Anfragebeantwortung zu Usbekistan: Lage der tadschikischen Minderheit, Lage von anderen Fremden und ethnischen Minderheiten, Schutzfähigkeit und -willigkeit der Sicherheitsbehörden bei Übergriffen auf Fremde [a 9076]

Anfragebeantwortung zu Usbekistan: Lage der tadschikischen Minderheit, Lage von anderen Fremden und ethnischen Minderheiten, Schutzfähigkeit und -willigkeit der Sicherheitsbehörden bei Übergriffen auf Fremde [a‑9076]

16. März 2015
 
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Lage der tadschikischen Minderheit

EurasiaNet, eine vom Central Eurasia Project des Open Society Institute betriebene Website, die Informationen und Analysen zu politischen, wirtschaftlichen und sozialen Themen zur Verfügung stellt, schreibt in einem Artikel vom Juli 2014, dass neue russische Gesetze, die Personen, welche die russische Sprache beherrschten, die russische Staatsbürgerschaft anbieten würden, zu langen Schlangen vor der russischen Botschaft in Taschkent führen würden. Die meisten Personen in der Schlange seien UsbekInnen mit verschiedenen ethnischen Hintergründen oder Staatenlose, viele davon ethnische UsbekInnen. Ein ethnischer Usbeke, der Anfang der 2000er Jahre von Tadschikistan in den Süden Usbekistans gezogen sei, habe angegeben, die russische Staatsbürgerschaft erwerben zu wollen, um einfacher in Russland arbeiten und in Usbekistan leben zu können. Seit seiner Ankunft in Usbekistan sei er staatenlos, was es schwierig mache, Usbekistan zu verlassen, geschweige denn, ein russisches Visum zu beantragen.
Viele der Staatenlosen stammten aus anderen ehemaligen Sowjetrepubliken und hätten über Jahre versucht, die usbekische Staatsbürgerschaft zu erhalten. Usbekistan veröffentliche keine verlässlichen Zahlen zur ethnischen Zusammensetzung der Bevölkerung im Land und habe seit 1989 keine Volkszählung mehr durchgeführt. Der „Ethnische Atlas von Usbekistan“, eine Veröffentlichung des usbekischen Büros der Open Society Foundations, habe 2002 angegeben, dass ungefähr zwei Millionen VertreterInnen ethnischer Minderheiten im Land leben würden, darunter 1,2 Millionen RussInnen und beträchtliche Zahlen an unter anderem UkrainerInnen, KoreanerInnen, ArmenierInnen und TatarInnen:
„Judging by the long line outside the Russian Embassy in Tashkent one recent afternoon, new Russian legislation offering citizenship to Russian-speakers is prompting lots of individuals in Uzbekistan to ponder emigration. Some see a chance to escape economic woes; others, stymied by Uzbekistan’s own Byzantine bureaucracy, want to seize on an opportunity to obtain a proper passport. […]

A visit to the Russian consulate off Nukus Street in Tashkent one scorching afternoon recently vividly demonstrated just who is interested in Russian citizenship. Apart from a few Russian citizens trying to resolve consular issues, most people queuing in an alley outside the consular section were Uzbek citizens of various ethnic backgrounds, or stateless persons, many of them of Uzbek ethnicity. ‘I want to get Russian citizenship to make it easier to work in Russia and live in Uzbekistan,’ an ethnic Uzbek who moved from Tajikistan to Uzbekistan’s southern Kashkadarya Region in the early 2000s told EurasiaNet.org. Since his arrival in Uzbekistan, he’s been living as a stateless person, making it difficult even to leave Uzbekistan, let alone obtain a Russian visa. (Russian visas are required for stateless persons, but not Uzbek citizens).

Indeed, many people in line were stateless people from other former Soviet republics who have been trying for years, and failing, to obtain Uzbek citizenship. Uzbekistan does not publish data on how many people it grants citizenship each year, but the number is thought to be in the single digits.

An ethnic Korean woman said she and her Tajik partner, who holds an Uzbek stateless person’s document, were queuing to obtain Russian citizenship to make it ‘easy’ for him to live with her in Kazakhstan. She moved to Kazakhstan last year and intends to obtain a residence permit there. Living in Kazakhstan as a Russian citizen, in her opinion, is the best option for her partner.

Uzbekistan does not publish reliable figures on the country’s ethnic breakdown and has not conducted a census since 1989. According to figures published in the Ethnic Atlas of Uzbekistan in 2002, Uzbekistan was home to about 2 million members of ethnic minority groups in 2000, including 1.2 million ethnic Russians and sizeable numbers of Ukrainians, Koreans, Armenians, Tatars and others. Many minorities are primarily Russian-speakers, and, thus, are prime candidates to apply for Russian citizenship.“ (EurasiaNet, 9. Juli 2014)

Die Minority Rights Group International (MRG), eine internationale Menschenrechtsorganisation, die sich für die Rechte von ethnischen, religiösen und sprachlichen Minderheiten und indigenen Völkern weltweit einsetzt, schreibt in ihrem im Juli 2014 veröffentlichten Jahresbericht zur Lage von Minderheiten im Jahr 2013, dass ethnische UsbekInnen beinahe 80 Prozent der Bevölkerung des Landes ausmachen würden. Daneben gebe es beträchtliche Zahlen an RussInnen und TadschikInnen. Präsident Islam Karimow, der seit 1989 an der Macht sei, gebe zwar vor, Minderheiten zu schützen, indem er den Frieden und die Ordnung bewahre, sein autoritärer Führungsstil habe allerdings ein weitgehend unwirtliches Umfeld für VertreterInnen ethnischer und religiöser Minderheiten geschaffen. Laut Gesetz sei Diskriminierung aufgrund von ethnischer Zugehörigkeit und nationaler Herkunft verboten, Berichten zufolge würden Beamte Schlüsselpositionen im Staat und in der Geschäftswelt jedoch ausschließlich mit ethnischen UsbekInnen besetzen. Seit dem Zerfall der Sowjetunion seien die Möglichkeiten nationaler Minderheiten, in der eigenen Sprache unterrichtet zu werden, stetig gesunken. Gleichzeitig seien die Methoden für Nachhilfeunterricht in usbekischer Sprache zu wenig entwickelt, was zu eingeschränkten akademischen Möglichkeiten für Personen führe, deren Muttersprache nicht Usbekisch sei. Der Status der TadschikInnen, nach der russischen die größte Minderheit Usbekistans, gelte generell als heikel, teilweise wegen der Spannungen zwischen den politischen Führungen von Usbekistan und Tadschikistan. Einige BeobachterInnen würden diese Feindlichkeit auf die dramatische Reduktion tadschikisch-sprachiger Schulen in den vorangegangenen zehn Jahren in und um die Städte Samarkand und Buchara, wo die tadschikische Bevölkerung Usbekistans konzentriert sei, zurückführen. Insgesamt sei die Zahl der tadschikisch-sprachiger Schulen von ungefähr 318 im Jahr 2001 auf 256 im Schuljahr 2012-2013 zurückgegangen:

„With just under 30 million inhabitants, Uzbekistan is Central Asia’s most populous country. While ethnic Uzbeks make up approximately 80 per cent of the country’s population, Russians and Tajiks each make up a significant proportion of the population. Other minority groups include Karakalpaks, Kyrgyz and Tatars. Since 1989, President Islam Karimov has held power in the country, consistently attracting criticism from human rights organizations for his harsh suppression of dissent. Karimov’s authoritarian leadership, while purporting to protect minorities by ensuring peace and order, has produced a largely inhospitable environment for members of ethnic and religious minority groups.

While the law provides for non-discrimination on the basis of ethnicity and national origin, officials reportedly reserve key positions in government and business for ethnic Uzbeks. Opportunities for ethnic minorities to study in their native languages have shrunk steadily since the fall of the Soviet Union. At the same time, methods for remedial Uzbek-language instruction remain underdeveloped, leading to narrowed academic opportunities for non-native speakers of Uzbek.

