a-7186-1 (ACC-RUS-7186-1)

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Berichte über den Aufbau der Sicherheitsapparats von Kadyrow; Rekrutierung von Mitarbeitern
Zu dieser Fragestellung siehe auch:
 
·       ACCORD: Tschetschenien: Offizieller Status der "Kadyrowzy", 22. Mai 2007
https://www.ecoi.net/file_upload/response_de_75756.html
 
In einem Bericht der Schweizerischen Flüchtlingshilfe (SFH) vom November 2009 finden sich dazu folgende Informationen:
„Alle drei Republiken [Tschetschenien, Inguschetien und Dagestan]kennzeichnet ein undurchsichtiges Geflecht von Sicherheitskräften. Dies trägt wesentlich zur Straffreiheit verübter Menschenrechtsverletzungen bei. So schieben sich die verschiedenen Einheiten etwa im Falle von verschwunde-nen Personen gegenseitig die Verantwortung zu, und die Verwandten werden von Amtsstelle zu Amtsstelle weitergewiesen. […]
3.2.3 Regionale Sicherheitskräfte
In Tschetschenien unterstehen dem Innenministerium (MWD TschR) 10–17‘000 Sicherheitskräfte. Darunter zwei Verkehrspolizei-Regimente (wobei sich das zweite Regiment PPSM-2 entgegen der offiziellen Aufgabe der Terrorbekämpfung widmet), das republikanische Spezial-Einsatzkommando und eine Betriebsschutz-Einheit («Öl-Regiment» bzw. «Neftepolk», ebenfalls regelmässig an Antiterroroperationen beteiligt). Hinzu kommen die gewöhnlichen Polizeikräfte (Miliz). Die ursprünglich ohne rechtliche Grundlage aufgebaute Präsidentengarde des ermordeten Achmad Kadyrow, deren Anführer sein Sohn Ramsan war, wurde Stück für Stück in die offiziellen Strukturen überführt. Dennoch scheint es nach wie vor Einheiten zu geben, die irregulär oder zumindest in einer Grauzone operieren (etwa das Achmad-Kadyrow-Regiment des Republikanischen Spezial-Einsatzkommandos).“ (SFH, 25. November 2009, S. 6 f.)
Die International Federation for Human Rights (FIDH) erwähnt in einem Bericht vom Juli 2009 die 2005 begonnene schrittweise Eingliederung verschiedener tschetschenischer pro-russischer Milizen in die Sicherheitsdienste bzw. Kadyrowzy. 2006 sei das Antiterror-Zentrum ATC legalisiert und in das föderale Antiterror-Komitee integriert worden. Die zwei Bataillons „Süd“ („Jug“) und „Nord“ („Sewer“) seien nicht dem Föderalen Sicherheitsdienst FSB, sondern dem Innenministerium angegliedert worden und stünden unter direkter Aufsicht von Ramsan Kadyrow. Sie seien das Gegengewicht zu den Bataillons „Ost“ („Wostok“) und „West“ („Sapad“), die dem Verteidigungsministerium untergeordnet seien und mit denen Präsident Kadyrow im Konflikt stehe:   
“The general situation in Chechnya differs sharply from the federal situation on account of the policy of ‘Chechenisation’, the gradual transfer to the Chechen pro-Russian authorities of all administrative and law-enforcement powers, including the conducting of the fight against terrorism. The gradual integration of the various different Chechen ‘pro-Russian’ militias into the ‘security services’ (i.e. into the ranks of the ‘Kadyrovites’) began in 2005. In April 2006 the Anti-Terrorist Centre, which had existed de facto for many years, was legalised and integrated into the federal NAC. Two battalions, ‘South’ and 'North’, were attached not to the FSB but to the