Dokument #1091976
ACCORD – Austrian Centre for Country of Origin and Asylum Research and Documentation (Autor)
29. April 2015
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Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) schreibt in seinen im September 2014 veröffentlichten Reisehinweisen für Tadschikistan mit Gültigkeit 27. April 2015 Folgendes zu den Haftbedingungen:
„Die Haftbedingungen sind prekär: überfüllte Zellen, mangelhafte Ernährung, Tuberkulose-Ansteckungsgefahr, etc.“ (EDA, 9. September 2014, Stand 27. April 2015)
Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), eine staatliche Entwicklungszusammenarbeitsorganisation der Bundesrepublik Deutschland, erwähnt in ihren im März 2015 aktualisierten Länderinformationen zu Tadschikistan Folgendes:
„In den Gefängnissen herrschen nach wie vor unzumutbare Verhältnisse.“ (GIZ, März 2015)
Die internationale Menschenrechtsorganisation Amnesty International (AI) schreibt in ihrem im Februar 2015 veröffentlichten Jahresbericht (Berichtszeitraum 2014 und wichtige Ereignisse von 2013), dass Folter und andere Formen von Misshandlungen weiterhin weit verbreitet gewesen seien. Tadschikische NGOs hätten 24 Fälle von Folter zwischen dem 1. Dezember 2013 und dem 8. Oktober 2014 dokumentiert. Die meisten Angehörigen und Opfer hätten jedoch aus Angst vor Repressionen davon abgesehen, Beschwerde einzulegen. Es sei wahrscheinlich, dass über viele Fälle von Folter nicht berichtet worden sei. Die strafrechtliche Verfolgung von Mitgliedern der Strafverfolgungsbehörden, die der Folter verdächtigt worden seien, sei selten gewesen und häufig eingestellt oder vor Abschluss ausgesetzt worden. Bis zum Ende des Jahres 2014 seien seit der Kriminalisierung von Folter 2012 nur vier Mitglieder der Sicherheitsbehörden wegen Folter verurteilt worden, zwei davon hätten bedingte Strafen erhalten. Tadschikistan habe die Entscheidungen von Gremien der Vereinten Nationen zu Einzelfällen nicht umgesetzt. AnwältInnen sei häufig der Zugang zu ihren MandantInnen in Haft verwehrt worden, vor allem in Einrichtungen des Staatlichen Komitees für Nationale Sicherheit. Personen, die als Gefahr für die nationale Sicherheit wahrgenommen worden seien, seien einem besonders großen Risiko ausgesetzt gewesen, in Haft ohne Kontakt zur Außenwelt gehalten, gefoltert und misshandelt zu werden. Umed Todschijew, ein Mitglied der Islamischen Partei der Wiedergeburt Tadschikistans sei am 19. Jänner 2014 im Krankenhaus verstorben. Er sei am 30. Oktober 2013 verhaftet und am 4. November 2013 angeklagt worden, eine kriminelle Gruppe organisiert zu haben. Er habe jedoch bis zum 13. November 2013 keinen Zugang zu seinem Anwalt gehabt. Seine Familie habe behauptet, er sei unter anderem Elektroschocks, Schlaf- und Essensentzug ausgesetzt gewesen. Am 5. November 2013 sei er aus dem Fenster einer Polizeistation gesprungen und habe sich dabei beide Beine gebrochen, er sei jedoch bis zum 4. Jänner 2014 nicht adäquat medizinisch versorgt worden.
AI fährt fort, dass im Februar 2014 eine Gruppe zur Überwachung der Haftbedingungen ihre Arbeit aufgenommen habe. Der Gruppe würden VertreterInnen der Zivilgesellschaft angehören. In manchen Fällen sei den NGO-VertreterInnen willkürlich der Zugang zu Hafteinrichtungen verwehrt worden:
„Torture and other ill-treatment
Torture and other ill-treatment remained widespread despite the adoption of an Action Plan to implement recommendations by the UN Committee against Torture in 2013.
Tajikistani NGOs documented 24 cases of torture between 1 December 2013 and 8 October 2014. However, most relatives and victims declined to pursue complaints for fear of reprisals. Many more cases of torture were likely to have gone unreported.
Criminal prosecutions against law enforcement officials suspected of torture were rare, and frequently terminated or suspended before completion. By the end of the year, only four security officers had been convicted of torture since its criminalization in 2012. Two of them were given suspended sentences.
In April, the investigation into allegations involving two officials suspected of torturing Ismonboy Boboev (who died in custody in February 2010) was suspended again, reportedly due to the poor health of one of the suspects.