The status of Tajiks, Uzbekistan’s largest non-Russian minority, is generally considered precarious, due in part to tensions between the leadership of Uzbekistan and Tajikistan. Some observers link this hostility to the dramatic reduction over the past decade of Tajik-language schooling in and around the cities of Samarkand and Bukhara, where Uzbekistan’s Tajik population remains concentrated. Overall, the number of Tajik-language schools in Uzbekistan has fallen from about 318 in 2001 to 256 in the 2012–13 school year.“ (MRG, 3. Juli 2014, S. 112-113)

In der im April 2014 veröffentlichten Rangliste „Peoples under threat 2014“, mit der angegeben werden soll, in welchen Ländern die Gefahr von Massentötungen am größten sei, wird Usbekistan auf Platz 47 gereiht (auf Platz 1 Somalia, Anm. ACCORD). Als gefährdete Gruppen im Land werden unter anderem TadschikInnen, KarakalpakInnen und RussInnen angegeben:
 
„Uzbekistan
Communities at risk Tajiks, Islamic political groups, religious minorities, Karakalpaks, Russians

Summary

Uzbekistan ranked 47th in 2014′s Peoples under Threat index and fell three places from 2013′s ranking.“ (MRG, 23. April 2014)

Das US-amerikanische Außenministerium (US Department of State, USDOS) schreibt in seinem Länderbericht zur Menschrechtslage vom Februar 2014 (Berichtszeitraum 2013), dass laut Verfassung alle BürgerInnen Usbekistans, ungeachtet ihres ethnischen Hintergrunds, gleich seien, und alle, ungeachtet ihrer nationalen, rassischen oder ethnischen Herkunft, durch die Gerichte den gleichen Schutz bekommen sollten. In dem Land gebe es zahlenmäßig bedeutende Minderheiten wie die tadschikische mit fünf Prozent und die russische mit 5,5 Prozent, sowie kleinere Minderheiten wie die kasachische oder die kirgisische. Es gebe auch eine zahlenmäßig kleine Minderheit von Roma in Taschkent, die auf unter 50.000 Personen geschätzt werde. Es habe nur wenige Beschwerde über Diskriminierung oder gesellschaftliche Gewalt gegenüber dieser Gruppe gegeben. Es habe Berichte gegeben, denen zufolge ethnischen TadschikInnen ihre Staatsbürgerschaft aberkannt worden sei wegen Behauptungen, sie hätten ihre usbekischen Pässe auf betrügerische Art und Weise erhalten. In einem Fall hätten die Behörden dies angeblich als Vorwand genutzt, um Personen wegen ihrer NGO-Aktivitäten zu schikanieren. Die usbekische Verfassung garantiere auch das Recht der BürgerInnen auf Arbeit und Berufswahl. Diskriminierung bei der Einstellung aufgrund der ethnischen oder nationalen Abstammung sei zwar per Gesetz verboten, dennoch hätten sich ethnische RussInnen und VertreterInnen anderer Minderheiten bisweilen besorgt gezeigt wegen beschränkter Beschäftigungsmöglichkeiten. Berichten zufolge hätten Beamte hochrangige Positionen in der staatlichen Verwaltung und Geschäftswelt nur mit ethnischen UsbekInnen besetzt, auch wenn es zahlreiche Ausnahmen gegeben habe. Die Beherrschung der usbekischen Sprache sei laut Gesetz keine Voraussetzung für den Erwerb der usbekischen Staatsbürgerschaft, das Thema „Sprache“ sei aber oft heikel gewesen. Usbekisch sei die Amtssprache und die Verfassung verlange vom Präsidenten, diese Sprache zu sprechen. Per Gesetz sei Russisch die „Sprache der interethnischen Kommunikation“:

„The constitution states that all citizens are equal, regardless of ethnic background, and provides for equal protection by the courts to all residents, irrespective of national, racial, or ethnic origin. The country has significant Tajik (5 percent) and Russian (5.5 percent) minorities and smaller Kazakh and Kyrgyz minorities. There is also a small Romani population in Tashkent, estimated at fewer than 50,000 individuals. Complaints of societal violence or discrimination against members of these groups were rare. There were reports of cases in which ethnic Tajik residents in the country had their citizenship revoked upon allegations that they had fraudulently obtained the country’s passports. In one case authorities allegedly used this as a pretext to harass individuals for their nongovernmental activities.

The constitution also provides for the right of citizens to work and to choose their occupations. Although the law prohibits employment discrimination on the basis of ethnicity or national origin, ethnic Russians and other minorities occasionally expressed concern about limited job opportunities. Officials reportedly reserved senior positions in the government bureaucracy and business for ethnic Uzbeks, although there were numerous exceptions.

The law does not require Uzbek language ability to obtain citizenship, but language often was a sensitive issue. Uzbek is the state language, and the constitution requires that the president speak it. The law also provides that Russian is ‘the language of interethnic communication.’” (USDOS, 27. Februar 2014, Section 6)

Der UNO-Ausschuss für die Beseitigung der Rassendiskriminierung (Committee on the Elimination of Racial Discrimination, CERD) schreibt in seinen im Februar 2014 veröffentlichten Schlussbemerkungen zum Staatenbericht über die Umsetzung des Übereinkommens zur Beseitigung von Rassendiskriminierung, dass man sich besorgt zeige über Spannungen zwischen Usbekistan und den Nachbarländern, da diese die interethnischen Beziehungen in Usbekistan belasten könnten. Es sei besorgniserregend, dass es keine Rahmengesetzgebung zum Schutz der Rechte von ethnischen Minderheiten in Usbekistan gebe. Man sei auch besorgt darüber, dass die Förderung von Minderheitensprachen, darunter auch die tadschikische Sprache, nur unzureichend unterstützt werde und die Anzahl der Schulen, in denen in Minderheitensprachen unterrichtet werde, zurückgehe. Ebenfalls Anlass zur Sorge würden Berichte gebe, dass die usbekischen Behörden den Unterricht in Minderheitensprachen auf allen Ebenen nicht angemessen unterstützen würden:

„8. The Committee notes with concern that tensions with neighbouring countries, including over natural resources, may strain inter-ethnic relations in the State party. (art. 2) […]

10. The Committee is concerned at the absence of a framework legislation for the protection of the rights of ethnic minorities in the State party. The Committee is also concerned about insufficient support given to the promotion of minority languages, including the Tajik language, and the decrease in the number of schools providing education in minority languages. The Committee also notes with concern reports that education in minority languages at all levels, including pre-school education, is not adequately supported by the State party’s authorities. (art. 5)“ (CERD, 21. Februar 2014, S. 3-4)

Freedom House, eine in den USA ansässige NGO, die zu den Themen Demokratie, politische Freiheit und Menschenrechte forscht und sich für diese einsetzt, schreibt in ihrem im Jänner 2014 veröffentlichten Bericht Freedom in the World 2014, dass Diskriminierung aufgrund von Rasse oder Ethnizität per Gesetz verboten sei, der Glaube, dass hochrangige Positionen im Staat und in der Geschäftswelt ethnischen UsbekInnen vorbehalten seien, sei jedoch weit verbreitet. Zudem scheine die Regierung systematisch Schulen für die tadschikisch-sprachige Minderheit zu schließen:

„Although racial and ethnic discrimination is prohibited by law, the belief that senior positions in government and business are reserved for ethnic Uzbeks is widespread. Moreover, the government appears to be systematically closing schools for the Tajik-speaking minority.“ (Freedom House, 23. Jänner 2014)

Die wirtschaftsliberale deutsche Bertelsmann Stiftung erwähnt in ihrem Transformations-Index zu Usbekistan aus dem Jahr 2014, dass größere Gruppen in der Gesellschaft das offizielle Konzept des Nationalstaates akzeptieren würden. Alle Personen und Gruppen genössen das Recht, die usbekische Staatsbürgerschaft ohne Diskriminierung zu erhalten. Es gebe keine Einschränkungen bei der Verleihung der usbekischen Staatsbürgerschaft in Bezug auf Rasse, Geschlecht, Sprache, Religion, nationale oder soziale Abstammung, Vermögen, Geburtsort oder Status. In der Vergangenheit habe es jedoch Anzeichen von Ressentiments und von separatistischer Stimmung bei einigen ethnischen Gruppen gegeben, beispielweise bei den KarakalpakInnen und TadschikInnen. UsbekInnen tadschikischer Abstammung seien vom herrschenden System diskriminiert worden. Man sei ihnen mit Misstrauen begegnet und habe sie beschuldigt, für das benachbarte Tadschikistan zu spionieren. Die tadschikische Sprache sei in Samarkand und Buchara, wichtigen historisch gesehen tadschikisch-sprachigen Städten in Zentralasien, völlig aus dem öffentlichen Raum verbannt worden und die Sprache sei heute nur mehr in gesprochener Form in Verwendung. Es gebe auch Anzeichen für eine Sehnsucht nach der sowjetischen Vergangenheit und eine Loyalität gegenüber Russland in der russisch-sprachigen Bevölkerung, darunter auch ethnische UsbekInnen.

