweigert worden sei (Netherlands Ministry of Foreign Affairs, Februar 2025, S. 50).
Das Finnish Immigration Service beschreibt im Juni 2024 Folgen für Bildung und soziale Leistungen. Bildungseinrichtungen unterzögen Studierende laut einem Forschenden grundsätzlich keiner Sicherheitsüberprüfung; Polizei- und Militärschulen würden eine Ausnahme bilden. Ein türkischer Rechtsexperte habe erklärt, Kinder von Personen mit Gülen-Verbindungen würden auf schwarze Listen gesetzt und von bestimmten Schulen, darunter Polizei- und Militärakademien, ausgeschlossen. Der Arrested Lawyers Initiative zufolge könnten Kinder verurteilter oder entlassener Angehöriger der Bewegung von Stipendien und bestimmten sozialen Angeboten ausgeschlossen werden. Die Organisation berichte außerdem über Benachteiligungen entlassener Staatsbediensteter und ihrer Familien bei Hochschulzulassungen und Studiengebühren. Ein türkischer Rechtsexperte habe angegeben, betroffenen Kindern würden Stipendien und Leistungen verweigert, die allen Studierenden zustünden. Einer weiteren im Bericht zitierten Quelle zufolge könnten auch bereits gewährte Stipendien für die Primar- oder Hochschulbildung wegen mutmaßlicher Gülen-Verbindungen der Eltern gestrichen werden (Finnish Immigration Service, Juni 2024, S. 40–44).
Das IRB berichtet im November 2024 unter Berufung auf den oben erwähnten Senior Fellow, Angehörige mutmaßlicher Gülen-Anhänger·innen seien auch sozial ausgegrenzt worden. Als Beispiel habe er eine Frau genannt, deren Ehemann aus der Türkei geflohen sei. Sie habe Schwierigkeiten gehabt, Medikamente für ihren Sohn zu erhalten, weil Ärzt·innen nicht namentlich auf einem Rezept für das Kind erscheinen wollten (IRB, 20. November 2024).
Trend Rights veröffentlicht im Mai 2025 einen persönlichen Erfahrungsbericht einer Person, die als Krankenpflegekraft tätig gewesen und durch ein Notstandsdekret entlassen worden sei. Diese schildere, Nachbar·innen hätten die Familie nicht mehr gegrüßt und deren Kinder nicht mehr mit ihren Kindern gespielt. Ihre Tochter habe in der Mittelschule Schikanen durch Lehrkräfte und Mitschüler·innen erlebt. Nach dem Wechsel an eine weiterführende Schule hätten Freund·innen sie schikaniert und die Familie beleidigt, nachdem sie von deren Situation erfahren hätten. Daraufhin habe die Tochter die Schule verlassen und ihre Ausbildung im Fernunterricht fortgesetzt. Nach Beginn ihres Studiums habe eine Lehrkraft während der Einführungswoche erklärt, unter den Studierenden befänden sich weiterhin Personen aus dem betreffenden Umfeld; gegen diese würden nach Vollendung des 18. Lebensjahres Maßnahmen eingeleitet. Die berichtende Person habe diese Äußerung als unmittelbar gegen die Tochter gerichtete Drohung verstanden, da diese die einzige minderjährige Person in der Klasse gewesen sei. Später sei die berichtende Person mit ihren Kindern in die Niederlande gegangen, während ihr Ehepartner in der Türkei zurückgeblieben sei (Trend Rights, 26. Mai 2025).
SCF berichtet im September 2022 unter Berufung auf Bold Medya, dem schwer behinderten 15-jährigen Yakup Ali Çetin seien Unterstützungsleistungen verweigert worden, weil sein Vater wegen mutmaßlicher Gülen-Verbindungen festgenommen worden sei. Der Jugendliche benötige besondere Betreuung zu Hause sowie häufige Krankenhausbehandlungen. Seine Mutter, die ihn hauptsächlich betreue, verfüge über kein Einkommen. Nach der Festnahme des Vaters habe sich die finanzielle Lage der Familie erheblich verschlechtert. Die Sozialbehörde in Konya habe den im Februar gestellten Leistungsantrag nach einer Prüfung der familiären Verhältnisse mit der Begründung abgelehnt, die Familie benötige keine Hilfe. Die Mutter habe die Entscheidung auf die Situation ihres Ehemanns und staatliche Diskriminierung zurückgeführt. Zudem hätten die Behörden die finanzielle Unterstützung für die Familie der 29-jährigen Nurbanu Aydın, die an einer spastischen tetraplegischen Zerebralparese leide, eingestellt, nachdem ihr Vater wegen Gülen-Verbindungen festgenommen worden sei (SCF, 16. September 2022).
SCF berichtet im August 2025 über die Folgen der Entlassungsmaßnahmen nach dem Putschversuch für Kinder. Die schwer behinderte 16-jährige Nurefşan Ketenci habe eine öffentliche Förderschule verlassen müssen, weil ihr Vater für eine nach dem Putschversuch 2016 durch Regierungsdekret geschlossene Einrichtung gearbeitet habe. SCF führe dies auf dessen mutmaßliche Gülen-Verbindungen zurück. Die Schule habe sie rechtlich nicht ausschließen können, jedoch habe die Schulleitung die Familie unter Druck gesetzt, sie abzumelden (SCF, 15. August 2025, S. 37).
Schutzwilligkeit und Schutzfähigkeit des türkischen Staates bei privater Diskriminierung
In den konsultierten Quellen konnten im Rahmen der zeitlich begrenzten Recherche nur wenige Informationen zur Schutzwilligkeit und Schutzfähigkeit des türkischen Staates bei privater Diskriminierung aufgrund der Verwandtschaft mit mutmaßlichen Gülen-Anhänger·innen gefunden werden. Die nachfolgenden Angaben betreffen die verwaltungsgerichtliche Überprüfung eines Berufszulassungsentzugs sowie die verfassungsgerichtliche Prüfung staatlicher Schutzpflichten im Zusammenhang mit der anschließenden Kündigung durch einen privaten Arbeitgeber.
Das türkische Verfassungsgericht behandelt in einer Entscheidung vom April 2025 den Fall eines bei einem privaten Unternehmen beschäftigten Sicherheitsmitarbeiters. Nach einer Sicherheitsüberprüfung seien ihm im November 2017 der Berufsausweis und die Arbeitserlaubnis entzogen worden, weil seine Ehefrau Mitglied eines wegen mutmaßlicher Gülen-Verbindungen geschlossenen Vereins gewesen sei. Daraufhin habe der Arbeitgeber ihn entlassen. Das Verwaltungsgericht habe den Zulassungsentzug später rechtskräftig aufgehoben, da keine nachteiligen Feststellungen zum Betroffenen selbst vorgelegen hätten und die Angaben zur Ehefrau nicht gegen ihn verwendet werden könnten. Seit November 2020 sei er unmittelbar bei der Universität beschäftigt gewesen, an der er zuvor als Mitarbeiter des privaten Unternehmens tätig gewesen sei (Entscheidung des Verfassungsgerichts mit der Beschwerdenummer 2019/19453, 30. April 2025, Absätze 2–7).
Das türkische Verfassungsgericht erläutert in der Entscheidung vom April 2025, es habe die Kündigung unter dem Gesichtspunkt der staatlichen Schutzpflichten bei privaten Arbeitsverhältnissen geprüft. Die Arbeitsgerichte hätten ihrer Bewertung teilweise unzutreffende beziehungsweise nicht ausreichend geklärte Angaben zugrunde gelegt und die gerichtliche Aufhebung des Zulassungsentzugs nicht berücksichtigt. Eine sorgfältige Prüfung und hinreichende Begründung seien damit nicht gewährleistet gewesen. Das Gericht habe eine Verletzung des Rechts auf Achtung des Privatlebens festgestellt und eine erneute Verhandlung angeordnet (Entscheidung des Verfassungsgerichts mit der Beschwerdenummer 2019/19453, 30. April 2025, Absätze 12–19, 22).
Strafrechtliche Ermittlungen und Verfahren gegen Angehörige: Bedeutung der Familienzugehörigkeit
Zur Einleitung von Strafverfahren ausschließlich aufgrund der Familienzugehörigkeit konnten nur wenige Informationen gefunden werden. Die nachfolgenden Quellen enthalten Angaben zu Ermittlungen, die dem familiären Hintergrund zugeschrieben werden, sowie zu weiteren strafrechtlichen Maßnahmen gegen Angehörige mutmaßlicher Gülen-Anhänger·innen. Sofern die Behörden die Ermittlungen auch mit anderen Verdachtsmomenten begründen, wird dies im Folgenden angeführt.