Tajikistan failed to implement decisions by UN bodies on individual cases. In June 2013, the UN Working Group on Arbitrary Detention urged the release of Ilhom Ismonov, who had been arbitrarily detained, tortured and forced to sign a false confession in November 2010. He remained in detention at the end of the year.
Lawyers were repeatedly denied access to their clients in detention, often for days at a time. This was particularly common in facilities run by the State Committee for National Security.
Individuals perceived to be threats to national security, including members of religious movements and Islamist groups or parties, were at particular risk of incommunicado detention, torture and other ill-treatment.
Umed Tojiev, a member of the opposition Islamic Renaissance Party (IRP), died in hospital on 19 January. He had been arrested by police on 30 October 2013 in Sughd region, and charged on 4 November 2013 with organizing a criminal group, but was denied access to his lawyer until 13 November 2013. His family claimed he was subjected to suffocation, sleep and food deprivation and electric shocks. He jumped out of the Sughd police station window on 5 November 2013, breaking both his legs, but was not provided with adequate medical care until 4 January. His death, suspected to be due to criminal negligence, was still under investigation at the end of the year.
Prison conditions
In February a monitoring group on detention facilities established by the Human Rights Ombudsman began its work. The group included civil society representatives. However, in some cases NGO representatives were arbitrarily denied access to detention facilities.“ (AI, 25. Februar 2015)
In einem gemeinsamen Bericht der NGO-Koalition gegen Folter in Tadschikistan (NOTORTURE.TJ), der belgischen NGO International Partnership for Human Rights, der Weltorganisation gegen Folter (World Organisation Against Torture, OMCT) und anderer vom Februar 2015 wird angegeben, dass Folter in Tadschikistan weiterhin weit verbreitet sei. Meist komme es in den ersten Stunden in Polizeigewahrsam und in Untersuchungshaftanstalten, insbesondere in denen des Staatlichen Komitees für Nationale Sicherheit, zu Folter. Die NGO-Koalition gegen Folter in Tadschikistan habe zwischen 2011 und 2014 mehr als 100 Fälle dokumentiert, in denen Männer, Frauen und Kinder mutmaßlich gefoltert oder anderweitig misshandelt worden seien. Nur bei wenigen Fällen seien offizielle Ermittlungen eingeleitet worden, in den meisten Fällen seien nur Disziplinarverfahren eingeleitet worden. Es werde angenommen, dass viele Folteropfer aus Angst vor Repressionen keinerlei Beschwerde eingelegt hätten:
„Despite these welcome steps, torture continues to be widespread in Tajikistan. It mostly takes place during the first hours of detention in police custody and in pre-trial facilities, particularly those run by the State Committee of National Security. From 2011 to 2014, members of the NGO Coalition against Torture in Tajikistan documented more than 100 cases of men, women and children who were allegedly subjected to torture or other ill-treatment. Only in a small number of these cases, official investigations were opened, and in many cases -- whilst the incidence of torture or other ill-treatment would appear to have been confirmed, at least partly -- only disciplinary proceedings have been imposed. It is believed that many victims of torture did not file complaints for fear of reprisals.“ (NOTORTURE.TJ; International Partnership for Human Rights; OMCT; et al., 10. Februar 2015, S. 4)
Die international tätige Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) berichtet in ihrem im Jänner 2015 veröffentlichten Jahresbericht (Berichtzeitraum 2014), dass die Anwendung von Folter durch die Behörden, um Geständnisse zu erhalten, weiterhin besorgniserregend sei. Folter werde oft angewandt, um Geständnisse zu erzwingen, und die Polizei sowie ErmittlerInnen würden Häftlingen in Untersuchungshaft oft den Zugang zu Rechtsberatung verweigern. Auch HRW erwähnt den Fall von Umedschon Todschijew, der nach dreitätiger Folter aus dem Fenster einer Polizeistation im dritten Stock gesprungen und infolge seiner Verletzungen gestorben sei. Die Behörden hätten nach Forderungen der NGO-Koalition gegen Folter in Tadschikistan eine Untersuchung eingeleitet, aber zum Zeitpunkt, als HRW den Bericht verfasst habe, noch keinerlei Ergebnisse präsentiert. Nach Angaben der NGO-Koalition hätten die Behörden bei mindestens drei von sieben verdächtigen Todesfällen in Haft innerhalb der letzten vier Jahre Untersuchungen eingeleitet, aber dies habe nie zu aussagekräftigen Ergebnissen geführt:
„Authorities’ use of torture to obtain confessions remained a serious concern. […]
Criminal Justice and Torture
Torture is often used to coerce confessions and police and investigators routinely deny detainees access to counsel in pretrial custody. On January 19, 34-year-old Umedjon Tojiev, a member of the opposition Islamic Renaissance Party of Tajikistan, died in a prison hospital in Khujand in northern Tajikistan. His death followed serious injuries he sustained on November 2, 2013, after allegedly jumping from the third floor window of a police station in the northern city of Isfara. According to his lawyer and relatives, Tojiev only leapt as he had been subject to three days of torture by police, including electric shock, asphyxiation with a plastic bag, severe beatings, and sleep deprivation. Authorities had arrested him on suspicion of belonging to a banned Islamist organization. The authorities opened an investigation following calls by Tajikistan’s NGO Coalition against Torture, but had yet to present any findings at time of writing. The coalition reported that authorities have undertaken investigations regarding at least three out of seven cases of suspicious deaths in custody over the past four years, but that none have produced meaningful results. “ (HRW, 29. Jänner 2015)
Das deutsche Auswärtige Amt (AA) erwähnt in seinen Länderinformationen zu Tadschikistan mit Stand Oktober 2014 Folgendes:
„Im Vergleich zur Zeit des Bürgerkriegs hatte sich die Menschenrechtslage zunächst deutlich verbessert. Tadschikistan hat alle wichtigen Menschenrechtskonventionen der Vereinten Nationen ratifiziert. Im regionalen Vergleich steht das Land relativ gut da. Insbesondere wurde 2009 ein ‚Beauftragter der Regierung für die Wahrung der Menschenrechte‘ - ein sogenannter Ombudsmann – per Dekret des Präsidenten eingesetzt; seine Einwirkungsmöglichkeiten sind jedoch begrenzt. Defizite gibt es u.a. bei der Freiheit der Medien, bei Rechtsstaatlichkeit, Herstellung menschenwürdiger Bedingungen in Strafvollzugsanstalten sowie innerhalb der Streitkräfte. […]
Tadschikistan hatte 2012 den Sonderberichterstatter für Folter sowie den Sonderberichterstatter für das Recht auf Gesundheit der Hochkommissarin für Menschenrechte eingeladen und gewährte ihnen im Rahmen ihrer Besuche weitgehend freien Zugang zu Haftanstalten und anderen geschlossenen Institutionen.
Seit dem Jahr 2012 wurde auch eine rechtlich wirksame Definition der Folter in den Gesetzeskanon aufgenommen, die Strafen für Folter wurden verschärft und inzwischen auch einzelne Fälle vor Gericht gebracht und abgeurteilt.“ (AA, Stand Oktober 2014)
Wie die Menschenrechtsorganisation Freedom House in ihrem im Juni 2014 veröffentlichten Bericht Nations in Transit 2014 (Berichtsjahr 2013) festhält, hätten der tadschikische Sicherheitsapparat und die Justiz es versäumt, die offenbar systematische Anwendung von Folter, mysteriöse Todesfälle, Fälle von Verschwindenlassen, mögliche Morde und berichtete Verletzungen des Grundsatzes des fairen Verfahrens zu untersuchen. Es habe 2013 mehrfach Berichte über Folter gegeben, die Täter seien aber nur selten strafrechtlich verfolgt worden. Tadschikistan habe unabhängigen Stellen weiterhin den Zugang zu Gefängnissen verwehrt und habe sich geweigert, das Fakultativprotokoll zum Übereinkommen gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe zu ratifizieren.
Das Ausmaß der Repressionen habe seit der Bürgerkriegszeit (den 1990er Jahren, Anm. ACCORD) abgenommen, es herrsche aber nach wie vor ein Klima der Straflosigkeit vor. Artikel 88(3) des tadschikischen Strafgesetzbuchs enthalte ein Verbot der „Verwendung von Beweismitteln in Gerichtsverfahren, die unter Folter erzwungen“ worden seien. Jedoch habe der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR), dem Tadschikistan nicht angehöre, die Lage im Land als „bestürzend“ bezeichnet und angegeben, dass der Einsatz von Folter „systematisch, weit verbreitet und alltäglich“ sei.