Bis jetzt habe es noch keine schwerwiegenden Spaltungen der Gesellschaft entlang sozialer, religiöser oder ethnischer Linien gegeben. Die Regierung versuche, in der Gesellschaft und der internationalen Gemeinschaft Panik zu verbreiten, indem sie übertreibe, was die islamische Bedrohung angehe, was jedoch hauptsächlich aus populistischen und politischen Motiven geschehe, um das eigene Festhalten an der Macht zu rechtfertigen. Die Regierung versuche auch, Paranoia in Bezug auf das benachbarte Tadschikistan zu schüren, indem sie unterstelle, dass lokale TadschikInnen GeheimagentInnen aus Tadschikistan seien. Diese Versuche hätten aber bisher keinen usbekischen Ethno-Nationalismus ausgelöst:

„Major groups in society accept the official concept of the nation-state. All individuals and groups enjoy the right to acquire citizenship without discrimination: There are no restraints on granting Uzbek citizenship on the basis of race, gender, language, religion, national or social origin, property, place of birth or other status. In the past, however, there have been signs of resentment and separatist sentiment among some ethic groups, for instance among Karakalpaks and Tajiks. The regime has discriminated against Uzbek citizens of Tajik origin, treating them with suspicion and accusing some of spying for neighboring Tajikistan. The Tajik language has been completely banned from public spaces in Samarqand and Bukhara, important historically Tajik-speaking cities of Central Asia, and today the language functions only in oral form. There are also signs of nostalgia for the Soviet past and loyalty to Russia among the Russian-speaking population, including ethnic Uzbeks.“ (Bertelsmann Stiftung, 2014, S. 5)

„The regime has not yet faced serious cleavages in society along social, religious and ethnic lines. The regime is trying to scaremonger the society and the international community by exaggerating the Islamic threat, but it does this mainly for populist and political purposes, to justify its hold on power. The regime is also trying to drum up spy paranoia against neighboring Tajikistan, implying that local Tajiks are Tajikistan’s secret agents. But these attempts have not yet succeeded in triggering Uzbek ethno-nationalism.” (Bertelsmann Stiftung, 2014, S25)

Im November 2013 berichtet EurasiaNet, dass die tadschikische Sprache in Samarkand über Jahrhunderte die Lingua franca gewesen sei. Jetzt scheine es allerdings, als seien die usbekischen Behörden fest entschlossen, die tadschikischen Wurzeln der Stadt zu kappen. In Samarkand, wo Tadschikisch die Muttersprache vieler Menschen sei, habe dieses Sprache keinen offiziellen Status. Die Regierung mache keine Angaben dazu, wie viele TadschikInnen in Samarkand leben würden, das Statistikamt des Landes sage aber, dass TadschikInnen etwa fünf Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachen würden. Der „Ethnische Atlas von Usbekistan“ habe 2002 angegeben, dass etwa ein Fünftel aller ethnischen TadschikInnen in Samarkand lebe. Der Atlas behaupte, dass die Anzahl der ethnischen TadschikInnen im Land ein wenig höher sei, da einige es bevorzugt hätten, sich als ethnische UsbekInnen zu registrieren, was eine pragmatische Einstellung nahelege, die ein soziales und wirtschaftliches Vorankommen unterstütze, sowie ein geringes Gespür für ethnische und kulturelle Identität unter VertreterInnen von Minderheiten in Usbekistan. Weiters habe der Atlas angegeben, dass der erste Grund wahrscheinlicher sei, da der Status der ethnischen Titulargruppe mit mehr Vergünstigungen verbunden sei als der Status einer ethnischen Minderheit. Die Anzahl der Schulen mit Unterricht in tadschikischer Sprache sei auf eine Schule mit gemischtem tadschikisch-usbekisch-sprachigem Unterricht reduziert worden, so ein Beamter aus der Bildungsabteilung von Samarkand gegenüber EurasiaNet. Im Bezirk Samarkand, zu dem die Vorstädte gehörten, nicht aber die Stadt selbst, gebe es vier Schulen mit Unterricht ausschließlich auf Tadschikisch und 19 mit gemischtem tadschikisch-usbekisch-sprachigem Unterricht. Offizielle Zahlen zu tadschikisch-sprachigem Unterricht in Samarkand und den umliegenden Gebieten gebe es nicht, aber der landesweite Trend zeige, dass die Anzahl der Schulen mit Unterricht in einer Minderheitensprache abnehme. 2001 habe es nach Angaben des in Moskau ansässigen Föderalen Zentrums für Bildungsgesetzgebung 318 Schulen mit tadschikisch-sprachigem und tadschikisch-usbekisch-sprachigem Unterricht in Usbekistan gegeben, 2004 nur mehr 282:

„Back in the days of the fabled Silk Road, Samarkand was a byword for cross-cultural exchange. For hundreds of years, Tajik served as a lingua franca in this flourishing center of Persian civilization, situated in present-day Uzbekistan. But now, Uzbek authorities seem intent on ripping up the city’s Tajik roots. […]

In Samarkand, where many people speak Tajik as their mother tongue, the language – a relative of modern Persian – has no official status. The government does not publish figures showing the number of ethnic Tajiks in Samarkand, but the state statistics agency says that countrywide they comprise about 5 percent of the total population of 30 million. Figures published in the Ethnic Atlas of Uzbekistan in 2002 suggest that around a fifth of the country’s ethnic Tajiks live in Samarkand Region. The atlas claims that the number of ethnic Tajiks is likely higher because some prefer to register themselves as ethnic Uzbeks, suggesting a pragmatic attitude that can help social and economic advancement, as well as a weak sense of ethnic and cultural identity among Uzbekistan’s minorities. ‘The first reason seems more plausible because the status of titular ethnic group promises far more benefits than the status of ethnic minority,’ the atlas said. […]
The number of schools with instruction in Tajik has been reduced to one mixed Tajik-Uzbek language primary school, an official from the Samarkand city Education Department told EurasiaNet.org. In Samarkand District, which includes the city’s suburbs (but not the city), there are four purely Tajik-language schools and 19 mixed Tajik-Uzbek schools, according to the regional Education Department. Official figures for Tajik-language education in Samarkand and the surrounding region are not available, but an overall countrywide trend shows that the number of schools in minority languages is declining: There were 282 Tajik and mixed Tajik-Uzbek schools in Uzbekistan in 2004, down from 318 in 2001, according to the Moscow-based Federal Center for Educational Legislation.“ (EurasiaNet, 5. November 2013)

In dem älteren, aus dem Jahr 2008 stammenden World Directory of Minorities and Indigenous Peoples schreibt die MRG, dass TadschikInnen im Gegensatz zu den meisten anderen Minderheitengruppen in Usbekistan in der Region einheimisch seien und nirgendwo anders hingehen könnten wegen der unsicheren Lage und der wirtschaftlichen Situation in Tadschikistan. Einige TadschikInnen würden auf dem Land leben, die meisten seien aber in den Gegenden rund um Buchara und Samarkand konzentriert. Direkt nach 1991 habe es eine aktive tadschikische separatistische Bewegung gegeben, die jedoch offenbar großteils abgeebbt sei, da die nationalistischen Gruppen von Präsident Karimow in den Jahren nach der Unabhängigkeit unterdrückt worden seien. Ein paar der Forderungen der ethnischen TadschikInnen bestünden jedoch weiterhin auf den Gebieten der Sprache, der Bildung und dem Zugang zu Beschäftigung, die nach wie vor als diskriminierend wahrgenommen würden. Viele der Forderungen seien jedoch kaum zu sehen oder hören, da ein unmittelbares Herausfordern der Regierung eher unmöglich sei, wie die Vorfälle in Andischan gezeigt hätten. Eine Reihe tadschikischer Schulen sei geschlossen worden, als die Beziehungen zwischen Usbekistan und Tadschikistan 1992 auf einem Tiefpunkt gewesen seien. Zumindest seit 2000 würden TadschikInnen von der Regierung als übermäßig sympathisierend oder offen wahrgenommen für Gruppen, die die Regierung als radikalislamisch ansehe, insbesondere die Islamische Bewegung Usbekistan und die Hizb ut-Tahrir. Dies habe zu einer verstärkten Unterdrückung der TadschikInnen durch die Regierung geführt, offenbar auch im Jahr 2000 zu einer gewaltsamen Evakuierung und Umsiedlung vieler TadschikInnen, die an der tadschikisch-usbekischen Grenze gelebt hätten, und zur Verhaftung vieler TadschikInnen, die der Komplizenschaft mit den Aufständischen verdächtigt worden seien:

„Unlike most other minority groups in Uzbekistan, Tajiks are indigenous to the region and have nowhere else to go, given the instability and economic situation in Tajikistan. Some Tajiks in Uzbekistan are rural-dwellers; but most are concentrated in the regions around the cities of Bukhara, closer to the border with Turkmenistan, and Samarkand, adjacent to Tajikistan. […]
While there was an active separatist Tajik movement soon after 1991, this seems to have largely faded away as the nationalist groups were suppressed by President Karimov in the decade following independence, though a number of the claims of ethnic Tajiks remain in areas of language use, education and access to employment that continue to be perceived as discriminatory. Many of these claims remain barely audible or visible, as the events of Andijan show, since open and direct challenges to the government tend not to be possible. A number of Tajik schools were closed when the relations between Uzbekistan and Tajikistan were at a low point in 1992. Tajiks have tended since at least 2000 to be perceived by authorities as overly sympathetic or amenable to what the government perceives as radical Islamic groups, in particular the Islamic Movement of Uzbekistan (IMU) and the Hizb ut-Tahrir. This has resulted in increased government repression of the Tajiks, including it appears, the forceful evacuation and resettlement of large numbers of Tajiks in 2000 living along the Tajikistan-Uzbekistan border, as well as the arrest of large numbers of them suspected of complicity with the militants.“ (MRG, 2008)

Lage von anderen Fremden und ethnischen Minderheiten

Die kanadische Einwanderungsbehörde (Immigration and Refugee Board, IRB) schreibt in einer Anfragebeantwortung vom Mai 2014 zur Behandlung ethnischer RussInnen in Usbekistan, dass es nur wenige Informationen zu dieser Frage gegeben habe. Den Quellen zufolge würden ethnische RussInnen zwischen 5,5 und sechs Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachen. Ein außerordentlicher Professor an der Universität in Toronto, der sich auf Identitätspolitik, soziale Transformationen, soziale Bewegungen und Autoritarismus mit einem Fokus auf die ehemalige UdSSR, insbesondere Zentralasien, spezialisiert habe, habe angegeben, dass es eine große Gruppe von RussInnen in Taschkent gebe. Auch die Website L‘aménagement linguistique dans le monde von der Université Laval, auf der die sprachliche Situation und Politik in 195 Ländern dargestellt werde, gebe an, dass die meisten RussInnen in Taschkent und anderen industriellen Zentren leben würden. Der außerordentliche Professor habe ausgeführt, dass ethnisches RussInnen in Taschkent keine außerordentlichen Schwierigkeiten beim Erhalt von Wohnraum sowie beim Zugang zum Gesundheits- und Bildungswesen hätten, in kleineren Städten aber (außerhalb von Taschkent, wo die russische Gemeinschaft klein sei) könnten ihnen derartige Dienste verwehrt werden. Der außerordentliche Professor habe angegeben, dass es keine Sprachenrechte für RussInnen in Usbekistan gebe. Usbekisch sei die einzige offizielle Sprache. Gemäß Artikel 4 der Verfassung (inklusive Novellen bis 2003) solle die Republik Usbekistan eine respektvolle Haltung gegenüber den Sprachen, Bräuchen und Traditionen aller Nationalitäten und ethnischen Gruppen, die auf dem Gebiet Usbekistans leben würden, sicherstellen und die notwendigen Bedingungen für deren Entwicklung schaffen. Der außerordentliche Professor habe angemerkt, dass RussInnen im kleinen privaten Sektor Jobs bekommen könnten, sie hätten jedoch große Schwierigkeiten, Jobs im großen staatlichen Sektor zu bekommen:

„Information on the treatment of ethnic Russians in Uzbekistan was scarce among the sources consulted by the Research Directorate.

Sources report that ethnic Russians in Uzbekistan make up between 5.5 and 6 percent of the population (US 27 Feb. 2014, 33; L'aménagement linguistique 17 Sept. 2010; PHW 2013, 1580).

In a telephone interview with the Research Directorate, an associate professor at the University of Toronto, who specializes in identity politics, social transformations, social movements and authoritarianism with a focus on ex-USSR, particularly Central Asia, stated that ‘there is a large group of ethnic Russians in Tashkent’ (7 May 2014). L'aménagement linguistique dans le monde, a Université Laval website outlining the linguistic situation and policies in 195 countries (L'aménagement linguistique n.d.), similarly indicates that most Russians live in Tashkent and other industrial centres of the country (ibid. 17 Sept. 2010).

According to the Associate Professor,
[e]thnic Russians in Tashkent do not typically face exceptional difficulties in obtaining housing, accessing health care and employment; however, in smaller cities (outside of Tashkent, where the Russian community is small) they can be denied those services. (Associate Professor 7 May 2014)

The Associate Professor indicated that ‘[t]here are no language rights for Russians in Uzbekistan. Uzbek is the only official language’ (ibid.).

Article 4 of the Constitution states that

[t]he State language of the Republic of Uzbekistan shall be Uzbek. The Republic of Uzbekistan shall ensure a respectful attitude toward the languages, customs and traditions of all nationalities and ethnic groups living on its territory, and create the conditions necessary for their development. (Uzbekistan 1992, Art. 4)

However, without providing details, the US Department of State’s Country Reports on Human Rights Practices for 2013 indicates that the law ‘provides that Russian is 'the language of interethnic communication'’ (US 27 Feb. 2014, 33). The Political Handbook of the World 2013 (PHW) also indicates that Russian ‘remains the principal everyday language’ (2013, 1580). The Associate Professor noted that ‘while Russians can get jobs in the small private sector, they have great difficulty getting jobs in the large state sector’ (7 May 2014). Country Reports 2013 also indicates that ethnic Russians expressed concern about limited job opportunities (US 27 Feb. 2014, 33). According to the same report, ‘[o]fficials reportedly reserved senior positions in the government bureaucracy and businesses for ethnic Uzbeks, although there were numerous exceptions’ (ibid.).“ (IRB, 16. Mai 2014)

Auf dem kasachischen Business-Internetportal Kursiv.kz findet sich ein Artikel vom September 2013, in dem darüber berichtet wird, dass direkt bei Taschkent ein Dorf mit dem Namen Kitaj tepa, in dem nur Kasachen gewohnt hätten, von Bulldozern niedergewalzt worden sei. Nach Angaben der Stadtverwaltung handle es sich um Maßnahmen im Zuge des Generalplans zur Erweiterung der Straßen. Den Bewohnern werde finanzielle Entschädigung gezahlt und eine alternative Unterkunft zur Verfügung gestellt. Einige Zeugen des Abrisses des Dorfes hätten jedoch anonym angegeben, dass die BewohnerInnen mit den Alternativunterkünften nicht zufrieden seien sowie die Entschädigungszahlungen zu gering seien und den Wert der abgerissenen Häuser nicht decken könnten. Dieser Vorfall gebe zum wiederholten Male Anlass, über die Situation der KasachInnen in Usbekistan nachzudenken. Der usbekische Politologe Bachodir Safojew habe angegeben, dass es in Usbekistan immer noch eine bedeutende Anzahl von ethnischen KasachInnen gebe, die unter den gleich schlechten Bedingungen leben würden wie die restliche Bevölkerung. Es gebe zwar Nationalismus im Alltagsleben, aber in unbedeutendem Ausmaß. Nach Angaben von Safojew gebe es aus historischer Sicht zwischen KasachInnen und UsbekInnen gewisse Spannungen. Noch zu Sowjetzeiten habe es eine gewisse Konkurrenz um die Vorherrschaft in Zentralasien gegeben, was sich teilweise auf das Alltagsleben ausgewirkt habe. Nach dem Zerfall der UdSSR habe Usbekistan schnell an Boden verloren. Es habe eine lange Wirtschaftskrise begonnen und heute würden viele UsbekInnen in Kasachstan arbeiten, was zu einem Gefühl einer gewissen historischen Ungerechtigkeit geführt habe, wodurch es zu einer gewissen Spannung kommen könne. Man dürfe aber nicht von einem gegen die kasachische Minderheit gerichteten Nationalismus in großem Ausmaß in Usbekistan sprechen. Die Menschen seien mit den aktuellen Problemen und dem elementaren Überleben beschäftigt, weshalb sie das Fremde selten beunruhige, so Safojew.