Angaben zu Ermittlungen aufgrund familiärer Beziehungen
Das Finnish Immigration Service berichtet im Juni 2024 unter Berufung auf einen türkischen Rechtsexperten, gegen zahlreiche Kinder bekannter Personen aus dem Umfeld der Bewegung seien nach Erreichen des Strafmündigkeitsalters wegen ihres familiären Hintergrunds Ermittlungen eingeleitet worden. Offiziell würden die Behörden diese jedoch mit der Nutzung von ByLock (einer verschlüsselten Smartphone-Messaging-App), einem Konto bei der Bank Asya oder Verbindungen zu sogenannten „payphone investigations“ begründen. Dass die Aktivitäten der Eltern den Ermittlungen zugrunde lägen, werde in den Dokumenten nicht ausdrücklich festgehalten (Finnish Immigration Service, Juni 2024, S. 18). Eines der Kriterien, anhand derer Personen mit der Gülen-Bewegung in Verbindung gebracht würden, sei, dass ein Familienmitglied die ByLock-Anwendung heruntergeladen habe (Finnish Immigration Service, Juni 2024, S. 23). Laut einem internationalen Experten für das türkische Rechtssystem würden die Behörden bei der Abfrage personenbezogener Informationen, etwa von ByLock-Daten, entsprechende Angaben auch zu Familienmitgliedern anfordern. Ergäben sich daraus Verbindungen zur Gülen-Bewegung, könnten diese ebenfalls strafrechtlich verfolgt werden (Finnish Immigration Service, Juni 2024, S. 40).
Solidarity with Others berichtet im Juni 2025 über die Kriminalisierung familiärer Beziehungen in der Türkei. Ermittlungen gegen Kinder und Jugendliche würden teilweise auf frühere Aktivitäten ihrer Eltern statt auf eigene strafbare Handlungen gestützt. Gegen eine Zwölfjährige seien allein aufgrund elterlicher Aktivitäten Kommunikationsüberwachung und technische Überwachungsmaßnahmen beantragt worden, ohne konkrete Belege für ihre Beteiligung an Straftaten (Solidarity with Others, Juni 2025, S. 1–3). Weiters seien Minderjährige wegen des Besuchs einer Wohnanlage oder eines Einkaufszentrums befragt worden; als Verdachtsgründe hätten frühere Ermittlungen, Vereinsmitgliedschaften oder Banktransaktionen ihrer Eltern gedient (Solidarity with Others, Juni 2025, S. 7–8).
Ausgewählte Fallbeispiele sind im Anhang wiedergegeben. Weitere Fallanalysen finden Sie im genannten Bericht von Solidarity with Others:
· Solidarity with Others: Criminalization of Family Ties, A Systematic Human Rights Violation in Türkiye, Juni 2025
https://solidaritywithothers.com/wp-content/uploads/2025/07/EN_Family-Ties_Report_formatted_FINAL_web.pdf
Die türkische Nachrichtenseite Velev berichtet in einem Artikel vom September 2024 über ein Strafverfahren gegen 41 Personen wegen mutmaßlicher Mitgliedschaft in einer terroristischen Organisation. Im Zuge der Ermittlungen zu Gülen-Verbindungen seien auch Minderjährige überwacht und befragt worden. Studierenden seien aufgrund der Entlassung ihrer Eltern durch Notstandsdekrete Stipendien und Plätze in staatlichen Wohnheimen verweigert worden. Unter anderem seien das gemeinsame Anmieten von Wohnungen sowie Kino- und Einkaufszentrumsbesuche und gemeinsames Bowling anschließend als Hinweise auf eine Organisationsmitgliedschaft gewertet worden. Auch die Eltern seien beschuldigt worden: Die Anklageschrift gehe davon aus, dass Minderjährige ohne elterliche Zustimmung nicht an den Aktivitäten hätten teilnehmen können und ihre Eltern daher wissentlich eine Beteiligung an der mutmaßlichen Organisationsstruktur erlaubt hätten. Für die Verhandlung habe man vorgesehen, 15 Mädchen im Alter von 13 bis 17 Jahren zwangsweise als Zeuginnen vorzuführen und gegen ihre Familien aussagen zu lassen. Betroffene hätten zudem berichtet, bei polizeilichen Befragungen ohne anwaltlichen Beistand psychischem Druck ausgesetzt gewesen zu sein (Velev, 20. September 2024).
Weitere Fälle strafrechtlicher Maßnahmen gegen Angehörige
Das niederländische Außenministerium berichtet im August 2023, Angehörige hochrangiger Gülen-Anhänger·innen seien besonders gefährdet, ins Visier der türkischen Behörden zu geraten. Diese bereits in den beiden vorherigen Berichten beschriebene Situation bestehe im Berichtszeitraum fort. Beispielsweise habe der türkische Nachrichtendienst MİT [Millî İstihbarat Teşkilâtı] Selahaddin Gülen, einen Neffen des Anführers der Gülen-Bewegung, im Mai 2021 aus Kenia in die Türkei gebracht. Am 21. März 2022 sei er wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Organisation zu drei Jahren und vier Monaten Haft verurteilt worden. Laut Anadolu Agency seien Asiye Gülen, eine Nichte des Anführers der Bewegung, und ihr Ehemann am 24. Juni 2023 in Istanbul festgenommen worden. Dabei seien US-Ein-Dollar-Scheine mit dem Anfangsbuchstaben „F“ in der Seriennummer beschlagnahmt worden, deren Besitz die Behörden als Hinweis auf Gülen-Verbindungen betrachtet hätten. Der Buchstabe stehe angeblich für Fethullah Gülen, der die Scheine gesegnet und unter seinen Anhänger·innen verteilt habe. Das niederländische Außenministerium verweist zudem auf einen Bericht der für ihre islamische Ausrichtung und Regierungsnähe bekannten Zeitung Yeni Şafak vom 14. Juli 2023 über die Festnahme eines weiteren Neffen, Selman Gülen, seiner Ehefrau und deren Eltern in Istanbul. Nach Angaben der türkischen Polizei hätten die vier Personen auf Anweisung Gülens und anderer Geld auf ein Konto bei der Bank Asya eingezahlt (Netherlands Ministry of Foreign Affairs, August 2023, S. 45–46).
Das niederländische Außenministerium berichtet im Folgebericht vom Februar 2025, insbesondere Angehörige hochrangiger Gülen-Anhänger·innen könnten weiterhin ins Visier der türkischen Behörden geraten. Beispielsweise hätten diese die 78-jährige Mutter des prominenten Gülen-Anhängers und ins Ausland geflohenen Unternehmers Akın İpek inhaftiert (Netherlands Ministry of Foreign Affairs, Februar 2025, S. 50).
SCF schildert außerdem den Fall Sermet Şükürs, des Vaters des ehemaligen Fußballspielers und Abgeordneten Hakan Şükür. Sermet Şükür sei aufgrund mutmaßlicher Verbindungen zur Gülen-Bewegung wegen Unterstützung einer terroristischen Organisation zu einer Haftstrafe verurteilt worden (SCF, 15. Juli 2024, S. 83). SCF berichtet zudem, gegen Mehmet Kanter, den Vater von Enes Kanter Freedom und ehemaligen Professor der Universität Istanbul, seien Terrorismusvorwürfe erhoben worden. Er sei sieben Jahre inhaftiert gewesen und 2020 von sämtlichen Anklagepunkten freigesprochen worden (SCF, 15. Juli 2024, S. 84). SCF schildert weiters unter Bezugnahme auf den Menschenrechtsbericht des US-Außenministeriums für 2016 den Fall Hacer Korucus, der Ehefrau des Journalisten Bülent Korucu. Die Polizei habe sie am 30. Juli 2016 festgenommen, nachdem sie ihren Ehemann nicht angetroffen habe. Ihr sei mitgeteilt worden, sie werde festgehalten, bis dieser sich stelle. Am 9. August 2016 sei sie in Untersuchungshaft genommen worden. Bei weiteren Besuchen im Haus der Familie habe die Polizei auch den Kindern mit Haft gedroht. Nach längerer Haft sei Hacer Korucu bis zum Abschluss des Strafverfahrens unter einer Ausreisesperre freigelassen worden (SCF, 15. Juli 2024, S. 84–85).