Weiters berichtet Freedom House unter Berufung auf Amnesty International (AI), dass die Sicherheitsorgane unter anderem von Methoden wie Schlägen mittels Knüppeln, Faustschlägen, Fußtritten, sowie Elektroschocks, Übergießen mit kochendem Wasser und Verbrennen mittels Zigaretten und Chemikalien Gebrauch machen würden, um echte bzw. auch falsche Geständnisse zu erzwingen. MenschenrechtlerInnen hätten auch über Fälle von angedrohter oder tatsächlicher Vergewaltigung von männlichen und weiblichen Gefangenen berichtet. Derartige Misshandlungen würden auch begangen, um Personen, die um rechtlichen Schutz ansuchen könnten, einzuschüchtern:
„Throughout the year, Tajikistan’s security apparatus and judiciary failed to investigate what appeared to be systematic use of torture, mysterious deaths, disappearances and possible murders, and reported violations of due process. Reports of torture mounted in 2013, and prosecution of perpetrators were infrequent despite its explicit inclusion and definition in changes to the criminal code the previous year. Tajikistan continued to deny access to prisons to independent bodies, including the International Committee of the Red Cross (ICRC). The government also refused to ratify the Optional Protocol to the Convention against Torture (OPCAT), which would allow for a joint UN- and government-approved mechanism of prison inspections. Corruption is the main inhibitor to granting access to prisons. […]
Tajikistan’s judicial and law enforcement systems are deeply corrupt, exercise almost no independence, and, in virtually all cases, side with the state or the wealthy. Though the scale of repression has subsided since the civil war era, the ‘climate of impunity [still] prevails.’ […]
Article 88(3) of Tajikistan’s criminal code outlaws the ‘use of evidence in judicial proceedings obtained under torture.’ However, the European Court of Human Rights, of which Tajikistan is not a member, has described a ‘disturbing situation’ in the country, claiming that the use of torture is ‘systemic,’ ‘widespread,’ and ‘routine.’ […]
Amnesty International reports the use of ‘batons, truncheons, sticks, and kicking and punching’ by Tajikistan’s security forces to extract real or false confessions, as well as ‘use of electric shocks to the body, including the genitals; pouring boiling water on a detainee’s head; drenching with cold water; attaching plastic bottles filled with water or sand to the detainee’s genitals; [and] burning with cigarettes or chemicals.’ Human rights defenders also report about cases of rape or rape threats against male and female detainees.
Abuse of this kind is also used to intimidate any who may seek legal redress. During 2013, there were at least four reported cases—one involving a child—where complaints to law enforcement officials about abuse and torture led to reprisals in the form of intimidation, ill-treatment, and torture in detention centers under the auspices of the Interior Ministry and GKNB (State National Security Agency).” (Freedom House, 12. Juni 2014)
Laut einem gemeinsamen Bericht von Amnesty International (AI) und der NGO-Koalition gegen Folter in Tadschikistan vom April 2014 seien Personen, denen vorgeworfen werde, islamische ExtremistInnen zu sein, besonders von Folter und andere Formen der Misshandlung bedroht. In der überwiegenden Mehrzahl der Fälle gebe es keine unabhängigen Untersuchungen zu diesbezüglichen Beschwerden.
Trotz der in Artikel 88 der Strafprozessordnung festgeschriebenen Unzulässigkeit von unter Folter erzwungenen Beweismitteln in Gerichtsverfahren habe es in den Jahren 2012 und 2013 keine Fälle gegeben, in denen RichterInnen diese Ausschlussregelung umgesetzt hätten.
Wie AI weiter ausführt, seien bei NGOs und Anwälten in Tadschikistan zwischen 2011 und 2013 insgesamt 137 Beschwerden wegen Folter und anderer Misshandlung eingegangen. Es scheine jedoch nur in zehn dieser Fälle ordnungsgemäße Untersuchungen gegeben zu haben, wobei hierbei die Täter zumeist mit Disziplinarverfahren belangt worden seien.
Der Bericht fährt fort, dass unabhängige BeobachterInnen nach wie vor keinen Zugang zu geschlossenen Einrichtungen hätten. Im Dezember 2012 habe der tadschikische Ombudsmann für Menschenrechte vorgeschlagen, eine Arbeitsgruppe zur Überwachung von Hafteinrichtungen zu schaffen. Die Beobachtungsgruppe habe im Februar 2014 die Arbeit aufgenommen, die Verwaltungen von Hafteinrichtungen hätten NGO-VertreterInnen der Gruppe aber teilweise den Zugang verwehrt, obwohl die zuständigen Regierungsstellen über die Schaffung der Gruppe und ihre Befugnisse informiert worden seien:
„Amnesty International’s research indicates that particular targets are religious movements and Islamist groups or parties, and that people accused of being Islamist extremists are at particular risk of torture and other ill-treatment in Tajikistan. Practices of incommunicado detention, lack of safeguards against torture and other ill-treatment continue to be reported in cases which the Tajikistani authorities claim are related to national security concerns. In the vast majority of national security related cases the organizations note lack of impartial investigations into complaints about torture and other ill-treatment and impunity for the officials concerned.” (AI/NOTORTURE.TJ, April 2014, S. 5)
