Länderinformationen der Staatendokumentation: Georgien; aus dem COI-CMS

Länderinformationen: Georgien, Version 10

 

Länderinformationen der

Staatendokumentation

Georgien

aus dem COI-CMS

Country of Origin Information – Content Management System

Version 10

Datum der Veröffentlichung: 2025-02-07

(Aktualisierungsdatum ist am Anfang des jeweiligen Kapitels)

Dieses Projekt wurde aus dem Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds (AMIF) kofinanziert

 

https://www.staatendokumentation.at/coi-cms

 

Disclaimer

Das gegenständliche Produkt der Staatendokumentation des Bundesamtes für Fremdenwesen

und Asyl wurde gemäß den vom Staatendokumentationsbeirat beschlossenen Standards und

der Methodologie der Staatendokumentation erstellt.

Das Country of Origin Information - Content Management System (COI-CMS) ist eine Datenbank

mit COI-Inhalten, welche beruhend auf den Bedürfnissen in Verfahren desAsyl- und Fremdenwe-

sens (BFA, BVwG etc.) mit Informationen aus vorhandenen, vertrauenswürdigen und vorrangig

öffentlichen Quellen und gemäß den Standards der Staatendokumentation befüllt wird. Das

COI-CMS gibt eine einzelfallunabhängige Darstellung über die Lage betreffend relevanter Tat-

sachen in Herkunftsländern bzw. in EU-Mitgliedsstaaten. Der jeweilige Bedarfsträger kann aus

dem COI-CMS Länder und Themen selektieren und so die für den spezifischen Bedarf relevante

Länderinformation zusammenstellen.

Das COI-CMS dient den Bedarfsträgern der Instanzen des Asyl- und Fremdenwesens. Es gilt

§ 5 Abs. 5 BFA-G, d.h. das COI-CMS ist nicht Teil der allgemein zugänglichen, öffentlichen

Staatendokumentation. Fallspezifisch relevante Kapitel aus dem COI-CMS werden aber der

jeweiligen Partei durch Parteiengehör zugänglich und durch Verwendung in Entscheidungen

(Bescheid, Erkenntnis, Urteil) öffentlich gemacht.

Wie bereits erwähnt, ist dieses Produkt als Arbeitsbehelf für österreichische Behörden und Ge-

richte entworfen worden. In diesem Sinne stehen Lesbarkeit, flexible Nutzbarkeit und einfache

Verwertbarkeit in Entscheidungen im Vordergrund. Grundsätzlich wird jede Information mit min-

destens einer Quelle belegt; aus vorgenannten Gründen wird jedoch auf die Hervorhebung von

Originalzitaten verzichtet – nicht zuletzt auch deshalb, weil sich daraus für die Entscheidungs-

findung kein Mehrwert ergibt.

Das gegenständliche Produkt erhebt bezüglich der zur Verfügung gestellten Informationen kei-

nen Anspruch auf Vollständigkeit. Aus dem vorliegenden Produkt ergeben sich keine Schlussfol-

gerungen für die rechtliche Beurteilung eines konkreten Verfahrens. Das COI-CMS stellt keine

allgemeine oder individuelle Entscheidungsvorgabe dar. Das vorliegende Dokument kann ins-

besondere auch nicht als politische Stellungnahme seitens der Staatendokumentation oder des

Bundesamtes für Fremdenwesen und Asyl gewertet werden.

Qualitäts- und Aktualisierungshinweis

Die einzelnen Kapitel werden gemäß vorliegenden Ressourcen möglichst aktuell gehalten. Eine

Gesamtaktualisierung eines Landes erfolgt alle 12 Monate. Bei bestimmten Ländern wird zusätz-

lich eine Teilaktualisierung durchgeführt, die in der Regel sechs Monate nach der Gesamtaktua-

lisierung durchgeführt wird. Sollten es in einem Land zu einer kurzfristigen und maßgeblichen

Änderung der Lage kommen, können zusätzliche Aktualisierungen durchgeführt werden. Die

Aktualität der verwendeten Quellen wird seitens der Staatendokumentation überprüft. Folglich

können auch verwendete Quellen älteren Datums als inhaltlich aktuell erachtet werden.

II

 

 

Übersetzungen der Länderinformationen ins Englische

Bei den von der Staatendokumentation bereitgestellten Übersetzungen der Länderinformationen

ins Englische handelt es sich um Arbeitszusammenfassungen. Anderes als bei den automati-

schen Übersetzungen (siehe unten) werden diese einer eigenen Überprüfung unterzogen.

Die Staatendokumentation ist bemüht, dass die jeweiligen deutsch- und englischsprachigen

Versionen (so vorhanden) zum selben Zeitpunkt veröffentlicht werden. Jedoch kann es, aufgrund

der umfangreichen Qualitätssicherung vorkommen, dass sich das Datum der Veröffentlichung

der beiden Versionen geringfügig unterscheidet. Es sei darauf verwiesen, dass trotz eines

möglichen geringfügig unterschiedlichen Veröffentlichungsdatums, der Inhalt der deutsch- und

englischsprachigen Version derselbe ist.

Automatische Übersetzungen

Bei der automatischen Übersetzung handelt es sich um eine maschinelle Übersetzung einer Län-

derinformation mittels einer Übersetzungssoftware, in eine vom Nutzer festgelegte Zielsprache.

Diese Übersetzung wird, da vom Nutzer direkt generiert, weder im Hinblick auf Grammatik und

Rechtschreibung noch auf Sinnerhaltung kontrolliert und soll lediglich dazu dienen, einen Ein-

druck über den Inhalt des Originaldokuments bzw. der verwendenten Quellen zu erlangen. Die

Staatendokumentation übernimmt keinerlei Gewähr für die Richtigkeit der maschinellen Über-

setzung. Sollte das Produkt vom Nutzer für eine weitere Verwendung herangezogen werden,

insbesondere für eine behördliche Entscheidung, so wird dringend empfohlen die Übersetzung

durch einen professionellen Übersetzer kontrollieren bzw. durchführen zu lassen.

Qualitätssicherung der maschinellen Übersetzung von DeepL

Die Übersetzung, welche nicht als „automatische Übersetzung“ ausgewiesen wird, wurde von

einer/einem professionellen Übersetzer/in qualitätsgesichert. Etwaige in der Übersetzung entste-

hende Unstimmigkeiten oder Differenzen sind nicht bindend und haben keine rechtliche Wirkung

für Compliance- oder Durchsetzungszwecke. Sollten Fragen zur Richtigkeit der qualitätsgesi-

cherten Übersetzung entstehen, nehmen sie bitte Kontakt mit der Staatendokumentation des

BFA unter BFA-Staatendokumentation@bmi.gv.at auf.

III

 

 

Inhalt

1 Länderspezifische Anmerkungen 1

2 Politische Lage 1

2.1 Abchasien . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6

2.2 Südossetien . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9

3 Sicherheitslage 11

4 Rechtsschutz / Justizwesen 14

5 Sicherheitsbehörden 15

6 Folter und unmenschliche Behandlung 17

7 Korruption 18

8 NGOs und Menschenrechtsaktivisten 19

9 Wehrdienst und Rekrutierungen 20

9.1 Wehrersatzdienst, Wehrdienstverweigerung, Desertion . . . . . . . . . . . . . . 21

10 Allgemeine Menschenrechtslage 22

11 Meinungs- und Pressefreiheit 23

12 Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit 24

12.1 Opposition . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 25

13 Haftbedingungen 26

14 Todesstrafe 27

15 Religionsfreiheit 28

16 Ethnische Minderheiten 29

17 Relevante Bevölkerungsgruppen 31

17.1 Frauen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 31

17.2 Kinder . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 33

17.3 Sexuelle Minderheiten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 36

18 Bewegungsfreiheit 38

19 IDPs und Flüchtlinge 40

20 Grundversorgung und Wirtschaft 42

20.1 Sozialbeihilfen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 43

IV

 

 

21 Medizinische Versorgung 46

22 Rückkehr 50

23 Dokumente 51

24 Impressum 51

24.1 Urheberrecht . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 52

24.2 Hinweis zum Datenschutz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 52

24.3 Veröffentlichte Versionen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 52

V

 

 

1 Länderspezifische Anmerkungen

Letzte Änderung 2024-10-25 12:04

Sofern nicht anders angegeben, schließen die Themenbereiche zu Georgien die Situation in

den separatistischen Landesteilen Abchasien und Südossetien nicht ein.

Die Verwendung von Bezeichnungen wie „Regierung“, „Behörden“ o. Ä. im Zusammenhang

mit Abchasien oder Südossetien stellt keine Wertung der Staatendokumentation hinsichtlich

des Status dieser Gebiete dar. Die in dieser Länderinformation zur Verfügung gestellten Karten

dienen der Veranschaulichung und stellen keine Anerkennung der gezeigten Grenzen durch die

Staatendokumentation dar.

Georgien wird in Österreich laut Herkunftsstaaten-Verordnung (HStV) derzeit als sicherer Her-

kunftsstaat geführt. Aufgrund von Entwicklungen im Herkunftsstaat ist derzeit eine Überprüfung

der Eigenschaft als sicherer Herkunftsstaat von Georgien anhängig.

Hinweis zu COVID-19:

Zur aktuellen Anzahl der Krankheits- und Todesfälle in den einzelnen Ländern empfiehlt die

Staatendokumentation bei Interesse/Bedarf folgende Website der WHO: https://www.who.int/

emergencies/diseases/novel-coronavirus-2019/situation-reports.

Für historische Daten bis zum 10.3.2023 s. die Datenbank der Johns-Hopkins-Universität:

https://gisanddata.maps.arcgis.com/apps/opsdashboard/index.html#/bda7594740fd4029942

3467b48e9ecf6.

2 Politische Lage

Letzte Änderung 2025-02-07 10:11

Georgien ist seit 09.04.1991 wieder unabhängig (zuerst 1918) (AA 30.10.2024). Die politische

und wirtschaftliche Transformation des Landes, die 1989 begann, war von Bürgerkrieg, territo-

rialen Konflikten und schweren wirtschaftlichen Rückschlägen geprägt (BS 19.3.2024). Nach

der Unabhängigkeitserklärung (von der Sowjetunion) kam es zu Spannungen zwischen der

Zentralregierung in Tiflis und den Regionen Abchasien und Südossetien, was 1992 zu einem

Bürgerkrieg führte. Beide Regionen erklärten ihre Unabhängigkeit, die jedoch international nicht

anerkannt wurde. ImAugust 2008 intervenierte Russland in dem Konflikt, und obwohl ein Sechs-

punkteplan zur Rückführung der russischen Truppen unterzeichnet wurde, blieb dieser unvoll-

zogen, sodass die Gebiete weiterhin unter russischer Kontrolle stehen (AA 30.10.2024; vgl.

Tagesschau 19.11.2024). Südossetien und Abchasien sind ökonomisch von Russland abhängig

(Merkur 15.5.2024) und suchen die weitere Annäherung an Russland. Die Regierung in Tiflis

hat keine Kontrolle über die Gebiete, welche über eigene politische Systeme, Parlament und

Justiz verfügen. Die Regionen werden von eigenen Streitkräften gesichert, die Unterstützung

von russischem Militär erhalten, und die „Grenzen“ sind für die Einwohner nur in geringem Maße

durchlässig (AA 26.5.2023). Seit der Anerkennung der staatlichen Unabhängigkeit Abchasiens

und Südossetiens durch Russland hat sich die Abhängigkeit beider Gebiete von Moskau weiter

1

 

https://www.who.int/emergencies/diseases/novel-coronavirus-2019/situation-reports
https://www.who.int/emergencies/diseases/novel-coronavirus-2019/situation-reports
https://gisanddata.maps.arcgis.com/apps/opsdashboard/index.html#/bda7594740fd40299423467b48e9ecf6
https://gisanddata.maps.arcgis.com/apps/opsdashboard/index.html#/bda7594740fd40299423467b48e9ecf6

 

verstärkt. Die wirtschaftliche Entwicklung stagniert, und trotz eines aufgeblähten Verwaltungsap-

parats sind öffentliche Leistungen, wie Gesundheit und Bildung, unterfinanziert (BPB 26.8.2020).

