Übersicht zum Land

Fläche: 187,437 km²
Hauptstadt: Damaskus
Bevölkerung:

24.261.423 (Schätzung von 2025) (CIA, 18. Jänner 2026), inklusive 7 Millionen Binnenvertriebene (UNHCR, 11. Dezember 2025), sowie circa 4,7 Millionen Flüchtlinge (Stand August 2025), die vor allem in den Nachbarländern Türkei, Libanon, Jordanien und Irak leben (UN News, 24. September 2025).

Amtssprache: Arabisch
Währung:

Syrische Lira (auch genannt Syrische Pfund) (Britannica Online Encyclopaedia, 24. Jänner 2026a)

1. Kurzüberblick

Syrien lässt sich in vier topografische Regionen unterteilen: den westlichen Küstenstreifen, die bewaldeten Berge im Nordwesten, die landwirtschaftlich genutzte Steppe, in der auch die wichtigsten Städte wie Damaskus, Aleppo, Homs, Hama und Qamischli liegen, und schließlich die Wüstenregion (Britannica Online Encyclopaedia, 24. Jänner 2026b). Diese Wüstenregion, auch Badia genannt, erstreckt sich über vier Provinzen und nimmt weite Teile des Landeszentrums ein (MEI, 17. April 2020).

Die Mehrheit der Bevölkerung ist arabisch, eine kurdische Minderheit lebt vor allem im Nordosten des Landes (-> ecoi.net-Suche zu Kurd·innen in Syrien). Darüber hinaus gibt es im Land armenische (-> ecoi.net-Suche) und turkmenische Gemeinschaften (-> ecoi.net-Suche) sowie syrischsprachige Assyrer·innen (-> ecoi.net-Suche) (Britannica Online Encyclopaedia, 24. Jänner 2026b). Schätzungen zufolge sind etwa drei Viertel der Bevölkerung sunnitische Muslim·innen, zu denen Araber·innen, Kurd·innen und andere kleinere Gemeinschaften gehören. Weitere muslimische Gruppen wie Alawit·innen (-> ecoi.net-Suche), Ismailit·nnen (-> ecoi.net-Suche) und Schiit·innen (-> ecoi.net-Suche) machen zusammen etwa 13 Prozent der Bevölkerung aus. Der Anteil der christlichen Bevölkerung (-> ecoi.net-Suche) wird auf zwischen 2,5 und 10 Prozent geschätzt (USDOS, 26. Juni 2024). Die südliche Provinz Suwaida wird größtenteils von Drus·innen (-> ecoi.net-Suche) bewohnt (Malcolm H. Kerr Carnegie Middle East Center, 29. August 2022).

Circa 57 Prozent der Bevölkerung Syriens leben in urbanen Zentren und 43 Prozent in ländlichen Gebieten (FAO, 2023).

Der Nordosten des Landes wird aufgrund der großen Zahl dort ansässiger arabischer Stämme als stammesbezogene Gesellschaft gesehen (-> ecoi.net-Suche zu Stämmen in Syrien). Aber auch in anderen Teilen des Landes, wie in der Provinz Daraa im Süden des Landes, spielen Stämme eine wichtige Rolle, obwohl im Zuge des Konflikts die Stammesverbindungen ein Stück weit an Bedeutung verloren haben. (TWI, 26. März 2019)