Das IRB berichtet im November 2024 unter Berufung auf den oben erwähnten Senior Fellow, Angehörige hätten auch polizeiliche Hausdurchsuchungen erlebt. In einem Fall sei der Bruder einer nach dem Putschversuch in die USA geflohenen Person in der Türkei festgenommen worden. Zudem hätten die Behörden das Haus ihrer Mutter durchsucht und diese befragt. Laut einem Rechtsanwalt und Leiter der Arrested Lawyers Initiative würden die türkischen Behörden zum Zeitpunkt der Aussage weiterhin ähnlich gegen Ehepartner·innen von Personen mit Verbindungen zur Bewegung vorgehen wie unmittelbar nach dem Putschversuch, möglicherweise jedoch weniger intensiv. Am 18. Oktober 2022 seien 704 Personen, darunter mehr als 250 Frauen, wegen des Austauschs von Lebensmitteln oder Geld untereinander festgenommen worden. Die meisten Frauen seien Angehörige von Personen gewesen, die wegen ihrer Verbindungen zur Gülen-Bewegung inhaftiert seien. Es handle sich nicht um einen Einzelfall; die Polizei führe regelmäßig derartige Einsätze unter dem Vorwand der Bekämpfung von Terrorismusfinanzierung durch (IRB, 20. November 2024).
Weitere Rechtsbeschränkungen und gerichtlicher Rechtsschutz
Die nachfolgenden Quellen enthalten Informationen zu Kündigungen, Passbeschränkungen und deren gerichtlicher Überprüfung. Zu den Verfahrensabläufen und Rechtsbehelfen bei den zuvor beschriebenen Beschränkungen des Bildungszugangs, von Stipendien und Sozialleistungen sowie zu den Ergebnissen solcher Verfahren konnten nur wenige Informationen gefunden werden. Zu den Verfahren bei Vermögensbeschränkungen und der Herausnahme von Pflegekindern konnten keine näheren Informationen gefunden werden.
Kündigungen im Zusammenhang mit mutmaßlichen Gülen-Verbindungen
Die staatliche türkische Nachrichtenagentur Anadolu Agency (AA) berichtet im Oktober 2021, der Kassationsgerichtshof habe die Kündigung einer Person bestätigt, deren Ehepartner wegen Gülen-Verbindungen aus dem Beruf entlassen worden sei und sich in Untersuchungshaft befunden habe. Der Arbeitgeber habe die Verdachtskündigung damit begründet, dass die beschäftigte Person die Inhaftierung ihres Ehepartners verschwiegen habe und die Einrichtung von strategischer Bedeutung sei. Der Gerichtshof habe eine zuvor angeordnete Wiedereinstellung aufgehoben und dabei die Stellung der Einrichtung, die Tätigkeit der betroffenen Person sowie die Situation des Ehepartners berücksichtigt. AA führt weiter aus, gegen die beschäftigte Person selbst sei wegen Mitgliedschaft in einer bewaffneten terroristischen Organisation ermittelt worden. Obwohl das Verfahren mangels ausreichender Beweise ohne Anklage beendet worden sei, habe der Gerichtshof bereits die Ermittlungen unabhängig von der Situation des Ehepartners als ausreichenden Grund für eine Verdachtskündigung angesehen. Die Entscheidung, keine Anklage zu erheben, beseitige den zum Kündigungszeitpunkt bestehenden Verdacht des Arbeitgebers nicht (AA, 16. Oktober 2021).
Das türkische Verfassungsgericht behandelt in einer Entscheidung vom November 2022 den Fall eines Saisonarbeiters einer Zuckerfabrik, dessen Arbeitsvertrag im Jänner 2017 wegen mutmaßlicher Gülen-Verbindungen seiner Ehefrau gekündigt worden sei. Obwohl die Gerichte keine eigenen Verbindungen des Betroffenen zur Bewegung festgestellt hätten, hätten sie die Kündigung unter Verweis auf das dadurch beeinträchtigte Vertrauensverhältnis zum Arbeitgeber zunächst bestätigt (Entscheidung des Verfassungsgerichts mit der Beschwerdenummer 2019/721, 23. November 2022, Absätze 3–7).
Das türkische Verfassungsgericht stellt in der Entscheidung vom November 2022 fest, die Kündigung habe sich ausschließlich auf Handlungen der Ehefrau gestützt. Die Gerichte hätten weder die Bedeutung der Tätigkeit des langjährig beschäftigten Arbeiters noch die Notwendigkeit der Kündigung ausreichend geprüft. Es hätten überzeugende Gründe dafür gefehlt, weshalb seine Weiterbeschäftigung die nationale Sicherheit gefährden könne. Das Gericht habe eine Verletzung des Rechts auf Achtung des Privatlebens festgestellt und eine erneute Verhandlung angeordnet (Entscheidung des Verfassungsgerichts mit der Beschwerdenummer 2019/721, 23. November 2022, Absätze 18–23, 30–32).
Passentzug und Ausreisebeschränkungen
Das IRB berichtet im November 2024 unter Bezugnahme auf die türkische Menschenrechtsorganisation İnsan Hakları Derneği und das australische Außenministerium, nach dem Putschversuch seien auch die Pässe von Ehepartner·innen und Kindern mutmaßlicher Gülen-Anhänger·innen annulliert worden. In einigen Fällen habe die Regierung Angehörigen von im Ausland befindlichen Beschuldigten die Ausstellung von Pässen verweigert oder bestehende Pässe entzogen (IRB, 20. November 2024).
SCF berichtet im Juli 2019, das türkische Verfassungsgericht habe eine nach dem Putschversuch 2016 eingeführte Regelung aufgehoben, die dem Innenministerium erlaubt habe, Ehepartner·innen von Personen mit annullierten Pässen aus Sicherheitsgründen ebenfalls die Pässe zu entziehen. Die oppositionelle Republikanische Volkspartei (CHP) habe die Bestimmung vor dem Verfassungsgericht angefochten. In einigen Fällen seien Pässe von Ehepartner·innen annulliert worden, obwohl gegen diese weder Ermittlungen noch Belege für eine Straftat vorgelegen hätten. Die Praxis sei als kollektive Bestrafung und Verletzung der Bewegungsfreiheit kritisiert worden. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung sei unklar gewesen, ob die Behörden die Gerichtsentscheidung bei der Ausstellung von Pässen für Angehörige berücksichtigen würden (SCF, 26. Juli 2019).
Das niederländische Außenministerium berichtet im August 2023, in früheren Berichten seien staatliche Maßnahmen mit nachteiligen Folgen für Angehörige tatsächlicher oder mutmaßlicher Gülen-Anhänger·innen dokumentiert worden, darunter die Einziehung von Pässen und die Ablehnung von Passanträgen. Laut einer Quelle seien im betreffenden Berichtszeitraum nach den verfügbaren Informationen nur wenige oder möglicherweise keine Angehörigen von solchen Maßnahmen betroffen gewesen (Netherlands Ministry of Foreign Affairs, August 2023, S. 45–46).
Das türkische Verfassungsgericht behandelt in einer Entscheidung vom Februar 2024 den Fall Tuba Karahans, deren Pass wegen eines Strafverfahrens gegen ihren Ehemann aufgrund mutmaßlicher Gülen-Verbindungen und dessen Flucht annulliert worden sei. Ein administrativer Vermerk habe sie daran gehindert, eine berufliche Auslandsreise anzutreten. Gegen sie selbst habe weder ein strafrechtliches Ermittlungsverfahren noch eine gerichtliche Ausreisesperre bestanden (Entscheidung des Verfassungsgerichts mit der Beschwerdenummer 2019/39517, 7. Februar 2024, Absätze 2–3, 13, 16; ergänzend Absätze 13–18, 20).
Das türkische Verfassungsgericht stellt in der Entscheidung vom Februar 2024 fest, die Behörden und Gerichte hätten weder die Gründe für die Beschränkung ausreichend auf die Betroffene bezogen noch geprüft, ob deren Voraussetzungen weiterhin vorgelegen hätten. Die langjährige, ausschließlich auf einer Verwaltungsmaßnahme beruhende Beschränkung sei nicht verhältnismäßig gewesen. Das Gericht habe eine Verletzung des Rechts auf Achtung des Privatlebens festgestellt und ihr eine Entschädigung von 18.000 türkischen Lira für immateriellen Schaden zugesprochen (Entscheidung des Verfassungsgerichts mit der Beschwerdenummer 2019/39517, 7. Februar 2024, Absätze 14–18, 21).