Im Jahr 2023 hat Russland sein Engagement in den besetzten Gebieten weiter intensiviert (GIP

5.3.2024).

Durch Verfassungsänderung am 17.11.2013 wurde Georgien von einer Präsidialrepublik zu

einer parlamentarischen Demokratie (AA 30.10.2024). Im Land finden regelmäßig kompetitive

Wahlen statt und es gibt eine lebendige Medien- und Zivilgesellschaft. Allerdings wirkt sich der

Einfluss der Oligarchen auf die politischen Angelegenheiten des Landes aus, und Oppositions-

politiker werden tätlich angegriffen (FH 16.10.2024). 2023 blieb die Polarisierung ein zentrales

Problem für die georgische Demokratie, es wurden keine Fortschritte erzielt und die Spannun-

gen zwischen der Regierungspartei und der Opposition haben zugenommen (GIP 5.3.2024). Im

Jahr 2024 hat sich in Georgien eine beschleunigte Form der Autokratisierung vollzogen, wobei

die Demokratie von der Regierungspartei „Georgischer Traum“ durch Kontrolle der Justiz, Ver-

abschiedung repressiver Gesetze und Wahlmanipulation untergraben wurde (GIP 27.1.2025).

Georgien verfügt zwar über ein dynamisches Mehrparteiensystem, aber die Oppositionspartei-

en sehen sich mitunter mit Hindernissen für den politischen Wettbewerb konfrontiert, darunter

rechtliche Schikanen, Einschüchterung und physische Gewalt (FH 2024).

Die Regierung ist das oberste Organ der Exekutive, das die Innen- und Außenpolitik des Lan-

des umsetzt (Verf GEOR 29.6.2020, Art. 54; vgl. FH 2024). Der Präsident ist das Staatsober-

haupt, der Garant für die nationale Einheit und Unabhängigkeit sowie der Oberbefehlshaber

der Streitkräfte (Verf GEOR 29.6.2020, Art. 49; vgl. FH 2024). Der derzeitige Ministerpräsident

(Premierminister) - ernannt im Februar 2024 - ist Irakli Kobachidse (GovG o.D.; vgl. NSC GEOR

o.D.). Das aktuelle Staatsoberhaupt, Micheil Kawelaschwili, wurde am 29.12.2024 angelobt (EK

29.12.2024; vgl. ORF 29.12.2024). Die Amtszeit des Präsidenten beträgt fünf Jahre (Verf GEOR

29.6.2020, Art. 50). Er ernennt formell den Premierminister, der vom Parlament nominiert wird

(FH 2024).

Micheil Kawelaschwili, der die 2018 letzte direkt gewählte Präsidentin Salome Surabischwili

ersetzte (CRS 4.9.2024), wurde von einem Wahlkollegium gewählt, das sich aus Abgeordneten

der Partei „Georgischer Traum“, regionaler Räte (Gemeindebehörden) und der obersten Räte der

Republiken Adscharien und Abchasien (im Exil) zusammensetzte (EK 29.12.2024; vgl. BAMF

16.12.2024). Laut der georgischen Verfassung soll das Wahlkollegium aus 300 Mitgliedern

bestehen und alle Mitglieder des georgischen Parlaments und der obersten Vertretungsorgane

der Autonomen Republiken Abchasien und Adscharien umfassen (Verf GEOR 29.6.2020, Art.

50). Für Kawelaschwili, der als einziger Kandidat antrat, stimmten 224 der 300 Mitglieder der

Wahlversammlung; die Opposition hatte die Wahl boykottiert (BAMF 16.12.2024). Surabischwili

erkannte die Wahl Kawelaschwilis nicht an und forderte mit Unterstützung von Massenprotesten

Neuwahlen (ORF 29.12.2024).

Gemäß der Verfassung setzt das Parlament sich aus 150Abgeordneten zusammen, die in einem

einzigen Mehrmandatswahlkreis für eine Amtszeit von vier Jahren nach dem Verhältniswahl-

recht in allgemeiner, freier, gleicher und unmittelbarer Wahl in geheimer Abstimmung gewählt

2

 

 

werden (Verf GEOR 29.6.2020, Art. 37; vgl. FH 2024). Die OSZE-Wahlbeobachtungsmission

erklärt, dass das rechtliche Rahmenwerk zwar eine angemessene Grundlage für demokratische

Wahlen bietet, jedoch übermäßig komplex ist und Lücken sowie Unstimmigkeiten aufweist, wo-

bei einige der zahlreichen Änderungen seit 2020 als Rückschritte betrachtet werden (OSCE/

ODIHR 20.12.2024).

Bei den am 26.10.2024 durchgeführten Parlamentswahlen erzielte die bisherige Regierungspar-

tei „Georgischer Traum“ 53,93 % und die prowestlichen Oppositionsparteien wie die „Koalition

für den Wandel“ 10,92 %, die „Vereinte Nationale Bewegung“ 10,12 %, „Starkes Georgien“ 8,78

% und „Gacharia - Für Georgien“ 7,76 % der abgegebenen Stimmen (Babel 13.11.2024). Die par-

lamentarische Mehrheit besteht aus 81 Mandaten, während die Opposition 69 Mandate innehat

(PoG o.D.). Die OSZE-Wahlbeobachtungsmission erklärt zu den georgischen Parlamentswah-

len, dass diese zwar eine Auswahl von 18 Kandidatenlisten und freie Wahlkampfmöglichkeiten

boten, jedoch durch tiefgreifende Polarisierung, Bedenken über jüngst erlassene Gesetze und

deren Auswirkungen auf Grundfreiheiten und Zivilgesellschaft, sowie durch spaltende Wahl-

kampfrhetorik und weitverbreitete Berichte über Wählerbeeinflussung beeinträchtigt wurden.

Der Wahltag verlief zwar organisatorisch geordnet, war jedoch von einer angespannten Atmo-

sphäre und häufiger Verletzung des Wahlgeheimnisses geprägt (OSCE/ODIHR 27.10.2024).

Die Opposition lehnt das Wahlergebnis ab (Babel 13.11.2024), wirft Wahlbetrug vor, fordert

Neuwahlen (ORF 2.2.2025) und initiiert Demonstrationen (Babel 13.11.2024). Nach intensiven

Konsultationen mit den Oppositionsparteien im Anschluss an die Parlamentswahlen erklärte

die Präsidentin Surabischwili, dass sie die offiziellen Ergebnisse der Parlamentswahlen vom

26. Oktober mit dem Vorwurf der Wahlmanipulation und der russischen Einflussnahme auf die

georgische Wahlinstitution nicht anerkennen wird (CG 27.10.2024; vgl. HRW 16.1.2025). Je-

doch ist sie mit einem Antrag auf Annullierung der Parlamentswahl vor dem Verfassungsgericht

gescheitert (BAMF 16.12.2024). Seit den umstrittenen und von Manipulationsvorwürfen über-

schatteten Parlamentswahlen vom 26.10.2024 ist die innenpolitische Lage in Georgien äußerst

angespannt (BAMF 27.1.2025; vgl. ORF 2.2.2025). Bei gewalttätigen Demonstrationen kam es

zu zahlreichen Verletzten, insbesondere unter den Demonstrierenden, und Verhaftungen. Die

Demonstrationen gegen das fragwürdige Wahlergebnis der Parlamentswahlen hatten zunächst

gegen Ende November 2024 nachgelassen (BAMF 27.1.2025), neuen Pressemeldungen zufol-

ge finden sie jedoch täglich statt. Die Polizei nahm in Tiflis Anfang Februar 2025 bei Protesten

gegen die Regierungspartei zwei Oppositionsführer fest (ORF 2.2.2025).

Georgien unterzeichnete 2014 ein Assoziierungsabkommen einschließlich einer vertieften und

umfassenden Freihandelszone mit der EU (ADA 10.2023). Anfang März 2022 beantragte das

Land die EU-Mitgliedschaft und erhielt im Dezember 2023 den Kandidatenstatus (EC o.D.; vgl.

AA 30.10.2024) unter der Bedingung, dass Georgien weitere Reformschritte unternimmt, bevor

weitere Integrationsschritte folgen (AA 30.10.2024). So sind die Verfassungsorgane verpflichtet,

im Rahmen ihrer jeweiligen Kompetenzen sämtliche erforderliche Maßnahmen zu ergreifen

(Verf GEOR 29.6.2020, Art. 78; vgl. AA 30.10.2024). Nachdem Premierminister Kobachidse am

28. November 2024 angekündigt hatte, dass Georgien seine Bemühungen um einen EU-Beitritt

bis Ende 2028 aussetzt, verschärften sich landesweite proeuropäische und regierungskritische

3

 

 

Massenproteste (BAMF 27.1.2025; vgl. HRW 16.1.2025). Die Demonstrationen wurden von

staatlicher Seite mit Gewalt beantwortet, wobei maskierte Polizisten Wasserwerfer und Trä-

nengas gegen Demonstranten einsetzten (HRW 16.1.2025). Die Europäische Union reagierte

auf die Entscheidung der georgischen Regierung mit Besorgnis (EEAS 31.1.2025) und stell-

te bedeutende negative Entwicklungen fest, darunter die Verabschiedung des Gesetzes über

die Transparenz ausländischer Einflussnahme und des Gesetzespakets über „Familienwerte

und den Schutz von Minderjährigen“ [Anm.: auch bekannt als „das LGBT-Gesetz“]. Dem Euro-

päischen Auswärtigen Dienst zufolge haben EU-feindliche Äußerungen georgischer Beamter

Georgiens EU-Kurs stark beeinträchtigt. Der Beitrittsprozess Georgiens ist de facto zum Still-

stand gekommen (EEAS 5.11.2024).

Engagement für die weitere Demokratisierung und EU-Integration zeigte die georgische Bevöl-

kerung durch die massiven Proteste im März 2023, welche sich gegen das Gesetz zur Transpa-

renz ausländischen Einflusses [Anm.: auch bekannt als „Gesetz über ausländische Agenten“]

richteten (BS 19.3.2024). Massenproteste wiederholten sich auch nach dem Inkrafttreten des

Gesetzes im Juni 2024 (BAMF 10.6.2024), das von Präsidentin Surabischwili beim Verfassungs-

gericht angefochten wurde (Tagesschau 15.7.2024). Die politische Spaltung Georgiens und

die öffentlichen Proteste verschärften sich, als das Engagement der Regierung für eine EU-

Mitgliedschaft angesichts der wachsenden Beziehungen zu Russland und der zunehmenden

antiwestlichen Rhetorik zunehmend infrage gestellt wurde (AI 24.4.2024).