Interior Ministry; they are directly controlled by R. Kadyrov (President of the Chechen Republic). These two detachments were created as a counterbalance to the ‘East’ battalion (the Yamadayev brothers’ group) and the ‘West’ battalion (Kakiyev’s group), which are attached to the 42nd Motorised-Infantry Division of the Defence Ministry. The considerable freedom of action granted to Kadyrov at the regional level, and the power with which the Chechen President has been endowed, give the republic under his control a degree of autonomy that is not enjoyed by any other subject of the Federation. The trend towards the ‘Chechenisation’ of law-enforcement forces was confirmed in 2008, when a serious dispute arose between Kadyrov and the battalions of the Defence Ministry ‘East’ and ‘West’; Kadyrov demanded that they be disbanded, and that the commander of the ‘East’ battalion, Sulim Yamadayev, be arrested.” (FIDH, Juli 2009, S. 10)
Die Moscow Helsinki Group (MHG) veröffentlicht 2006 einen Bericht über Menschenrechte in der Russischen Föderation, der unter anderem folgende Informationen enthält: Die größte pro-russische militärische Gruppierung mit tschetschenischer Besetzung sei der Sicherheitsdienst von Achmat Kadyrow (SB), allgemein als „Kadyrowzy“ bezeichnet, der aus dem persönlichen Wachdienst von Achmat Kadyrow hervorgegangen sei. In den Jahren 2000 bis 2004 sei der SB teilweise in das Innenministerium integriert worden, um seine Finanzierung und Versorgung mit Waffen zu legalisieren. Die meisten Einheiten des SB hätten jedoch keinen rechtlichen Status gehabt und seien formal ein privates Sicherheitsunternehmen geblieben. Zu Lebzeiten Achmat Kadyrows sei der SB eine Privatarmee mit Unterstützung und unter Kontrolle föderaler Strukturen gewesen, angeführt von Ramsan Kadyrow.
Zu Beginn seien die Mitglieder des SB Verwandte und Dorfgenossen von Kadyrow gewesen. Kämpfer des bewaffneten Widerstands, die Amnestien der Zentralregierung in Anspruch genommen hätten, seien häufig unter Folter oder Drohung, deren Verwandte zu töten, zur Mitgliedschaft bei den Kadyrowzy gezwungen worden. Nach dem Einsatz in Antiterror-Operationen hätten sie nicht mehr zurück in den Widerstand wechseln können.  
Der SB habe massenweise junge Männer rekrutiert, die zuvor nicht am Konflikt beteiligt gewesen seien, aber angesichts der hohen Arbeitslosigkeit im Einsatz für den SB die einzige stabile Einkommensquelle gesehen hätten. Nach dem Tod Achmat Kadyrows im Mai 2004 sei der SB formal aufgelöst worden, jedoch sei Ramsan Kadyrow zum Vize-Premierminister für den Sicherheitsblock ernannt worden, wodurch die Integration des SB in das System der Sicherheitsdienste der Russischen Föderation lanciert worden sei. Allmählich sei das gesamte tschetschenische Innenministerium unter die Aufsicht von Kadyrow-Anhängern gestellt worden. Eigentlich gebe es in Tschetschenien keine Struktur namens Sicherheitsdienst bzw. SB mehr, diese Bezeichnung finde jedoch im allgemeinen Sprachgebrauch, auch unter Angehörigen dieser Dienste selbst, weite Verbreitung. Auch die Ausweise des SB würden noch immer benutzt, und in den meisten Zeugenberichten sei vom Sicherheitsdienst bzw. von den Kadyrowzy die Rede.
