Im Folgenden finden Sie eine Übersicht zur Recherche von Gesetzestexten zu Eritrea im Internet (Stand: Jänner 2019). Die Übersicht soll den Einstieg in die Suche nach Gesetzestexten erleichtern, ersetzt jedoch nicht die eigenständige Prüfung der Aktualität, Gültigkeit und Richtigkeit der Gesetze. Bitte beachten Sie darüber hinaus, dass nur in seltenen Fällen offizielle Übersetzungen von Gesetzestexten vorliegen.

Suche nach Gesetzestexten

Auf der vom UNO-Flüchtlingshochkommissariat (UN High Commissioner for Refugees, UNHCR) betriebenen Datenbank Refworld können mittels Suchabfrage englischsprachige Übersetzungen von einigen Gesetzestexten abgerufen werden:

Einige eritreische Gesetzestexte finden sich auf Natlex, einem Portal der International Labour Organization:

Weitere Informationen zum eritreischen Rechtssystem finden sich unter folgendem Link:

Um zur Sammlung nationaler Gesetze für Pakistan auf ecoi.net zu gelangen, folgen Sie bitte diesem Link.

Verfassung

Daniel R. Mekonnen vom Centre for Migration Law an der Universität Neuchâtel erwähnt in einem Bericht von Februar 2015, dass Eritrea 1997 erstmals eine Verfassung verabschiedet habe, das Dokument jedoch nie implementiert worden sei. Der eritreische Präsident habe die Verfassung im Dezember 2014 als „ein totes Dokument“ bezeichnet:

„Eritrea adopted its first post-independence constitution in 1997, but the document has never been implemented. The Eritrean President declared it „a dead document‟ in a public pronouncement on 30 December 2014.” (Mekonnen, 20. Februar 2015, S. 1)

Im Juli 2018 berichtet Freedom House, eine in den USA ansässige NGO, die zu den Themen Demokratie, politische Freiheit und Menschenrechte forscht und sich für diese einsetzt, dass die eritreische Verfassung 1997 verabschiedet, jedoch nie implementiert worden sei. Die Regierung von Präsident Isaias Afwerki habe eine lange Reihe von Entschuldigungen für das andauernde Versäumnis, die Verfassung von 1997 zu implementieren und Wahlen abzuhalten, angeführt. Oftmals seien Spannungen mit Äthiopien als Grund dafür angeführt worden:

„Eritrea’s authoritarian leader, Isaias Afwerki, has been in power since independence, when he was chosen by an unelected transitional assembly to serve as president until elections could be held under a new constitution. The government ratified a new constitution in 1997, but it has never been implemented, and Isaias continues to rule without a popular mandate. […] Isaias’s government has offered a long series of excuses to explain its continued failure to implement the 1997 constitution and hold elections, often citing the ongoing tensions with Ethiopia: […]“ (Freedom House, 17. Juli 2018)

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) berichtet im November 2018, dass sich der Präsident weiterhin weigere Wahlen abzuhalten, die Bildung politischer Parteien zu erlauben oder die grundsätzlichen Rechte umzusetzen, die in der Verfassung von 1997 garantiert würden:

„The president still refuses to hold elections, allow the formation of political parties, or realize the basic rights guaranteed in the country’s 1997 constitution. He still forbids an independent press and non-governmental organizations to operate, as thousands of citizens are jailed incommunicado, without trial or opportunity to appeal, some for decades.” (HRW, 14. November 2018)

Die Verfassung von 1997 findet sich unter folgendem Link:

Strafrecht und Strafprozessordnung

Die US-amerikanische Library of Congress, eine öffentlich zugängliche Forschungsbibliothek des Kongresses der Vereinigten Staaten, erwähnt in einem Blogeintrag vom März 2016, dass Eritrea zwischen 1962 und 1991 unter äthiopischer Herrschaft stand und für die Bevölkerung unter anderen das äthiopische Strafgesetz von 1957 und das äthiopische Strafprozessrecht von 1961 gegolten habe. Nach der Unabhängigkeit im Jahr 1991 habe sich Eritrea für eine Übergangsperiode entschieden und diese Gesetze mit einigen Abänderungen weiter angewendet.