Quellen

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aertiges-amt.de/de/service/laender/georgien-node/politisches-portrait/202874, Zugriff 28.1.2025

■ AA -AuswärtigesAmt [Deutschland] (26.5.2023): Bericht über die asyl- und abschiebungsrelevante

Lage in Georgien (Stand: April 2023), https://www.ecoi.net/en/file/local/2092800/Auswärtiges_Am

t,_Bericht_über_die_asyl-_und_abschiebungsrelevante_Lage_in_Georgien_(Stand_April_2023),

_26.05.2023.pdf, Zugriff 17.10.2024 [Login erforderlich]

■ ADA - Austrian Development Agency [Österreich] (10.2023): Länderinformation Georgien, https:

//www.entwicklung.at/fileadmin/user_upload/Dokumente/Laenderinformationen/LI_Georgien_Okt2

023.pdf, Zugriff 19.8.2024

■ AI - Amnesty International (24.4.2024): The State of the World’s Human Rights; Georgia 2023,

https://www.ecoi.net/de/dokument/2107899.html, Zugriff 6.9.2024

■ Babel - Babel (13.11.2024): Parliamentary elections in Georgia on October 26 — oppositionists

refuse mandates, https://babel.ua/en/news/112622-opposition-mps-refused-their-mandates-in-g

eorgia-they-do-not-recognize-the-election-results, Zugriff 31.1.2025

■ BAMF - Bundesamt für Migration und Flüchtlinge [Deutschland] (27.1.2025): Briefing Notes KW05

/ 2025, https://www.bamf.de/SharedDocs/Anlagen/DE/Behoerde/Informationszentrum/BriefingNot

es/2025/briefingnotes-kw05-2025.pdf?__blob=publicationFile&v=3, Zugriff 3.2.2025

■ BAMF - Bundesamt für Migration und Flüchtlinge [Deutschland] (16.12.2024): Briefing Notes

(KW51/2024), https://www.bamf.de/SharedDocs/Anlagen/DE/Behoerde/Informationszentr

um/BriefingNotes/2024/briefingnotes-kw51-2024.pdf?__blob=publicationFile&v=3, Zugriff

29.1.2025

■ BAMF - Bundesamt für Migration und Flüchtlinge [Deutschland] (10.6.2024): Briefing Notes KW

24 / 2024, https://www.bamf.de/SharedDocs/Anlagen/DE/Behoerde/Informationszentrum/Briefin

gNotes/2024/briefingnotes-kw24-2024.pdf?__blob=publicationFile&v=4, Zugriff 25.7.2024

■ BPB - Bundeszentrale für politische Bildung [Deutschland] (26.8.2020): Georgien,

https://www.bpb.de/themen/kriege-konflikte/dossier-kriege-konflikte/54599/georgien, Zugriff

15.9.2023

■ BS - Bertelsmann Stiftung (19.3.2024): BTI 2024 Country Report Georgia, https://www.ecoi.net/e

n/file/local/2105865/country_report_2024_GEO.pdf, Zugriff 19.8.2024

4

 

https://www.auswaertiges-amt.de/de/service/laender/georgien-node/politisches-portrait/202874
https://www.auswaertiges-amt.de/de/service/laender/georgien-node/politisches-portrait/202874
https://www.ecoi.net/en/file/local/2092800/Ausw%C3%A4rtiges_Amt,_Bericht_%C3%BCber_die_asyl-_und_abschiebungsrelevante_Lage_in_Georgien_(Stand_April_2023),_26.05.2023.pdf
https://www.ecoi.net/en/file/local/2092800/Ausw%C3%A4rtiges_Amt,_Bericht_%C3%BCber_die_asyl-_und_abschiebungsrelevante_Lage_in_Georgien_(Stand_April_2023),_26.05.2023.pdf
https://www.ecoi.net/en/file/local/2092800/Ausw%C3%A4rtiges_Amt,_Bericht_%C3%BCber_die_asyl-_und_abschiebungsrelevante_Lage_in_Georgien_(Stand_April_2023),_26.05.2023.pdf
https://www.entwicklung.at/fileadmin/user_upload/Dokumente/Laenderinformationen/LI_Georgien_Okt2023.pdf
https://www.entwicklung.at/fileadmin/user_upload/Dokumente/Laenderinformationen/LI_Georgien_Okt2023.pdf
https://www.entwicklung.at/fileadmin/user_upload/Dokumente/Laenderinformationen/LI_Georgien_Okt2023.pdf
https://www.ecoi.net/de/dokument/2107899.html
https://babel.ua/en/news/112622-opposition-mps-refused-their-mandates-in-georgia-they-do-not-recognize-the-election-results
https://babel.ua/en/news/112622-opposition-mps-refused-their-mandates-in-georgia-they-do-not-recognize-the-election-results
https://www.bamf.de/SharedDocs/Anlagen/DE/Behoerde/Informationszentrum/BriefingNotes/2025/briefingnotes-kw05-2025.pdf?__blob=publicationFile&v=3
https://www.bamf.de/SharedDocs/Anlagen/DE/Behoerde/Informationszentrum/BriefingNotes/2025/briefingnotes-kw05-2025.pdf?__blob=publicationFile&v=3
https://www.bamf.de/SharedDocs/Anlagen/DE/Behoerde/Informationszentrum/BriefingNotes/2024/briefingnotes-kw51-2024.pdf?__blob=publicationFile&v=3
https://www.bamf.de/SharedDocs/Anlagen/DE/Behoerde/Informationszentrum/BriefingNotes/2024/briefingnotes-kw51-2024.pdf?__blob=publicationFile&v=3
https://www.bamf.de/SharedDocs/Anlagen/DE/Behoerde/Informationszentrum/BriefingNotes/2024/briefingnotes-kw24-2024.pdf?__blob=publicationFile&v=4
https://www.bamf.de/SharedDocs/Anlagen/DE/Behoerde/Informationszentrum/BriefingNotes/2024/briefingnotes-kw24-2024.pdf?__blob=publicationFile&v=4
https://www.bpb.de/themen/kriege-konflikte/dossier-kriege-konflikte/54599/georgien
https://www.ecoi.net/en/file/local/2105865/country_report_2024_GEO.pdf
https://www.ecoi.net/en/file/local/2105865/country_report_2024_GEO.pdf

 

■ CG - Civil Georgia (27.10.2024): BREAKING: President Zurabishvili Rejects Election Results,

https://civil.ge/archives/631657, Zugriff 31.1.2025

■ CRS - Congressional Research Service [USA] (4.9.2024): Georgia: Incumbent Georgian Dream

Claims Victory in Disputed Parliamentary Elections, https://crsreports.congress.gov/product/pdf/R/

R45307, Zugriff 29.1.2025

■ EC - Europäische Kommission (o.D.): EU enlargement policy, Georgia, https://www.consilium.eu

ropa.eu/en/policies/enlargement/georgia/, Zugriff 19.8.2024

■ EEAS - European Union / European External Action Service (31.1.2025): 1516th Meeting of the

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2.1 Abchasien

Letzte Änderung 2024-10-25 14:18

Quelle: STDOK-OSIF 12.9.2023a Diese Karte dient der Veranschaulichung und stellt keine Anerken-

nung der hier gezeigten Grenzen durch die Staatendokumentation dar.

Abchasien hat ca. 200.000 Einwohner (AA 26.5.2023). Im Gegensatz zu Südossetien erkannte

Georgien zunächst die Autonomie Abchasiens an, nicht jedoch seine Unabhängigkeit. Eine offi-

zielle pro-georgische Regierung der Autonomen Republik Abchasien wurde eingesetzt, um die

Region zu regieren. Nach Kämpfen mit separatistischen Gruppen wurde die pro-georgische Re-

gierung jedoch nach Tiflis verbannt, wo sie sich bis heute befindet. Aus diesem Grund gibt es in

Georgien eine offizielle Admin-1-Region mit der Bezeichnung „Autonome Republik Abchasien“,

in der die Grenzen des De-facto-Staates festgelegt sind. Die Regierung und die Streitkräfte von

Abchasien werden seit 2014 von der Regierung, den Militärkräften und den Polizeikräften Ab-

chasiens vertreten (ACLED 29.11.2023). Im Jahr 2023 ratifizierte Abchasien das Abkommen zur

Übertragung von Land an Russland im Rahmen eines 49-jährigen Pachtvertrags (GIP 5.3.2024;

vgl. CG 27.12.2023). Abchasien bemüht sich zwar, ein Mindestmaß an Unabhängigkeit von

Russland zu bewahren, dies wird jedoch durch die politische und wirtschaftliche Isolation des

De-facto-Staates erschwert (BPB 26.8.2020).

Abchasien bezeichnet sich als eine Präsidialrepublik. Deren Präsident wird für fünf Jahre gewählt.

Der Gesetzgeber wird durch die Volksversammlung – das Parlament der Republik Abchasien –

vertreten. Die Exekutive wird durch die Regierung repräsentiert, die vom Präsidenten geleitet

wird. Das Ministerkabinett wird durch den Präsidenten gebildet und ist ihm gegenüber rechen-

schaftspflichtig( PRA o.D.). Während die Volksmeinung einen Einfluss auf die abchasische

Innenpolitik hat, ist das Funktionieren der politischen Institutionen Abchasiens weiterhin von der

wirtschaftlichen und politischen Unterstützung aus Moskau abhängig. Die Versammlungsfreiheit

6

 

 

wird weitgehend respektiert, und die Opposition und zivilgesellschaftliche Gruppen organisieren

regelmäßig Proteste (FH 29.2.2024a). Die Wirtschaft Abchasiens hängt überwiegend vom Tou-

rismus aus Russland ab, und in den letzten Jahren näherte sich das Land immer mehr Russland

an (BBC 28.8.2023a).

Im Mai 2023 forderten Oppositionsgruppen den Rücktritt der De-facto-Regierung, während sie

gegen die fragile Souveränität und die demografische Situation der von Russland unterstütz-

ten Region, aber auch gegen wirtschaftliche Probleme protestierten (Eurasianet 31.5.2023).

Im Frühling 2024 haben mehrere abchasische Oppositionelle ihre Unterstützung für die De-

monstranten in Georgien zum Ausdruck gebracht und erklärt, dass die Verabschiedung des

Gesetzes über die ausländischen Agenten in Georgien direkte Auswirkungen auf Abchasien

haben könnte (OCM 9.5.2024). Am 17. Juli 2024 kam es zu Zusammenstößen zwischen den ab-

chasischen Sicherheitskräften und Protestierenden gegen das umstrittene „Wohnungsgesetz“,

das es Ausländern, insbesondere Russen, ermöglichen soll, Wohnungen in der Region zu kau-

fen. Die Behörden versuchen, das Gesetz inmitten massiver Unzufriedenheit durchzusetzen,

was Bedenken hinsichtlich steigender Preise und möglicher negativer Auswirkungen auf die

lokale Wirtschaft und demografische Struktur aufwirft (CG 17.7.2024; vgl. FH 29.2.2024a).

Das Recht auf Rückkehr der Vertriebenen wird von den De-facto-Behörden verwehrt. Der Verwal-

tungskreis Gali im südlichen Teil Abchasiens, nahe dem georgischen Hauptterritorium, ist noch

stark von ethnischen Georgiern und Megreliern besiedelt. Sie werden von den abchasischen De-

facto-Behörden benachteiligt (z. B. beim Erwerb von Aufenthalts- und Arbeitserlaubnissen, der

Besetzung öffentlicher Stellen, dem Zugang zu Bildung oder bei der Gesundheitsfürsorge). Das

Ziel ist offenbar, die georgische Bevölkerung entweder zur Aufgabe der georgischen Staatsange-

hörigkeit oder zum Verlassen ihrer angestammten Heimat zu veranlassen (AA 26.5.2023). Die

ungelöste Konfliktsituation in Abchasien wirkt sich weiterhin negativ auf die betroffenen Bevöl-

kerungsgruppen, besonders auf ethnische Georgier im Bezirk Gali, aus. Zu den Auswirkungen

gehören Einschränkungen der Rechte auf Freiheit und Sicherheit von Personen, Bewegungs-

freiheit, Zugang zum Lebensunterhalt, persönlichen Dokumenten, Gesundheitsversorgung und

Grundversorgung, Familienleben, Bildung und Eigentum (UNHRC 17.7.2023).

