Dokument #2140628
ACCORD – Austrian Centre for Country of Origin and Asylum Research and Documentation (Autor)
20. Mai 2026
Das vorliegende Dokument beruht auf einer zeitlich begrenzten Recherche in öffentlich zugänglichen Dokumenten, die ACCORD derzeit zur Verfügung stehen sowie gegebenenfalls auf Expertenauskünften, und wurde in Übereinstimmung mit den Standards von ACCORD und den Common EU Guidelines for processing Country of Origin Information (COI) erstellt.
Dieses Produkt stellt keine Meinung zum Inhalt eines Ansuchens um Asyl oder anderen internationalen Schutz dar. Alle Übersetzungen stellen Arbeitsübersetzungen dar, für die keine Gewähr übernommen werden kann.
Wir empfehlen, die verwendeten Materialien im Original durchzusehen. Originaldokumente, die nicht kostenfrei oder online abrufbar sind, können bei ACCORD eingesehen oder angefordert werden.
Lage von Familienmitgliedern von Regimerkritiker·innen
Mehrere Quellen beschreiben, dass in Saudi-Arabien Familienangehörige von Regimekritiker·innen von Vergeltungsmaßnahmen durch die Behörden betroffen seien (HRW, 22. Februar 2024, S. 25 -26; Bertelsmann Stiftung, 2026, S. 11; ALQST, Jänner 2026, S. 43; HRW, 4. Februar 2026). Ein im Februar 2024 veröffentlichter Bericht von Human Rights Watch (HRW) zur weltweiten Unterdrückung von Staatsangehörigen im Ausland beschreibt, dass die saudischen Behörden häufig („frequently“) gegen Familienangehörige von Kritiker·innen und Dissident·innen, die im Ausland leben, Repressalien ausgeübt hätten (HRW, 22. Februar 2024, S. 25). Der Bertelsmann Stiftung zufolge würden Strafmaßnahmen gegen Aktivist·innen und Dissident·innen auf Familienangehörige ausgeweitet und den Familienangehörigen könnten Reisebeschränkungen oder Haftstrafen als Kollektivstrafe („collective punishment“) drohen (Bertelsmann Stiftung, 2026, S. 11). Die von einem saudi-arabischen Menschrechtsaktivisten gegründete NGO namens ALQST beschreibt im Jänner 2026 ebenfalls, dass die saudischen Behörden zunehmend auf willkürliche Reiseverbote für Familienangehörige von Aktivist·innen zurückgreifen würden, was den Anschein einer Kollektivstrafe habe. Maßnahmen wie Festnahmen, Strafverfolgung und Reiseverbote würden von den saudischen Behörden oft auf Familienangehörige ausgeweitet, um Aktivist·innen im Exil zum Schweigen zu bringen (ALQST, Jänner 2026, S. 44). Laut dem Jahresbericht von HRW aus dem Jahr 2026 (Beobachtungszeitraum 2025) sei es Dissident·innen aufgrund von Vergeltungsmaßnahmen gegen ihre Familienangehörigen nahezu unmöglich, ihre Arbeit im Ausland ohne Konsequenzen fortzusetzen (HRW, 4. Februar 2026).
Im November 2025 veröffentlicht die Menschrechtsorganisation Sanad einen Bericht, der die gezielte Verfolgung und Einschüchterung von Aktivist·innen durch die Festnahme ihrer Familienangehörigen in Saudi-Arabien als Mittel zur Ausübung von Druck und Erpressung erläutert. Vergeltungsmaßnahmen an den Familien von im Exil lebender Dissident·innen werden als politische Strategie („policy“) beschrieben, wobei es sich um ein weiteres repressives Instrument handle, das die saudische Regierung einsetze, um kritische Stimmen zum Schweigen zu bringen. Der Bericht dokumentiere acht bestätigte Fallbeispiele. Dazu zähle die Festnahme von zwei Brüdern des in London lebenden Dissidenten Dr. Saeed Al-Ghamdi, von denen einer zunächst zum Tode verurteilt worden sei. Dieses Urteil sei später aufgehoben und durch eine 30-jährige Haftstrafe ersetzt worden. Weitere beschriebene Fälle befassen sich ebenfalls mit der Festnahme von Brüdern, einer Mutter sowie der Festnahme der Kinder von unterschiedlichen Dissident·innen (Sanad, 1. November 2025). Der vollständige Bericht kann unter folgendem Link abgerufen werden:
· Sanad: Families of Saudi Activists: Instruments of Pressure and Political Blackmail, 1. November 2025
https://sanad.uk/2025/11/01/families-of-saudi-activists-instruments-of-pressure-and-political-blackmail/
Lage von Regimekritiker·innen im In- und Ausland
ALQST beschreibt im Jänner 2026, dass der bestehende Rechtsrahmen in Saudi-Arabien einerseits einen Mangel an grundlegenden Rechtsvorschriften aufweise und andererseits vage formulierte und restriktive Gesetze umfasse. Dies ermögliche nicht nur die strafrechtliche Verfolgung friedlicher Aktivist·innen, sondern schaffe auch Rechtsunsicherheit. Das habe eine abschreckende Wirkung auf alle Bürger·innen und Einwohner·innen, die Grund zur Befürchtung hätten, wegen alltäglicher friedlicher Meinungsäußerungen, die rückwirkend als Straftaten ausgelegt werden könnten, strafrechtlich verfolgt zu werden (ALQST, Januar 2026, S. 12). Der Menschenrechtsbericht des US-Außenministeriums (USDOS) vom August 2025 beschreibt ebenfalls, dass die Regierung öffentliche Meinungsäußerungen überwache und gesetzliche Maßnahmen genutzt habe, um die freie Meinungsäußerung zu behindern und Einzelpersonen daran zu hindern, öffentliche Kritik an der Regierung zu üben. Berichten zufolge habe die Regierung Informationen über die Identität von Personen, die online friedlich politische, religiöse oder ideologische Meinungen oder Überzeugungen äußerten, gesammelt. Die Behörden würden regelmäßig die Gesetze zur Bekämpfung der Cyberkriminalität und zur Terrorismusbekämpfung missbrauchen, um die Meinungsfreiheit einzuschränken. Das Gesetz zur Terrorismusbekämpfung sehe Strafen für jeden vor, der direkt oder indirekt die Religion oder die Rechtmäßigkeit des Königs oder des Kronprinzen in Frage stelle. Zahlreiche Personen seien unter anderem auf der Grundlage dieser Gesetze wegen Äußerungen in sozialen Medien und anderer Ausübungen der Meinungsfreiheit strafrechtlich verfolgt worden (USDOS, 12. August 2025). Laut HRW hätten saudische Behörden im Jahr 2025 ihr hartes Vorgehen gegen die Meinungsfreiheit verschärft. Um kritische Stimmen zum Schweigen zu bringen, würden die Behörden weiterhin vage Gesetze zur Terrorismusbekämpfung und zur Bekämpfung der Cyberkriminalität nutzen (HRW, 4. Februar 2026).