Anfang 2012 sei allerding offenkundig geworden, dass es in der Beziehung zwischen ethnischen KasachInnen und UsbekInnen eine gewisse Brisanz gebe, so Kursiv.kz. Damals habe es in der Stadt Tschirtschik einen ethnisch motivierten Konflikt zwischen UsbekInnen und KasachInnen gegeben, unter anderem wegen eines Lieds, das die KasachInnen als beleidigend empfunden hätten und das im Internet verbreitet und auf Handys gespeichert worden sei. Örtliche StudentInnen hätten erzählt, dass derartige Konflikte bei Weitem keine Ausnahme seien.

Die allgemeinen Probleme, der geringe Lebensstandard und auch die interethnischen Schwierigkeiten seien oft Anlass dafür, dass KasachInnen in Usbekistan die Entscheidung treffen würden, in ihre historische Heimat zurückzukehren. Alischer Chamidow, ein Experte vom Institut für wirtschaftliche Untersuchungen der Länder Zentralasiens, habe angegeben, dass sich die KasachInnen in Usbekistan gut an die lokalen Gegebenheiten angepasst hätten, sie würden aber so wie die VertreterInnen aller anderen Nationalitäten auch unter Korruption und dem geringen Lebensstandard leiden. Man könne nicht davon sprechen, dass es im Verhältnis zu den KasachInnen ein spezielles Vorgehen gebe, etwas anderes sei die allgemein bekannte Tatsache, dass im Verhältnis zwischen den Führern der beiden Länder eine gewisse Kälte herrsche. Die KasachInnen in Usbekistan würden vor allem Gebiete bewohnen, die an Kasachstan grenzen würden. Einen bedeutenden Anteil der Bevölkerung stellten die KasachInenn in den Gebieten Taschkent mit 13,7 Prozent, Nawoij mit 10,2 Prozent und Dschissak mit 6,6 Prozent. Die meisten KasachInnen lebten jedoch in der Republik Karakalpakistan mit 24,8 Prozent. In der Stadt Taschkent würden KasachInnen etwa zwei Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachen. Insgesamt lebten in Usbekistan etwa 1,5 bis zwei Millionen KasachInnen. Für viele KasachInnen in Usbekistan würde auch der Unterricht in der eigenen Sprache zum Problem. Nach Angaben des usbekischen Ministeriums für Volksbildung habe es 2002-2003 beispielsweise noch 581 Schulen mit gemischtem kasachisch-usbekisch-sprachigem Unterricht gegeben, 2006-2007 seien es bereits nur mehr 521 derartige Schulen gewesen. Von diesen sei in 234 nur auf Kasachisch unterrichtet worden, in den anderen finde gemischt-sprachiger Unterricht statt. In den letzten Jahren habe die Anzahl der Schulen, in denen Kasachisch unterrichtet werde, stark abgenommen, sowohl wegen des Wegzugs von KasachInnen aus Usbekistan als auch weil ExpertInnen fehlen würden:

„‚Прямо под Ташкентом, примерно в 15 километрах, есть поселок Китай тепа. Там только казахи проживали. Молодежь переехала в Казахстан, а старики оставались. И целое село снесли бульдозерами, а жителей всех вывели в поле, поставили им шатры, и они там живут. Все сделали без их разрешения и еще запретили кому-либо что-либо рассказывать‘, - говорит один из очевидцев сноса.

В городской администрации Ташкента объясняют снос домов плановыми мероприятиями. С учетом генерального плана расширения автомобильных дорог; жильцам будут выделяться денежная компенсация и альтернативное жилье.

Однако, как рассказали на условиях анонимности некоторые очевидцы сноса домов, предлагаемое жителям альтернативное жилье их не устраивает, а компенсации слишком малы и не могут покрыть стоимости снесенных домов. […]

Эта история в очередной раз дает повод задаться вопросом: как сегодня живут казахи в Узбекистане, стране, где сегодня проживает самая многочисленная и вторая по численности казахская диаспора в мире.

Узбекский политолог Баходир Сафоев отмечает, что в Узбекистане осталось значительное число этнических казахов, которые живут в тех же сложных условиях, что и все население, бытовой национализм имеет место, но в незначительных масштабах.

‚Между казахами и узбеками исторически существует определенная напряженность, еще в советские времена имела место быть определенная конкуренция за лидерство в Средней Азии, к примеру, было известно противостояние между Динмухамеддом Кунаевым и Шарафом Рашидовым, это иногда переходило и на бытовой уровень. После краха СССР, казавшийся более экономически развитым и успешным Узбекистан начал быстро сдавать свои позиции. Начался затяжной экономический кризис, сегодня узбеки массово работают в Казахстане и есть ощущение некоей исторической несправедливости, поэтому определенное напряжение имеет место быть. Другое дело, что нельзя говорить о наличии в Узбекистане масштабного национализма против казахского этнического меньшинства, так как в целом в стране подобные проблемы в основном решены, люди слишком загружены текущими проблемами и элементарным выживанием, поэтому иное их редко тревожит‘, - говорит Сафоев.

Об определенном порохе, существующем в отношениях этнических казахов и узбеков в соседнем государстве, явственно стало понятно в начале 2012 года, когда в городе Чирчике, неподалеку от столицы страны - города Ташкента произошел конфликт на национальной почве, который мог иметь самые печальные последствия. Один из местных информационных ресурсов тогда описал его причину так: в городе Чирчике в Ташкентской области органам правопорядка удалось предотвратить крупные межнациональные столкновения между узбеками и казахами в возрасте до тридцати лет. Одной из причин конфликта представителей двух народов, традиционно соседствующих друг с другом, стала оскорбительная для казахов песня, распространенная в Интернете и записанная на мобильные телефоны.

Местные студенты рассказывали, что подобные конфликты - далеко не редкость. […]

Общие проблемы и низкий уровень жизни, а также сложности межнационального характера часто становятся поводом для казахов Узбекистана о принятии решения о возвращении на историческую Родину. […]

Эксперт Института экономических исследований стран Центральной Азии, Алишер Хамидов, говорит, что казахи в Узбекистане достаточно хорошо адаптировались к местным реалиям, но они так же, как и представители других национальностей, в том числе и титульной, страдают от коррупции и низкого уровня жизни.

‚Когда в 2011 и 2012 году в Ташкенте, Ургенче и Хорезме массово сносили дома, то люди также получали маленькие денежные компенсации, которые не могли покрыть стоимости их жилья, тогда под горячую руку городских властей попадались и русские, и корейцы, и узбеки. То есть говорить о каком-то избирательном подходе по отношению к казахам не стоит, другое дело, что общеизвестно, что даже на самом высоком уровне между лидерами обеих стран существует некая холодность в отношениях, тут надо учитывать и историческую специфику.‘ […]

Казахи в Узбекистане населяют, прежде всего, регионы, которые граничат с РК. Значительную часть населения казахи составляют в областях: в Ташкентской -13,7%, в Навоийской -10,2% и в Джизакской - 6,6%.

Больше всего их, конечно же, проживает в Республике Каракалпакстан - 24,8%. В Ташкенте же казахи составляют примерно 2% от всего населения узбекской столицы, занимая 4-е место среди представленных в городе этносов. В целом казахская диаспора в Узбекистане насчитывает от 1,5 до 2 млн человек.