Die abchasischen Behörden und russische Streitkräfte schränken die Bewegungsfreiheit der

lokalen Bevölkerung beim Passieren der administrativen Grenzlinie (ABL) ein, auch wenn sie

eine gewisse Flexibilität bei Reisen nach Georgien aus medizinischen Gründen, zwecks Pen-

sionsleistungen, Bildung etc. zeigen. Personen, die sich der administrativen Grenze oder den

Grenzübergängen nähern, riskieren die Inhaftierung durch die Grenzschutzbeamten der Russi-

schen Föderation. Russische Grenzschutzbeamte entlang der ABL setzen die Vorschriften der

abchasischen „Behörden“ mittels Festnahmen und Geldbußen durch (USDOS 23.4.2024). Illega-

le sogenannte „Grenzsicherungsmaßnahmen“ werden kontinuierlich fortgesetzt, einschließlich

desAusbaus von Stacheldrahtzäunen, Installation neuer Überwachungsanlagen und verstärkter

Überwachung von „Grenzübergangsstellen“ (CoE 15.4.2024).

Trotz der Versuche, die parlamentarische Aufsicht über die Justiz zu verstärken, haben Nepo-

tismus und Korruption gemäß Berichten Auswirkungen auf die Unabhängigkeit der Justiz. Die

7

 

 

Umsetzung von Gerichtsentscheidungen ist uneinheitlich. Das Strafrechtssystem wird durch

den eingeschränkten Zugang der Angeklagten zu qualifiziertem Rechtsbeistand, Verletzungen

des ordnungsgemäßen Verfahrens und langwierige Untersuchungshaft untergraben. Die Be-

dingungen in den Gefängnissen und Haftanstalten sind Berichten zufolge unzureichend, und

das Büro der örtlichen Menschenrechtsbeauftragten hat auf Fälle von angeblicher Folter und

Misshandlung von Häftlingen hingewiesen (FH 29.2.2024a).

Der UN-Menschenrechtsrat verabschiedet jährlich eine Resolution, welche die große Besorg-

nis über die Menschenrechtssituation in Abchasien ausdrückt, wobei insbesondere der Fokus

auf die Umsetzung des Rückkehrrechts von Geflüchteten sowie mangelnde Freizügigkeit und

Diskriminierung aufgrund ethnischer Herkunft gelegt wird (AA 26.5.2023; vgl. UNGA 29.4.2024).

Hinsichtlich der Religionsfreiheit erfährt die georgisch-orthodoxe Kirche Restriktionen und Dis-

kriminierung. Die Zeugen Jehovas sind verboten (USDOS 30.6.2024).

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2.2 Südossetien

Letzte Änderung 2024-10-01 14:41

Südossetien – amtliche Bezeichnung in Georgien auch „Region Zchinwali“ – hat eine Fläche von

ca. 3.900 km² (BBC 28.8.2023b), deren Bevölkerungszahl in einem Rahmen von etwa 35.000

bis 56.000 Einwohnern geschätzt wird (AA 26.5.2023; vgl. CW 30.11.2023, BPB 26.8.2020). Be-

richten zufolge führt die schlechte wirtschaftliche Lage Südossetiens zu massiver Abwanderung

der Bevölkerung (BPB 26.8.2020).

Quelle: STDOK-OSIF 12.9.2023bDiese Karte dient der Veranschaulichung und stellt keine Anerken-

nung der hier gezeigten Grenzen durch die Staatendokumentation dar.

Große Teile Südossetiens wurden nach dem Ende eines Bürgerkriegs 1992 de facto unabhängig.

Später führte der Krieg im Jahr 2008 zum Einmarsch russischer Truppen und zur Vertreibung

der zuvor noch bestehenden georgischen Regierungspräsenz sowie vieler ethnischer Georgier.

Seither haben nur Russland und eine Handvoll anderer Staaten die Unabhängigkeit Südosseti-

ens anerkannt (FH 29.2.2024b; vgl. BBC 28.8.2023b). Südossetien – ossetische Bezeichnung

„Alania“ – gliedert sich in die folgenden Bezirke: Dzau,Achalgori, Zchinwali und Snauri. Diese Re-

gionen entsprechen in etwa den folgenden offiziellen Admin-1-Regionen Georgiens: Kleine Teile

der Regionen Ratscha-Letschchumi und Niederswanetien, Imeretien, Mzcheta-Mtianeti und die

nördliche Hälfte der Region Innerkartlien. Seit 2017 werden die „Regierung“ und „Streitkräfte“

9

 

https://www.ecoi.net/en/file/local/2095899/G2313585.pdf
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Südossetiens durch die „Regierung“, „Militär“ und „Polizei“ vertreten (ACLED 29.11.2023). Auf

die Politik und die Regierungsführung Südossetiens übt Moskau einen entscheidenden Einfluss

aus (FH 29.2.2024b).

Die Schlüsselindustrien von Südossetien sind stark von russischen Investitionen abhängig. Die

begrenzte wirtschaftliche Autarkie, die grenzüberschreitende Ansiedlung von Osseten und Ge-

orgiern sowie zahlreiche familiäre Bindungen tragen zur Entstehung einer Vielzahl grenzüber-

schreitender Praktiken bei (wie z. B. Schmuggel) (SN 22.12.2022).

Im Mai 2022 gewann der Oppositionspolitiker Alan Gaglojew die Präsidentschaftswahlen in

zwei Wahlgängen mit 29 Prozent der Stimmen gegen den Amtsinhaber Anatoli Bibilow, wobei

bei der Durchführung der Wahl im Vergleich zu früheren Wahlen Verbesserungen festgestellt

wurden. Politische Parteien, die den Einfluss Moskaus oder das separatistische Establishment

herausfordern könnten, dürfen in der Praxis nicht tätig werden. Die Wahlkommission blockiert

weiterhin eine große Anzahl von Einzelkandidaten. Für den Präsidentschaftswahlkampf 2022

wurden nur fünf von 17 Kandidaten registriert. Einige der Präsidentschaftskandidaten, denen

die Registrierung verweigert wurde, beschuldigten Beamte der Zentralen Wahlkommission und

Anhänger des früheren Präsidenten Bibilow, sich in ihre Bewerbungen eingemischt zu haben

(FH 29.2.2024b). Am 9. Juni 2024 fanden Parlamentswahlen statt, bei denen die Nychas-Partei

des De-facto-Präsidenten Alan Gaglojew mit 10 von 34 Sitzen die Mehrheit errang, während

die Oppositionspartei Vereinigtes Ossetien sieben Sitze erhielt; die Wahlen wurden als die um-

kämpftesten seit 2008 angesehen und vonGeorgien sowie westlichen Ländern als unrechtmäßig

abgelehnt (ICG 6.2024).

In der Region Südossetien kommt es immer wieder zu Fällen von Folter und Misshandlungen

durch Sicherheitskräfte (BICC 7.2024). Der UN-Menschenrechtsrat verabschiedet jährlich ei-

ne Resolution, welche die große Besorgnis über die Menschenrechtssituation in Südossetien

ausdrückt, wobei insbesondere der Fokus auf die Umsetzung des Rückkehrrechts Geflüchteter

sowie mangelnde Freizügigkeit und Diskriminierung aufgrund ethnischer Herkunft gelegt wird

(AA 26.5.2023; vgl. UNGA 29.4.2024). Seit dem Konflikt im August 2008 haben die Vereinten

Nationen keinen operativen Zugang zu Südossetien, abgesehen von einer vom UNHCR im

August 2016 durchgeführten humanitären Bewertungsmission (UNGA 29.4.2024).

Die Menschenrechtslage in Südossetien hat sich in mehreren Bereichen weiter verschlechtert,

unter anderem beim Recht auf freie Meinungsäußerung. Die Straffreiheit für frühere Verstöße

hält an (AI 27.3.2023). Die lokalen Medien stehen weitgehend unter Kontrolle der „Behörden“.

Selbstzensur ist weit verbreitet, und gegen kritische Medien werden häufig Verleumdungskla-

gen eingebracht. Die Regierung Südossetiens ist nicht transparent. Behördenkorruption ist weit

verbreitet. Ein systematischer Zugang, diese zu bekämpfen, ist nicht bis kaum vorhanden. Die

Justiz ist nicht unabhängig. Sie unterliegt politischer Einflussnahme und Manipulation und dient

der Bestrafung vermeintlicher politischer Gegner oder der Verfolgung persönlicher Streitigkeiten.

Die Versammlungsfreiheit ist teilweise eingeschränkt. Die Mehrheit der Bevölkerung sind ortho-

doxe Christen. Es gibt aber auch eine zahlenmäßig beträchtliche muslimische Gemeinschaft.

Ein Teil des Eigentums der georgisch-orthodoxen Kirche wird von der südossetisch-orthodoxen

10

 

 

Kirche kontrolliert. Der Oberste Gerichtshof Südossetiens hat im Jahr 2017 die Zeugen Jehovas

als extremistische Organisation verboten (FH 29.2.2024b).

Quellen

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Post-Conflict Dynamics and Perspectives in South Ossetia, https://link.springer.com/article/10.113

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2.9.2024

3 Sicherheitslage

Letzte Änderung 2024-10-25 14:18

Die großflächige Invasion Russlands in der Ukraine im Februar 2022 hat die regionale Sicher-

heitslage grundlegend verändert und Georgien in eine herausfordernde Position gebracht (UB-

FO 11.2023; vgl. EDA 3.9.2024), da das Land mit einem Zustrom russischer Bürger konfrontiert

ist, die in ihrem Nachbarland Schutz suchen. Gleichzeitig hat sich die pro-russische Desinfor-

mation, die zu den Hauptproblemen der georgischen nationalen Sicherheit gehört, noch weiter

verstärkt und zielt auf die schwächsten Teile der Gesellschaft ab, um eine Entfremdung Georgi-

ens von seinen westlichen Partnern zu erreichen (UB-FO 11.2023). Auch bestehen Spannungen

im Zusammenhang mit den ungelösten Konflikten in den Regionen Abchasien und Südossetien.

11

 

https://www.ecoi.net/en/file/local/2092800/Ausw%C3%A4rtiges_Amt,_Bericht_%C3%BCber_die_asyl-_und_abschiebungsrelevante_Lage_in_Georgien_(Stand_April_2023),_26.05.2023.pdf
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https://www.ruestungsexport.info/user/pages/04.laenderberichte/georgien/2024_Georgien.pdf
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https://link.springer.com/article/10.1134/S2079970522700277
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https://documents.un.org/doc/undoc/gen/n24/117/80/pdf/n2411780.pdf

 

In den städtischen Zentren äußert sich die soziale und politische Unzufriedenheit vermehrt in De-

monstrationen und Protestaktionen (EDA 3.9.2024). Die Lage kann in den meisten Landesteilen

als stabil bezeichnet werden (AA 4.6.2024).

In Tiflis und anderen größeren Städten Georgiens finden Proteste gegen das am 14. Mai 2024

verabschiedete Gesetz über die Transparenz ausländischer Einflussnahme statt (AA 4.6.2024),

nach dem sich NGOs und Medien, die mehr als ein Fünftel ihrer Förderung aus dem Ausland

erhalten, als Organisationen registrieren lassen müssen, die ausländische Interessen vertreten.

Dies führte zu massiven Protesten aufgrund der Befürchtung der Einschränkung der Medienfrei-

heit und Bürgerrechte. Die Polizei ging gewaltsam gegen die Demonstranten vor (ICG 5.2024).

Das Gesetz wurde von mehreren zivilgesellschaftlichen Organisationen und Oppositionsabge-

ordneten angefochten. Die Einsprüche gegen dieses Gesetz werden vom Verfassungsgericht

geprüft (ICG 8.2024).