2. Historische Entwicklung der Konflikte

1946 wurde Syrien von Frankreich aus der Mandatsherrschaft in die Unabhängigkeit entlassen (BBC News, Stand: 14. Januar 2019). Nach Jahren politischer Instabilität kam Hafiz Al-Assad als Führer der Baath-Partei 1970 durch einen Putsch an die Macht und regierte das Land über Jahrzehnte hinweg in autoritärem Stil (CFR, 11. November 2011). Die Macht blieb weiter in den Händen der alawitischen Al-Assad-Familie als im Jahr 2000 Bashar Al-Assad, der Sohn von Hafiz, die Regierung übernahm (Al Jazeera, 10. Oktober 2011). 2011 kam es zu ersten Protesten für Demokratie in der südlichen Stadt Daraa, die sich bis zum Sommer desselben Jahres auf das ganze Land ausbreiteten. Die Regierung ging mit Gewalt gegen die Demonstrant·innen vor (BBC News, 11. März 2016; CFR, 17. März 2021). Im Laufe des Jahres 2012 entwickelte sich die Situation zu einem Bürgerkrieg, der zunehmend zu einer Spaltung der Konfliktparteien entlang religiöser und konfessioneller Linien führte (SWP, Dezember 2012, S. 2-3) und die de-facto-Autonomie der kurdischen Gebiete im Nordosten des Landes (genannt Rojava oder Democratic Autonomous Administration of North and East Syria, DAANES) zur Folge hatte (Qantara, 7. Februar 2022). Die Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) infiltrierte Syrien und etablierte 2014 ein Kalifat in Ostsyrien und im Westirak (Bertelsmann Stiftung, 23. Februar 2022, S. 5) (-> ecoi.net-Suche zum IS in Syrien). Die Türkei führte 2016, 2018 und 2019 mehrere Operationen auf syrischem Gebiet durch, um kurdische Kräfte aus dem Grenzgebiet zu verdrängen (MEE, 30. November 2022). Mit Unterstützung der libanesischen Hisbollah und folglich des Iran für die syrische Regierung, dem Eintritt von Russland in den Krieg im Jahr 2015 sowie den Invasionskampagnen der Türkei im Norden des Landes und dem Engagement der USA gegen den IS wurde Syrien immer mehr zum internationalen Schlachtfeld (CFR, 20. Dezember 2024). Mit Unterstützung der libanesischen Hisbollah und folglich des Iran für die syrische Regierung im Jahr 2013, dem Eintritt von Russland in den Krieg im Jahr 2015 sowie den Invasionskampagnen der Türkei im Norden des Landes und dem Engagement der USA gegen den IS wurde Syrien immer mehr zum internationalen Schlachtfeld (BPB, 18. Juni 2020). Während die Frontlinien mit März 2020 größtenteils erstarrten (The Carter Center, März 2022, S. 3), wurde die Zivilbevölkerung durch Fassbombenangriffe des Regimes auf Wohngebiete (SNHR, 15. April 2021) und Belagerungstaktiken einzelner Konfliktparteien in Mitleidenschaft gezogen (MSF, vermutlich 2021). Auch chemische Waffen kamen zum Einsatz (UN Security Council, 29. April 2022).

Laut Angaben der Vereinten Nationen vom Mai 2023 wurden ab Kriegsbeginn bis 2022 fast 307.000 Zivilist·innen getötet (OHCHR, 11. Mai 2023). Die syrische oppositionelle Beobachtungsstelle Syrian Observatory for Human Rights (SOHR) geht von weitaus höheren Opferzahlen aus und gibt an, dass im Laufe der zehn Jahre des Krieges etwa 606.000 Personen getötet wurden (SOHR, 1. Juni 2021). Laut dem Syrian Network for Human Rights (SNHR) sind mit März 2023 über 230.000 syrische Zivilist·innen seit Kriegsbeginn getötet worden, davon mehr als 15.000 durch Folter. Weitere 155.000 wurden laut SNHR willkürlich inhaftiert oder Opfer von Verschwindenlassen und circa 14 Millionen vertrieben (SNHR, 15. März 2023).

Die Jahre des Konflikts, das große Erdbeben 2023, die wirtschaftliche Instabilität im Libanon und in der Türkei, der Krieg in der Ukraine, sowie die Einführung strengerer US-Sanktionen und eine schwere Dürre im Land führten zu einer problematischen wirtschaftlichen Situation im Land (World Bank, Sommer 2023, S.7).