Amnesty International beschreibt in seinem im April 2026 veröffentlichten Jahresbericht zur Menschrechtslage in Saudi-Arabien (Berichtszeitraum 2025), dass Regierungskritiker·innen „mit langen Haftstrafen, grob unfairen Gerichtsverfahren und willkürlichen Reiseverboten konfrontiert“ gewesen seien (Amnesty International, 21. April 2026). Der 2026 veröffentlichte Länderbericht der Bertelsmann Stiftung (Berichtszeitraum 1. Februar 2023 bis 31. Jänner 2025) erläutert ebenfalls, dass die Regierung weiterhin hart gegen die Meinungsfreiheit vorgehe (Bertelsmann Stiftung, 2026, S. 10). Die Behörden würden weiterhin Bürger·innen inhaftieren, weil sie die Regierung friedlich kritisieren, in den sozialen Medien ihre abweichende Meinung äußern oder an Demonstrationen teilnehmen würden (Bertelsmann Stiftung, 2026, S. 34). Kritische Online-Äußerungen seien mit langen Haftstrafen von bis zu 45 Jahren bestraft worden (Bertelsmann Stiftung, 2026, S. 10) und die Regierung setze Reiseverbote häufig als repressives Mittel ein, um Dissident·innen und Aktivist·innen daran zu hindern, das Land zu verlassen (Bertelsmann Stiftung, 2026, S. 11). Auch dem Menschenrechtsbericht des USDOS vom August 2025 (Berichtszeitraum 2024) zufolge seien zahlreiche Personen wegen Straftaten im Zusammenhang mit der Ausübung ihres Rechts auf freie Meinungsäußerung festgenommen und zu Freiheitsstrafen verurteilt worden (USDOS, 12. August 2025).
Im Jahr 2025 sei es laut ALQST zu gewissen Veränderungen des seit langem bestehenden Schemas von willkürlichen Festnahmen, Inhaftierungen und unfairen Gerichtsverfahren durch saudische Behörden gegen friedliche Aktivist·innen sowie gewöhnliche saudische Staatsbürger·innen und Einwohner·innen gekommen. Zu Beginn des Jahres seien zahlreiche politische Gefangene freigelassen worden, von denen die meisten weiterhin unter Reiseverboten und anderen strengen Auflagen gestanden hätten. Viele weitere Personen würden aber weiterhin lange Haftstrafen im Gefängnis verbüßen, wobei bei einigen die Haftstrafen verlängert oder sogar neue Strafen verhängt worden seien (ALQST, Januar 2026, S. 5). Der im Februar 2026 veröffentlichte Jahresbericht von HRW erläutert ebenfalls, dass zwischen Dezember 2024 und Februar 2025 mindestens 44 wegen freier Meinungsäußerung inhaftierte Regierungskritiker·innen von den saudischen Behörden freigelassen worden seien. Viele weitere Regierungskritiker·innen würden jedoch weiterhin in Haft verbleiben, und die Freigelassenen seien Einschränkungen wie Reiseverboten und Überwachung ausgesetzt (HRW, 4. Februar 2026). Laut ALQST seien die Haftbedingungen im strengen und undurchsichtigen Strafvollzugssystem notorisch schlecht, und politische Gefangene seien oft grausamer, unmenschlicher und erniedrigender Behandlung ausgesetzt. Wie im Vorjahr habe es auch im Jahr 2025 Berichte zu körperlicher und psychischer Folter, Einzelhaft, Verschwindenlassen und der Verweigerung medizinischer Versorgung gegeben (ALQST, Jänner 2026, S. 20).
In seinem Jahresbericht vom Februar 2026 weist HRW darauf hin, dass es in Saudi-Arabien im Jahr 2025 zu einem beispiellosen Anstieg der Hinrichtungen gekommen sei. Menschenrechtsorganisationen würden davor warnen, dass die saudische Regierung die Todesstrafe als Mittel einsetze, um friedlichen Widerstand zu unterdrücken (HRW, 4. Februar 2026). ALQST beschreibt ebenfalls, dass die zunehmende Anwendung der Todesstrafe in Saudi-Arabien im Jahr 2025 erschreckende neue Ausmaße erreicht habe. Manche dieser Todesstrafen seien auf Basis von vage definierten „Terrorismus“-Straftaten verhängt worden, zu denen auch friedlicher Widerstand zählen könne (ALQST, Jänner 2026, S. 24). HRW verweist unter anderem auf die Fälle von Abdullah Al-Shamri, einem saudischen Politologen, der 2024 wegen seiner friedlichen Meinungsäußerung hingerichtet worden sei, sowie auf die Religionsgelehrten Salman Al-Odah und Hassan Al-Maliki, denen die Todesstrafe drohe. Diese Fälle würden ein allgemeines Muster widerspiegeln, wonach die saudischen Behörden Aktivist·innen, Journalist·innen und Kritiker·innen unter vagen Vorwürfen des Terrorismus oder der Gefährdung der nationalen Sicherheit ins Visier nehmen würden (HRW, 4. Februar 2026).
Mehrere Quellen berichten vom Einsatz von Überwachungstechnologien wie der Spionagesoftware „Pegasus“, um Regierungkritiker·innen im In- und Ausland zu überwachen (Bertelsmann Stiftung, 2026, S. 10; HRW, 22. Februar 2024, S. 33; Europäisches Parlament, Juni 2025, S. 15-16). Der Bertelsmann Stiftung zufolge würde der Einsatz solcher fortschrittlicher Überwachungsinstrumente die weitreichende grenzüberschreitende Repression des Königreichs, die über das Staatsgebiet hinausreiche, verdeutlichen (Bertelsmann Stiftung, 2026, S. 10).
Laut einer etwas älteren Studie von Freedom House zu transnationalen Repressalien aus dem Jahr 2021 sei die saudische Regierung wohl weltweit am bekanntesten dafür, dass sie gegen ihre Staatsangehörigen im Ausland vorgehe. Seit dem Aufstieg zur Macht des Kronprinzen Mohammed bin Salman im Jahr 2015 habe sich die zunehmend gewalttätige, gezielte Kampagne gegen Kritiker·innen und ehemalige Insider, darunter auch Mitglieder der Königsfamilie, rasch verschärft. Im Rahmen dieser Kampagne sei es in neun Ländern im Nahen Osten, in Europa, Nordamerika und Asien in großem Umfang zum Einsatz von Spionagesoftware, Strafmaßnahmen gegen Stellvertreter, Inhaftierungen, Übergriffen und Verschleppungen („renditions“) gekommen (Freedom House, 2021). Im Jänner 2026 beschreibt der ALQST-Bericht ebenfalls, dass Saudis im Ausland oft weiterhin verschiedenen Formen grenzüberschreitender Repression ausgesetzt seien. Da der zivile Handlungsspielraum im Inland verschwunden sei und Aktivismus zunehmend aus dem Exil heraus stattfinde, hätten die saudischen Behörden ihren Einfluss über die Landesgrenzen hinaus ausgeweitet, um kritische Stimmen im Ausland zum Schweigen zu bringen. Dies geschehe in vielfältiger Form, darunter durch Auslieferungsersuchen, persönliche und Online-Schikanen sowie Überwachung und Repressalien gegen Familienangehörige in Saudi-Arabien (ALQST, Januar 2026, S. 43-44).