„The Criminal Procedural Code states in Article 88 that evidence obtained through torture should not be admissible in court, but despite several incidents where defendants alleged in court that they were tortured, in 2012 and 2013 there were no cases of judges implementing exclusionary measures.” (AI/NOTORTURE.TJ, April 2014, S. 7)
„The Tajikistani authorities regularly fail to conduct prompt, thorough and impartial investigations into allegations of torture and other ill-treatment. In the majority of documented cases where credible allegations of the use of torture and other ill-treatment exist, Prosecutors’ Offices ignore complaints from victims of human rights violations or refuse to launch criminal investigations after conducting ‘initial examinations’. […] NGOs and lawyers in Tajikistan registered 137 complaints about torture and other ill-treatment between 2011 and 2013, but fewer than ten of these allegations of torture or other ill-treatment appear to have been properly investigated. In most cases where investigations took place disciplinary proceedings have been used against the perpetrators.” (AI/NOTORTURE.TJ, 24. April 2014, S. 7-8)
„4. CONDITIONS IN DETENTION (Paragraph 14 of CAT/C/TJK/CO/2) […]
Access to closed institutions for independent monitoring is still lacking including for international organizations such as the International Committee of the Red Cross (ICRC) […]
In December 2012, the Tajikistani Human Rights Ombudsman proposed establishing a working group on monitoring places of detention. The Monitoring Group was a preliminary step towards setting up a National Preventive Mechanism (NPM) under the Optional Protocol to the Convention against Torture (Optional Protocol). […] The Monitoring Group started its work in February 2014. However, in some instances the administration of detention facilities denied access to NGO representatives belonging to the Monitoring Group even though the relevant government agencies had been informed of the Group's establishment and its powers.“ (AI/NOTORTURE.TJ, 24. April 2014, S. 13)
The US-Außenministerium (US Department of State, USDOS) hält in seinem Jahresbericht zur Menschenrechtslage in Tadschikistan vom Februar 2014 (Berichtszeitraum 2013) fest, dass zu den Menschenrechtsproblemen unter anderem harte und lebensbedrohliche Haftbedingungen gehören würden.
Folter sei gemäß der Verfassung Tadschikistans verboten. Im Jahr 2012 habe die Regierung das Strafgesetzbuch novelliert und darin einen Artikel eingeführt, in dem Folter auf völkerrechtskonforme Art definiert worden sei. Es habe jedoch weiterhin Berichte darüber gegeben, dass Schläge, Folter und andere Formen des Zwangs bei Verhören angewendet worden seien, um Geständnisse zu erpressen. Die Behörden hätten Menschenrechtsorganisationen keinen ausreichenden Zugang zu Informationen gewährt, der es ihnen erlaubt hätte, diese Berichte näher zu prüfen.
Das USDOS berichtet weiters, dass die Regierung zehn Gefängnisse betrieben habe, darunter eines für Frauen, und zwölf Untersuchungshaftanstalten. Wie sich die Bedingungen in den Gefängnissen genau dargestellt hätten, sei weiterhin nicht bekannt gewesen, aber die Häftlinge hätten harte und lebensbedrohliche Bedingungen beschrieben, darunter extreme Überbelegung und unhygienische Bedingungen. Krankheiten und Hunger seien ernsthafte Probleme gewesen. UNO-Agenturen hätten berichtet, dass die Ansteckungsraten mit Tuberkulose und HIV in Gefängnissen beträchtlich seien, die medizinische Versorgung aber von schlechter Qualität. Es sei nicht bekannt gewesen, ob Trinkwasser in den Gefängnissen verfügbar gewesen sei. Frauen und Männer seien getrennt entweder in unterschiedlichen Teilen derselben Einrichtung oder in unterschiedlichen Einrichtungen inhaftiert gewesen:
„Other human rights problems included arbitrary arrest; denial of the right to a fair trial; harsh and life-threatening prison conditions; prohibition of international monitor access to prisons; limitations on children’s religious education; corruption; and trafficking in persons, including sex and labor trafficking.” (USDOS, 27. Februar 2014, Executive summary)
The constitution prohibits the use of torture. Although in 2012 the government amended the criminal code to create a separate article defining torture in line with international law, there continued to be claims of beatings, torture, or other forms of coercion to extract confessions during interrogations. Officials did not grant sufficient access to information to allow human rights organizations to investigate the claims. […]
Prison and Detention Center Conditions