Quellen: (Zugriff auf alle Quellen am 16. Oktober 2026)
· AA – Anadolu Agency: Yargıtay, eşi FETÖ'den ihraç edilmiş çalışanını 'şüphe feshi' ile işten çıkaran işvereni haklı buldu [Der Kassationsgerichtshof gab einem Arbeitgeber recht, der eine Beschäftigte wegen Verdachts gekündigt hatte, deren Ehepartner wegen mutmaßlicher FETÖ-Verbindungen entlassen worden war, und berief sich dabei auf eine „Kündigung aufgrund von Verdacht“], 16. Oktober 2021
https://www.aa.com.tr/tr/gundem/yargitay-esi-fetoden-ihrac-edilmis-calisanini-suphe-feshi-ile-isten-cikaran-isvereni-hakli-buldu/2393885
· Entscheidung des Verfassungsgerichts mit der Beschwerdenummer 2019/721 (AYM'nin 2019/721 başvuru numaralı kararı), veröffentlicht von Hukuki Haber, 23. November 2022
https://www.hukukihaber.net/aymnin-2019721-basvuru-numarali-karari
· Entscheidung des Verfassungsgerichts mit der Beschwerdenummer 2019/39517 (AYM Başvuru No: 2019/39517), veröffentlicht von Librum, 7. Februar 2024
https://librumhukuk.com/karar/anayasa-mahkemesi/1153/aym-bireysel-basvuru-tuba-karahan-b-no-2019-39517/
· Entscheidung des Verfassungsgerichts mit der Beschwerdenummer 2019/19453 (AYM'nin 2019/19453 başvuru numaralı kararı), veröffentlicht von Hukuki Haber, 30. April 2025
https://www.hukukihaber.net/aymnin-201919453-basvuru-numarali-karari
· FIDU – Federazione Italiana Diritti Umani: Civil Death in Practice, A Legal and Empirical Assessment of Turkey’s Post-2016 Purges, Juni 2026
https://fidu.it/wp-content/uploads/Civil-Death-in-Practice_-A-Legal-and-Empirical-Assessment-of-Turkeys-Post-2016-Purges-FIDU.pdf
· Finnish Immigration Service: Turkey; Individuals associated with the Gülen movement; The Finnish Immigration Service’s fact-finding mission to Ankara and Istanbul 2 – 6 October 2023, Juni 2024
https://migri.fi/documents/5202425/5914056/FIS_Turkey_Individuals+associated+with+the+G%C3%BClen+movement_June_2024+(2).pdf/a14fa35f-a65a-9339-e331-fec99e9cd8c3/FIS_Turkey_Individuals+associated+with+the+G%C3%BClen+movement_June_2024+(2).pdf?t=1723630918594
· IRB – Immigration and Refugee Board of Canada: Türkiye: Treatment of family members of suspected current and former Hizmet supporters [Gülen supporters; Gülenists] in Türkiye; treatment of returnees, including whether particular profiles of current or former supporters face greater risks upon return; ability of the Turkish authorities to monitor suspected Hizmet supporters abroad (2021 - June 2024) [TUR201739.E], 20. November 2024
https://www.ecoi.net/en/document/2120188.html
· Netherlands Ministry of Foreign Affairs: General Country of Origin Information Report on Türkiye, August 2023
https://www.ecoi.net/en/file/local/2100485/General%20COI%20report%20Turkiye%20(August%202023).pdf
· Netherlands Ministry of Foreign Affairs: General Country of Origin Information Report on Türkiye, Februar 2025
https://www.government.nl/site/binaries/site-content/collections/documents/2025/02/24/general-country-of-origin-information-report-on-turkiye-february-2025/General+Country+of+Origin+Information+Report+on+Turkiye.pdf
· SCF – Stockholm Center for Freedom: Top court cancels regulation used to revoke passports of suspects’ spouses, 26. Juli 2019
https://stockholmcf.org/top-court-cancels-regulation-used-to-revoke-passports-of-suspects-spouses/
· SCF – Stockholm Center for Freedom: Turkish authorities deny financial assistance to severely disabled teenager due to father’s links to Gülen movement, 16. September 2022
https://stockholmcf.org/turkish-authorities-deny-financial-assistance-to-severely-disabled-teenager-due-to-fathers-links-to-gulen-movement/
· SCF – Stockholm Center for Freedom: Family Punishment in Turkey: How Erdoğan Uses the Nazi Practice of Sippenhaft, 15. Juli 2024
https://stockholmcf.org/wp-content/uploads/2024/07/Family-Punishment-in-Turkey.pdf
· SCF – Stockholm Center for Freedom: The Forgotten Victims: Children of Turkey’s Post-Coup Purge, 15. August 2025
https://stockholmcf.org/wp-content/uploads/2025/08/The-Forgotten-Victims-Children-of-Turkeys-Post-Coup-Purge.pdf
· Solidarity with Others: Criminalization of Family Ties, A Systematic Human Rights Violation in Türkiye, Juni 2025
https://solidaritywithothers.com/wp-content/uploads/2025/07/EN_Family-Ties_Report_formatted_FINAL_web.pdf
· Trend Rights: Kızımı Üniversiteye Başladığı Hafta Öğretmeni Tehdit Etti [Meine Tochter wurde in der Woche, in der sie ihr Studium begann, von ihrer Lehrerin bedroht], 26. Mai 2025
https://www.trendrights.com/tr/blog/kizimi-ueniversiteye-basladigi-hafta-oegretmeni-tehdit-etti
· Velev: Sinemaya gitmek, AVM’de dolaşmak, bowling oynamak ‘örgüt üyeliği’ oldu: 7 soruda ‘Liseli Çocuklar Davası’ [Ins Kino gehen, durch ein Einkaufszentrum bummeln, bowlen spielen – all das ist zur ‚Mitgliedschaft in einer Organisation‘ geworden: Der Fall der ‚Gymnasiasten‘ in 7 Fragen], 20. September 2024
https://velev.press/gundem/sinemaya-gitmek-avmde-dolasmak-bowling-oynamak-orgut-uyeligi-oldu-7-soruda-kiz-cocuklari-davasi/
Anhang: Quellenbeschreibungen und Informationen aus ausgewählten Quellen
Die Federazione Italiana Diritti Umani (FIDU), „Italienische Föderation für Menschenrechte“, ist eine gemeinnützige Organisation mit Sitz in Rom, die sich für die Förderung und den Schutz der Menschenrechte einsetzt.
· FIDU – Federazione Italiana Diritti Umani: Civil Death in Practice, A Legal and Empirical Assessment of Turkey’s Post-2016 Purges, Juni 2026
https://fidu.it/wp-content/uploads/Civil-Death-in-Practice_-A-Legal-and-Empirical-Assessment-of-Turkeys-Post-2016-Purges-FIDU.pdf
„e. Family and Social Spill-Over Effects
Civil death, under the emergency regime, was not confined to the individual. It radiated outward to spouses, children, and extended family members through:
• The loss of social security and health insurance, • Denial of a range of social benefits, including those provided to disabled persons and disaster victims, • Obstacles to education and scholarships, • Obstacles to employment in public sector jobs and other regulated professions, • Social stigmatisation and informal surveillance, • The removal of foster children from families on security grounds.“ (FIDU, Juni 2026, S. 12-13)
„A second mechanism reached even those relatives who were never themselves dismissed. Nearly three in ten respondents (29.7%) reported that a spouse or child, though holding no KHK [Kanun Hükmünde Kararname] status of their own, had faced discrimination because of the respondent's. They described public banks closing off the family's transactions, a spouse pushed out of a doctoral programme, a child refused entry to a profession such as policing on account of a parent's dismissal, a spouse's professional contract terminated. Proximity to a dismissed person had itself become a source of legal and social disadvantage.“ (FIDU, Juni 2026, S. 27)
Das Finnish Immigration Service ist eine Einrichtung innerhalb des finnischen Innenministeriums, die für die Entscheidungsfindung im Rahmen von Asylverfahren zuständig ist.