Eine mit Februar 2025 datierte gemeinsame Einreichung der NGOs ALQST, Bahrain Institute for Rights and Democracy (BIRD) und Fairsquare an den Ausschuss für Menschrechte des britischen Parlaments beschreibt, wie saudi-arabische Staatsangehörige auf britischem Boden von Schikanen durch Unbekannte, offenbar im Zusammenhang mit ihrem Engagement für Menschenrechte oder ihrer politischen Opposition, betroffen seien. Demnach beschreibt der in England lebende Gründer von ALQST eine Reihe an bedrohlichen Vorfällen, die ihm, seiner Frau und seinen Kindern widerfahren seien. Im Jahr 2021 habe er zum Beispiel in seinem Vorgarten ein großes Messer gefunden, kurz nachdem er auf Twitter eine bedrohliche Nachricht mit Messer-Emoji und der Ankündigung „bald“ auf Arabisch erhalten habe. Die gesamte Einreichung, die weitere Vorfälle sowie Drohungen und Einschüchterungen über soziale Medien und per Telefon gegen saudi-arabische Regimekritiker·innen in England anführt, kann über folgenden Link abgerufen werden:
· ALQST et al.: Written Evidence Submitted to UK Parliament by ALQST for Human Rights, Bahrain Institute for Rights and Democracy (BIRD), Fairsquare (TRUK0127), Februar 2025
https://committees.parliament.uk/writtenevidence/138090/pdf/
Im März 2025 berichtet The New Arab, dass laut dem Leiter des saudischen Staatssicherheitsdienstes, der sich auf eine Anweisung von Kronprinz Mohammed bin Salman berufe, im Exil lebende saudische Dissident·innen ohne Konsequenzen in ihr Land zurückkehren könnten. Prominente saudische Dissident·innen hätten sich allerdings gegenüber der Amnestie skeptisch geäußert und Menschenrechtsorganisationen würden darauf hinweisen, dass viele Aktivist·innen in Saudi-Arabien nach wie vor inhaftiert seien. In einem in den sozialen Medien veröffentlichten Video habe der in Kanada lebende Dissident Omar Al-Zahrani erklärt, er und andere würden nicht ins Königreich zurückkehren, da er dem Versprechen nicht traue. Al-Zahrani habe hinzugefügt, dass seine Verwandten und Freunde seit 2018 von den saudischen Behörden inhaftiert seien, um Druck auf ihn auszuüben, damit er nach Hause zurückkehre. Laut dem Video-Blogger sei die Amnestie ein Versuch, das Image des Landes zu verbessern und ausländische Investoren anzuziehen (The New Arab, 3. März 2025).
Die Online-Zeitung Al-Akhbar English veröffentlicht im April 2025 einen Artikel unter dem Titel „Amnestie ohne Reform“. Demnach sei die jüngste Aufforderung Saudi-Arabiens an im Exil lebende Dissident·innen, im Rahmen einer sogenannten „Ramadan-Amnestie“ in ihre Heimat zurückzukehren, auf große Skepsis gestoßen. Das vom Chef des saudischen Staatssicherheitsdienstes verkündete Angebot bezeichne diejenigen, die ins Exil gezwungen worden seien, als von ausländischen Kräften „irregeführt“ („misled“) und verspreche, dass keine Strafe verhängt werde, sofern sie nicht Mord oder Körperverletzung begangen hätten. Der Rechtsexperte Taha Al-Hajji habe gegenüber Al-Akhbar English erklärt, dass der Initiative ernsthafte Garantien fehlen würden. Rückkehrer·innen würden laut Taha Al-Hajji zwar nicht inhaftiert, aber stünden unter Überwachung, würden einem Reise- und Social-Media-Verbot unterliegen und unter ständigem psychischem Druck leben. Die Wortwahl des saudischen Regimes, Dissident·innen als „irregeführt“ („misled“) zu bezeichnen, spiegle seine Weigerung wider, eine legitime Opposition anzuerkennen. Ein im Ausland lebendes Mitglied der saudischen Opposition habe gegenüber Al-Akhbar English gesagt, dass das Angebot eine Beleidigung der Intelligenz von Personen im Exil sei, insbesondere angesichts der anhaltenden harten Strafen und langwierigen Reiseverbote (Al-Akhbar English, 3. April 2025).
Im Folgenden finden sich ausgewählte Beispiele zur Behandlung von regierungskritischen Personen, die nach Saudi-Arabien gereist und/oder zurückgekehrt sind:
Im Juli 2023 fasst „The Free Speech Project” der Georgetown University den Fall eines damals 72-jährigen US- und saudi-arabischen-Doppelstaatsbürgers Saad Ibrahim Almadi zusammen, der im November 2021 nach Riad gereist sei, um seine Familie zu besuchen. Als er am Flughafen angekommen sei, habe ihn die saudische Regierung im Zusammenhang mit 14 in den vergangenen sieben Jahren verschickten Tweets sofort festgenommen und inhaftiert. Nach Angaben seines Sohnes hätten saudische Beamt·innen ihn in einem Hotel festgehalten, während sein Handy durchsucht worden sei. Der Sohn habe in Folge einen Monat nichts von der Festnahme und Inhaftierung seines Vaters erfahren. Weiters sei er von saudischen Beamt·innen gewarnt worden, die US-Regierung nicht in die Angelegenheit hineinzuziehen, und als seine Familie im März 2022 schließlich Kontakt zum US-Außenministerium aufgenommen habe, sei sein Vater gefoltert worden. Nach elf Monaten ohne Gerichtsverfahren, sei Saad Ibrahim Almad wegen Terrorismus-Vorwürfen zu 16 Jahren Haft und anschließend 16 Jahren Hausarrest verurteilt worden (Georgetown University – The Free Speech Project, 24. Juli 2023). Im November 2025 berichtet BBC News, dass der mittlerweile 75-jährige US-saudische-Doppelstaatsbürger wieder in die USA zurückkehren dürfe. Die Ankündigung dazu sei einen Tag, nachdem der US-Präsident Trump den saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman im Weißen Haus empfangen habe, veröffentlicht worden (BBC News, 20. November 2025).