Die Situation an den Verwaltungsgrenzen zwischen Georgien und den Regionen Abchasien

und Südossetien, welche sich nicht unter der Kontrolle der georgischen Regierung befinden,

ist stabil (AA 4.6.2024). Die Beobachtungsmission der Europäischen Union in Georgien, die

in erster Linie darauf abzielt, die Lage vor Ort zu beobachten, über Zwischenfälle zu berich-

ten und generell durch ihre Präsenz in den betreffenden Gebieten zu einer Verbesserung der

Sicherheitslage beizutragen (UNHRC 11.8.2023), hält die Lage hier für relativ stabil und das

Risiko von Zwischenfällen gering (EUMM o.D.). Trotz vordergründiger Ruhe kann ein erneutes

Aufflammen des Konfliktes zwischen den beiden Regionen und Georgien nicht ausgeschlossen

werden (EDA 3.9.2024; vgl. AA 4.6.2024). Die eigenen Streitkräfte der beiden Regionen wer-

den durch russisches Militär und russische Grenztruppen unterstützt (AA 26.5.2023; vgl. UNGA

29.4.2024). Zivilpersonen, die sich hier aufhalten, sind von Inhaftierung wegen sogenannter

illegaler Grenzübertritte betroffen (UNGA 29.4.2024). In Bezug auf die beiden Regionen hielt

das Europäische Gericht für Menschenrechte im April 2024 einstimmig fest, dass Verstöße von-

seiten Russlands gegen das Recht auf Leben, das Verbot von Folter und unmenschlicher oder

erniedrigender Behandlung, das Recht auf Freiheit und Sicherheit, das Recht auf Achtung des

Privat- und Familienlebens, das Recht auf Schutz des Eigentums, das Recht auf Bildung sowie

die Bewegungsfreiheit vorliegen (ECHR 9.4.2024).

Über seine militärische Präsenz und Sicherheitsmaßnahmen entlang der Grenzen zu Georgien

hinaus hat Russland mit Abchasien einen Vertrag über eine strategische Partnerschaft (24. No-

vember 2014) sowie mit Südossetien einen Bündnis- und Integrationsvertrag (18. März 2015)

geschlossen, welche deren Einbindung in einen gemeinsamen Sicherheits- und Verteidigungs-

raum bestätigen (BS 19.3.2024). Angesichts der Annexion Abchasiens und Südossetiens durch

Russland setzt Georgien alle Hoffnungen auf eine engere Anbindung an die EU und die NATO

(EP 4.2024). Kraft des georgischen Gesetzes gelten die Gebiete der Autonomen Republik Ab-

chasien und die Region Zchinwali (Südossetien) als besetzt (GBG GEOR 6.6.2018). Auch das

Europäische Parlament erkennt sie als besetzte georgische Gebiete an (UNSC 13.8.2024). Die

EU unterstützt Georgiens Souveränität und territoriale Integrität innerhalb seiner international

12

 

 

anerkannten Grenzen und engagiert sich seit 2008 für eine friedliche Konfliktlösung, einschließ-

lich der EU-Monitoring-Mission und der Arbeit des EU-Sonderbeauftragten für den Südkaukasus

(EC 8.11.2023a).

Der Beitritt zur EU und NATO zählt zu den wichtigsten außenpolitischen Zielen Georgiens (CIA

7.8.2024). 1994 trat Georgien dem Programm „Partnership for Peace“ der NATO bei. Seit 2010

befindet sich ein Verbindungsbüro der NATO in Georgien (NATO 7.3.2024). Georgien ist einer

der Teilnehmerstaaten der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSCE

o.D.).

Quellen

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13

 

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4 Rechtsschutz / Justizwesen

Letzte Änderung 2024-10-01 15:51

Die Reform der Justiz ist seit Regierungsbeginn eines der wichtigsten Vorhaben der Partei

„Georgischer Traum“. Im Vergleich zur Vorgängerregierung hat die Unabhängigkeit der Justiz

große Fortschritte gemacht. In der Regel ist davon auszugehen, dass die Justiz unabhängig

und nach rechtsstaatlichen Grundsätzen entscheidet. Ungeachtet der institutionellen Unabhän-

gigkeit der Justiz ist das Vertrauen der Bevölkerung in die Justiz wenig ausgeprägt. Politisch

motivierte Strafverfolgung war bis [zum Regierungswechsel] 2012 erkennbar und erfolgte in

der Regel durch fingierte Vorwürfe von Korruption, Amtsmissbrauch oder Steuervergehen. Seit

2012 laufende Ermittlungen oder mit rechtskräftigen Urteilen abgeschlossene Strafverfahren ge-

gen hochrangige Mitglieder und nachgeordnete Mitarbeiter der ehemaligen Regierung werden

von georgischen und ausländischen NGOs nicht als politisch motiviert eingeschätzt, sondern

beruhen auf rechtswidrigen bzw. strafrechtlich relevanten Handlungen durch Amtsträger oder

Parteifunktionäre der Vorgängerregierung. NGOs äußern immer wieder Zweifel an der Unab-

hängigkeit von Gerichten und Staatsanwaltschaft. Sie kritisieren, dass die Selbstverwaltung der

Justiz von einer engen Machtgruppe beherrscht wird, die auch die Ernennungen der obersten

Richter kontrolliert (AA 26.5.2023).

Trotz laufender Justizreformen beeinflussen Exekutive und Legislative die Justiz. Auch die man-

gelnde Transparenz und Professionalität bei Gerichtsverfahren stellen ein Problem dar. Richter

des Obersten Gerichtshofs werden vom Hohen Justizrat ernannt und vom Parlament gebilligt.

Ein Selbstverwaltungsorgan der Justiz wählt die Mehrheit der Mitglieder des Rates. Das Gesetz

garantiert ein ordnungsgemäßes Verfahren, aber die damit verbundenen Vorschriften werden

nicht immer beachtet. Urteile des Verfassungsgerichts in Bezug auf ordnungsgemäße Verfahren

werden mangelhaft umgesetzt. Es kommt zu administrativen Verzögerungen bei Gerichtsver-

fahren, zu Verletzungen der Unschuldsvermutung, Nichteinhaltung von Vorschriften in Bezug

auf Inhaftierung und Verhöre sowie Verweigerung des Zugangs zu einemAnwalt bei Festnahme

(FH 2024).

Das Justizsystem Georgiens hat begrenzte Fortschritte erzielt, unterstützt durch vier Reformwel-

len, die den rechtlichen Rahmen verbessert haben. Zu den legislativen Änderungen gehören die

Verbesserung der Zugänglichkeit von Gerichtsurteilen sowie die Erhöhung der beruflichen Er-

fahrung für Nominierte des Obersten Gerichts auf zehn Jahre. Im Juni 2023 verabschiedete das

Parlament Änderungen zum Gesetz über die ordentlichen Gerichte und entwarf im September

2023 weitere Änderungen, die einige Empfehlungen der Venedig-Kommission umsetzen. Die

Änderungen beinhalten jedoch nicht die wichtigsten Empfehlungen der Venedig-Kommission

14

 

https://www.ecoi.net/en/file/local/2096508/G2315431.pdf
https://www.securitycouncilreport.org/whatsinblue/2024/08/georgia-meeting-under-any-other-business-4.php
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zur umfassenden Reform des Hohen Justizrates u. a. (EC 8.11.2023b). Das Büro der Ombuds-

person hat in einer Einreichung an das georgische Parlament im Oktober 2022 eine Reihe

von Vorschlägen für eine Justizreform gemacht. Keiner dieser Vorschläge wurde angenommen

(UNHRC 17.7.2023).

Quellen

■ AA -AuswärtigesAmt [Deutschland] (26.5.2023): Bericht über die asyl- und abschiebungsrelevante

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99/G2313585.pdf, Zugriff 24.8.2023

5 Sicherheitsbehörden

Letzte Änderung 2024-10-25 14:18

Die Sicherheitskräfte, die dem Innenministerium Georgiens untergeordnet sind, bestehen aus

der Grenzpolizei und Küstenwache (einschließlich der Seestreitkräfte, die 2009 mit der Küsten-

wache zusammengelegt wurden). Das Innenministerium verfügt auch über Kräfte zum Schutz

strategischer Infrastrukturen und zur Durchführung von Sonderoperationen (CIA 7.8.2024). Eine

weitere gesetzlich vorgesehene georgische Sicherheitsinstitution, die der Regierung unterge-

ordnet ist, stellt der Staatssicherheitsdienst (auch bekannt als State Security Service of Georgia,

SSSG) dar, der ein System von Sondereinrichtungen der Exekutive ausmacht und in seinem

Zuständigkeitsbereich die Staatssicherheit gewährleistet (GSSD GEOR 22.3.2017, Art. 2). Der

SSSG hat das Mandat für terrorismusbezogene Vorfälle und Ermittlungen, arbeitet eng mit

verschiedenen Ministerien und internationalen Partnern zusammen und ist laut dem US-ameri-

kanischenAußenministerium gut ausgebildet und ausgerüstet.Auch ist Georgien imAllgemeinen

in der Lage, terroristische Vorfälle aufzudecken, zu verhindern und auf sie zu reagieren (US-

DOS 30.11.2023). Der Nationale Sicherheitsrat untersteht gemäß den gesetzlichen Vorgaben

als beratendes Gremium dem Premierminister, liefert Informationen zu nationalen Sicherheits-

bedrohungen, bereitet politische Entscheidungen vor, plant und koordiniert die Sicherheitspolitik

auf strategischer Ebene und führt seine Aktivitäten auf Grundlage der georgischen Verfassung

und Gesetze durch (GPKNSP GEOR 2.11.2021, Art. 19). Georgiens Militär bzw. Verteidigungs-

kräfte (auch bekannt als Defense Forces of Georgia, DFG) bestehen aus den Bodentruppen,

der Luftwaffe, Nationalgarde und den Sondereinsatzkräften (CIA 7.8.2024).

Im Dezember 2021 leitete die Regierung einen beschleunigten parlamentarischen Prozess zur

Abschaffung des 2018 gegründeten Staatlichen Inspektoratsdienstes (State Inspector’s Service,

SIS) ein, der für die Untersuchung von Machtmissbrauch und die Überwachung der Rechtmä-

ßigkeit von Eingriffen in das Recht auf Privatsphäre zuständig war. Diese Entscheidung wurde

von verschiedenen Organisationen, darunter der OSZE und dem UN-Landesteam in Georgien,

15

 

https://www.ecoi.net/en/file/local/2092800/Ausw%C3%A4rtiges_Amt,_Bericht_%C3%BCber_die_asyl-_und_abschiebungsrelevante_Lage_in_Georgien_(Stand_April_2023),_26.05.2023.pdf
https://www.ecoi.net/en/file/local/2092800/Ausw%C3%A4rtiges_Amt,_Bericht_%C3%BCber_die_asyl-_und_abschiebungsrelevante_Lage_in_Georgien_(Stand_April_2023),_26.05.2023.pdf
https://www.ecoi.net/en/file/local/2092800/Ausw%C3%A4rtiges_Amt,_Bericht_%C3%BCber_die_asyl-_und_abschiebungsrelevante_Lage_in_Georgien_(Stand_April_2023),_26.05.2023.pdf
https://ec.europa.eu/commission/presscorner/detail/en/QANDA_23_5626
https://ec.europa.eu/commission/presscorner/detail/en/QANDA_23_5626
https://www.ecoi.net/de/dokument/2108040.html
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https://www.ecoi.net/en/file/local/2095899/G2313585.pdf
https://www.ecoi.net/en/file/local/2095899/G2313585.pdf

 

aufgrund fehlender überzeugender Begründung für die Abschaffung kritisiert, was für Bedenken

hinsichtlich der Unabhängigkeit von Institutionen zum Schutz der Menschenrechte sorgt. Der

Dienst wurde durch zwei neue Institutionen ersetzt: den Sonderermittlungsdienst (Special Inves-

tigation Service, SIS), der Machtmissbrauch untersuchen soll, und den Dienst für den Schutz

personenbezogener Daten (Personal Data Protection Service, PDPS), die jeweils spezifische

Aufgaben im Bereich der Machtmissbrauchsermittlung und des Datenschutzes übernehmen

sollen (UNHRC 19.3.2024; vgl. USDOS 20.3.2023).