Physical Conditions: The government operated 10 prisons, including one for women, and 12 pretrial detention facilities. Exact conditions in the prisons remained unknown, but detainees and inmates described harsh and life-threatening prison conditions, including extreme overcrowding and unsanitary conditions. Disease and hunger were serious problems. UN agencies reported that infection rates of tuberculosis and HIV in prisons were significant and the quality of medical treatment was poor. It was not known if potable water was available. The Ministry of Internal Affairs’ juvenile boys facility was clean but lacked access to counseling and social services. Authorities held men and women separately in either segregated parts of the same facility or different facilities; however, authorities often housed juvenile boys with men.” (USDOS, 27. Februar 2014, Section 1c)
Das Büro des Hohen Kommissars der Vereinten Nationen für Menschenrechte (Office of the High Commissioner for Human Rights, OHCHR) informiert in einer Pressemitteilung vom Februar 2014 darüber, dass der Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen über Folter, Juan Méndez, nach seinem Besuch im Februar 2014 die tadschikische Regierung dazu aufgefordert habe, ihre Politik zur Ausmerzung und Verhütung von Folter und Misshandlung vollständig umzusetzen. Laut Méndez müsse Tadschikistan die Lücke zwischen Politik und Realität schließen. Der Sonderberichterstatter habe sich ermutigt gezeigt von neuen Gesetzen, die die Definition von Folter mit dem Übereinkommen gegen Folter in Einklang bringen würden und von einer Verordnung des Obersten Gerichtshofes, die die Verfügbarkeit von Schutzmaßnahmen zur Verhütung von Folter ab der Inhaftierung garantiere. Er habe aber darauf gedrängt, die Strafen für Folter und Misshandlung zu erhöhen und Amnestien bei derartigen Verbrechen zu verbieten. Zudem habe sich Méndez besorgt gezeigt, dass es in den vorangegangenen zwei Jahren nur in vier Fällen zu strafrechtlichen Verfolgungen unter den neuen gesetzlichen Regelungen gekommen sei, obwohl es weiterhin Behauptungen gebe, dass während Festnahmen, Befragungen in Untersuchungshaft und in Gefängnissen gefoltert und misshandelt werde:
„The United Nations Special Rapporteur on torture, Juan E. Méndez, today urged the Government of Tajikistan to fully implement its policies for the eradication and prevention of torture and ill-treatment.
‘Tajikistan still needs to bridge the gap between policies and reality,’ Mr. Méndez stressed at the end of a three-day follow-up visit to the Republic of Tajikistan to evaluate the level of implementation of the recommendations issued after his 2012 visit. […]
The expert was encouraged by the adoption of new legislation that brings the definition of torture in line with the Convention against Torture and a Supreme Court decree that guarantees the availability of safeguards to prevent torture from the time of arrest. But he insisted that the punishment for torture and ill-treatment needs to be increased in accordance with the severity of such acts and that amnesty for these crimes need to be specifically prohibited in the applicable legislation.
‘I am still concerned that in the past two years only four cases were prosecuted under the new provision despite the fact that allegations of torture and ill-treatment during apprehension, interrogation, pre-trial detention, and in prison still persist,’ the Rapporteur said.“ (OHCHR, 12. Februar 2014)
Die wirtschaftsliberale Bertelsmann Stiftung, eine deutsche gemeinnützige Denkfabrik mit Sitz in Gütersloh, schreibt in ihrem 2014 veröffentlichten Transformationsindex, einem Ländergutachten zu politischer Partizipation, Rechtsstaatlichkeit, Stabilität demokratischer Institutionen, sozioökonomischer Entwicklung etc. im Zeitraum 31. Jänner 2011 bis 31. Jänner 2013, dass willkürliche Verhaftungen, lange Untersuchungshaftzeiten, Folter und Misshandlungen weiterhin systematisch vorgekommen seien. Es habe nach wie vor Todesfälle in Haft gegeben. Die Haftbedingungen seien weiterhin wegen Überbelegung, unhygienischen Zuständen und hohen Tuberkulose- und AIDS-Raten lebensbedrohlich gewesen. Mitglieder der Polizei und der Sicherheitskräfte hätten oft die zivilen Reche der BürgerInnen verletzen und seien nur selten für derartige Vergehen strafrechtlich verfolgt worden, was zu einer Kultur der Straflosigkeit geführt habe:
„Arbitrary arrests, lengthy pretrial detentions, torture and abuse remain systematic. Deaths continue to occur in custody. Prison conditions remain life-threatening due to overcrowding, unsanitary conditions and high levels of tuberculosis and HIV/AIDS. Police and security forces frequently violate citizens’ civil rights and are very rarely prosecuted for such offenses, resulting in a culture of impunity.“ (Bertelsmann Stiftung, 2014, S. 12)
In seinem im Mai 2013 veröffentlichten Jahresbericht (Berichtszeitraum 2012) schreibt AI Folgendes:
„Folter und andere Misshandlungen
Im März 2012 erklärte die Regierung ihre Absicht, die Empfehlungen der Universellen Regelmäßigen Überprüfung durch den UN-Menschenrechtsrat umzusetzen. So will sie beispielsweise Inhaftierten Zugang zu juristischem und ärztlichem Beistand gewähren. Im April wurde das Strafgesetzbuch ergänzt und enthält nun Folter als Straftatbestand. Im Juni gab der Oberste Gerichtshof Richtlinien heraus für Richter in Fällen vermeintlicher oder mutmaßlicher Folter oder anderer Misshandlungen. Die Generalstaatsanwaltschaft legte Strafverfolgern Empfehlungen für die Ermittlungen in Folterfällen vor.