Amnesty International berichtet im April 2025 über die in England studierende PhD-Studentin Salma Al-Shehab, die im Januar 2021 während eines Besuchs in Saudi-Arabien festgenommen worden sei. Laut Gerichtsunterlagen sei sie vor ihrer Vorführung vor Gericht 285 Tage lang in Einzelhaft gewesen. Während ihrer gesamten Untersuchungshaft, einschließlich der Verhöre, habe sie keinen Zugang zu einem Rechtsbeistand gehabt. Nach einem grob unfairen Prozess sei sie aufgrund der Veröffentlichung von Tweets zur Unterstützung der Frauenrechte wegen terroristischer Straftaten zu 27 Jahren Haft, gefolgt von einem 27-jährigen Ausreiseverbot, verurteilt worden (Amnesty International, 25. April 2025). Im September 2024 sei das Urteil gegen Salma Al-Shehab auf vier Jahre Haft, verbunden mit einer weiteren vierjährigen Bewährungsstrafe, herabgesetzt worden, und im Februar 2025 sei sie aus dem Gefängnis in Saudi-Arabien entlassen und in Riad wieder mit ihren zwei Kindern vereint worden. Es bleibe unklar, ob Einschränkungen hinsichtlich ihrer Meinungsäußerung oder ihrer Reisefreiheit auferlegt worden seien (Amnesty International, 25. April 2025).
Im Juli 2025 berichtet Amnesty International, dass der britische Staatsangehörige Ahmed al-Doush, ein leitender Wirtschaftsanalyst der Bank of America, in Saudi-Arabien ohne faires Verfahren zu acht Jahren Haft verurteilt worden sei. Er sei im Rahmen eines Besuches in Saudi-Arabien auf dem Flughafen von Riad festgenommen worden, als er sich mit seiner Frau und seinen Kindern auf dem Rückweg nach Großbritannien befunden habe. Die genauen Vorwürfe gegen ihn seien nicht bekannt, aber sie scheinen mit früheren Social-Media-Posts und seiner vermeintlichen Verbindung zu einem saudischen Kritiker im Exil zusammenzuhängen (Amnesty International, 11. Juli 2025).
ALQST beschreibt in seinem Bericht vom Jänner 2026, dass Auslieferung eine der Taktiken der saudischen Behörden im Rahmen eines Musters aus Einschüchterung und Repressalien gegen friedliche Aktivist·innen sei. So sei beispielsweise im Jänner 2023 der saudische Staatsbürger Hassan Al-Rabea am Flughafen von Marrakesch auf Basis eines vorläufigen Haftbefehls, der mit seinen religiösen Überzeugungen und dem politischen Engagement seiner Familie zusammenhänge, festgenommen worden. Nach seiner Auslieferung aus Marokko und der gewaltsamen Rückführung nach Saudi-Arabien sei er dort festgenommen und über Monate Opfer von Verschwindenlassen geworden. Er befinde sich weiterhin in Haft und warte auf seinen Prozess (ALQST, Jänner 2026, S. 43).
Quellen: (Zugriff auf alle Quellen am 20. Mai 2026)
· Al-Akhbar English: Saudi Amnesty Without Reform: Exiled Dissidents Refuse to Return Under, 3. April 2025
https://en.al-akhbar.com/news/saudi-amnesty-without-reform--exiled-dissidents-refuse-to-re
· ALQST: Still Not Free: Human Rights in Saudi Arabia in 2025, Jänner 2026
https://www.alqst.org/uploads/still-not-free-human-rights-in-saudi-arabia-en.pdf
· ALQST et al.: Written Evidence Submitted to UK Parliament by ALQST for Human Rights, Bahrain Institute for Rights and Democracy (BIRD), Fairsquare (TRUK0127), Februar 2025
https://committees.parliament.uk/writtenevidence/138090/pdf/
· Amnesty International: Saudi-Arabien: 8 Jahre Haft für Briten, 11. Juli 2025
https://www.amnesty.de/mitmachen/urgent-action/saudi-arabien-8-jahre-haft-fuer-Ahmed%20al-Doush
· Amnesty International: Salma al-Shehab Released from Prison, 25. April 2025
https://www.amnesty.org/en/wp-content/uploads/2025/04/MDE2393032025ENGLISH.pdf
· Amnesty International: The State of the World's Human Rights; Saudi Arabia 2025, 21. April 2026
https://www.ecoi.net/de/dokument/2139352.html
· BBC News: US citizen jailed in Saudi Arabia for criticising regime allowed to return to US, 20. November 2025
https://www.bbc.com/news/articles/c62e2z4vn50o
· Bertelsmann Stiftung: BTI 2026 Country Report - Saudi Arabia, 2026
https://www.ecoi.net/en/file/local/2138471/country_report_2026_SAU.pdf
· Europäisches Parlament: Transnational repression of human rights defenders: The impacts on civic space and the responsibility of host states, Juni 2025
https://www.europarl.europa.eu/RegData/etudes/STUD/2025/754475/EXPO_STU(2025)754475_EN.pdf
· Freedom House: Saudi Arabia: Transnational Repression Origin Country Case Study, 2021
https://freedomhouse.org/report/transnational-repression/saudi-arabia
· Georgetown University – The Free Speech Project: American-Saudi dual citizen released from Saudi Arabian prison over tweets he sent from US, 24. Juli 2023
https://freespeechproject.georgetown.edu/tracker-entries/american-saudi-dual-citizen-sentenced-to-16-years-in-saudi-arabian-prison-over-tweets-he-sent-from-u-s/
· HRW – Human Rights Watch: “We Will Find You” A Global Look at How Governments Repress Nationals Abroad, 22. Februar 2024
https://www.ecoi.net/en/file/local/2104797/global_transnationalrepression0224web.pdf
· HRW – Human Rights Watch: World Report 2026; Saudi Arabia, 4. Februar 2026
https://www.ecoi.net/de/dokument/2136253.html
· New Arab (The): Saudi Arabia offers 'amnesty' for dissidents to return home, 3. März 2025
https://www.newarab.com/news/saudi-arabia-offers-amnesty-dissidents-return-home
· Sanad: Families of Saudi Activists: Instruments of Pressure and Political Blackmail, 1. November 2025
https://sanad.uk/2025/11/01/families-of-saudi-activists-instruments-of-pressure-and-political-blackmail/
· USDOS – US Department of State: 2024 Country Reports on Human Rights Practices: Saudi Arabia, 12. August 2025
https://www.ecoi.net/de/dokument/2128487.html
Anhang: Quellenbeschreibungen und Informationen aus ausgewählten Quellen
Al-Akhbar English ist eine Plattform für Journalismus aus Palästina, dem Libanon, Syrien und dem gesamten arabischen Raum.