Polizeibeamte werden in ihrer Rolle als Hüter von Regeln öffentlich als zurückhaltend, aber

auch oft als untätig oder wenig effektiv wahrgenommen. Der Staatssicherheitsdienst tritt nicht

als Repressionsinstrument auf, hat jedoch weitreichende Kompetenzen und ist in seiner Tä-

tigkeit nur eingeschränkt transparent. Staatliche Stellen haben auch weitreichenden Zugang

zu elektronischer Kommunikation der Bevölkerung und zu den persönlichen Daten, die bei pri-

vaten Netzbetreibern hinterlegt sind (AA 26.5.2023). Eine laufende Polizeireform zielt auf die

Trennung der Rollen zwischen Staatsanwälten und Ermittlern sowie zwischen operativen und

investigativen Funktionen von Polizeibeamten ab. Bürgernahe und nachrichtendienstlich ge-

führte Polizeiarbeit soll ausgeweitet, die zentralisierte analytische Arbeit verbessert, der Kampf

gegen Computerkriminalität und organisierte Kriminalität intensiviert sowie die internationale

Zusammenarbeit ausgebaut werden (EC 10.8.2022). Die Umstrukturierung der Polizei hat an

Dynamik gewonnen, doch sind die Ergebnisse bisher begrenzt (EC 8.11.2023a).

Trotz der Reformen berichten NGOs regelmäßig von übermäßiger Gewalt durch Polizisten

gegen Häftlinge und Demonstrierende sowie von der Straflosigkeit von Polizisten im Falle von

Folter und Misshandlungen (BICC 7.2024). Mit Stand Oktober 2023 gingen beim SIS 1.775

Beschwerden über Misshandlungen durch die Strafverfolgungsbehörden ein, und in 178 Fällen

wurden strafrechtliche Ermittlungen eingeleitet (HRW 11.1.2024). Nicht zuletzt setzen sich auch

politisch motivierte Strafverfolgungen fort (AI 24.4.2024).

Quellen

■ AA -AuswärtigesAmt [Deutschland] (26.5.2023): Bericht über die asyl- und abschiebungsrelevante

Lage in Georgien (Stand: April 2023), https://www.ecoi.net/en/file/local/2092800/Auswärtiges_Am

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den Europäischen Kriterien für Rüstungsexporte, https://www.ruestungsexport.info/user/pages/04

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■ CIA - Central Intelligence Agency [USA] (7.8.2024): The World Factbook - Georgia, https://www.ci

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■ EC - Europäische Kommission (10.8.2022): Association Implementation Report on Georgia

[SWD(2022) 215 final], https://www.ecoi.net/en/file/local/2078335/ST_11784_2022_INIT_en.pdf;

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■ GPKNSP GEOR - Gesetz über die Planung und Koordinierung der nationalen Sicherheitspolitik

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16

 

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https://www.ecoi.net/en/file/local/2092800/Ausw%C3%A4rtiges_Amt,_Bericht_%C3%BCber_die_asyl-_und_abschiebungsrelevante_Lage_in_Georgien_(Stand_April_2023),_26.05.2023.pdf
https://www.ecoi.net/en/file/local/2092800/Ausw%C3%A4rtiges_Amt,_Bericht_%C3%BCber_die_asyl-_und_abschiebungsrelevante_Lage_in_Georgien_(Stand_April_2023),_26.05.2023.pdf
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https://www.ecoi.net/en/file/local/2078335/ST_11784_2022_INIT_en.pdf%3B+filename%2A%3DUTF-8%27%27ST_11784_2022_INIT_en.pdf
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■ GSSD GEOR - Gesetz über den Staatssicherheitsdienst [Georgien] (22.3.2017): Law of Georgia

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■ USDOS - United States Department of State [USA] (30.11.2023): Country Report on Terrorism

2022 - Chapter 1 - Georgia, https://www.ecoi.net/de/dokument/2101559.html, Zugriff 5.9.2024

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Rights Practices: Georgia, https://www.ecoi.net/de/dokument/2089112.html, Zugriff 13.9.2024

6 Folter und unmenschliche Behandlung

Letzte Änderung 2024-10-25 14:18

Georgien ist dem UN-Übereinkommen gegen Folter und andere grausame, unmenschliche

oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (einschließlich der Zusatzprotokolle) beigetreten

(OHCHR o.D.). Gemäß der Verfassung Georgiens ist die Würde des Menschen unantastbar und

wird vom Staat geschützt; Folter und unmenschliche Behandlung sind verboten (Verf GEOR

29.6.2020, Art. 9; vgl. EC 8.11.2023a). Dennoch wenden Staatsbedienstete Berichten zufolge

solche Methoden in der Praxis an (USDOS 23.4.2024). Vorfälle von Gewaltanwendung scheinen

auf Einzelfälle reduziert, ein systemischer Charakter ist nicht mehr feststellbar (AA 26.5.2023).

Mit Stand Oktober 2023 waren an das Büro der Ombudsperson 72 Beschwerden in Bezug

auf Misshandlungen durch die Strafverfolgung herangetragen worden (HRW 11.1.2024). Der

Hohe Kommissar der Vereinten Nationen für Menschenrechte merkt erhebliche Fortschritte bei

der Bekämpfung von Folter in Georgien an, wobei zusätzliche Maßnahmen erforderlich sind

(UNHCHR 18.10.2023; vgl. PDG o.D.).

Der imMärz 2022 gegründete Sonderermittlungsdienst (SIS) hat die Zuständigkeit der Ermittlung

von Folter und Misshandlung. Laut der Europäischen Kommission ist das Mandat des SIS sehr

weit gefasst, und seine Zuständigkeit wurde seit seiner Einrichtung mehrfach erweitert. Dies

birgt die Gefahr, dass die Hauptaufgabe des SIS, nämlich die Untersuchung von Folter und

Misshandlung durch Strafverfolgungsbeamte, nicht genügend Aufmerksamkeit und Ressourcen

erhält. Im Jahr 2022 hat der Sonderermittlungsdienst 2.514 Meldungen erhalten, wobei viele der

mutmaßlichen Opfer inhaftierte Personen sind. In 420 Fällen wurden Strafverfahren eingeleitet,

von denen 56 % Misshandlungen durch Vollzugsbeamte betreffen (EC 8.11.2023a).

Die Regierung erlaubt ein unabhängiges Monitoring der Lage in den Gefängnissen durch Orga-

nisationen wie das Europäische Komitee zur Verhütung von Folter (USDOS 23.4.2024). Im März

2023 stattete das Komitee Georgien einen Besuch ab und untersuchte die Situation im Bereich

der Gesundheitsfürsorge im Strafvollzug in der Klinik „VivaMedi“. Trotz insgesamt akzeptabler

Lebensbedingungen wurde das therapeutische Umfeld aufgrund Missachtung der Privatsphäre

der Patienten und der ärztlichen Schweigepflicht bemängelt (ECPT 18.1.2024).

17

 

https://matsne.gov.ge/en/document/view/2905260?publication=1
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Quellen

■ AA -AuswärtigesAmt [Deutschland] (26.5.2023): Bericht über die asyl- und abschiebungsrelevante

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■ EC - Europäische Kommission (8.11.2023a): Georgia 2023 Report, https://neighbourhood-enlarge-

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■ ECPT - European Committee for the Prevention of Torture and Inhuman or Degrading Treatment

or Punishment (18.1.2024): Report to the Georgian Government on the visit to Georgia carried out

by the European Committee for the Prevention of Torture and Inhuman or Degrading Treatment or

Punishment (CPT) from 25 to 27 March 2023, https://rm.coe.int/1680ae2dd0, Zugriff 6.9.2024

■ HRW - Human Rights Watch (11.1.2024): World Report 2024 - Georgia, https://www.ecoi.net/de/

dokument/2103212.html, Zugriff 6.9.2024

■ OHCHR - Office of the United Nations High Commissioner for Human Rights (o.D.): UN Treaty

Body Database, https://tbinternet.ohchr.org/_layouts/15/TreatyBodyExternal/Treaty.aspx?Countr

yID=89, Zugriff 11.9.2024

■ PDG - Public Defender (Ombudsman) of Georgia [Georgien] (o.D.): Report of the Public Defender

of Georgia, On the Situation of Protection of Human Rights and Freedoms in Georgia, 2023,

https://ombudsman.ge/res/docs/2024052911382931838.pdf, Zugriff 6.9.2024

■ UNHCHR - Hoher Kommissar der Vereinten Nationen für Menschenrechte (18.10.2023):

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6.9.2024

■ USDOS - United States Department of State [USA] (23.4.2024): 2023 Country Report on Human

Rights Practices: Georgia, https://www.ecoi.net/de/dokument/2107700.html, Zugriff 2.9.2024

■ Verf GEOR - Verfassung Georgiens [Georgien] (29.6.2020): Constitution of Georgia, https://mats

ne.gov.ge/en/document/view/30346?publication=36, Zugriff 14.8.2024

7 Korruption

Letzte Änderung 2024-10-25 14:18

Georgien hat Fortschritte im Kampf gegen Korruption gemacht und ein Anti-Korruptionsbüro ein-

gerichtet, das mehrere Funktionen in einem einzigen Gremium vereint. Die Gesetzgebung dazu

wurde im September 2023 an die Venedig-Kommission übermittelt (EC 8.11.2023a). Die Geset-

ze gegen Korruption in Georgien sehen zwar strafrechtliche Sanktionen für Beamte vor, jedoch

werden sie von der Regierung nicht effektiv umgesetzt. Es gibt Berichte über Korruption auf hö-

heren Ebenen (USDOS 23.4.2024). Die Kleinkorruption befindet sich auf einem bemerkenswert

niedrigen Niveau, während bei Korruption auf höheren Ebenen nahezu vollständige Straflosig-

keit herrscht. Das Land erlebt die Korruptionsform der „Staatsvereinnahmung“ (TIG 26.1.2024).

Bestechung bzw. Bestechlichkeit von Polizisten sind allgemein nicht mehr zu verzeichnen (AA

26.5.2023).

Korruption hat bei der staatlichen Postenbesetzung und bei der öffentlichen Beschaffung die

Form von Vettern- und Günstlingswirtschaft angenommen. Die mangelnde Unabhängigkeit so-

wohl der Gesetzesvollzugsbehörden als auch der Justiz behindert die wirksame Anwendung

von Antikorruptionsgesetzen. Erfolgreiche Klagen gegen hochrangige Beamte sowie gegen

Personen, welche solchen Beamten nahestehen, sind selten (FH 2024).