2004 sei das Zweite Regiment des Patrouillendienstes PPS-2 mit 1.125 Mann geschaffen worden, sowie das Ölregiment mit 1.500-2.000 Mann. Diese beiden Strukturen innerhalb des Sicherheitsdienstes hätten formal zwar nichts mit dem Antiterror-Kampf zu tun, tatsächlich seien sie jedoch an derartigen Operationen beteiligt, und es gebe Berichte über die Folter von verdächtigen Rebellen durch diese Einheiten. Deren Hauptquartiere befänden sich in Grosny, während die Haupteinheiten des Sicherheitsdienstes in Kadyrows Heimatdorf Chosi-Jurt und in Gudermes angesiedelt seien. 2004 bis 2005 seien kleinere Kadyrowzy-Einheiten an verschiedenen Orten eingerichtet worden, in die überall Personen mit krimineller Vergangenheit aufgenommen worden seien. 2005 seien alle diese Gruppen, neben den Kadyrowzy auch andere quasi-autonome Militäreinheiten, unter einer Dachorganisation, dem Antiterror-Zentrum (ATC) zusammengefasst worden.
Die Gesamtzahl der Kadyrowzy sei unbekannt, Schätzungen würden von 4.000 bis 12.000 reichen. Die Schwierigkeit, deren Anzahl festzustellen, liege vor allem daran, dass diese Einheiten teilweise dem Innenministerium angehören würden, teilweise aber als paramilitärische Einheiten existieren würden:  
“The largest profederal military group, manned by ethnic Chechens is the so-called Security Service of Akhmat Kadyrov (‚SB’), commonly known as ‘kadyrovtsy’. Initially created as personal security guard of the Moscow-appointed head of Chechen administration, Security Service expanded into a powerful pro-Russian military formation subordinated to the Kadyrov family. In 2000—2004 these groups were partly legalized as units of patrol service and extra departmental guard of the Ministry of Internal Affairs, which created legal basis for their financing and supplying with arms. However, originally most units of the Security Service had no legal status, and it formally remained a private security enterprise. In the lifetime of Akhmat Kadyrov, the Security Service to a great extent remained his private army, which acted with support and general control of the federal services (namely, the Regional Operations Headquarters for Carrying out the Counter-terrorist Operation, but retained significant autonomy). The service was headed by the son of Akhmat Kadyrov, Ramzan, who at the time served in the rank of lieutenant of police. Security Service initially consisted of relatives and co-villages of Kadyrov and was formed on the basis of personal loyalty. Inside the structure were ‘legalized’ former fighters-participants of armed groups of Ichkeria, who were now used for elimination of their former colleagues from ‘irreconcilable’ supporters of independence. ‘Legalization’ became possible due to the amnesties, announced by the federal center. Rebels, injured or disappointed in war, tried to use this amnesty as a way to return to peaceful life, instead they were offered to join the Security Service, not infrequently under torture or threats to eliminate their relatives. Those who joined the Security Service became victims of extra-judicial executions. A fighter who changed sides and joined Kadyrov’s army was used in the so-called ‘anti-terrorist operations,’ after which ‘tied with the blood’, he was unable to return to the hills. Subsequently, he could be ordered to his native village or region where he had been previously fighting on the side of the separatists, so that he would help reveal and eliminate his yesterday’s comrades remaining there.
Along with relatives and co-villages of Kadyrov and former rebels the Security Service en masse recruited young men who had previously not been involved in the conflict. In the conditions of mass unemployment for many of them the Security Service was the only source of stable income. However, being employed by pro-federal security services these young men became automatically involved in armed confrontation. After Akhmat Kadyrov was killed in a bomb blast on May 9, 2004 at the stadium of ‘Dynamo’ in Grozny, the Security Service was formally liquidated, but Ramzan Kadyrov was appointed vice-prime minister for the security bloc. This way the de facto legalization of Kadyrov group and its tight integration into the system of the security services of the Russian Federation was launched. This integration was carried out in such a manner that the entire republican Ministry of Internal Affairs was gradually transferred under the control of Kadyrov people. We would like to emphasize that in Chechnya there is no such structure as the Security Service (SB). However, this name for Kadyrov group continues to be widely used by the citizens of the republic and the representatives of security services themselves. Moreover, identification documents of ‘Security Service’ are still being used. Security Service as well as another nickname of the group, ‘kadyrovtsy’, appears in most eye-witness accounts of the victims (just as the bodies commissioned from other regions of the Russian Federation to serve in Chechnya on the basis of rotation are still referred to as ‘military men’).