· Al-Akhbar English: Saudi Amnesty Without Reform: Exiled Dissidents Refuse to Return Under, 3. April 2025
https://en.al-akhbar.com/news/saudi-amnesty-without-reform--exiled-dissidents-refuse-to-re
„Saudi Arabia’s recent invitation for exiled dissidents to return home under a so-called Ramadan ‘amnesty’ has been met with deep skepticism. The offer, announced by State Security chief Abdulaziz al-Huwairini—an official most associated with repression since 2017—described those forced into exile as ‘misled’ by foreign entities and promised no punishment unless they had committed murder or assault. This framing, long used to deny the existence of legitimate political opposition, reinforces the kingdom’s narrative that critics are pawns of hostile powers. Legal expert Taha al-Hajji told Al-Akhbar the initiative lacks serious guarantees: ‘Returnees aren’t jailed, but they’re placed under surveillance, banned from travel and social media and live under constant psychological pressure’. He added, ‘If reconciliation were real, Riyadh would start by releasing political prisoners already inside the country.’ The Saudi regime’s language—calling dissidents ‘misled’—reflects its refusal to recognize legitimate opposition. A Saudi opposition member abroad told Al-Akhbar the offer is ‘an insult to the intelligence of those in exile’ especially with ongoing harsh sentences and prolonged travel bans.” (Al-Akhbar English, 3. April 2025)
ALQST ist eine unabhängige Nichtregierungsorganisation mit Sitz in London, die 2014 vom saudischen Menschenrechtsaktivisten Yahya Assiri mit dem Ziel gegründet wurde, die Menschenrechte in Saudi-Arabien zu verteidigen und zu fördern.
· ALQST: Still Not Free: Human Rights in Saudi Arabia in 2025, Jänner 2026
https://www.alqst.org/uploads/still-not-free-human-rights-in-saudi-arabia-en.pdf
„2025 saw some changes in the long-familiar pattern of arbitrary arrests, detention and unfair trials of peaceful activists and ordinary Saudi citizens and residents, including a number of foreign nationals, by the Saudi authorities. The early part of the year brought the release of scores of prisoners of conscience, most of whom remained under travel bans and other harsh restrictions, yet many more remained in prison serving lengthy sentences, while some had their sentences extended or even had new sentences imposed.” (ALQS, Jänner 2026, S. 5)
„While the government fails to comply with its international human rights obligations, the existing legal framework in Saudi Arabia on the one hand lacks core legislation and on the other comprises vaguely formulated and restrictive laws. This not only allows for the prosecution of peaceful activists but also creates legal uncertainty and therefore has a chilling effect on all citizens and residents, who have reason to fear prosecution for everyday peaceful expression of opinions that could be retroactively construed as crimes.” (ALQST, Jänner 2026, S. 12)
„For all of those trapped inside Saudi Arabia’s harsh and opaque prison system, conditions are notoriously poor and prisoners of conscience are often subjected to cruel, inhuman and degrading treatment. In 2025 we again saw the Saudi authorities subject targeted detainees to such treatment, including physical and psychological torture, solitary confinement, enforced disappearance and denial of medical care. Meanwhile, further testimonies emerged from prisoners recently released about such abuses in prison carried out in previous years.” (ALQST, Jänner 2026, S. 20)
„Saudi Arabia’s escalating use of the death penalty reached horrifying new levels in 2025. According to data from the official Saudi Press Agency, the authorities executed at least 356 people in 2025, including five women, easily surpassing the previous year’s record total of 345 to set a grim new milestone for the kingdom. Apart from pauses during the Muslim holy month of Ramadan in March and from 10 November to 5 December, executions were carried out almost daily. In the absence of transparency – with no publicly accessible record of those executed, and with executions sometimes carried out in secret – the real figures may be even higher. More than half of the officially reported executions were for non-lethal drug offences committed by foreign nationals; others were for loosely defined ‘terrorism’ offences, which can include peaceful dissent, or for alleged crimes committed as minors. These applications of the death penalty, in clear violation of international human rights law, underscore the Saudi authorities’ disregard for the right to life and heighten fears for others at risk of imminent execution.” (ALQST, Jänner 2026, S. 24)
„As domestic civic space has disappeared, and with activism increasingly taking place from exile, Saudi Arabia’s authorities have expanded their reach beyond the country’s borders in order to silence dissent abroad. This takes various forms, including requests for extradition, in-person and online harassment and surveillance, and reprisals against family members in Saudi Arabia. […]
One of the tactics the Saudi authorities use, as part of a pattern of intimidation and reprisals against peaceful activists, is extradition. In January 2023, for example, Saudi national Hassan al-Rabea was arrested at Marrakesh Airport while attempting to travel to Turkey, under a provisional arrest warrant issued at the request of the Saudi authorities for reasons related to his religious beliefs and his family’s history of political activism. Weeks later, despite repeated calls from civil society to prevent the move, al-Rabea was extradited from Morocco and forcibly returned to Saudi Arabia, where he was arrested and forcibly disappeared for months. He remains in detention awaiting trial [...]” (ALQST, Jänner 2026, S. 43)
„Saudis in exile often continue to face various forms of transnational repression abroad. […]
Reprisals against family members
Repression of the Saudi authorities’ victims often extends to targeting their family members with measures such as arrests, prosecution and travel bans, in an attempt to silence Saudi activists in exile. An egregious example of this is the case of the al-Jabri family. In March 2020 the Saudi authorities arbitrarily arrested then-21-year-old Omar al-Jabri and 19-year-old Sarah al-Jabri in an attempt to pressure their father Saad al-Jabri, a former senior Saudi intelligence official who had brought a US lawsuit against Crown Prince Mohammed bin Salman, to return to Saudi Arabia from exile. The two siblings were later sentenced, following a grossly unfair trial held in secret, to nine and six and a half years respectively in prison, where they still remain. The Saudi authorities have also been making increasing use of arbitrary travel bans on family members of targeted individuals, in what appears to be a form of collective punishment.” (ALQST, Jänner 2026, S. 44)
· ALQST et al.: Written Evidence Submitted to UK Parliament by ALQST for Human Rights, Bahrain Institute for Rights and Democracy (BIRD), Fairsquare (TRUK0127), Februar 2025
https://committees.parliament.uk/writtenevidence/138090/pdf/
„In-person intimidation and harassment by unknown persons
Saudi Arabian nationals have been targeted by acts of harassment by unknown individuals on British soil, seemingly in connection with their work on human rights or political opposition. One prominent Saudi Arabian human rights defender (the founder of ALQST for Human Rights) recounts the following non-exhaustive selection of incidents from recent years:
- In 2021 he found a large knife in his front garden shortly after receiving a sinister message on Twitter featuring a knife emoji alongside the word ‘soon’ in Arabic;
- An unknown woman approached his home and intrusively questioned his wife about his political activities;
- An unknown man approached his wife and children in the park, and offered to facilitate his return to Saudi Arabia; and
- He received a phone call from a Saudi Arabian number, in which the caller demonstrated knowledge of a private meeting he had attended in the UK that took place with no phones in the room, suggesting that the meeting may have been physically surveilled.