· Finnish Immigration Service: Turkey; Individuals associated with the Gülen movement; The Finnish Immigration Service’s fact-finding mission to Ankara and Istanbul 2 – 6 October 2023, Juni 2024
https://migri.fi/documents/5202425/5914056/FIS_Turkey_Individuals+associated+with+the+G%C3%BClen+movement_June_2024+(2).pdf/a14fa35f-a65a-9339-e331-fec99e9cd8c3/FIS_Turkey_Individuals+associated+with+the+G%C3%BClen+movement_June_2024+(2).pdf?t=1723630918594
„The Turkish legal expert mentions that, in connection to the Gülen movement, the Turkish authorities are currently arresting students who have shared the same apartment. The expert the [sic] states that there are many examples of children of ‘well-known figures’ connected to the Gülen movement who have been investigated because of their family background after reaching the age of criminal liability. The expert notes that, officially, the authorities base these investigations on the fact that it has been discovered that the individual has used the ByLock application, possessed a bank account in Bank Asya or been linked to the so-called ‘payphone investigations’. The fact that these investigations are based on the activities of the individual’s parents is not officially stated in the documents.“ (Finnish Immigration Service, Juni 2024, S. 18)
„2.1 The list criteria for connecting an individual to the Gülen movement […]
On the basis of the information provided by one or several of the sources consulted during the fact-finding mission, the list can be complemented with the criteria that an individual […] has a family member who has downloaded the ByLock messaging application.“ (Finnish Immigration Service, Juni 2024, S. 23)
„Without explicitly referencing the law on which the practice is based, the İHD [İnsan Hakları Derneği] notes that security investigations and background checks continue with regard to public employees and extend also to their family members. On the basis this practice, the fact that individuals are allegedly associated with the Gülen movement is taken into consideration in the recruitment process.“ (Finnish Immigration Service, Juni 2024, S. 37)
„The information provided by the sources suggests that the Turkish authorities have, both, the legal and technical means to check the family background of any individual to establish a link between them and their allegedly Gülen movement affiliated relatives, if deemed expedient.“ (Finnish Immigration Service, Juni 2024, S. 39)
„As discussed above in section 4.1, when an individual applies for a job in the public sector, their family background is checked during the security vetting process on the basis of the Security Investigations and Archival Research Law (7315/2021). According to the member of a civil society organisation, the security vetting process centralised through the e-Devlet system involves the information of not only the individual directly subjected to the vetting but also their family members and relatives. While commenting on the availability of data in more general terms, the Arrested Lawyers Initiative notes the information on a particular individual’s marital and other family background be found in the official databases. When the individual’s file is opened in the official system, the file contains knowledge on their parents, children and siblings.
The international expert on the Turkish legal system mentions that when the Turkish authorities request an individual’s personal information, they also ask similar information on their families. So, for example, when the authorities request a person’s ByLock data they also request this same data on his or her family. Because of this practice, if the family members have a connection to the Gülen movement that is visible in the data, they can also be prosecuted.“ (Finnish Immigration Service, Juni 2024, S. 40)
„4.3 Are children or other family members and relatives of individuals allegedly associated with the Gülen movement targeted by the Turkish authorities?
Family members and relatives have been intimidated by the Turkish authorities and subjected to administrative and legal measures, including dismissals, confiscations of property, ‘judicial harassment’ and prosecutions, because of their family member’s alleged involvement with the Gülen movement. In addition, children and other family members of people allegedly associated with the Gülen movement can be discriminated against when applying for employment in the public sector.
The researcher states that, based on the Security Investigations and Archival Research Law (7315/2021) (see section 4.1 above), if a person applies for a job in the civil service, they have to pass a security vetting process in which any link a person may have to ’terrorism’ leads to stigmatisation and the person’s security clearance being rejected. According to the researcher, a person’s security clearance can be rejected because of his or her father who has been labelled as a member of the Gülen movement or the PKK [Kurdistan Workers’ Party] even though the person himself or herself does not have any link or relationship with said organisations. Additionally, some family members have been dismissed because of their links to a dismissed individual.
The academic researcher with knowledge on the organisation and activities of the Gülen movement estimates that the logic of associating relatives to the Gülen movement is likely limited to the immediate family and the parents and siblings of the person accused. The researcher who has studied the Gülen movement in the diaspora notes that the logic does not extend far in the extended family since, due to the size of the Gülen movement, it would be ‘extremely impractical’ for the Turkish authorities to go after the members of the extended family, such as cousins, in a systematic manner.
However, some other sources describe how also members of the extended family, such as uncles, cousins and brothers-in-law, have been targeted by the Turkish authorities. For example, the representative of an organisation monitoring the human rights situation in Turkey states that, in some cases, individuals have been targeted by the authorities on the basis that their uncle has been dismissed or charged because of his connection to a ’terrorist organisation’.
According to the academic researcher, because of the way the Gülen movement operates, if the father or the husband of a family unit is heavily involved with the movement, it is always the case that his wife and children are also involved, and it is very unusual that, for example, under-aged children would ‘break away’ from the movement. However, also other relatives of an individual allegedly associated with the Gülen movement have been considered ‘fair game’ by the Turkish authorities.
The Turkish political expert states that ‘anyone’ related to a person connected to the Gülen movement by the Turkish authorities could still face prosecution, including parents, siblings, uncles and cousins. The expert estimates that, in this respect, the situation was more arbitrary in the years immediately following the 2016 coup attempt and that the systematisation of the processing of cases connected to the Gülen movement that took place within the Turkish legal system in the last two to three years has curtailed this practice. However, the authorities still have the discretion to target and prosecute different family members in an arbitrary manner whenever it suits them. In this context, the expert emphasises the significance of the recognition of the concept of ’connection’ (iltisak) (to a terrorist organisation) by the Turkish Court of Cassation, which creates arbitrariness in the Turkish legal system, since there is no clarity on what this concept actually means and entails.
According to the experts in the Delegation of the European Union to Türkiye, the logic according to which relatives of an individual associated with the Gülen movement are targeted varies on a case-by-case basis. Some sources estimate that targeting extends further in the family in cases where the individual investigated or prosecuted has a high-ranking position within the movement. However, the experts in the EU [European Union] Delegation note that if the relative in question is in a prominent position in Turkish society, it is also possible that this person ‘will not be touched’ by the authorities. According to Neval, personal wealth can play a role, as well. If a person has money, the authorities might open an investigation against the person in question to get this money.
Sources describe the targeting of family members and relatives by the authorities as very arbitrary. According to the researcher, people in the diaspora share plenty of stories where both parents or older children have been targeted. However, there are also many stories where only one family member or only one of the spouses, often the husband, is targeted. In addition, the researcher notes that, in many cases, the authorities have targeted family members, such as parents whose children have left the country, on the basis that they have been unable to reach the ‘person of primary interest’. This practice is also discussed by the Turkish political expert, who states that the authorities can arrest family members and keep them as ‘hostages’.
According to Akıncı, family members of people convicted due to their alleged association with the Gülen movement have been discriminated against. Relatives working in the public sector might have lost out on a promotion, and their children have not been able to get a job in the public sector, especially in the military, police or judiciary. The Turkish political expert estimates that if it is discovered during the security vetting process that an individual’s father or brother has been convicted as an alleged member of the Gülen movement, this will reduce ‘dramatically’ the individual’s chances of being employed in the public sector. The representative of an organisation monitoring the human rights situation in Turkey states that children of people associate with the Gülen movement may not be selected for any public position, but they can find work in the private sphere.
Two sources say that some public institutions might employ children of people associated with the Gülen movement, but that this is not necessarily always the case. According to the Turkish legal expert, the security vetting is not so strict in some public institutions, and some of them may employ the children of those associated with the Gülen movement without an issue. But in other institutions, such as the military or TÜBİTAK (Türkiye Bilimsel ve Teknolojik Araştırma Kurumu, eng. Scientific and Technological Research Council of Turkey), or prominent companies such as Aselsan and Havelsan, the recruitment rules are very strict and, for example, these institutions and companies do not hire children of those associated with the movement. According to the international expert, children of people associated with the Gülen movement may be targeted by the authorities, but only in an informal way. According to the expert, there have been cases where the children of people associated with the Gülen movement have been employed by state institutions without any issues. However, in other cases, their situation might be different.
As discussed above, the İHD mentions that the practice of security investigations and background checks continue in the public sector and pertain also to family members of people associated with the Gülen movement. The İHD notes that children may find it difficult to obtain a job in the public sector due to this practice. According to the researcher, in general, students are not subjected to a security vetting process by educational institutions. Police and military schools form an exception, since a person has to receive a security clearance in order to get accepted in these institutions. The researcher notes that there is a particular law about the vetting process for students in military and police institutions. The Turkish legal expert states that children of people associated with the Gülen movement are ‘blacklisted’ by the state and denied entry to certain schools such as military and police academies.
Some sources mention, in particular, the civil service exam as a means to exclude children or other family members, such as spouses, of people allegedly associated with the Gülen movement from entering the civil service.
According to experts in the Delegation of the European Union to Türkiye, if a child of a person associated with the movement enters a civil service exam and advances with good scores from the written phase to the oral phase of the exam, the child can ‘fail’ the oral exam, or, in other words, be disqualified, simply because of his or her background. Also according to Ömer Faruk Gergerlioğlu, a person can ‘fail’ the oral exam or the interview phase of the civil service exam due to their background, for example, if one of their parents or their spouse was targeted during the State of Emergency or if one of their relatives is involved in Kurdish politics. Gergerlioğlu mentions further examples concerning the basis on which people have ‘failed’ the civil service exam, such as if the person’s mother has worked as a cook in a Gülen movement affiliated school or if the person’s sibling has matriculated from a Gülen movement affiliated school. According to Akıncı, when applying for civil service, a person can be ‘eliminated’ from getting in on the basis that someone close to them had been subject to judicial and administrative investigation.