Для многих казахов в Узбекистане становится проблемой и обучение на родном языке. По данным министерства народного образования Узбекистана, если, к примеру, в 2002-2003 годах в Узбекистане была 581 смешанная школа с казахским и узбекским языком обучения, то уже в 2006-2007 годах количество таких смешанных школ составило 521. Из них в 234 обучение ведется только на казахском языке, в остальных – смешанное обучение. В последние годы доля школ, где преподается казахский язык, резко сократилась - как в силу отъезда казахов из Узбекистана, так и из-за отсутствия специалистов. Стоит отметить, что к моменту распада СССР в Узбекистане было свыше 700 школ с казахским языком обучения.“ (Kursiv.kz, 16. September 2013)

Auf der Website von Swobodnaja Pressa (deutsch: Freie Presse), die sich selbst als russische gesellschaftspolitische Internetzeitung beschreibt, die 2008 gegründet worden sei, findet sich ein Artikel vom April 2013, in dem darüber berichtet wird, dass 900.000 ethnische RussInnen in Usbekistan BürgerInnen zweiter Klasse seien. Experten würden angeben, dass für die meisten RussInnen der Wegzug aus Usbekistan zum einzigen Traum geworden sei. Dieser würde sich jedoch kaum verwirklichen lassen, da sowohl Geld als auch die Möglichkeiten fehlten. 1989 hätten ungefähr 1.660.000 RussInnen in Usbekistan gelebt. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Artikels seien es ungefähr 900.000 gewesen. Insgesamt habe die Bevölkerung Usbekistans seit der Unabhängigkeit aber fast um ein Drittel zugenommen. Der erste Strom von russischen EmigrantInnen habe Ende der 1980er eingesetzt, nachdem interethnische Konflikte in vielen Teilen der ehemaligen Sowjetunion ausgebrochen seien. Der zweite Strom von EmigrantInnen habe bis Anfang 2000 angedauert. Nach Angaben von ExpertInnen sei er mehr auf wirtschaftliche Gründe zurückzuführen gewesen. Nicht nur RussInnen, sondern auch UsbekInnen hätten die Emigration als eine Möglichkeit angesehen, die schwere Situation zu überwinden. Heute lebe die russische Bevölkerung vor allem in der Stadt und dem Gebiet Taschkent. Kleine „russische Inseln“ gebe es in Fergana, Samarkand und Nawoij. Eine Einwohnerin von Taschkent habe sich beschwert, dass die UsbekInnen RussInnen als „Gäste“ oder „Kolonisatoren“ ansehen würden. Organe der Staatsgewalt und der Strafverfolgungsbehörden würden den RussInnen zu verstehen geben, dass sie möglichst schnell in „ihr“ Russland zurück sollten und ihnen ihre Wohnungen überlassen sollten. Der Chefredakteur der Nachrichtenagentur Fergana.news, Daniil Kislow, habe angegeben, dass die Machthaber in Usbekistan seit dem Zerfall der UdSSR damit beschäftigt seien, Vorzugsbedingungen ausschließlich für die Titularnation zu schaffen. Die nationalen Minderheiten würden ignoriert. Die RussInnen in Usbekistan seien die größte Minderheit. Dennoch gebe es im Senat nur eine Russin, die aber keinen russischen Namen habe, weil ihr Mann Usbeke sei:

„900 тысяч наших соотечественников оказались в республике людьми второго сорта

Особенно трудно в Узбекистане, свидетельствуют эксперты, проводившие исследования. […] Специалисты говорят, что для большинства русских отъезд стал единственной мечтой. Однако реализовать ее вряд ли удастся – деньги и возможности отсутствуют.

В 1989 году в Узбекистане проживало 1 миллион 660 тысяч русских. Сейчас – примерно 900 тысяч. А все население страны приближается к 30 миллионам, увеличившись за годы независимости почти на треть. Первый поток эмиграции русских начался в конце 1980-х годов после того, как межнациональные конфликты вспыхнули во многих частях бывшего Союза. Второй продолжался до начала 2000 года. Эксперты говорят, что он являлся больше экономическим. Не только русские, но и узбеки видели в эмиграции путь избавления от тяжелой ситуации.

Сейчас русское население проживает в основном в Ташкенте и столичной области, небольшие ‚русские островки‘ сохранились в Фергане, Самарканде и Навои. […]

- Узбеки считают нас ‚гостями‘ или ‚колонизаторами‘. Властные и правоохранительные органы намекают, чтобы мы срочным порядком убирались в ‚свою Россию‘ и оставили им квартиры. А куда мы поедем?! – жалуется жительница столицы Узбекистана. […]

Главный редактор информационного агентства ‚Фергана.news‘ Даниил Кислов согласен с Султангазиевым: ‚Весь период после распада Союза власти Узбекистана занимаются созданием преференций исключительно для титульной нации, игнорируя национальные меньшинства. Русские – самое большое меньшинство. Несмотря на это в сенате лишь один русский – Светлана Артыкова. Муж – узбек, поэтому фамилия не русская.‘“ (Swobodnaja Pressa, 2. April 2013)

Das unabhängige russische Nachrichtenportal Rosbalt berichtet im April 2013, dass sich die Lage von russischen und russischsprachigen Personen in allen ehemaligen sowjetischen Republiken in Zentralasien rapide verschlechtere, am meisten unter Druck gesetzt würden sie aber in Usbekistan. Eine Gesprächspartnerin von Rosbalt namens Walentina habe angegeben, dass die RussInnen in Usbekistan bereits seit zwanzig Jahren in großem Ausmaß und auf grausame Art und Weise aus allen Lebensbereichen gedrängt würden. Die Gesprächspartnerin habe sich geweigert, ihren Nachnamen anzugeben mit der Begründung, dass sie in Usbekistan leben müsse. Der Leiter der regionalen Abteilung des juristischen Netzwerkes „Migration und Recht“ des Menschenrechtszentrums Memorial in Brjansk, Nikolaj Poljakow, habe mitgeteilt, dass das korrupte, übermäßig grausame, autoritäre Regime für die eigene Bereicherung eine Vielzahl an „Auftrags-Prozessen“ nutze. Angesichts der Willkür der Machthaber sei jeder schutzlos, unabhängig von der Lage, der Art der Beschäftigung und der Staatsbürgerschaft. Leonid Loschtschakow, ein Flüchtling aus Usbekistan, habe angegeben, dass die Machtorgane und die Strafverfolgungsbehörden in Usbekistan den Nationalismus und Extremismus fördern würden. RussInnen würden ohne Angabe von Gründen entlassen, man bedrohe sie real und setze sie tödlicher Gefahr aus. Man gebe ihnen zu verstehen, dass sie möglichst schnell in „ihr Russland“ zurückkehren sollten, so Loschtschakow. Viele Verwandte und Nahestehende seien in Gefangenschaft gestorben. Sie seien mit ausgeklügelten, wahrhaft mittelalterlichen Methoden vom Gefängnispersonal gefoltert worden. Eine weitere Gesprächspartnerin von Rosbalt habe angegeben, dass in Schulen und Hochschulen bereits nicht mehr Russisch gesprochen werde. Für eine russische Person sei es ziemlich schwierig, eine Arbeit zu finden, selbst wenn sie ganz gut Usbekisch spreche, so die bereits zu Beginn zitierte Walentina, und zahlen würde man RussInnen auch weniger. Selbst der Versuch, die Frage nach der Lage der RussInnen, insbesondere der russischen PensionistInnen, Kranken und Invaliden, aufzuwerfen, können zu konstruierten Anschuldigungen und ins Gefängnis führen. Heute könne der Leiter eines jeden Bezirks einer solchen Person die Wohnung oder anderes Vermögen wegnehmen. Man versuche gezielt, die RussInnen hinauszuekeln. Die von der russischen Regierung initiierten Programme für RussInnen würden hier in Usbekistan nicht funktionieren, so Walentina. Die usbekischen Machthaber würden einfach jegliche Initiative ignorieren. Die RussInnen seien den usbekischen Machthabern gleichgültig und die russischen Machthaber würden die Umsetzung der Initiativen nicht sonderlich überwachen:

„Положение русских и русскоязычных граждан стремительно ухудшается во всех бывших советских республиках Средней Азии, но наиболее сильному давлению они подвергаются в Узбекистане. ‚Уже двадцать лет в Узбекистане идет масштабное и очень жесткое вытеснение русских из всех сфер жизни, — подтвердила эту информацию в беседе с корреспондентом ‚Росбалта‘ жительница Ташкента Валентина. Свою фамилию она называть категорически отказывается, мотивируя это тем, что ‚ей здесь еще жить‘. […]

‚Коррупционный, сверхжестокий, авторитарный режим, ради своего обогащения использует многочисленные заказные судебные процессы; перед произволом властей беззащитен любой — вне зависимости от положения, рода занятий, гражданства. И это – на фоне современных городов и дворцов, созданных умом и руками многих тысяч россиян, направленных правительством СССР поднимать отсталый Узбекистан‘, — говорит руководитель Брянского регионального представительства юридической сети ‚Миграция и Право‘ правозащитного центра ‚Мемориал‘ Николай Поляков. […]

‚Органы власти и правоохранительные органы Узбекистана поощряют национализм и экстремизм — увольняют без объяснения причин, реально угрожают и подвергают смертельной опасности, дают понять, чтобы мы срочно покинули свои дома и квартиры и уезжали в ‚свою Россию‘‘ — рассказывает беженец из Узбекистана Леонид Лощаков — ‚Многие родные, близкие нам люди погибли в неволе — они подверглись изощренным, поистине средневековым пыткам, тюремщики отбивали им почки, и они исходили кровью, отрезали пальцы, загоняли иголки под ногти, раздавливали или поджигали половые органы, выкалывали глаза, перерезали горло‘.