Am 27. November 2024 startete die militante islamistische Gruppe Hayat Tahrir al-Scham (HTS), deren Kontrolle sich bis dahin auf Teile der Provinzen Aleppo und Idlib beschränkt hatte, mit verbündeten Rebellenfraktionen eine Großoffensive im Nordwesten Syriens. Die Rebellen eroberten zunächst Aleppo, gefolgt von Hama und Homs (BBC News, 9. Dezember 2024). Unterdessen rückten Rebellenkräfte aus dem Süden Syriens in die Stadt Daraa vor und erlangten die Kontrolle über mehr als 90 Prozent der Provinz, während sich die Regierungstruppen sukzessive zurückzogen (Rudaw, 7. Dezember 2024). Am 8. Dezember 2024 erklärten sie den Sieg in Damaskus. Der syrische Präsident Baschar al-Assad verließ noch am selben Tag das Land und beantragte Asyl in Russland, wo ihm Aufnahme gewährt wurde (Tagesschau, 8. Dezember 2024). Anschließend übernahm HTS de facto die Kontrolle als Regierungspartei und setzte eine Übergangsregierung ein (Al Jazeera, 29. Jänner 2025). HTS-Vorsitzender Ahmad Al-Scharaa, der zuvor unter dem Nom de Guerre Abu Mohammed Al-Dscholani bekannt war (BBC News, 16. Dezember 2024), übernahm Anfang Dezember de facto die Macht in Syrien und wurde am 29. Jänner 2025 zum Übergangspräsidenten ernannt (The Guardian, 29. Jänner 2025). Weitere Informationen zu den Entwicklungen rund um den Sturz von Präsident Assad finden Sie hier.

Anfang 2026 stuften die Vereinte Nationen die Lage in Syrien weiterhin als äußerst fragil ein. Der Islamische Staat stellte weiterhin eine anhaltende Bedrohung dar; ungelöste konfessionelle und ethnische Spannungen, ausländische Kämpfer sowie ungesicherte Haftanstalten sorgten für erhebliche Sicherheitsbedenken. Zudem untergruben fortgesetzte israelische Militäraktionen im Süden Syriens laut UNO-Angaben die Souveränität und territoriale Integrität des Landes. Die Sicherheitslage im Norden und Nordosten verschlechterte sich, nachdem Dialog- und Vermittlungsversuche zwischen der syrischen Regierung und den Syrische Demokratische Kräfte (SDF) scheiterten; ein im Jänner angekündigter Waffenstillstand wurde nicht umgesetzt, und Kampfhandlungen dauerten u. a. in Hasakah und um Ain al-Arab (Kobane) an. Die humanitäre Lage blieb angespannt: Nur rund ein Viertel der Mittel für Winterhilfe war finanziert; Kampfhandlungen führten zu neuer Vertreibung, insbesondere in Aleppo sowie in den Provinzen Raqqa, Deir Ezzor (UN News, 22. Jänner 2026).

3. Regionen und Akteure

Die Übergangsregierung von Ahmad Al-Scharaa kontrolliert den Großteil des Landes (-> ecoi.net-Suche zur Übergangsregierung) (ISW & CT, Stand: 26. Jänner 2026). Die protürkische Syrische Nationalarmee (SNA) wurde Anfang 2025 in die syrische Armee integriert, doch seien ihre Kämpfer weiterhin im Norden Syriens präsent (Syria in Transition, 2025) (-> ecoi.net-Suche zur SNA). Im Süden widersetzen sich drusische Kräfte einer Integration in die neue Übergangsregierung (TWI, 6. August 2025; Syria Direct, 12. August 2025) (-> ecoi.net-Suche zu Suwaida). Der Großteil der von den kurdisch geführten Syrischen Demokratischen Kräften (SDF) kontrollierten Gebieten wurde im Jänner 2026 von der Übergangsregierung eingenommen (BBC News, 22. Jänner 2026) , wobei die SDF mit Ende Jänner weiterhin in Hasakah und nördlich von Manbidsch präsent seien (ISW & CT, Stand: 26. Jänner 2026) (-> ecoi.net-Suche zu den SDF).

Die US-Forschungsorganisationen Institute for the Study of War (ISW) und Critical Threats (CT) veröffentlichen auf folgender Webseite eine regelmäßig aktualisierte Karte mit den Kontrollgebieten der verschiedenen Konfliktparteien in Syrien:

ISW - Institute for the Study of War & CT – Critical Threats: Interactive Map: Assessed Control of Terrain in Syria, 26. Jänner 2026
https://storymaps.arcgis.com/stories/1933cb1d315f4db3a4f4dcc5ef40753a


Quellen