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https://www.ecoi.net/en/file/local/2092800/Ausw%C3%A4rtiges_Amt,_Bericht_%C3%BCber_die_asyl-_und_abschiebungsrelevante_Lage_in_Georgien_(Stand_April_2023),_26.05.2023.pdf
https://www.ecoi.net/en/file/local/2092800/Ausw%C3%A4rtiges_Amt,_Bericht_%C3%BCber_die_asyl-_und_abschiebungsrelevante_Lage_in_Georgien_(Stand_April_2023),_26.05.2023.pdf
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https://rm.coe.int/1680ae2dd0
https://www.ecoi.net/de/dokument/2103212.html
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https://tbinternet.ohchr.org/_layouts/15/TreatyBodyExternal/Treaty.aspx?CountryID=89
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https://ombudsman.ge/res/docs/2024052911382931838.pdf
https://www.ohchr.org/en/press-releases/2023/10/georgia-prison-system-needs-modernisation-says-un-torture-prevention-body#:~{}:text=GENEVA%20(18%20October%202023)%20%E2%80%93,century%20standards,%20UN%20torture%20prevention
https://www.ohchr.org/en/press-releases/2023/10/georgia-prison-system-needs-modernisation-says-un-torture-prevention-body#:~{}:text=GENEVA%20(18%20October%202023)%20%E2%80%93,century%20standards,%20UN%20torture%20prevention
https://www.ohchr.org/en/press-releases/2023/10/georgia-prison-system-needs-modernisation-says-un-torture-prevention-body#:~{}:text=GENEVA%20(18%20October%202023)%20%E2%80%93,century%20standards,%20UN%20torture%20prevention
https://www.ecoi.net/de/dokument/2107700.html
https://matsne.gov.ge/en/document/view/30346?publication=36
https://matsne.gov.ge/en/document/view/30346?publication=36

 

Im November 2022 verabschiedete das Parlament ein Gesetz zur Einrichtung eines Antikorrup-

tionsbüros, das die Antikorruptionspolitik überwachen und Vermögenserklärungen kontrollieren

soll, jedoch keine Ermittlungsfunktionen hat. Das Büro nahm am 1. September 2023 seine Ar-

beit auf. Die Oppositionsparteien und die zivilgesellschaftlichen Organisationen äußerten starke

Vorbehalte hinsichtlich der Unabhängigkeit und Effizienz des Amtes, und die Rechtsvorschrif-

ten wurden im September 2023 der Venedig-Kommission zur Stellungnahme vorgelegt (EC

8.11.2023a).

Gemäß dem Corruption Perceptions Index 2023 von Transparency International, welcher das

von Experten und Geschäftsleuten wahrgenommene Korruptionsniveau im öffentlichen Sektor

misst, wird Georgien mit 53 von 100 Punkten bewertet (0 = sehr korrupt, 100 = sehr wenig

korrupt). Georgien liegt gleichauf mit Zypern, Grenada und Ruanda (TI 1.2024).

Quellen

■ AA -AuswärtigesAmt [Deutschland] (26.5.2023): Bericht über die asyl- und abschiebungsrelevante

Lage in Georgien (Stand: April 2023), https://www.ecoi.net/en/file/local/2092800/Auswärtiges_Am

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■ EC - Europäische Kommission (8.11.2023a): Georgia 2023 Report, https://neighbourhood-enlarge-

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■ FH - Freedom House (2024): Freedom in the World 2024 - Georgia, https://www.ecoi.net/de/doku

ment/2108040.html, Zugriff 14.8.2024

■ TI - Transparency International (1.2024): Corruption Perceptions Index 2023, https://images.trans

parencycdn.org/images/Report_CPI2023_Eng.pdf, Zugriff 15.5.2024

■ TIG - Transparency International Georgia (26.1.2024): Alleged Cases of the High-Level Corruption

— A Periodically Updated List, https://transparency.ge/en/blog/alleged-cases-high-level-corruptio

n-periodically-updated-list?fbclid=IwAR2X5ojLHC-llutfBeQ9ZTFiGr1I5yRUzkaHy3upB6KA3mGY

ozBtOZ_iPms, Zugriff 9.9.2024

■ USDOS - United States Department of State [USA] (23.4.2024): 2023 Country Report on Human

Rights Practices: Georgia, https://www.ecoi.net/de/dokument/2107700.html, Zugriff 2.9.2024

8 NGOs und Menschenrechtsaktivisten

Letzte Änderung 2024-10-25 14:18

Da sich die politische Polarisierung in Georgien verschärft, sind die Interessengruppen des

Landes nicht in der Lage, themenbezogene politische Debatten zu führen. Ein erheblicher Teil

der Gesellschaft hat sich nicht in Interessengruppen oder NGOs organisiert, was auf eine ge-

ringe Bereitschaft hinweist, formelle Vereinigungen mit spezifischen Zielen zu gründen oder

beizutreten. NGOs sind in hohem Maße auf westliche Unterstützung angewiesen, wenn es

um Finanzierung, Beratung und die Förderung individueller Freiheit geht, und sehen sich mit

wachsenden Herausforderungen durch prorussische Akteure konfrontiert (BS 19.3.2024).

Menschenrechtsorganisationen und andere NGOs können sich ohne Probleme registrieren und

ihre Arbeit durchführen. Sie werden in der Öffentlichkeit gut wahrgenommen und können auch

Einfluss auf die politische Willensbildung ausüben (AA 26.5.2023; vgl. EC 8.11.2023a). In den

meisten Fällen werden die Tätigkeiten von Menschenrechtsorganisationen durch die Regierung

nicht eingeschränkt. Menschenrechtsorganisationen dürfen frei ermitteln und die Ergebnisse

ihrer Arbeit veröffentlichen (USDOS 23.4.2024). Während manche NGOs in die politischen

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https://www.ecoi.net/en/file/local/2092800/Ausw%C3%A4rtiges_Amt,_Bericht_%C3%BCber_die_asyl-_und_abschiebungsrelevante_Lage_in_Georgien_(Stand_April_2023),_26.05.2023.pdf
https://www.ecoi.net/en/file/local/2092800/Ausw%C3%A4rtiges_Amt,_Bericht_%C3%BCber_die_asyl-_und_abschiebungsrelevante_Lage_in_Georgien_(Stand_April_2023),_26.05.2023.pdf
https://www.ecoi.net/en/file/local/2092800/Ausw%C3%A4rtiges_Amt,_Bericht_%C3%BCber_die_asyl-_und_abschiebungsrelevante_Lage_in_Georgien_(Stand_April_2023),_26.05.2023.pdf
https://neighbourhood-enlargement.ec.europa.eu/system/files/2023-11/SWD_2023_697%20Georgia%20report.pdf
https://neighbourhood-enlargement.ec.europa.eu/system/files/2023-11/SWD_2023_697%20Georgia%20report.pdf
https://www.ecoi.net/de/dokument/2108040.html
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https://images.transparencycdn.org/images/Report_CPI2023_Eng.pdf
https://images.transparencycdn.org/images/Report_CPI2023_Eng.pdf
https://transparency.ge/en/blog/alleged-cases-high-level-corruption-periodically-updated-list?fbclid=IwAR2X5ojLHC-llutfBeQ9ZTFiGr1I5yRUzkaHy3upB6KA3mGYozBtOZ_iPms
https://transparency.ge/en/blog/alleged-cases-high-level-corruption-periodically-updated-list?fbclid=IwAR2X5ojLHC-llutfBeQ9ZTFiGr1I5yRUzkaHy3upB6KA3mGYozBtOZ_iPms
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https://www.ecoi.net/de/dokument/2107700.html

 

Diskussionen einbezogen werden (FH 2024; vgl. AA 26.5.2023), berichten andere, dass sie

politischem Druck ausgesetzt sind, vor allem in Form von Überwachung, Kritik und Ausschluss

vom politischen Dialog (FH 2024).

Darüber hinaus nimmt die Partei „Georgischer Traum“ kritische NGOs ins Visier, bezeichnet sie

als Agenten ausländischer Interessen und bedroht ihre Aktivitäten. Des Weiteren unterstellt sie

den NGOs wiederholt, sie seien Teil der Opposition oder aufgrund der westlichen Finanzierung

korrupt. Obwohl der Staat den NGOs keine formellen Beschränkungen auferlegt und sie nach

wie vor Finanzmittel von westlichen Gebern erhalten können, besteht die Befürchtung, dass

die Bezeichnung „Agenten ausländischer Einflussnahme“ zur Stigmatisierung und damit zur

Begrenzung des Einflusses der Zivilgesellschaft und der Medien auf die staatlichen Behörden

und die politische Agenda verwendet werden könnte (BS 19.3.2024).

Georgien verfügt nicht über eine umfassende Regierungsstrategie zur Unterstützung der Zivil-

gesellschaft oder zur Zusammenarbeit mit ihr. Sowohl auf zentraler als auch auf kommunaler

Ebene gibt es Mechanismen zur Konsultation der Zivilgesellschaft bei der Politikgestaltung und

Gesetzgebung (EC 8.11.2023a).

Quellen

■ AA -AuswärtigesAmt [Deutschland] (26.5.2023): Bericht über die asyl- und abschiebungsrelevante

Lage in Georgien (Stand: April 2023), https://www.ecoi.net/en/file/local/2092800/Auswärtiges_Am

t,_Bericht_über_die_asyl-_und_abschiebungsrelevante_Lage_in_Georgien_(Stand_April_2023),

_26.05.2023.pdf, Zugriff 17.10.2024 [Login erforderlich]

■ BS - Bertelsmann Stiftung (19.3.2024): BTI 2024 Country Report Georgia, https://www.ecoi.net/e

n/file/local/2105865/country_report_2024_GEO.pdf, Zugriff 19.8.2024

■ EC - Europäische Kommission (8.11.2023a): Georgia 2023 Report, https://neighbourhood-enlarge-

ment.ec.europa.eu/system/files/2023-11/SWD_2023_697 Georgia report.pdf, Zugriff 4.9.2024

■ FH - Freedom House (2024): Freedom in the World 2024 - Georgia, https://www.ecoi.net/de/doku

ment/2108040.html, Zugriff 14.8.2024

■ USDOS - United States Department of State [USA] (23.4.2024): 2023 Country Report on Human

Rights Practices: Georgia, https://www.ecoi.net/de/dokument/2107700.html, Zugriff 2.9.2024

9 Wehrdienst und Rekrutierungen

Letzte Änderung 2024-10-03 13:53

Der Wehrdienst in Georgien gliedert sich in den Pflichtdienst, den vertraglichen (beruflichen)

Dienst, den regulären Militärdienst sowie die Reserve. Der verpflichtende Militärdienst kann

auch in Form von vertraglichem Dienst in bestimmten Ministerien oder Regierungsbehörden

geleistet werden, wobei dessen Dauer gesetzlich festgelegt ist (GWW GEOR 29.7.2014, Art.

2; vgl. AA 26.5.2023). Die 2017 wieder eingeführte allgemeine Wehrpflicht von zwölf Monaten

betrifft Männer im Alter zwischen 18 und 27 Jahren (CIA 7.8.2024; vgl. GWW GEOR 29.7.2014,

Art. 9, 32). Weitere Wehrpflichtige sind staatenlose Personen, die dauerhaft in Georgien wohnen.

Fremde können auf eigenen Wunsch in den georgischen Militärdienst einberufen werden, wobei

sie sich anstelle eines militärischen Eides schriftlich zur Treue gegenüber dem Staat Georgien

und zur Einhaltung der georgischen Gesetze verpflichten müssen (GWW GEOR 29.7.2014, Art.

5).

20

 

https://www.ecoi.net/en/file/local/2092800/Ausw%C3%A4rtiges_Amt,_Bericht_%C3%BCber_die_asyl-_und_abschiebungsrelevante_Lage_in_Georgien_(Stand_April_2023),_26.05.2023.pdf
https://www.ecoi.net/en/file/local/2092800/Ausw%C3%A4rtiges_Amt,_Bericht_%C3%BCber_die_asyl-_und_abschiebungsrelevante_Lage_in_Georgien_(Stand_April_2023),_26.05.2023.pdf
https://www.ecoi.net/en/file/local/2092800/Ausw%C3%A4rtiges_Amt,_Bericht_%C3%BCber_die_asyl-_und_abschiebungsrelevante_Lage_in_Georgien_(Stand_April_2023),_26.05.2023.pdf
https://www.ecoi.net/en/file/local/2105865/country_report_2024_GEO.pdf
https://www.ecoi.net/en/file/local/2105865/country_report_2024_GEO.pdf
https://neighbourhood-enlargement.ec.europa.eu/system/files/2023-11/SWD_2023_697%20Georgia%20report.pdf
https://neighbourhood-enlargement.ec.europa.eu/system/files/2023-11/SWD_2023_697%20Georgia%20report.pdf
https://www.ecoi.net/de/dokument/2108040.html
https://www.ecoi.net/de/dokument/2108040.html
https://www.ecoi.net/de/dokument/2107700.html

 

Folgende Personen sind im Sinne des Gesetzes vom Wehrdienst befreit: gesundheitlich nicht

taugliche Personen; solche, die bereits Militärdienst in einem anderen Staat geleistet haben;

verurteilte Straftäter; Personen, die einen nicht-militärischenArbeitsersatzdienst geleistet haben;

Angehörige von gefallenen Soldaten; Parlamentsmitglieder; besonders begabte Rekruten; und

schließlich Personen mit Behinderungen (GWW GEOR 29.7.2014, Art. 29).