Trotz dieser positiven Entwicklungen trafen immer wieder Berichte über Folter und andere Misshandlungen ein. Der UN-Sonderberichterstatter über Folter und der UN-Ausschuss gegen Folter veröffentlichten ihre Ergebnisse. Nach seinem Besuch im Mai erklärte der Sonderberichterstatter, dass Folter und andere Misshandlungen ‚häufig ... in vielen verschiedenen Umfeldern vorkommen‘.
Im November registrierte der UN-Ausschuss gegen Folter ‚zahlreiche und übereinstimmende Klagen ... über den systematischen Einsatz von Folter und anderen Misshandlungen gegen Straftatverdächtige, in erster Linie, um ihnen 'Geständnisse' abzupressen ... vor allem in den ersten Stunden des Verhörs in Polizeigewahrsam sowie in vom Staatlichen Ausschuss für Nationale Sicherheit (SCNS) und von der Behörde für den Kampf gegen das organisierte Verbrechen betriebenen provisorischen Hafteinrichtungen und Untersuchungsgefängnissen‘.
Kinder, ältere Menschen und Zeugen in Strafprozessen berichteten über Vorfälle, bei denen sie Folter und andere Misshandlungen erlitten hatten. Zu den Foltermethoden zählten der Einsatz von Elektroschocks, kochendem Wasser, Beinahe-Ersticken, Prügel und das Verbrennen mit Zigaretten. Es gab Berichte über tatsächliche und angedrohte Vergewaltigungen von weiblichen und männlichen Inhaftierten sowie über psychische Folter.
Folter und andere Misshandlungen geschahen meist, bevor die Straftatverdächtigen auf einer Polizeiwache registriert worden waren. Die Straftatverdächtigen wurden vor der Registrierung ihrer Inhaftierung nicht über ihre Rechte aufgeklärt (einen Anwalt zu sprechen, ihre Angehörigen zu informieren oder zu schweigen). Die Registrierung sollte innerhalb von drei Stunden nach der Mitnahme auf eine Polizeiwache erfolgen, fand in der Praxis aber oft viel später statt. Es gab Fälle, in denen die Betroffenen vor der Registrierung tage- oder sogar wochenlang ohne Kontakt zur Außenwelt in Haft gehalten wurden.
Sherik Karamhudoev, der Führer der oppositionellen Gruppierung Islamische Partei der Wiedergeburt in Chorugh in der Region Berg-Badachschan, verschwand am 24. Juli 2012 während der gewaltsamen Zusammenstöße. Seine Familie erfuhr erst am 8. August von seinem Aufenthaltsort, und er durfte sich fast zwei Monate lang nicht mit seinem Strafverteidiger treffen. Dem Vernehmen nach wurde er in der SCNS-Haftanstalt in Duschanbe gefoltert. Man beschuldigte Sherik Karamhudoev der Organisation einer kriminellen Gruppierung und des illegalen Besitzes von Schusswaffen.” (AI, 23. Mai 2013)
In seinen abschließenden Betrachtungen vom Jänner 2013 hält der UNO-Ausschuss gegen Folter (UN Committee Against Torture, CAT) fest, dass es insbesondere während der ersten Stunden des Verhörs in Polizeigewahrsam sowie in den vom GKNB und dem Amt für den Kampf gegen Organisierte Kriminalität geleiteten Anstalten für temporäre Haft bzw. Untersuchungshaft regelmäßig zu Folter und anderer Misshandlung von Verdächtigen komme. Dies diene in erster Linie der Einholung von Beweismitteln, die im Strafverfahren verwendet werden sollten. Die Einführung des Artikels 88(3) in die Strafprozessordnung im März 2008 (s.o.) sowie ein Dekret des Obersten Gerichtshofs, in dem die Unzulässigkeit illegal eingeholter Beweismittel klargestellt werde, seien zu begrüßen. Jedoch sei der Ausschuss besorgt über das Fehlen von effektiven Umsetzungsmechanismen und der tatsächlichen Umsetzung dieser Rechtsnormen
Der Ausschuss fährt fort, dass er die aktuellen Anstrengungen der Regierung, die Bedingungen in Gefängnissen und Untersuchungshaftanstalten zu verbessern, begrüße, dass man aber über folgende Punkte besorgt sei:
a) Berichte über einen Mangel an Warmwasser, unhygienische Bedingungen, schlechte Belüftung, fehlende Möglichkeiten zum Trocknen von Kleidung, was zu Infektionen der Atemwege und Krankheiten führe, das Fehlen von persönlichen Hygieneartikeln und eine nicht adäquate Versorgung in Bezug auf Ernährung und Gesundheit.