‚На русском языке уже не говорят в школах, институтах, — продолжает собеседница ‚Росбалта‘. — Мне кажется, что Россия не делает ни малейших шагов по исправлению ситуации. А вместо этого продолжает финансировать какие-то непонятные и сомнительные проекты‘.

Устроиться на работу русскому человеку, даже если он неплохо говорит по-узбекски, достаточно сложно. И платить ему будут меньше. ‚Нас просто не считают за людей, — говорит Валентина. – И даже попытка поднять вопрос о положении русских, и особенно русских пенсионеров, больных или инвалидов, вполне может окончиться помещением в тюремную камеру по надуманным обвинениям. Сегодня отобрать у такого человека квартиру или любое другое имущество может каждый начальник районного уровня. Нас целенаправленно выживают отсюда‘.

‚Программы для соотечественников, запущенные властями России у нас не работают‘ — говорит Валентина – ‚Наши (узбекские – прим. авт.) власти просто игнорируют любые инициативы. Узбекским властям мы безразличны, а российские, похоже, не особенно следят за их реализацией‘.“ (Rosbalt, 1. April 2013)

Der UNO-Ausschuss für die Beseitigung der Rassendiskriminierung (Committee on the Elimination of Racial Discrimination, CERD) informiert in seinen bereits zitierten Schlussbemerkungen vom Februar 2014 zum Staatenbericht über die Umsetzung des Übereinkommens zur Beseitigung von Rassendiskriminierung auch zur Lage der Gruppe der Luli/Roma in Usbekistan. Es wird angemerkt, dass man Informationen darüber, dass Mitglieder der Gruppe ihren traditionellen Lebensstil bewahren könnten, begrüße. Andererseits habe eine Umfrage der usbekischen Behörden zum sozioökonomischen Status der Gruppe das Bild einer Situation der Marginalisierung und Diskriminierung vermittelt, was Anlass zur Sorge gebe. Mitglieder der Gruppe lägen in Bezug auf eine weiterführende Ausbildung unter dem nationalen Durchschnitt, sie arbeiteten vorwiegend in schlecht bezahlten Beschäftigungsverhältnissen und ein Großteil von ihnen beziehe staatliche Leistungen. Zudem sei man besorgt darüber, dass die Situation der Gruppe nicht als Form der Rassendiskriminierung wahrgenommen werde. Darüber hinaus sei man wegen Berichten über die Stigmatisierung der Gruppe, über die negative Einstellung der Öffentlichkeit in Bezug auf die Luli/Roma und ihre Darstellung in den Medien besorgt:

„Luli/Roma
11. While welcoming the information that members of the Luli/Roma community in the State party are able to preserve their traditional lifestyle, the Committee is concerned that other findings of the survey undertaken by the State party on their socioeconomic status depict a marginalized and discriminatory situation: they fare below the national average in education achievement, they are concentrated in low-paying employment, and a large majority are recipient of public welfare benefits. It is further concerned that their situation has not been perceived as a form of racial discrimination. The Committee is moreover concerned at reports of stigmatization and negative attitude of the public as well as portrayal of Luli/Roma in the media.“ (CERD, 21. Februar 2014, S.  4)

In den ACCORD derzeit zur Verfügung stehenden Quellen konnten im Rahmen der zeitlich begrenzten Recherche keine weiteren Informationen zu dieser Fragestellung gefunden werden. Zu der Fragestellung wurde ein externer Experte kontaktiert. Sollte eine Antwort bei uns eintreffen, werden wir diese sofort an Sie weiterleiten.

Schutzfähigkeit und –willigkeit der Sicherheitsbehörden bei Übergriffen auf Fremde

Die kanadische Einwanderungsbehörde (Immigration and Refugee Board, IRB) schreibt in der bereits zitierten Anfragebeantwortung vom Mai 2014 zur Behandlung von ethnischen RussInnen, dass gemäß dem Menschenrechtsbericht des USDOS vom Februar 2014 laut Verfassung alle BürgerInnen Usbekistans, ungeachtet ihres ethnischen Hintergrunds, gleich seien, und alle, ungeachtet ihrer nationalen, rassischen oder ethnischen Herkunft, durch die Gerichte den gleichen Schutz bekämen. Artikel 18 der usbekischen Verfassung (inklusive Novellen bis 2003) besage, dass alle BürgerInnen der Republik Usbekistan die gleichen Rechte und Freiheiten hätten und vor dem Gesetz gleich seien, ohne Diskriminierung auf Grundlage des Geschlechts, der Rasse, der Nationalität, der Sprache, der Religion, der sozialen Herkunft, von Verurteilungen oder des individuellen und sozialen Status. Laut dem bereits zitierten außerordentlichen Professor an der Universität in Toronto sei das Gesetz in Büchern in Usbekistan praktisch bedeutungslos. Gesetze würden selektiv angewandt, insbesondere dann, wenn es der Elite gelegen käme. Der Korruptionslevel in Usbekistan sei hoch. Wenn das Opfer eines Verbrechens zur Polizei gehe, sei es möglich, dass er oder sie aufgrund von Polizeikorruption keinen Schutz erhalte. Auch das USDOS habe angegeben, dass Polizeikorruption weiterhin ein Problem sei und die Polizei regelmäßig und willkürlich Bestechungsgelder erpresse. Freedom House habe in einem Bericht von 2012 angegeben, dass die Judikative in Usbekistan gänzlich der Exekutive untergeordnet sei und nur dazu existiere, um die Entscheidungen der Zentralregierung zu legitimieren. Gruppen oder Einzelpersonen, die zum Ziel der Behörden würden, hätten eigentlich keine Möglichkeit, vor Gericht ihre Unschuld zu beweisen. Zudem würde laut Angaben von Freedom House ein von WikiLeaks im Jänner 2011 veröffentlichter Schriftverkehr den bereits lange bestehenden Verdacht bestätigen, dass es Verbindungen zwischen dem Regime und Schlüsselfiguren des Organisierten Verbrechens gebe. Nach Angaben des außerordentlichen Professors an der Universität in Toronto könnten ethnische UsbekInnen durch ihre persönlichen Netzwerke informelle Verbindungen zur Polizei haben und dadurch einen gewissen Schutz genießen, wohingegen RussInnen keine derartigen stabilen persönlichen Netzwerke mit der Polizei hätten, weshalb es extrem unwahrscheinlich sei, dass sie von der Polizei Schutz erhielten:

„Country Reports 2013 notes that the Constitution of Uzbekistan provides for equal rights for all citizens, regardless of their ethnic background and ‘provides for equal protection by the courts to all residents, irrespective of national, racial, or ethnic origin’ (US 27 Feb. 2014, 33). Article 18 of the Constitution of Uzbekistan states that

[a]ll citizens of the Republic of Uzbekistan shall have equal rights and freedoms, and shall be equal before the law, without discrimination by sex, race, nationality, language, religion, social origin, convictions, individual and social status. (Uzbekistan 1992, Art. 18)

However, according to the Associate Professor,

[t]he law in the books in Uzbekistan is practically meaningless; the law is applied selectively-largely when it is convenient for the elite.

