Anfragebeantwortung zu Kirgisistan: Aktuelle Informationen zur Partei Ak Schol [a-8207-2 (8221)]

3. Dezember 2012
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Die Website der „Volkspartei Ak Schol“ ist unter folgendem Link zugänglich:
  • Volkspartei Ak Schol [Russisch: Narodnaja Partija Ak Schol]: Главная [Startseite], ohne Datum
http://akjolnarod.kg/newcms/index.php?option=com_frontpage&Itemid=1
 
In der Rubrik „Neuigkeiten“ stammt der letzte Eintrag vom 7. April 2010 und ruft die Bürger der Stadt Bischkek dazu auf, sich nicht von den „destruktiven Kräften provozieren“ zu lassen (Volkspartei Ak Schol, 7. April 2010)
 
Auf der Homepage des kirgisischen Justizministeriums wurde im Jänner 2012 eine Liste der politischen Parteien veröffentlich, die nach dem Gesetz registriert seien und ein Recht hätten, an Wahlen teilzunehmen. An Stelle Nr. 89 der Liste wird die „Volkspartei Ak-Schol“ mit dem Vorsitzenden Kurmanbek Bakijew angeführt:
„89 Политическая партия «Народная партия «Ак-Жол» Бакиев Курманбек Салиевич“ (Kirgisisches Justizministerium, 11. Jänner 2012)
Auf der von einem der Regionalkommandozentren der US-Streitkräfte gesponserten Website Central Asia Online, die Informationen zu Zentralasien zur Verfügung stellt, findet sich ein Artikel vom Juli 2010, in dem berichtet wird, dass dieselben Personen, die unter Bakijew gedient hätten, nach der Macht in Kirgisistan streben würden. Mitglieder von Bakijews Partei Ak Schol hätten neue politische Vereinigungen gegründet und würden bei den Parlamentswahlen antreten. Der ehemalige Staatssekretär Adacham Madumarow habe die Partei Butun Kyrgyzstan gegründet, der Geschäftsmann Omurbek Babanow leite die Partei Respublika und der ehemalige Minister für Notfallsituationen, Kamtschibek Taschijew, leite die Partei Ata-Jurt:
„’Bakiyev’s return is impossible, but the spirit of Bakiyev’s regime and the fact that the new authorities are filled with Bakiyev’s principles is quite real’, former interim government Chief of Staff Edil Baisalov said. ‘You can appreciate this by the fact that the same people who served under both of the former presidents are again striving for power’.
Bakiyev’s Ak-Jol party members are running for parliament and have formed new political associations, Ata-Meken party leader Omurbek Tekebayev said. Former Secretary of State Adaham Madumarov, who created the party Butun Kyrgyzstan; businessman Omurbek Babanov, who leads the Respublika party; and former minister of emergency situations Kamchibek Tashiyev’s party Ata-Jurt are all instances of Bakiyev’s continuing legacy, Tekebayev said.
The old regime could return if Bakiyev’s supporters form a coalition, Kazakhstani Institute of Political Solutions consultant Aleksandr Knyazev said. ‘It is unlikely that all these pro-Bakiyev parties and movements will be able to form a single coalition before the elections or, if elected, in parliament, but it is possible that two or three of them could unite’, Knyazev said. ‘And that would already be a force to reckon with’.“ (Central Asia Online, 15. Juli 2010)
Im Blog der Jamestown Foundation wird in einem Eintrag von Erica Marat, einer Forschungsstipendiatin beim Central Asia-Caucasus Institute and Silk Road Studies Program, vom Oktober 2010 erwähnt, dass insgesamt fünf Parteien ins kirgisische Parlament eingezogen seien. Die Vorsitzenden aller Parteien, außer von Ata-Meken, seien einst Mitglieder des ehemaligen Bakijew-Regimes gewesen. Vor allem die Partei Ata-Jurt bestünde großteils aus ehemaligen Unterstützern von Bakijew:
„The October 10th election results have changed the political landscape in Kyrgyzstan. Instead of lauding the Ata-Meken party, which has been behind writing the current constitution that promotes a parliamentary system of governance, Kyrgyz voters have chosen the Ata-Jurt and Ar-Namys parties that wish to reinstall strong presidential power. Overall, five political parties out of 29 were able to overcome the five percent threshold nation-wide. […] Leaders of all parties, except for Ata-Meken, were once part of former president Kurmanbek Bakiyev’s regime. Ata-Jurt, in particular, is mostly composed of former loyal supporters of the Bakiyev regime.“ (Erica Marat, 13. Oktober 2010)
Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSCE) schreibt in einem im Dezember 2010 veröffentlichten Bericht zu den Parlamentswahlen vom Oktober 2010, dass sich die Partei Ak Schol „zerstreut“ habe, weshalb die politische Landschaft nicht mehr von einer einzigen Partei beherrscht würde:
„Violent protests in early April 2010 led to the ouster of President Bakiev and the dissolution of the previous parliament. A provisional government was formed, headed by Ms. Roza Otunbaeva as President. After the dispersion of the Ak Jol party, affiliated with former President Bakiev, the party landscape was no longer dominated by a single party.“ (OSCE, 20. Dezember 2010, S. 4)
Die Hanns Seidel Stiftung (HSS) schreibt in ihrem Quartalsbericht für den Zeitraum Oktober bis Dezember 2010 folgendes zum Ergebnis der Parlamentswahlen:
„Die Zentrale Wahlkommission der Kirgisischen Republik hat am 09. November 2010 die endgültigen Ergebnisse der Parlamentswahlen vom 10. Oktober 2010 bekanntgegeben. Demnach haben fünf kirgisische Parteien die landesweite 5- Prozent-Hürde und die regionale 0,5 Prozent-Hürde überspringen können und sind in das neue kirgisische Parlament eingezogen: Die Partei ‚Ata-Dschurt‘ (8,7 Prozent der abgegebenen Stimmen und 28 Mandate), die ‚Sozialdemokratische Partei Kirgisistans (SDPK)‘ (7,8 Prozent und 26 Mandate), die Partei ‚Ar-Namys‘ (7,57 Prozent und 25 Mandate), die Partei ‚Respublika‘ (6,93 Prozent und 23 Mandate) und die Partei ‚Ata-Meken‘ (5,49 Prozent und 18 Mandate).“ (HSS, 5. Jänner 2011, S. 2)
Das Congressional Research Service (CRS) erwähnt in einem Bericht vom Mai 2012, dass die Partei Ata Jurt mit ehemaligen Vertretern des Bakijew-Regimes und Ultranationalisten in Verbindung stünde:
„Five parties were determined to have overcome a 5% vote hurdle to gain seats. The Ata Jurt Party, linked to former Bakiyev officials and to ultra-nationalists, received the largest percentage of 1.7 million votes, 8.7%, and 28 seats; the Social-Democratic Party (SDP; Otunbayeva’s party) won 7.8% of the vote and 26 seats; the opposition Ar Namys won 7.57% of the vote and 25 seats; the centrist opposition Respublika won 6.93% of the vote and 23 seats; and the pro-government Ata Mekan won 5.49% of the vote and 18 seats.“ (CRS, 18. Mai 2012, S. 24)
Freedom House (FH) erwähnt in seinem im Juni 2012 veröffentlichten Bericht Nations in Transit, dass der ehemalige Verteidigungsminister Baktybek Kalyjew aus Gesundheitsgründen aus einer Haftanstalt entlassen und unter Hausarrest gestellt worden sei, nachdem etwa 60 Parlamentsmitglieder, die meisten davon ehemalige Mitglieder der Partei Ak Schol, beim Obersten Gerichtshof Widerspruch eingelegt hätten:
„In August, for example, former Defense Minister Baktybek Kalyev was transferred from a detention center to house arrest on health grounds, after about 60 lawmakers—most of them former members of Bakiyev’s Ak-Jol party—appealed to the Supreme Court on his behalf.“ (FH, 6. Juni 2012)
Das Internetprojekt Gezitter.org, das Artikel aus kirgisischen Zeitungen ins Russische übersetzt, veröffentlicht einen Artikel der Zeitung Maidan.kg vom September 2012, in dem darüber berichtet wird, dass Tologon Keldibajew, der Vorsitzende der Partei „Kyrgyz Ata“ erklärt habe, der Tag der Revolution des Volkes werde am 7. April grundlos gefeiert. 40 Prozent der Regierungskoalition seien seiner Aussage zufolge Vertreter der „verstorbenen“ Partei „Ak Schol“. Man könnte den Eindruck bekommen, dass die Partei „Ak Schol“ wieder auferstanden sei. Außerdem seien in der Koalition viele Abgeordnete von Bakijew. Es sei sichtbar, wie Bakijews Macht wieder aufleben würde:
„Лидер политической партии ‚Кыргыз Ата‘ Тологон Келдибаев заявил, что мы зря отмечаем 7 апреля как День народной революции, так как 40% коалиции ‚Залог счастья – в согласии‘ состоит из представителей ‚покойной‘ партии ‚Ак Жол‘. Если приглядеться, покажется, что партия ‚Ак Жол‘ возродилась. Мало того, в самой коалиции полно депутатов-бакиевцев. […] Итак видно, как власть Бакиева возрождается.“ (Maidan.kg, 12. September 2012)
 Quellen: (Zugriff auf alle Quellen am 3. Dezember 2012)