The representative of a monitoring organisation mentions discrimination in certain public academies when describing the situation of children whose parents have been charged for terrorism-related crimes or have been a part of the opposition critical of the government. The representative states that even before the 2016 failed coup attempt, the children of the government’s opponents were stigmatised. For instance, the candidate selection process of the Justice Academy under the Ministry of Justice was based on checking the person’s records already many years ago. If the person’s father was part of the critical opposition this would affect his or her chances of getting accepted. According to the representative, in the Justice Academy, there is a written and an oral entrance exam. If the person receives high scores in these exams, he or she can still ‘fail’ because of his or her ethnic or religious background being considered as problematic by the state. The representative says that this is a common practice and pertains also to a person who aspires to become a teacher, a judge, a prosecutor, or a bureaucrat. The person’s whole background is being checked, including the information on which party the person’s parents are voting for. People from an unsuitable background are failed even if they have been educated in the best universities, and less capable ones are selected in their place.
According to the Arrested Lawyers Initiative, if a child’s parents are members of the movement and convicted or dismissed, the child will be deprived of some of his/her rights. The child cannot receive a scholarship and cannot benefit from some social initiatives. The child will not be prosecuted but he or she will not benefit from some social services. Additionally, citing their ‘No Country for Purge Victims’ report, the organisation mentions that ‘purged’ public servants and their families are discriminated against in relation to university admissions and tuition fees. The Turkish legal expert states that children of people associated with the Gülen movement are denied scholarships and benefits which all students are entitled to. Neval says that it is possible that the authorities might cancel a child’s primary or higher education scholarship due to their parents’ alleged association with the Gülen movement.” (Finnish Immigration Service, Juni 2024, S. 40-44)
Das Immigration and Refugee Board of Canada (IRB) ist ein unabhängiges Verwaltungstribunal, das für Entscheidungen in Asyl- und Einwanderungsverfahren zuständig ist.
· IRB – Immigration and Refugee Board of Canada: Türkiye: Treatment of family members of suspected current and former Hizmet supporters [Gülen supporters; Gülenists] in Türkiye; treatment of returnees, including whether particular profiles of current or former supporters face greater risks upon return; ability of the Turkish authorities to monitor suspected Hizmet supporters abroad (2021 - June 2024) [TUR201739.E], 20. November 2024
https://www.ecoi.net/en/document/2120188.html
„2. Treatment of Family Members of Suspected Current and Former Hizmet Supporters in Türkiye
According to the Senior Fellow, the relatives of supporters who stayed in Türkiye ‘were targeted’ during the ‘intense crackdown’ that followed the 2016 failed coup (2024-04-30). A representative of Human Rights Watch, interviewed by the Finnish Immigration Service in October and November 2023, described the situation of family members of individuals connected to the movement as ‘a form of 'collective punishment’ (Finland 2024-06, 18).
In an interview with the Research Directorate, an associate professor at a university in the UK [United Kingdom], whose research focuses on religion, politics, and the history of Türkiye, stated that the associates of a suspected Gülenist are placed in the ‘same basket’ as a suspected Gülenist, including ‘family members, friends, sympathizers, and social groups’ (Associate Professor 2024-04-26). According the Finnish Immigration Service FFM [Fact-Finding Mission] report, ‘many’ children of 'well-known figures' linked to the Gülen movement were investigated due to their ‘family background’ when they became of age; however, authorities provided other reasons for looking into these individuals such as possessing a Bank Asya account or using the ByLock application, both of which are viewed as evidence of association with the Gülen movement by the authorities (Finland 2024-06, 18, 26). A report by the Turkish human rights NGO İnsan Hakları Derneği (IHD) indicates that the ‘prominent features and consequences of emergency decree laws’ that were issued by the Turkish government following the 2016 failed coup included the cancellation of the passports of the spouses and children of public servants who were dismissed from their positions for being suspected Gülenists (IHD 2021-12, 4). Similarly, a September 2020 country information report by Australia's Department of Foreign Affairs and Trade (DFAT) notes that, following the 2016 attempted coup, authorities cancelled the passports of the family members of ‘people alleged to be associated with the Gulen movement’ (Australia 2020-09-10, para 5.26). The same source indicates that ‘[i]n some cases the government has cancelled or refused to issue passports to family members of individuals outside the country who are accused of ties to the Gulen movement’ (Australia 2020-09-10, para. 5.38).
In correspondence with the Research Directorate in 2024, a lawyer and director of the Arrested Lawyers Initiative (TALI) [3] who was speaking on their own behalf, shared a document they prepared in September 2023, which indicated that Turkish authorities continue to pursue the spouses of people associated with the movement ‘in a similar manner’ as in the aftermath of the failed coup, ‘but perhaps not as actively’ (Lawyer 2024-05-15). The same source stated that on 18 October 2022, 704 individuals, including ‘more than’ 250 women, most of whom were ‘family members’ of individuals imprisoned in Türkiye due to their connection with the Hizmet movement, were arrested for exchanging food or money amongst each other (Lawyer 2024-05-15). The lawyer indicated that this case ‘is not isolated’ and that such operations are ‘regularly’ conducted by Turkish police ‘under the pretext of fighting terrorist financing’ (2024-05-15).
Sources report that the relatives of Gülenists, including alleged Gülenists, may face challenges gaining employment (Netherlands 2023-08, 46; Finland 2024-06, 54), ‘especially families where one of the spouses is imprisoned’ (Finland 2024-06, 54). According to a PhD researcher at the University of Helsinki interviewed in May 2023 by the Finnish Immigration Service, these families are ‘excluded from society’ and ‘labelled as 'terrorists'’; as a result, ‘individuals may choose to apply for a divorce due to concerns about potential job loss when their partners are under an investigation’ (Finland 2024-06, 54). Similarly, the Senior Fellow noted that the ‘more common’ mistreatment of relatives of alleged Gülenists face is being dismissed from their place of work, but others ‘were socially ostracized,’ or ‘have had their houses raided by the police’ (2024-04-30). Examples provided by the Senior Fellow include a woman, whose husband had fled Türkiye, who had ‘trouble accessing medicine for her son,’ as doctors did not want their names on a prescription for her son; in another example, the brother of an individual who fled to the US following the coup attempt was detained in Türkiye, and authorities raided their mother's house and questioned her (2024-04-30).
The Senior Fellow indicated that the ‘social ostracism’ faced by individuals associated with the Gülen movement or Gülenists ‘was punitive,’ including in the case of lawyers required by the state to represent suspected Gülenists and spouses of Gülenists, and who were subsequently unable to access employment (2024-04-30). Similarly, Amnesty International reports that hundreds of lawyers have been ‘targeted through abusive criminal investigations and unfair prosecutions, accused of the alleged crimes of their clients’ (2021-01-23).“ (IRB, 20. November 2024)
Das Netherlands Ministry of Foreign Affairs (Ministerie van Buitenlandse Zaken, BZ) ist das niederländische Außenministerium.
· Netherlands Ministry of Foreign Affairs: General Country of Origin Information Report on Türkiye, August 2023
https://www.ecoi.net/en/file/local/2100485/General%20COI%20report%20Turkiye%20(August%202023).pdf
„The position of relatives of Gülenists (or alleged Gülenists)
The two previous country of origin information reports noted that the relatives of high-ranking Gülenists were at particular risk of being targeted by the Turkish authorities. For instance, in May 2021, the MİT [Millî İstihbarat Teşkilâtı] transported Selahaddin Gülen, a nephew of the leader of the Gülen movement, from Kenya to Türkiye. On 21 March 2022, he was sentenced to three years and four months imprisonment for membership of a terrorist organisation.
The above situation remained the same in the current reporting period. For instance, Anadolu Agency (AA) (the Turkish government’s press agency), reported that Asiye Gülen (a niece of the Gülen movement’s leader) and her husband had been detained in Istanbul on 24 June 2023. Among the items confiscated during the arrest were US one-dollar bills with serial numbers starting with the letter ‘F’. Possession of a one-dollar bill featuring an ‘F’ serial number was regarded by the Turkish authorities as evidence of links to the Gülen movement. In this context, the letter ‘F’ was claimed to symbolise Fethullah Gülen’s first name. He had reportedly blessed these bills from the US, before distributing them among his followers.
On 14 July 2023, Yeni Şafak (‘New Dawn’), a newspaper known for its Islamic perspective and support for the government, reported the detention of Selman Gülen, his wife, and her parents in Istanbul. Selman is a nephew of the leader of the Gülen movement. At the time, according to the Turkish police, these four individuals had deposited money into a Bank Asya account, at the instructions of Gülen and others.