Vladimir Putin highly evaluated the efforts of Ramzan Kadyrov for ‘normalization’ of the situation in the republic and decorated him with the order of ‘Hero of Russia,’ this way confirming his full approval of the chosen policy. The Security Service received additional financial support and the possibility to expand. In 2004 the Second regiment of patrol service PPS-2 named after Akhmat Kadyrov was created consisting of 1,125 men as well as the so-called Oil Regiment numbering 1,500—2,000 men, as part of the extra-departmental guard of the republican Ministry of Internal Affairs. Formally the functions of both structures inside of Security Service have nothing to do with ‘combat on terror’ — PPS-2 is aimed to ensure security in the streets of the towns and in public places, while the Oil Regiment — to guard the oil refineries, oil pipes, oil products and other industrial sites. In reality, however, both structures are involved in the so-called ‘anti-terrorist operations’. We are in the possession of documented evidence that at the bases of these units people suspected of links with Chechen fighters were subjected to torture. The same premises housed the relatives of the rebels, who were kept there as hostages. The main bases of PPS-2 and of Oil Regiment are located in Grozny; the major units of the Security Service are located in the villages of Khosi-Yurt (Tsotsin-Yurt), the native village of Kadyrov family, and in the city of Gudermes. The process of reorganization of the existing structure Ramzan Kadyrov continued to actively recruit new people. In 2004—2005 smaller ‘kadyrovtsy’-units were set up in the town of Argun, villages of Geldagan, Avtury, Kurchaloy, Majrtup, Makhety, Shali, Achkhoi-Martan, Gikalovksy, Novye Atagi.
In virtually all of the newly created units there are people with the criminal past. Thus, in the village of Prigorodnoje and Gikalovsky, Groznensky (Selsky) district in 2004 was created an armed formation under command of Sultan Patsaev, who in between wars was prosecuted for stealing oil products and kidnapping people for ransom. In 2005 the process of merging these disperses groups into one units was launched a new umbrella formation created, called the Anti-Terrorist Center (ATC). The ATC united not only ‘kadyrovtsy’ units but also some previously quasi-autonomous military units, such as, for example, the group of Movladi Baysarov, numbering over 100 men. The overall number of the ‘kadyrovtsy’ personnel is unknown. The estimates range from 4, 000 to 12,000 (the latter must be exaggerated). It is not possible to establish the precise figure, primarily since part of the service is legalized as specialized structures of the Ministry of Internal Affairs and parts still function in the capacity of paramilitary units.” (MHG, 2006, S. 216‑218)
Im April 2006 erscheint eine Meldung der russischen Nachrichtenagentur RIA Nowosti, dass der tschetschenische Premierminister Ramsan Kadyrow die Auflösung des Antiterror-Zentrums und des „Sicherheitsdienstes Kadyrows“ erklärt habe. Aus den Kämpfern dieser Unterabteilungen seien zwei Bataillons der Truppen des Innenministeriums gebildet worden, „Sewer“ und „Jug“, mit eigenen Kommandanten und Generälen, ohne Bezug zu Kadyrow. Die Bezeichnung „Kadyrowzy“ sei nicht mehr aktuell:   
„Председатель правительства Чечни Рамзан Кадыров сегодня официально объявил о полном расформировании антитеррористического центра и ‚службы безопасности Кадырова’. ‚Этих структур уже не существует, и те, кто называет себя ‚кадыровцами’, являются самозванцами и требуют наказания в соответствии с законом’, - заявил Кадыров, выступая во время записи телевизионной программы ‚Горячая линия’. ‚Из числа бойцов этих подразделений сформированы два батальона внутренних войск – ‚Север’ и ‚Юг’, и у них свои командиры, свои генералы, и к Кадырову они не имеют никакого отношения’, - сказал премьер.“ (RIA Nowosti, 29. April 2006)
Im Mai 2006 wird auf der Website der russischen Nachrichtenagentur Lenta.ru der Begriff „Kadyrowzy“ erklärt: man verstehe darunter die Angehörigen zwei verschiedener Strukturen, des Sicherheitsdienstes des Präsidenten (SBP) und des Antiterror-Zentrums (ATC) beim tschetschenischen Innenministerium. Im SPB würden bewährte ehemalige Leibwächter Achmad Kadyrows arbeiten, den Großteil der ATC-Angehörigen würden ehemalige Rebellen ausmachen, die auf die Seite der pro-russischen tschetschenischen Kräfte gewechselt hätten und amnestiert worden seien. Kadyrow bekenne sich öffentlich zu seiner Taktik, mithilfe ehemaliger Separatisten deren frühere Verbündete aufzuspüren. Es gebe allerdings Verwechslungen zwischen SPB und ATC. 