b) Unnötig strenge Regelungen für InsassInnen, die zu lebenslanger Haft verurteilt seien, die Berichten zufolge in faktischer Isolation bis zu 23 Stunden pro Tag in kleine, stickige Zellen eingesperrt seien, keine Zugang zu AnwältInnen hätten, nur einmal pro Jahr Besuch von der Familie empfangen dürften und an verschiedenen Aktivitäten im Gefängnis nicht teilnehmen dürften.
c) Das weiterhin bestehende Fehlen einer systematischen und unabhängigen Überprüfung aller Hafteinrichtungen durch nationale und internationale Beobachter. Der Ombudsmann könne zwar Hafteinrichtungen besuchen, der Ausschuss sei aber besorgt, dass die Ergebnisse nicht veröffentlicht würden.
d) Das Fehlen eines Beschwerdemechanismus für Häftlinge. Tadschikistan berichte zwar, dass Beschwerden über Folter und Misshandlung mittels versiegelter Umschläge eingereicht werden könnten. Diese würden aber Berichten zufolge nicht die zuständigen Behörden erreichen und Häftlinge hätten oft keinen Zugang zu Stiften und Papier.
e) Die Tatsache, dass die Anzahl, der Ort und die Kapazität von Hafteinrichtungen sowie die Anzahl der Insassen in Tadschikistan als „Staatsgeheimnisse“ gelten würden:
„The Committee is seriously concerned about numerous and consistent allegations, corroborated by various sources, of routine use of torture and ill-treatment of suspects, principally to extract confessions to be used in criminal proceedings, primarily during the first hours of interrogation in police custody as well as in temporary and pretrial detention facilities run by the State Committee of National Security and the Department for the Fight against Organized Crime (arts. 2, 10, 11, 12, 13, 15 and 16).” (CAT, 21. Januar 2013, S. 3)
„While welcoming the inclusion of article 88(3) to the Criminal Procedural Code in March 2008, which provides that evidence obtained through ’physical force, pressure, cruelty, inhumanity and by other illegal methods‘ may not be used as evidence in a criminal case, as well as the June 2012 decree of the Supreme Court clarifying the concept of inadmissibility of evidence obtained under illegal methods, the Committee expresses concern at the lack of effective enforcement mechanisms and implementation in practice. It is also concerned at reports that judges frequently dismiss allegations of torture when raised by defendants, and that unless a formal complaint is submitted, the prosecutor will not launch an investigation (art. 15). […]
Conditions of detention
While welcoming current efforts by the State party to improve conditions of detention in prisons and pretrial detention facilities, the Committee is concerned at:
(a) Reports of lack of hot water supply; inadequate sanitary conditions; poor ventilation; lack of means to dry clothes, which leads to respiratory infections and sickness; lack of personal hygiene products; and inadequate food and health care;
(b) Unnecessarily strict regimes for inmates serving life imprisonment, who are reportedly confined in virtual isolation in their cells for up to 23 hours a day in small, airless cells; do not have access to lawyers; are only permitted visits by family members once a year; and are denied various activities in prison;
(c) Continued lack of systematic and independent review of all places of detention by national or international monitors, including the International Committee of the Red Cross (ICRC). While noting that the Ombudsman may undertake visits to places of detention, the Committee is concerned that the findings are not made public;
(d) The lack of a complaints mechanism for detainees. Despite the information provided by the State party that complaints of torture or ill-treatment can be submitted in sealed envelopes, they reportedly do not reach the relevant authorities and prisoners often do not have access to pens and paper;
(e) The fact that the number, location, capacity, and the number of detainees in penitentiary institutions in Tajikistan are considered as ‘state secrets’.” (CAT, 21. Jänner 2013, S. 5)
Quellen: (Zugriff auf alle Quellen am 29. April 2015)
· AA - Auswärtiges Amt: Tadschikistan – Innenpolitik, Stand Oktober 2014
http://www.auswaertiges-amt.de/DE/Aussenpolitik/Laender/Laenderinfos/Tadschikistan/Innenpolitik_node.html
· AI - Amnesty International: Amnesty International Report 2013 - Zur weltweiten Lage der Menschenrechte - Tajikistan, 23. Mai 2013 (verfügbar auf ecoi.net)
http://www.ecoi.net/local_link/248061/374275_de.html
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