Previously there were reports of actions taken by the Turkish government that had detrimental consequences for the relatives of Gülenists (or alleged Gülenists). In some instances, a family member had their passport confiscated, or their passport application was denied. Based on the available information, according to one source, few, if any, relatives had their passport confiscated or their passport applications denied in the current reporting period.
According to one source, the relatives of Gülenists (or alleged Gülenists) could encounter challenges in the labour market, potentially missing out on job opportunities or promotions. No information was available concerning the scale of the above-mentioned practice.“ (Netherlands Ministry of Foreign Affairs, August 2023, S. 45-46)
· Netherlands Ministry of Foreign Affairs: General Country of Origin Information Report on Türkiye, Februar 2025
https://www.government.nl/site/binaries/site-content/collections/documents/2025/02/24/general-country-of-origin-information-report-on-turkiye-february-2025/General+Country+of+Origin+Information+Report+on+Turkiye.pdf
„Relatives of Gülenists (or alleged Gülenists)
As stated in the preceding COI [Country of Origin Information] Report, relatives of senior Gülenists in particular could count on negative attention from Turkish authorities. This situation persisted during the reporting period. For example, Turkish authorities imprisoned the 78-year-old mother of Akın İpek, a prominent Gülenist. İpek was a business tycoon who had fled abroad.
Relatives of Gülenists (or alleged Gülenists) could be hindered in social and labour market interactions. For example, one source had heard that relatives of Gülenists (or alleged Gülenists) were denied access to certain social services. Another source gave the example of a judge’s son who had been forcibly dismissed. This son was not able to obtain a government job because of his father’s past.“ (Netherlands Ministry of Foreign Affairs, Februar 2025, S. 50)
Das Stockholm Center for Freedom (SCF) ist laut eigenen Angaben eine gemeinnützige Interessenvertretung einer Gruppe von türkischen Journalist·innen, die im schwedischen Exil leben und die sich für Rechtsstaatlichkeit, Demokratie und Menschenrechte mit besonderem Schwerpunkt auf der Türkei einsetzen.
· SCF – Stockholm Center for Freedom: Top court cancels regulation used to revoke passports of suspects’ spouses, 26. Juli 2019
https://stockholmcf.org/top-court-cancels-regulation-used-to-revoke-passports-of-suspects-spouses/
„Turkey’s Constitutional Court has abolished a controversial regulation that was used by Turkish authorities to revoke the passports of the spouses in some cases if their wives or husbands had their passports canceled on Thursday.
The controversial regulation was part of a government decree issued in the aftermath of a coup attempt on July 15, 2016. The regulation said the Interior Ministry could revoke the passports of the spouses for security reasons if the passports of their husbands or wives had also been revoked.
The main opposition Republican People’s Party (CHP) challenged the controversial regulation in addition to some other disputed legislation at the Constitutional Court.
Following the coup attempt, more than 150,000 people were removed from state jobs and their passports were cancelled, while in excess of 30,000 others were jailed and some 600,000 people have been investigated on allegations of terrorism due to alleged Gülen links.
The passports of the spouses of some individuals whose passports had been cancelled by the government were also cancelled despite the lack of any evidence of a crime or investigation into them. The practice attracted widespread criticism as an example of collective punishment and violating freedom of movement.
Since the failed coup, thousands of women and children have fled Turkey to Greece across the Evros River, which forms the boundary between the two countries, a route to Europe that is both illegal and dangerous.
It is unclear if Turkish authorities will take into account the top court’s decision in issuing passports to relatives of post-coup victims.“ (SCF, 26. Juli 2019)
· SCF – Stockholm Center for Freedom: Turkish authorities deny financial assistance to severely disabled teenager due to father’s links to Gülen movement, 16. September 2022
https://stockholmcf.org/turkish-authorities-deny-financial-assistance-to-severely-disabled-teenager-due-to-fathers-links-to-gulen-movement/
„Turkish authorities denied a severely disabled 15-year-old autistic teenager disability benefits because his father was arrested for alleged links to the Gülen movement, the Bold Medya news website reported.
Yakup Ali Çetin suffers from epileptic seizures and hypotonia, a degenerative muscle disease, in addition to autism. He needs special care at home and frequent treatment at a hospital. His mother, his primary caregiver, does not have any income and is eligible to receive disability benefits to take care of her son. The family’s financial situation declined considerably after Çetin’s father, Eyüp Çetin, was arrested.
Although the mother, Gülten Çetin, applied for disability benefits from the Social Welfare Directorate in Konya in February, her request was rejected. The directorate conducted an investigation into the family and concluded they ‘did not need help.’
‘I expected this decision because of my husband’s situation. I know it is very difficult for families of political prisoners to get these benefits because we are discriminated against by the state. But I applied for it because I was so desperate,’ Gülten Çetin said. […]
Turkish authorities have discriminated against disabled children due to their parents’ alleged affiliation with the movement in the past. Nurefşan Ketenci, 16, a young girl with major disabilities had been forced to leave a public special needs school in Turkey because her father used to work for an institution that was shut down by a government decree for its affiliation with the Gülen movement.
Authorities also cut financial assistance to the family of Nurbanu Aydın, a 29-year-old ‘spastic quadriplegia cerebral palsy’ patient, after her father, Muammer Aydın, was arrested for links to the movement.“ (SCF, 16. September 2022)
· SCF – Stockholm Center for Freedom: Family Punishment in Turkey: How Erdoğan Uses the Nazi Practice of Sippenhaft, 15. Juli 2024
https://stockholmcf.org/wp-content/uploads/2024/07/Family-Punishment-in-Turkey.pdf
„The systematic utilization of blacklisting as a method of kin liability in Turkey unveils a chilling reality where more than two million individuals, including alleged supporters of the Gülen movement and people associated with the Kurdish political movement, have been criminalized based on fabricated accusations, leading to their subsequent blacklisting. This disconcerting phenomenon highlights the calculated strategies employed by authoritarian regimes to suppress dissent, consolidate power, and undermine democratic institutions. Rooted in manipulating familial bonds, this method is a potent instrument through which the Erdoğan regime strategically exploits emotional connections and coerces compliance. The alarming scale of this practice and its focus on the Gülen movement and the Kurdish political movement underscores the regime's commitment to perpetuating control, even at the cost of subverting fundamental human rights. At its core, blacklisting as a form of kin liability implicates family members of supporters of the Gülen movement and people associated with the Kurdish movement who have been targeted on fabricated charges. These individuals are portrayed as threats to the regime's stability, effectively associating their actions or affiliations with the perceived transgressions of their relatives.“ (SCF, 15. Juli 2024, S. 77)
„Sometimes the blacklisting goes as far as preventing family members of Gülen movement supporters from being employed. Renowned former NBA [National Basketball Association] player Enes Kanter Freedom said his siblings could not find jobs in Turkey and added that they were prevented from leaving the country as well. Freedom’s family is only one of hundreds, maybe thousands, of examples. Human rights defender and opposition politician Ömer Faruk Gergerlioğlu said the post-coup purge had affected the entire society, not just individuals who were investigated on Gülen charges, and that families had borne most of the burden.“ (SCF, 15. Juli 2024, S. 79-80)
„A poignant illustration of this method is the case of Hakan Şükür and his father in Turkey. Hakan Şükür, a renowned football player and former deputy from the ruling Justice and Development Party (AKP), faced persecution due to his affiliation with the Gülen movement. As part of the regime's larger strategy to suppress opposition, arrest warrants were issued, for example, for Hakan Şükür, confiscating his properties, businesses, and bank accounts in Turkey. In a telling manifestation of kin liability, Hakan Şükür's father, Sermet Şükür, was also ensnared in this web of repression. He received a prison sentence for ‘aiding a terrorist organization’ based on his alleged links to the Gülen movement. Sermet Şükür's case illustrates the regime's calculated approach to extending repercussions to family members, leveraging their emotional connection to Hakan Şükür to generate a climate of fear and silence among dissidents.“ (SCF, 15. Juli 2024, S. 83)
„In a similar example, the father of Enes Kanter Freedom, a former professor at Istanbul University, was incarcerated for seven years on terrorism charges. Mehmet Kanter was accused of having links to the Gülen movement, but he was acquitted of all charges in 2020. After his father’s release from prison, Freedom shared his thoughts on X (formerly Twitter): ‘Wow! I could cry … Today I found out that 7 years after arresting my dad, taking him through a Kangaroo court and accusing him of being a criminal just because he is my dad, my dad has been released,’ he tweeted.“ (SCF, 15. Juli 2024, S. 84)
„In another case that was cited in the US State Department’s ‘The 2016 Country Reports on Human Rights Practices,’ the wife of journalist Bülent Korucu was arrested when the police were unable to find her husband. On July 30, 2016, shortly after the coup attempt, the police came to arrest Korucu, the editor-in-chief of the critical Yarına Bakış daily, but instead arrested his wife, Hacer Korucu. The police’s message was that she would be kept as a hostage until her husband surrendered himself. Hacer, a mother of five who had nothing to do with journalism other than being an avid reader of the daily her husband managed, was formally arrested on August 9, 2016. Police went to the Korucu home several times afterwards, threatening their children with jail as well. Hacer Korucu was released pending trial after a long detention subject to a travel ban.“ (SCF, 15. Juli 2024, S. 84-85)
· SCF – Stockholm Center for Freedom: The Forgotten Victims: Children of Turkey’s Post-Coup Purge, 15. August 2025
https://stockholmcf.org/wp-content/uploads/2025/08/The-Forgotten-Victims-Children-of-Turkeys-Post-Coup-Purge.pdf
„Nurefşan Ketenci, a 16-year-old girl born with Cri-du-chat syndrome, faced systemic discrimination in Turkey due to her father’s alleged affiliation with the Gülen movement. Cri-du-chat syndrome is a rare genetic disorder that causes severe intellectual and physical disabilities, including heart and lung complications. Nurefşan was totally disabled, reliant on oxygen support and had heart function comparable to that of a 94-year-old, according to her doctors. Despite her critical condition, Nurefşan was forced to leave a public special needs school in Turkey since her father had worked for an institution shut down by a government decree following the 2016 coup attempt. Although the school could not legally expel her, the administration pressured the family to withdraw her, effectively denying her access to education and specialized care.“ (SCF, 15. August 2025, S. 37)
Solidarity with Others ist eine 2018 gegründete, in Brüssel ansässige Menschenrechtsorganisation.