Auch hier heißt es, dass Angaben über die Zahl der Kadyrowzy stark variieren würden, zwischen 5.000 und 18.000, es seien jedoch mindestens einige Tausende bewaffnete Kämpfer:
„Под ‚кадыровцами’ в Чечне подразумевались сотрудники двух силовых структур - Службы безопасности президента (СБП) и Антитеррористического центра (АТЦ) при республиканском МВД. В СБП работали давно проверенные люди, которые ранее были телохранителями Ахмада Кадырова - отца нынешнего чеченского премьера, погибшего в результате теракта 9 мая 2004 года. Выходцем из президентских охранников является, в частности, глава МВД Чечни Руслан Алханов. Что касается Антитеррористического центра, то там подобралась гораздо более пестрая публика. Большинство его сотрудников - это бывшие боевики, перешедшие на сторону лояльных Москве чеченских властей и попавшие под амнистию. Кадыров никогда этого не скрывал и даже подчеркивал, что вчерашних боевиков можно эффективней всего использовать для охоты на своих недавних братьев по оружию, поскольку они хорошо знают тактику и методы ведения боевых действий, применяемые бандгруппировками. В последнее время у людей, незнакомых с положением дел в республике, возникала путаница между чеченскими силовыми структурами. Так, даже сам Кадыров, говоря об упразднении СБП и АТЦ, утверждает, что первая структура была преобразована во вторую. Судя, по всему имеется, в виду Служба безопасности президента, созданная при Ахмаде Кадырове. Именно ее сотрудники после гибели своего патрона были переведены его сыном под крышу АТЦ и усилены перековавшимися боевиками. […]
Но подобная бесконтрольность только развращала кадыровские спецслужбы, которые стали пытаться участвовать и в решение других вопросов, в том числе и финансовых. При этом численность этих формирований до сих пор остается загадкой. По разным данным, в различных прокадыровских силовых структурах служили от 5 до 18 тысяч человек. В любом случае, все источники указывали нижнюю планку численности этих соединений в несколько тысяч вооруженных бойцов.“ (Lenta.ru, 2. Mai 2006)
Konsequenzen einer Kündigung des Dienstes bei einer Einheit von Kadyrow
Die Moscow Helsinki Group (MHG) erwähnt in einem Bericht über die Menschenrechtslage in Russland 2005 den Fall eines ehemaligen Rebellen, der sich den Kadyrowzy angeschlossen habe und in seinem Dorf Kommandant wurde mit dem Auftrag, seine ehemaligen Kollegen aufzudecken. Er habe nach einer Möglichkeit gesucht, die Kadyrowzy zu verlassen. Als er nach einem schweren Unfall 2004 vom russischen Geheimdienst FSB verhört worden sei, habe er Angst vor Konflikten mit höherrangigen Kadyrowzy bekommen und sei nach Europa geflüchtet. Seine Kollegen bei den Kadyrowzy hätten angenommen, er sei zu den Rebellen zurückgekehrt, und hätten seine Familie festgenommen. Auch nach der Klarstellung seines Aufenthalts sei sein Vater in Haft geblieben, um ihn (den Sohn) unter Druck zu setzen und zur Rückkehr zu bewegen, und um seine Familie für seine „Desertion“ zu bestrafen.    