Die Library of Congress habe nun vier neu veröffentlichte eritreische Gesetzestexte in ihren Bestand aufgenommen, darunter das Strafgesetz und das Strafprozessgesetz. Die im Mai 2015 veröffentlichten Gesetze müssten scheinbar erst in Kraft treten. Während die Veröffentlichung der Gesetze nicht mit einem genauen Datum ihres Inkrafttretens einhergegangen sei, habe die Justizministerin, Fawzia Hashim, angegeben, dass die Gesetze in Kraft getreten seien. Jedoch gebe es Belege, dass die Übergangsgesetze weiterhin angewendet würden. So würden sich etwa die Legal Tender Nakfa Currency Notes Regulations (No. 124/2015), die im November 2015 verabschiedet worden seien, auf die Übergangsgesetze beziehen und nicht auf die neueren Gesetze. Es sei möglich, dass der Implementierungsprozess einige Jahre dauern könne, bevor er abgeschlossen sei:

„Last week, the Law Library of Congress added four newly-issued Eritrean codes to its collection: the Civil Code, Civil Procedure Code, Penal Code and Criminal Procedure Code. […]

Eritreans lived under Ethiopian rule from 1962 through 1991. During this time, as one of fourteen Ethiopian provinces, the Eritrean territory and its people were governed by Ethiopian laws. This included the application of the six comprehensive Ethiopian codes issued in late 1950s through the mid 1960s: Penal Code (1957), Civil Code (1960), Commercial Code (1960), Maritime Code (1960), Criminal Procedure Code (1961), and Civil Procedure Code (1965). […]

Following its independence in 1991, Eritrea did many of the things that new countries do, including issuing its own currency in 1997; however, it did not fully repeal and replace the Ethiopian laws that were in force at the time. Instead, Eritrea opted to enter into a transitional period in which it would continue using these codes, with some amendments, until it was ready to replace them. Twenty-four years later, the publication of the new codes marks a partial end to the transitional period. The issuance of a new commercial code (which is apparently forthcoming) and maritime code would complete the process.

It appears that the new codes, which were published in May 2015, have yet to take effect. The Eritrean government’s position on this phase of the process is unclear. While the issuance of the codes was not accompanied with an announcement regarding the exact date of implementation, in an interview with a state run media, the Minister of Justice, Ms. Fawzia Hashim, suggested that the codes had taken effect. However, there is evidence that the transitional laws that had been in place since independence continue to be applied. For instance, the Legal Tender Nakfa Currency Notes Regulations (No. 124/2015), which were enacted in November 2015, months after the publication of the codes, make reference to the transitional laws and not the new codes (art. 6). It is possible that the implementation process could take a few years to complete.“ (Library of Congress, 7. März 2016)

Das äthiopische Strafgesetzbuch von 1957 findet sich auf dem vom UN-Flüchtlingshochkommissariat (United Nations High Commissioner for Refugees, UNHCR) betriebenen Online-Portal Refworld. Das Gesetz sei bei der Unabhängigkeit von Eritrea übernommen und als Übergangs-Strafgesetz („Eritrean Transitional Penal Code“) bezeichnet worden. Es sei bis zur Verkündung des Strafgesetzbuchs des Staats Eritrea („Penal Code of the State of Eritrea, 2015“) angewendet worden:

Eine inoffizielle Übersetzung des Penal Code of the State of Eritrea von 2015 findet sich unter folgendem Link:

Der Criminal Procedure Code vom Juni 2015 findet sich unter folgendem Link:

Staatsangehörigkeit

Die Citizenship Rights in Africa Initiative, ein informelles Netzwerk aus Organisationen, Einzelpersonen und ExpertInnen, die sich mit dem Recht auf Staatsangehörigkeit befassen, schreibt in einem undatierten Länderprofil zu Eritrea, dass die Staatsangehörigkeit in Eritrea durch die Verfassung von 1997 geregelt werde. Jedoch sei die Proklamation zur äthiopischen Nationalität („Eritrean Nationality Proclamation“) von 1992, die in Erwartung der Unabhängigkeit im Jahr 1993 verabschiedet worden sei, weiterhin in Kraft:

„Nationality in Eritrea is governed by the 1997 Constitution, which provides that anybody born of an Eritrean father or mother is granted Eritrean nationality. Statutory law in effect, however, is still the 1992 Eritrean Nationality Proclamation, adopted in anticipation of Eritrea’s independence from Ethiopia in 1993.” (Citizenship Rights in Africa Initiative, ohne Datum)

Die Eritrean Nationality Proclamation findet sich unter folgendem Link:

Quellen:

(Zugriff auf alle Quellen am 30. Jänner 2019)

Zitieren als:

ACCORD - Austrian Centre for Country of Origin and Asylum Research and Documentation: ecoi.net Eritrea Law Guide, Jänner 2019
https://www.ecoi.net/de/laender/eritrea/gesetzesuebersicht/