· Solidarity with Others: Criminalization of Family Ties, A Systematic Human Rights Violation in Türkiye, Juni 2025
https://solidaritywithothers.com/wp-content/uploads/2025/07/EN_Family-Ties_Report_formatted_FINAL_web.pdf
„In recent years in Türkiye, serious concerns have been raised that investigations and prosecutions conducted under the guise of combating terrorism have been carried out on the basis of individuals' social circles and, in particular, family ties, rather than whether actually they involve in criminal acts or not. The fact that this approach is also taken towards children and young people raises serious systemic issues in terms of children's rights, the presumption of innocence, and the principle of fair trial.“ (Solidarity with Others, Juni 2025, S. 1)
„Case of Z.B.G.: Criminal Procedure Code Articles 135 and 140 Measures Against a 12-Year-Old Child Due to Family Ties
Z.B.G. was born in 2012 and was 12 years old at the time of the alleged criminal act. In February 2024, she was targeted in the Girls' Investigation, in which a criminal investigation was conducted against her, as a person ‘assessed to be involved in organizational activities,’ and a measure was requested to be taken against her under CPC [Criminal Procedure Code] 135 (interception of communications) and CPC 140 (surveillance using technical devices). This request was based solely on the parents' activities in the past; no concrete evidence was presented that Z.B.G. had personally been involved in any criminal activity. The following statements were included in a report classified as ‘Confidential’ issued by the Istanbul Police Department’s Organizational Crime and Anti-Smuggling Branch on February 25, 2024:
‘Since it was assessed that the aforementioned CIC (child involved in crime) named Z.B.G. would participate in organizational activities on February 25, 2024, and since no other evidence could be obtained, since CPC Article 135 and Article 140 decisions were deemed necessary due to the urgency of the situation, the required instructions should be given.’
This text clearly shows that a 12-year-old child is subject to extensive technical surveillance measures based on the assumption that she would participate in an organizational activity that has not yet taken place and is only hypothetical. Without any actual allegations against her, the possibility of future actions is used as justification, which amounts to ‘preventive’ punishment.
The grounds for the precautionary measure against Z.B.G. are based directly on administrative and criminal proceedings against his parents in the past. The report included the following statements:
‘Her father, C.G., was identified as a BYLOCK user, had a significant increase in funds in his account at Bank Asya, which is affiliated with the organization, was a member of the Pak Education Workers Union, had a SGK (Social Security) registration, and was arrested in relation to these.’
‘Her mother, A.G., was identified as a BYLOCK user, had financial activity in Bank Asya, and was stated to have directed students to dormitories and houses belonging to the organization.’
These statements reveal that the only grounds offered for monitoring or interrogating Z.B.G. were records and testimonies from years ago related to her parents.“ (Solidarity with Others, Juni 2025, S. 2-3)
„B.M.: B.M., born in 2010, was interrogated merely for entering a residential complex with her family. The investigation documents reveal that her father was flagged due to membership in certain associations and undergoing criminal investigation, while her mother was coded as affiliated with the organization due to transactions at Bank Asya. However, none of this data involved any direct act by the child.
‘B.M. (daughter of suspect E.M.), born in 2010. Her father, M.M., was processed in investigation files 2016/160132 and 2016/152709 by the Istanbul Chief Public Prosecutor’s Office. He had membership in Gıda İhtisas Industrialists and Businessmen’s Association and Marmara Business Life Federations, both shut down under Decree-Law No. 667 due to organizational affiliation. Her mother, E.M., had suspicious account activities at Bank Asya during the period when organizational leader Fethullah GÜLEN called for deposits into the bank. According to the CD analysis report read to you, it was determined that you came to the Manzara Vadi Site in Karaağaç neighborhood, Büyükçekmece district, with your mother E.M. during the specified date and time. Who directed you to this address? Who assisted you at this residence? What kind of activity did you engage in at this location? Please explain in detail what you know.’“ (Solidarity with Others, Juni 2025, S. 7)
„S.E.: In the proceedings carried out against S.E., no personal act or behavior that could constitute a criminal offense was cited; the investigation was entirely based on the past activities of the child’s parents. Nevertheless, S.E. was interrogated solely for having gone to a shopping mall.
‘S.E., born in 2008, it was understood that the person named E.E., the mother, had a membership record in suspicious associations, and the person named O.E., the father, had a record of increased funds in his account at Bank Asya Participation Bank between 31.12.2013 and 24.12.2014, upon the order of Fethullah GÜLEN, the leader of the FETÖ/PDY [Fetullahçı Terör Örgütü / Paralel Devlet Yapılanması] Armed Terrorist Organization. According to the CD Review Protocol read to you, it was determined that on the mentioned date and time, you came to the AMF [American Machine and Foundry] Bowling and Entertainment Center located on the ground floor of Marmara Park Mall. Who directed you to this shopping center? Who accompanied you at this shopping center? What activity did you engage in at this shopping center? Please explain in detail what you know.’“ (Solidarity with Others, Juni 2025, S. 7-8)
„B.B.: In the proceedings conducted against B.B., born in 2010, no personal act or behavior that could incur criminal responsibility was cited; the investigation was shaped entirely based on the past records of the parents. B.B. was interrogated solely for having entered a residential complex.
‘B.B., born in 2010, it was determined that judicial action was taken against the person named Ü.B., the father, within the scope of investigation No. 2018/108887 by the Istanbul Chief Public Prosecutor’s Office; that there were suspicious account transactions at Bank Asya during the period when the leader of the organization, Fethullah GÜLEN, had allegedly ordered deposits; that he had a membership record in the Pak Tekstil İş Union closed by Decree Law No. 667 due to being affiliated with the organization; and that both the father and mother had SGK [Social Security] records in companies affiliated with the organization. According to the CD Review Protocol read to you, it was determined that you came to the residential complex called Manzara Vadi Site located in Karaağaç Neighborhood, Büyükçekmece District, on the specified date and time. Who directed you to this residence? Who accompanied you at this residence? What activity did you engage in at this residence? Please explain in detail what you know.’“ (Solidarity with Others, Juni 2025, S. 8)
[1] Das Silk Road Studies Program ist ein beim Institute for Security and Development Policy (ISDP) in Stockholm angesiedeltes Forschungsprogramm, das sich insbesondere mit Fragen der Sicherheit, politischen Entwicklung und regionalen Beziehungen in Zentralasien, im Kaukasus sowie in weiteren Teilen Eurasiens befasst. Gemeinsam mit dem Central Asia-Caucasus Institute (CACI), das dem American Foreign Policy Council (AFPC) in Washington, D.C., angegliedert ist, bildet es ein transatlantisches Forschungs- und Politikzentrum (Joint Transatlantic Research and Policy Center) mit Standorten in Stockholm und Washington, D.C.