In 2018, a Saudi Arabian activist reported that two men assaulted him in the street in central London, shortly after he posted a picture showing his location on social media. Video footage showed the men - one wearing a wired earpiece - attacking the activist in question.
Threats and intimidation through social media and phonecalls
In 2023, a former Colonel in the Saudi Arabian security forces relocated to London and publicly criticised the government of Crown Prince Mohamed bin Salman in the media and online, sharing details of human rights violations he had been asked to carry out. He received a barrage of threats to his personal safety, particularly from a prominent social media influencer that he believes to have been acting on behalf of the Saudi state, and who offered a bounty for anyone who could locate him. In July 2023 he told The Guardian that he was receiving an average of 50 threats a week. He told the Middle East Eye that he declined an invitation to meet the Saudi Interior Minister at the Saudi Embassy in March 2023.
A Saudi Arabian woman who posted online in support of women’s rights and subsequently fled to the UK has told journalists that almost every day she receives death threats which state that ‘they will poison me and send people loyal to their homeland to kill me at any cost, so that no one will imitate me’.” (ALQST et al., Februar 2025, S. 2-3)
Amnesty International ist eine internationale regierungsunabhängige Menschenrechtsorganisation mit Hauptsitz in London.
· Amnesty International: Salma al-Shehab Released from Prison, 25. April 2025
https://www.amnesty.org/en/wp-content/uploads/2025/04/MDE2393032025ENGLISH.pdf
„On 10 February 2025, Leeds University PhD student and mother of two, Salma al-Shehab, was released from prison in Saudi Arabia after completing a four-year prison term of arbitrary detention following an unfair trial before the notorious Specialized Criminal Court (SCC). On 25 September 2024, Salma al-Shehab’s sentence was reduced from 27 years in prison followed by a 27-year travel ban to four years in prison, with an additional four years suspended. The SCC had convicted Salma al-Shehab of terrorism-related offences after a grossly unfair trial for publishing tweets in support of women’s rights. […]
Salma al-Shehab was arrested on 15 January 2021 during a visit from the UK to Saudi Arabia. According to court documents reviewed by Amnesty International, she was detained in solitary confinement for 285 days before she was brought to trial, in violation of international fair trial standards and Saudi Arabia’s own Law on Criminal Procedures. Salma al-Shehab’s trial before the SCC began on 25 October 2021. She had no access to legal representation throughout her pre-trial detention, including during interrogations. […] In a subsequent hearing, on 25 September 2024, Salma al-Shehab’s sentence was reduced from 27 years in prison followed by a 27-year travel ban to four years in prison, with an additional four years suspended. Salma al-Shehab has been released from prison and has reunited with her children in Riyadh. It is unclear whether she faces any restrictions on her expression or travel.” (Amnesty International, 25. April 2025)
· Amnesty International: Saudi-Arabien: 8 Jahre Haft für Briten, 11. Juli 2025
https://www.amnesty.de/mitmachen/urgent-action/saudi-arabien-8-jahre-haft-fuer-Ahmed%20al-Doush
„Der britische Staatsangehörige Ahmed al-Doush, ein leitender Wirtschaftsanalyst der Bank of America, ist in Saudi-Arabien zu acht Jahren Haft verurteilt worden. Er war am 31. August 2024 auf dem Flughafen von Riad festgenommen worden, als er sich nach einem Besuch in Saudi-Arabien mit seiner Frau und seinen Kindern auf dem Rückweg nach Großbritannien befand. Die genauen Vorwürfe gegen ihn sind unklar, doch scheinen sie mit früheren Social-Media-Posts und seiner vermeintlichen Verbindung zu einem saudischen Kritiker im Exil zusammenzuhängen. Ahmed al-Doush hat kein faires Verfahren erhalten.“ (Amnesty International, 11. Juli 2025)
· Amnesty International: The State of the World's Human Rights; Saudi Arabia 2025, 21. April 2026
https://www.ecoi.net/de/dokument/2139352.html
„Regierungskritiker*innen und Menschenrechtsverteidiger*innen waren mit langen Haftstrafen, grob unfairen Gerichtsverfahren und willkürlichen Reiseverboten konfrontiert. Auch viele freigelassene Gefangene unterlagen langjährigen Reiseverboten. […]
Recht auf freie Meinungsäußerung
Kritiker*innen und Menschenrechtsverteidiger*innen erhielten auch 2025 unfaire Verfahren, lange Haftstrafen und Reiseverbote. […]
Unfaire Gerichtsverfahren
Fast alle Menschenrechtsverteidiger*innen, die 2025 vor das Sonderstrafgericht SCC oder andere Gerichte gestellt wurden, erhielten nach grob unfairen Verfahren harte Strafen. Das SCC war nach wie vor dafür berüchtigt, das Recht auf ein faires Gerichtsverfahren zu untergraben.” (Amnesty International, 21. April 2026)
Die British Broadcasting Corporation (BBC) ist ein öffentlich-rechtlicher Rundfunksender mit Hauptsitz in London.
· BBC News: US citizen jailed in Saudi Arabia for criticising regime allowed to return to US, 20. November 2025
https://www.bbc.com/news/articles/c62e2z4vn50o
„A US and Saudi citizen who was jailed in Riyadh over tweets that were critical of the Saudi government has been allowed to return home to Florida.
Saad Ibrahim Almadi's son said that the return of the 75-year-old retired engineer was made possible by President Donald Trump and his administration. The announcement comes one day after Trump hosted Saudi Crown Prince Mohammed bin Salman at the White House.
Mr Almadi was arrested in 2021 upon arriving in Riyadh to visit family and later found guilty of trying to destabilise the kingdom and supporting and funding terrorism.[…]
Ibrahim previously told the BBC that the only evidence presented to the court against his father consisted of 14 tweets.
The tweets, seen by BBC News at the time, included criticism of the demolition of old parts of the cities of Mecca and Jeddah, concern over poverty in the kingdom and a reference to the murdered Saudi journalist Jamal Khashoggi.” (BBC News, 20. November 2025)
Die Bertelsmann Stiftung ist eine deutsche gemeinnützige Denkfabrik mit Sitz in Gütersloh.