“The reason for the detention and torture of Ali were the activities of his son, ‘Khamzat.’ Khamzat joined the Ichkerian fighters, but was captured, tortured and threatened by the ‘kadyrovtsy’ in 2003. As a result, Khamzat joined the ranks of the ‘kadyrovtsy’ and became a unit commander in his home village in order to reveal and eliminate his former colleagues. Khamzat was looking for ways to escape the ‘kadyrovtsy.’ After an accident in the fall of 2004, Khamzat was severely injured. When attempting to seek medical assistance in clinics in Southern Russia, he was apprehended and questioned by the FSB. Apparently scared by these encounters and the prospect of conflicts with his superiors among the ‘kadyrovtsy,’ Khamzat used the opportunity to leave Chechnya and apply for asylum in a European country. His former colleagues apparently assumed that Khamzat had returned to the Ichkerian fighters, and consequently detained his family. However, the SB continued to hold his father even after having established his current whereabouts in Western Europe in order to make him return and to warn and punish the family for Khamzat’s ‘desertion.’ Ali was released without documents and he is afraid that he may be detained again in the future.” (MHG, 2006, S. 226)
Im Juni 2007 berichtet die separatistischen Website Kavkaz Center (KC), dass einige Dutzend Tschetschenen in einem polnischen Flüchtlingslager aufgetaucht seien, die angegeben hätten, heimlich ihren Dienst als Kadyrowzy aufgegeben zu haben. Da es nicht möglich sei, aus den Kadyrow-Banden einfach auszusteigen (man würde in so einem Fall üblicherweise getötet oder jahrelang in „Konzentrationslagern“ festgehalten), hätten sie Tschetschenien verlassen müssen:
„Как сообщает источник КЦ в Польше, в один из лагерей беженцев, расположенный на границе с Белоруссией, прибыло несколько десятков человек из Чечни. Почти все они мужчины молодого и среднего возраста, которые, как сообщает источник, выглядели крайне уставшими и деморализованными. Выяснилось, что большинство из прибывших так называемые кадырвоцы, которые бежали из Чечни, тайно оставив свою службу на оккупационный режим. Со слов беженцев, они были вынуждены уехать из Чечни, так как просто так уйти из кадыровских банд не представляется возможным. Людей решивших порвать с бандой обычно или убивают, или сажают в концлагеря на долгие годы. Бывшие кадыровцы говорят, что хотят изменить свои фамилии и покончить с прошлым.“ (KC, 16. Juni 2007)
Kavkaz Center (KC) berichtet weiters im Juli 2007, dass Anfang Juli etwa 40 bewaffnete Kadyrowzy zu den Rebellen übergelaufen seien. Sie würden sich in einem speziellen Quarantäne-Lager in den Bergen Tschetscheniens aufhalten. Zu jedem von ihnen würde ermittelt, ob er an der Ermordung von Muslimen oder an anderen schweren Verbrechen beteiligt gewesen sei:
„Как сообщает источник КЦ в штабе Восточного Фронта ВС ЧРИ, в первых числах июля месяца до 40 вооруженных кадыровцев бежали в горы к моджахедам. По данным источника, в данное время бывшие кадыровцы находятся на специальной карантинной базе в горах Чечни. По каждому из бежавших кадыровцев проводится расследование на предмет причастности их к убийствам мусульман и другим тяжким преступлениям.“ (KC, 30. Juli 2007)