There are high levels of corruption in Uzbekistan. If a victim of a crime goes to the police, he or she may not be protected because of the police corruption (7 May 2014)

Country Reports 2013 also states that police corruption remained a problem (US 27 Feb. 2014, 25). According to the same report, ‘[p]olice routinely and arbitrarily extorted bribes’ (ibid.). Freedom House reports that

[t]he judiciary of Uzbekistan is entirely subordinate to the executive branch, existing solely to legitimize the decisions of the central government. ... Groups or individuals targeted by the authorities have virtually no opportunity to prove their innocence in Uzbekistan's courts. (Freedom House, 3)

Moreover,

[t]he diplomatic cables posted by the whistleblower WikiLeaks website in January confirmed long-held suspicions of connections between the regime and key figures in organized crime. In one cable, U.S. Ambassador to Uzbekistan John Purnell, who left his post in 2007, claims ‘tenders and government positions can be fairly easily secured by paying the right amount of money to the appropriate individual.’ The cable names one of those individuals Salim Abduvaliyev, the current president of Uzbekistan’s wrestling association, as one of the ‘bosses of the criminal world’ in Uzbekistan. The cables reveal that Abduvaliyev paid the ministers of finance, interior, justice, and foreign affairs for the [r]ight to sell a range of government positions, including hokims (regional governors) and police chiefs. (ibid., 14)

According to the Associate Professor,

[e]thnic Uzbeks may have informal connections via their personal networks to the police and therefore enjoy some protection, whereas ethnic Russians lack such robust personal networks to the police force and therefore would be extremely unlikely to be protected by the police. (7 May 2014)“ (IRB, 16. Mai 2014)

Über dieses Zitat und die bereits in den ersten beiden Teilen der Anfragebeantwortung enthaltenen für die Fragestellung relevanten Informationen hinaus konnten lediglich folgende allgemeinere Informationen zur Schutzfähigkeit und -willigkeit der Sicherheitsbehörden gefunden werden:
 
Die internationale Menschenrechtsorganisation Amnesty International (AI) schreibt in ihrem im Februar 2015 veröffentlichten Jahresbericht (Berichtszeitraum 2014 und wichtige Ereignisse von 2013), dass es weiterhin beständig glaubhafte Behauptungen gegeben habe, dass Folter und andere Misshandlungen durch Strafverfolgungsbehörden und den Nationalen Sicherheitsdienst während Verhaftungen, Überstellungen, in Polizeigewahrsam und in Untersuchungshaft weit verbreitet und üblich seien:

„Persistent and credible allegations continued to emerge of pervasive and routine torture and other ill-treatment by law enforcement and National Security (SNB) officers during arrest, transfer, in police custody and in pre-trial detention and by law enforcement and prison personnel in post-conviction detention facilities.“ (AI, 25. Februar 2015)

Die internationale Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) erwähnt in einem Bericht vom September 2014 zu politisch motivierter Haft in Usbekistan, dass es glaubhafte Informationen gegeben habe, dass Personen, die unter anderem versuchen würden, über Rechtsverletzungen und Korruption zu berichten, extrem gefährdet seien, Opfer eben davon zu werden. Zumindest fünf JournalistInnen seien derzeit in Gefängnis, offenbar als Vergeltungsmaßnahme für ihre unabhängige Berichterstattung. 2013 sei der im Ferghana-Tal ansässige Journalist Nematjon Siddikow verhaftet worden. Zuvor sei seine Familie nach seinen Recherchen bezüglich Korruption in der örtlichen Polizei zu Hause von unbekannten Tätern angegriffen worden:

„Credible information on developments in Uzbekistan, including on rights abuses and corruption, comes at extreme risk for those who attempt to report on them. At least five journalists are currently in prison in apparent retaliation for their independent reporting. At least another seven journalists profiled in other sections of this report are imprisoned on politically motivated grounds.“ (HRW, 26. September 2014, S. 47)

„In 2013, Fergana valley-based activist Nematjon Siddikov was arrested after his family was assaulted at home by unknown assailants following his investigation into local police corruption. He was sentenced to six years but later released under amnesty.“ (HRW, 26. September 2014, S. 87)

Der vom US-amerikanischen Kongress finanzierte Rundfunkveranstalter Radio Free Europe/Radio Liberty berichtet in einem Artikel vom Juli 2014, dass ungefähr 40 Beamte des Nationalen Sicherheitsdienstes in Usbekistan Berichten zufolge entlassen oder verhaftet worden seien. Der usbekischen Regierung nahestehende Quellen hätten angegeben, dass einer der einflussreichsten Beamten des Sicherheitsdienstes unter den Verhafteten sei. Es habe keine offiziellen Stellungnahmen bezüglich der Entlassungen und Verhaftungen gegeben. Sollten die Vorgänge bestätigt werden, sei es der zweite derartige Vorfall in Usbekistans Strafverfolgungsbehörden. Anfang Juni 2014 seien ungefähr 100 Angestellte des Staatlichen Zollkomitees Berichten zufolge wegen Korruptionsvorwürfen verhaftet worden:

„Some 40 officers serving in Uzbekistan’s National Security Service (MXX) have reportedly been dismissed or arrested. Sources close to the Uzbek government told RFE/RL on July 2 that one of the most powerful officials serving in the ranks of the MXX, Colonel Javdat Sharifhojaev, was among the officers who were arrested. There have been no official statements about the dismissals or arrests, which occurred last week. If confirmed, it would be the second mass purge conducted within Uzbekistan’s law enforcement bodies since early June, when some 100 employees of Uzbekistan’s State Customs Committee (UDBK) were reportedly arrested on corruption charges.“ (RFE/RL, 3. Juli 2014)

Das USDOS schreibt in seinem Länderbericht zur Menschrechtslage vom Februar 2014 (Berichtszeitraum 2013), dass Berichten zufolge die Polizei aufgrund von falschen Anschuldigungen der Erpressung, des Drogenbesitzes oder der Steuerhinterziehung Personen aus Einschüchterungszwecken verhaftet habe, um sie selbst oder ihre Familienmitglieder davon abzuhalten, Korruption öffentlich zu machen oder lokale kriminelle Aktivitäten zu stören. Die Gesetze sähen strafrechtliche Sanktionen bei staatlicher Korruption vor, würden von der Regierung aber nicht effektiv umgesetzt. Es habe zwar Berichte über eine gestiegene Anzahl von Verhaftungen in Zusammenhang mit Korruption gegeben, Beamte seien aber weiterhin häufig in korrupte Praktiken straffrei verwickelt gewesen. Korruption in den Strafverfolgungsbehörden sei weiterhin ein Problem gewesen. Die Polizei habe regelmäßig und willkürlich Bestechungsgelder erpresst. Im Februar 2013 habe der Nationale Sicherheitsdienst einen Ermittler in Taschkent verhaftet, da er Berichten zufolge Bestechungsgeld in Höhe von umgerechnet 2.000 US-Dollar von einem Verwandten einer Person, gegen die strafrechtlich ermittelt worden sei, erhalten habe:

„There were reports that police arrested persons on false charges of extortion, drug possession, or tax evasion as an intimidation tactic to prevent them or their family members from exposing corruption or interfering in local criminal activities.” (USDOS, 27. Februar 2014, Section 1d)

„The law provides criminal penalties for official corruption, but the government did not implement the law effectively. Although there were reports of an increased number of corruption-related arrests, officials continued to engage frequently in corrupt practices with impunity. […] Corruption among law enforcement personnel remained a problem. Police routinely and arbitrarily extorted bribes. In February the NSS [National Security Service] arrested Bakhtiyor Abdullaev, an investigator with the Olmazor District Police Department in Tashkent, as he reportedly received a bribe of more than four million soum ($2,000) from the relative of an individual under criminal investigation.“ (USDOS, 27. Februar 2014, Section 4)
 
 

Quellen: (Zugriff auf alle Quellen am 16. März 2015) https://www.amnesty.org/en/countries/europe-and-central-asia/uzbekistan/report-uzbekistan http://www.bti-project.de/fileadmin/Inhalte/reports/2014/pdf/BTI%202014%20Uzbekistan.pdf http://www.ecoi.net/file_upload/1930_1393500780_cerd-c-uzb-co-8-9-16554-e.doc http://www.eurasianet.org/node/67724 http://www.ecoi.net/local_link/280317/410427_de.html https://www.ecoi.net/local_link/285851/417692_de.html https://www.ecoi.net/file_upload/1788_1411934218_uzbekistan0914-forupload.pdf https://www.ecoi.net/local_link/277450/406767_de.html http://www.kursiv.kz/news/details/obshestvo/Kazahi-v-Uzbekistane-Takzhe-ploho-kak-vsem/ http://www.minorityrights.org/2481/uzbekistan/sources-and-further-reading.html http://peoplesunderthreat.org/countries/uzbekistan/ http://www.ecoi.net/file_upload/4232_1404983162_mrg-state-of-the-worlds-minorities-2014-asia-oceania.pdf https://www.ecoi.net/local_link/279589/409439_de.html http://www.rosbalt.ru/exussr/2013/04/01/1112454.html http://svpressa.ru/society/article/66300/ http://www.ecoi.net/local_link/270730/400813_de.html