· Bertelsmann Stiftung: BTI 2026 Country Report - Saudi Arabia, 2026
https://www.ecoi.net/en/file/local/2138471/country_report_2026_SAU.pdf
„The government continues to crack down on freedom of expression, targeting human rights defenders, women’s rights activists and journalists. Some have received lengthy prison sentences of up to 45 years for online dissent. The government closely monitors social media platforms to gauge public sentiment. This surveillance of online discourse allows authorities to adjust policies in response to highly salient issues. A notable example is the government’s reaction to discussions about the Abraham Accords with Israel. Additionally, authorities have deployed advanced surveillance tools, including the infamous ‘Pegasus’ spyware, to monitor and silence critics both within and beyond Saudi borders. This demonstrates the kingdom’s extensive transnational repression, which reaches beyond national territory.” (Bertelsmann Stiftung, 2026, S. 10)
„The government frequently uses travel bans as a repressive tool, preventing activists and dissidents from leaving the country. Reform advocates are routinely stripped of their passports, and authorities extend punitive measures to family members, who may also face travel restrictions or imprisonment as collective punishment. (Bertelsmann Stiftung, 2026, S. 11)
„The authorities continue to arrest and imprison citizens for peacefully criticizing the government, expressing dissent on social media or participating in demonstrations.” (Bertelsmann Stiftung, 2026, S. 34)
Das Europäische Parlament ist das Parlament der Europäischen Union (EU) mit Sitz in Straßburg.
· Europäisches Parlament: Transnational repression of human rights defenders: The impacts on civic space and the responsibility of host states, Juni 2025
https://www.europarl.europa.eu/RegData/etudes/STUD/2025/754475/EXPO_STU(2025)754475_EN.pdf
„The governments of inter alia Saudi Arabia, the United Arab Emirates and Rwanda have used the notorious Pegasus spyware, sold by Israel-based NSO Group, to infiltrate the smartphones of critics abroad. The gruesome murder of exiled journalist Jamal Khashoggi in the Saudi consulate in Istanbul was likely to have been prepared by Pegasus infiltrations in his close circle.”(Europäisches Parlament, Juni 2025, S. 15-16)
Freedom House ist eine in den USA ansässige Nichtregierungsorganisation, die sich mit Recherchen und Advocacy-Arbeit zu Demokratie, politischen Freiheiten und Menschenrechten befasst.
· Freedom House: Saudi Arabia: Transnational Repression Origin Country Case Study, 2021
https://freedomhouse.org/report/transnational-repression/saudi-arabia
„The Saudi Arabian government is perhaps the best known in the world for targeting its nationals abroad. […] The brutal 2018 murder and dismemberment of dissident and journalist Jamal Khashoggi inside the country’s Istanbul consulate brought transnational repression into popular awareness. Khashoggi’s killing was not an isolated event, but rather the outcome of an increasingly physical, targeted campaign against critics and former insiders, including members of the royal family, that has rapidly escalated since Crown Prince Mohammed bin Salman began his rise to power in 2015. This campaign has included extensive use of spyware, proxy punishment, detentions, assaults, and renditions in nine countries spanning the Middle East, Europe, North America, and Asia.” (Freedom House, 2021)
Das „Free Speech Project“ an der Georgetown University ist eine unabhängige, überparteiliche Initiative, die sich zum Ziel gesetzt hat, den aktuellen Stand der Meinungsfreiheit in den Vereinigten Staaten zu untersuchen.
· Georgetown University – The Free Speech Project: American-Saudi dual citizen released from Saudi Arabian prison over tweets he sent from US, 24. Juli 2023
https://freespeechproject.georgetown.edu/tracker-entries/american-saudi-dual-citizen-sentenced-to-16-years-in-saudi-arabian-prison-over-tweets-he-sent-from-u-s/
„An American-Saudi citizen was released from a Saudi Arabian prison despite a 16-year prison sentence for tweeting criticisms of the Saudi regime while living in the United States. His conviction sparked debates around President Joe Biden’s foreign policy goals and U.S. interests in Saudi Arabia. Although he has been released, he remains in Saudi Arabia under travel restrictions.
Saad Ibrahim Almadi, a 72-year-old American/Saudi dual citizen of Saudi origin, has lived in the United States since the 1970s. He attended an American college and worked as a project manager in Orlando, Florida, until his retirement. An avid user of social media, he posted on Twitter to share life updates, news, and political opinions […]
In November 2021, Saad Ibrahim Almadi traveled to Riyadh, Saudi Arabia, for two weeks to visit family. When he arrived at the airport, he was immediately arrested and detained by the Saudi government in connection with 14 tweets he had sent over the previous seven years. Saudi agents held him in a hotel while searching his phone, his son told The Guardian.[...]
After his father’s arrest, Ibrahim Almadi told CNN, he did not hear about his detention for a month. He told The Associated Press that Saudi officials had warned him to stay quiet and not get the U.S. government involved in the matter. When his family did contact the U.S. State Department in March 2022, he said, his father was tortured. […]
On Oct. 3, after 11 months without a trial, Almadi was sentenced to 16 years in prison, followed by 16 years of house arrest, on charges of harboring a terrorist ideology, trying to destabilize the kingdom, and supporting and funding terrorism.” (Georgetown University - The Free Speech Project, 24. Juli 2023)
Human Rights Watch (HRW) ist eine internationale Nichtregierungsorganisation mit Sitz in New York City, die sich für den weltweiten Schutz der Menschenrechte einsetzt.