Im russischen Journal Eschednewnyj Schurnal (EJ) findet sich ein Bericht über die Konflikte zwischen tschetschenischen pro-russischen Kommandanten. Darin heißt es, es gebe eine ganze Reihe hochrangiger Personen innerhalb der Sicherheitsstrukturen Ramsan Kadyrows, die sich mit ihm nicht anfreunden hätten können. Darunter sei der stellvertretende Innenminister Achmad (Alambek) Jasaew, dessen Kündigung ein großer Skandal gewesen sei, aber auch Personen, die die Umgebung Kadyrows ohne großes Getöse verlassen hätten, wie der Kommandant des tschetschenischen OMON (Spezialeinheiten der Miliz/Polizei) und der Kommandant des Bataillons „Jug“. Obwohl die Besetzung von Kadyrows Beratern im Grunde stabil sei, sei der Abgang einiger einflussreicher Verbündeter symptomatisch für die komplizierten Beziehungen innerhalb der tschetschenischen Sicherheitskräfte:
„Можно назвать и целый ряд имен видных деятелей силовых структур, входивших уже в клиентелу не Кадырова-старшего, а самого Рамзана, которые не смогли сработаться с авторитарным чеченским лидером. Среди них уволенный с большим скандалом заместитель министра внутренних дел Ахмад (Аламбек) Ясаев, а также покинувшие окружение Кадырова без большого шума командир чеченского ОМОНа Артур Ахмадов (бывший ичкерийский полковник, некоторое время отвечавший за охрану Масхадова) и командир батальона «Юг» (одного из двух «кадыровских» батальонов, сформированных в качестве альтернативы «Востоку» и «Западу») Муслим Ильясов, в прошлом бригадный генерал армии Ичкерии.
Несмотря на то, что основной «костяк» боевых соратников Кадырова остается стабильным, уход от Рамзана ряда его влиятельных союзников является важным симптомом, свидетельствующим о непростых отношениях в среде чеченских силовиков.“ (EJ, 22. April 2008)
Quellen:(Zugriff auf alle Quellen am 26. April 2010)
Berichte über den Aufbau der Sicherheitsapparats von Kadyrow; Rekrutierung von Mitarbeitern
·       ACCORD: Tschetschenien: Offizieller Status der "Kadyrowzy", 22. Mai 2007
https://www.ecoi.net/file_upload/response_de_75756.html
·       FIDH - International Federation for Human Rights: Russian Society under Control; Abuses in the fight against extremism and terrorism, Juli 2009
http://www.fidh.org/IMG/pdf/Russian_society_under_control.pdf
·       Lenta.ru : Beskadyrowschtschina, 2. Mai 2006
http://lenta.ru/articles/2006/05/02/elimination/
·       MHG – Moscow Helsinki Group: Human Rights in Russian Federation 2005, 2006
http://www.mhg.ru/files/engl/dok2005.pdf
·       RIA Nowosti: Kadyrow rasformirowal “sluschbu besopasnosti Kadyrowa”, 29. April 2006
http://rian.ru/politics/20060429/47051693.html
·       SFH - Schweizerische Flüchtlingshilfe/Swiss Refugee Council: Nordkaukasus: Sicherheits- und Menschenrechtslage. Tschetschenien, Inguschetien und Dagestan, 25. November 2009 (veröffentlicht auf ecoi.net)
https://www.ecoi.net/file_upload/1226_1260440369_nordkaukasus-sicherheits-und-menschenrechtslage.pdf
Konsequenzen einer Kündigung des Dienstes bei einer Einheit von Kadyrow
·       Eschednewnyj Schurnal: “Silowaja” expansija Ramsana, 22. April 2008
http://ej.ru/?a=note&id=8002
·       KC – Kavkaz Center: Kadyrowzy begut is Tschetschni, 16. Juni 2007
http://www.kavkaz.tv/russ/content/2007/06/16/51448.shtml
·       KC – Kavkaz Center: Desjatki kadyrowzew beschali w gory, 30. Juli 2007
http://www.kavkazcenter.com/russ/content/2007/07/30/52099.shtml
·       MHG – Moscow Helsinki Group: Human Rights in Russian Federation 2005, 2006
http://www.mhg.ru/files/engl/dok2005.pdf