· HRW – Human Rights Watch: “We Will Find You” A Global Look at How Governments Repress Nationals Abroad, 22. Februar 2024
https://www.ecoi.net/en/file/local/2104797/global_transnationalrepression0224web.pdf
„Saudi authorities have frequently retaliated against the family members of critics and dissidents living abroad. Omar Abdulaziz, a Canada-based Saudi dissident, said that Saudi authorities detained his two brothers in August 2018 in an effort to silence his online activism. Abdulaziz has a popular YouTube show where he voices criticisms of the Saudi Arabian government. At the time of writing, his brothers remain in jail. Omar Al-Jabri and Sarah Al-Jabri are the children of Saad Al-Jabri, a former top Saudi intelligence official. They have been targeted by Saudi authorities since 2017, when Omar was 18 and Sarah was 17, to coerce their father to return to Saudi Arabia from exile, including by placing them on a travel ban, freezing their bank accounts and financial assets, and interrogating them about their father’s whereabouts and activities. In 2020, Saad Al-Jabri sued Crown Prince Mohammed bin Salman in US Federal Court alleging that the crown prince had sent a hit squad to murder him in Canada in 2018. Soon after, in March 2020, the Saudi authorities arrested Al-Jabri’s children and held them incommunicado until January 2021, in an apparent effort to coerce him to return to Saudi Arabia. A Saudi court in November 2020 sentenced Omar and Sarah Al-Jabri in an unfair trial to nine and six and a half years in prison respectively, for ‘money laundering’ and ‘attempting to escape’ Saudi Arabia. In December 2020, an appeals court upheld their sentences in a secret hearing at which they were not present.” (HRW, 22. Februar 2024, S. 25)
„Citizen Lab concluded with ‘high confidence’ that in 2018 the mobile phone of Omar Abdulaziz, a prominent Saudi activist based in Canada, was targeted and infected with Pegasus. In an interview with the Guardian newspaper, Abdulaziz said that he believes that the information gained through surveilling him contributed to Jamal Khashoggi’s murder. Yahya Assiri, a Saudi human rights activist, and Ghanim al-Masarir, a comedian and dissident, both UK-based, allege that their devices were infected with Pegasus by the Saudi authorities.“ (HRW, 22. Februar 2024, S. 33)
· HRW – Human Rights Watch: World Report 2026; Saudi Arabia, 4. Februar 2026
https://www.ecoi.net/de/dokument/2136253.html
„Saudi authorities released dozens of people serving long prison terms but continued to imprison and arbitrarily detain many more on the basis of freedom of expression, assembly, association, and belief. […]
Government Opposition and Other Critics
Between December 2024 and February 2025, Saudi Arabia released at least 44 prisoners, including Mohammed al-Qahtani, Salma al-Shehab, and Asaad al-Ghamdi, all jailed for peaceful expression. However, many more remain imprisoned, and those released face restrictions like travel bans and surveillance. The government continues to detain individuals for exercising basic rights, with high-profile detainees such as Salman al-Odah, Waleed Abu al-Khair, and Manahel al-Otaibi still in prison.
Saudi authorities continue to use vague counterterrorism and cybercrime laws to silence dissent. Family members of dissidents are also targeted in retaliation, making it nearly impossible for advocacy to continue from abroad without consequences.
Freedom of Expression
Saudi authorities have intensified their crackdown on freedom of expression to silence dissent, including by the continued detention of fitness instructor Manahel al-Otaibi. She was arrested in 2022 for supporting women’s rights on social media and posting photos without an abaya and later forcibly disappeared in December 2024.” (HRW, 4. Februar 2026)
„The June 2025 execution of journalist Turki al-Jasser raised concerns that the Saudi government is using the death penalty to crush peaceful dissent.. […]
Death Penalty
Saudi Arabia has seen an unprecedented spike in executions in 2025, having carried out at least 300 executions by October amid serious concerns over lack of due process. Human rights groups warned that the Saudi government is using the death penalty as a tool to suppress peaceful dissent. […] Al-Jasser's case is not isolated. Abdullah al-Shamri, Saudi political analyst, was also executed in 2024 based on his peaceful expression. Religious scholars like Salman al-Odah and Hassan al-Maliki are also facing the death penalty. These cases reflect a broader pattern of Saudi authorities targeting activists, journalists, and critics under vague terrorism or national security charges.” (HRW, 4. Februar 2026)
Sanad ist eine im Vereinigten Königreich registrierte Menschenrechtsorganisation, die sich für politische und bürgerliche Rechte in Saudi-Arabien einsetzt.
· Sanad: Families of Saudi Activists: Instruments of Pressure and Political Blackmail, 1. November 2025
https://sanad.uk/2025/11/01/families-of-saudi-activists-instruments-of-pressure-and-political-blackmail/
„This report sheds light on another repressive tool used by the Saudi government to silence dissent: the targeting and intimidation of activists through the arrest of their family members inside the Kingdom, as a means of pressure and blackmail. The report documents eight verified cases, including:
Arrest of the two brothers of Dr. Saeed Al-Ghamdi — Mohammed Al-Ghamdi, who was initially sentenced to death before the verdict was later overturned and replaced with a 30-year prison sentence, and Asaad Al-Ghamdi, who was released after years of detention.
Arrest of Aida Al-Ghamdi, the mother of political and human rights activist Abdullah Al-Ghamdi, along with his brother Adel Al-Ghamdi.
Arrest of the two brothers of political and human rights activist Omar Abdulaziz Alzahrani — Ahmed and Abdulmajeed Alzahrani.
Arrest of the children of former Saudi intelligence official Saad Al-Jabri — Omar Al-Jabri and Sarah Al-Jabri.
Dr. Saeed Al-Ghamdi: Professor of Creed and Contemporary Doctrines, Islamic thinker, researcher, and Saudi political and human rights activist T
The family of London-based Saudi dissident Dr. Saeed Al-Ghamdi has been subjected to a series of deliberate violations, as part of the Saudi authorities’ policy of family-based retaliation against exiled dissidents.” (Sanad, 1. November 2025)
The New Arab ist eine in London angesiedelte Nachrichten-Website mit den Schwerpunkten Naher Osten und Nordafrika.
· The New Arab: Saudi Arabia offers 'amnesty' for dissidents to return home, 3. März 2025
https://www.newarab.com/news/saudi-arabia-offers-amnesty-dissidents-return-home
„Prominent Saudi dissidents have expressed scepticism at the amnesty, with rights groups highlighting that many activists still remain behind bars.
Exiled Saudi dissidents are free to return to their country without any repercussions, the head of Saudi Arabia's State Security Agency has said, citing a directive from Crown Prince Mohammed Bin Salman. […] In a video posted to social media, Canada-based dissident Omar Al-Zahrani said he and others would not return to the kingdom, saying recent experiences led him not to trust the promise. Al-Zahrani added that his relatives and friends have been detained by Saudi authorities since 2018 as a means of pressuring him to come home. The vlogger, who was a close associate of slain Saudi journalist Jamal Khashoggi, said the amnesty is a bid to improve the country's image and attract foreign investment.” (The New Arab, 3. März 2025)
Das US Department of State (USDOS) ist das US-Bundesministerium, das für die auswärtigen Angelegenheiten der Vereinigten Staaten zuständig ist.
· USDOS – US Department of State: 2024 Country Reports on Human Rights Practices: Saudi Arabia, 12. August 2025
https://www.ecoi.net/de/dokument/2128487.html
„Authorities routinely abused the cybercrimes law and the counterterrorism law to restrict freedom of expression, including by prosecuting numerous individuals under these laws on charges related to statements made on social media and other exercises of freedom of expression. [...] The law also penalized ‘anyone who challenges, either directly or indirectly, the religion or justice of the king or crown prince…or anyone who establishes or uses a website or computer program…to commit any of the offenses set out in the law.’ […]
The government monitored public expressions of opinion and used legal controls to impede the free expression of opinion and to restrict individuals from engaging in public criticism of the government. The government reportedly collected information concerning the identity of persons peacefully expressing political, religious, or ideological opinions or beliefs online. […] The government detained numerous individuals for crimes related to their exercise of free speech and sentenced them to prison.“ (USDOS, 12. August 2025)