Diskriminierungen anhand von Merkmalen wie ethnische Zugehörigkeit, Religion, Nationalität,

Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder politischer Überzeugung sind nicht

bekannt. Offene Parteinahme für die Opposition ist jedoch undenkbar. Praktizierte orthodoxe

Religiosität ist ein typisches Merkmal der georgischen Streitkräfte. Seit 2022 gibt es auch einen

Imam bei der Armee. Das Verteidigungsministerium bemüht sich, mit speziellen Sprachprogram-

men die Integration der armenischen und aserbaidschanischen Minderheiten zu verbessern (AA

26.5.2023).

Am 21. September 2023 hat das Parlament Georgiens mit 80 Stimmen das Verteidigungs-

gesetzbuch verabschiedet, der 2025 in Kraft treten wird. Ein zentrales Element des neuen

Gesetzbuches ist die Überarbeitung des Wehrdienstes, bei dem alle Wehrpflichtigen künftig

unter die alleinige Kontrolle des Verteidigungsministeriums fallen. Zudem soll die Gebühr für die

Aufschiebung des Wehrdienstes von EUR 697 auf EUR 3.490 steigen, und Priester der geor-

gisch-orthodoxen Kirche können nur noch unter bestimmten Bedingungen von der Wehrpflicht

befreit werden (CW 21.9.2023; vgl. CG 21.9.2023).

Quellen

■ AA -AuswärtigesAmt [Deutschland] (26.5.2023): Bericht über die asyl- und abschiebungsrelevante

Lage in Georgien (Stand: April 2023), https://www.ecoi.net/en/file/local/2092800/Auswärtiges_Am

t,_Bericht_über_die_asyl-_und_abschiebungsrelevante_Lage_in_Georgien_(Stand_April_2023),

_26.05.2023.pdf, Zugriff 17.10.2024 [Login erforderlich]

■ CG - Civil Georgia (21.9.2023): Parliament Adopts Defense Code, https://civil.ge/archives/560391,

Zugriff 10.9.2024

■ CIA - Central Intelligence Agency [USA] (7.8.2024): The World Factbook - Georgia, https://www.ci

a.gov/the-world-factbook/countries/georgia, Zugriff 4.9.2024

■ CW - Caucasus Watch (21.9.2023): Georgia Adopts New Defense Code, https://caucasuswatch.

de/en/news/georgia-adopts-new-defense-code.html, Zugriff 10.9.2024

■ GWW GEOR - Gesetz über die Wehrpflicht und den Wehrdienst [Georgien] (29.7.2014): Law of

Georgia on Military Duty and Military Service, https://matsne.gov.ge/en/document/download/317

80/64/en/pdf, Zugriff 9.9.2024

9.1 Wehrersatzdienst, Wehrdienstverweigerung, Desertion

Letzte Änderung 2024-10-25 14:18

Das Gesetz definiert Desertion als das willkürliche Verlassen einer militärischen Einheit oder ei-

nes anderen Dienstortes durch einen Wehrdienstleistenden zur Vermeidung des Wehrdienstes

oder des Reservedienstes oder das Nichterscheinen zum gleichen Zweck. Desertion wird in Ge-

orgien mit einer Freiheitsstrafe von drei bis sieben Jahren geahndet. Ein Wehrdienstleistender

oder Reservedienstleistender, der zum ersten Mal Desertion begeht, darf aus der strafrechtli-

chen Verantwortung entlassen werden, wenn die Desertion durch schwerwiegende Umstände

verursacht wurde (StGB GEOR 27.6.2024).

21

 

https://www.ecoi.net/en/file/local/2092800/Ausw%C3%A4rtiges_Amt,_Bericht_%C3%BCber_die_asyl-_und_abschiebungsrelevante_Lage_in_Georgien_(Stand_April_2023),_26.05.2023.pdf
https://www.ecoi.net/en/file/local/2092800/Ausw%C3%A4rtiges_Amt,_Bericht_%C3%BCber_die_asyl-_und_abschiebungsrelevante_Lage_in_Georgien_(Stand_April_2023),_26.05.2023.pdf
https://www.ecoi.net/en/file/local/2092800/Ausw%C3%A4rtiges_Amt,_Bericht_%C3%BCber_die_asyl-_und_abschiebungsrelevante_Lage_in_Georgien_(Stand_April_2023),_26.05.2023.pdf
https://civil.ge/archives/560391
https://www.cia.gov/the-world-factbook/countries/georgia
https://www.cia.gov/the-world-factbook/countries/georgia
https://caucasuswatch.de/en/news/georgia-adopts-new-defense-code.html
https://caucasuswatch.de/en/news/georgia-adopts-new-defense-code.html
https://matsne.gov.ge/en/document/download/31780/64/en/pdf
https://matsne.gov.ge/en/document/download/31780/64/en/pdf

 

Seit März 2018 ist gesetzlich verankert, dass Personen, welche den Wehrdienst aus Gewissens-

gründen ablehnen, einen alternativen, nicht-militärischen Dienst ableisten sollen. Diese Bürger

genießen alle von der Verfassung garantierten Rechte (Brill 23.4.2020). Laut Artikel 5 des Ge-

setzes über den nicht-militärischen, alternativen Arbeitsdienst sollen Bürger als Gruppe oder als

Einzelpersonen in folgenden Arbeitsbereichen den Dienst ableisten können: Rettungswesen,

Feuerwehr, Umweltschutz; Ingenieurwesen, Reparaturwesen, Einrichtungen für zivile Zwecke;

Organisationen und Einrichtungen imAgrarbereich; kommunale Dienstleistungen sowie Bereich

Gesundheitsschutz. Die Regierung billigt hierzu eine Liste der Zivildienstarbeiten und Einrich-

tungen, wo ein solcher Dienst abgeleistet werden kann. Überdies sieht das Gesetz vor, das

auf der Grundlage einer Regierungsentscheidung Bürger, die einen alternativen Arbeitsdienst

durchlaufen, auch zu Arbeiten im Zuge von Naturkatastrophen, zu saisonalen Erntearbeiten

usw. herangezogen werden können (OSCE 9.10.2020).

Die libertäre politische Partei „Girchi“ gründete 2017 „die Kirche der biblischen Freiheit“, um

jungen Georgiern zu helfen, dem Militärdienst zu entkommen. Diese Initiative weihte Tausende

von Männern zu Priestern, was zu anhaltender Kritik der georgischen Regierung und georgisch-

orthodoxen Kirche führte. Im Februar 2021 beschloss die Heilige Synode der georgisch-ortho-

doxen Kirche, dass Personen, die Priesteramtsurkunden der „Biblischen Freiheit“ nutzen, von

Sakramenten wie Kommunion, Taufe und Ehe ausgeschlossen werden (CG 28.2.2023).

Quellen

■ Brill - Brill (23.4.2020): Limitations to Freedom of Religion or Belief in Georgia: Legislation and

State Policy, https://brill.com/view/journals/rhrs/15/1-2/article-p153_9.xml?language=en, Zugriff

22.8.2023

■ CG - Civil Georgia (28.2.2023): Explainer: Georgia’s New Defense Code, https://civil.ge/archives/

527877, Zugriff 22.8.2023

■ OSCE - Organization for Security and Co-operation in Europe (9.10.2020): Questionnaire on the

Code of Conduct on Politico-Military Aspects of Security, https://www.osce.org/files/f/documents/1

/1/467235.pdf, Zugriff 22.8.2023

■ StGB GEOR - Strafgesetzbuch [Georgien] (27.6.2024): Criminal Code of Georgia, https://matsne

.gov.ge/en/document/view/16426?publication=262, Zugriff 10.9.2024

10 Allgemeine Menschenrechtslage

Letzte Änderung 2024-10-25 14:18

Gemäß der georgischen Verfassung schützt und anerkennt der Staat die universell anerkannten

Menschenrechte und Freiheiten als ewige und höchste menschliche Werte. Bei der Ausübung

der Staatsgewalt sind das Volk und der Staat an diese Rechte und Freiheiten als unmittelbar

geltendes Recht gebunden. Die Verfassung leugnet nicht andere allgemein anerkannte Men-

schenrechte und Freiheiten (Verf GEOR 29.6.2020, Art. 4).

Georgien verfügt über starke nationale und verfassungsrechtlich garantierte Menschenrechtsin-

stitutionen, wie z. B. das Amt der Ombudsperson, welches Einzelfälle aufgreift und Missstände

aller Art regelmäßig öffentlich anspricht. Die vom georgischen Parlament ernannte unabhängige

Ombudsperson beobachtet mit einem Stab von rund 140 Mitarbeitern und zehn Regionalbüros

die Wahrung der Menschenrechte im Land und klärt problematische Vorfälle auf (AA 26.5.2023).

22

 

https://brill.com/view/journals/rhrs/15/1-2/article-p153_9.xml?language=en
https://civil.ge/archives/527877
https://civil.ge/archives/527877
https://www.osce.org/files/f/documents/1/1/467235.pdf
https://www.osce.org/files/f/documents/1/1/467235.pdf
https://matsne.gov.ge/en/document/view/16426?publication=262
https://matsne.gov.ge/en/document/view/16426?publication=262

 

Sie berät die Regierung in Menschenrechtsfragen und analysiert außerdem die Gesetze, Strate-

gien und Praktiken des Staates in Übereinstimmung mit den internationalen Standards und gibt

entsprechende Empfehlungen ab. Basierend auf dem Gesetz zur „Beseitigung aller Formen von

Diskriminierung“ wird die Ombudsperson als Gleichbehandlungsstelle definiert. Eine von deren

Hauptfunktionen ist es, die Umsetzung des Gesetzes zu überwachen. Das Amt der Ombuds-

person führt zudem Bildungsaktivitäten im Bereich der Menschenrechte und Freiheiten durch

und reicht beim Verfassungsgericht Beschwerden ein, wenn die Menschenrechte und Freiheiten

durch einen normativen Akt verletzt werden (ENNHRI o.D.). Am 7. März 2023 wurde Lewan Io-

seliani, Rechtsanwalt und bis zu seiner Wahl Parlamentsabgeordneter für die Oppositionspartei

„Bürger“, als Ombudsperson vom Parlament gewählt (AA 26.5.2023). NGOs betrachten das Amt

der Ombudsperson, das sich mit Menschenrechten befasst und Anschuldigungen über Miss-

brauch und Diskriminierung prüft, als die objektivste Menschenrechtseinrichtung des Landes

(USDOS 23.4.2024).

NGOs äußern immer wieder Zweifel an der Unabhängigkeit von Gerichten und Staatsanwalt-

schaft. Sie kritisieren, dass die Selbstverwaltung der Justiz von einer engen Machtgruppe be-

herrscht wird, die auch die Ernennungen der obersten Richter kontrolliert. Im Vergleich zur

Vorgängerregierung hat die Unabhängigkeit der Justiz große Fortschritte gemacht. Im Justizwe-

sen und Strafvollzug kann eine menschenrechtswidrige Behandlung, die bis 2012 systemisch

vorhanden war, in aller Regel nicht mehr festgestellt werden. Menschenrechtsorganisationen

können sich ohne Probleme registrieren und ihre Arbeit durchführen. Die Lage der Menschen-

rechte hat in vielen Bereichen einen guten Stand erreicht. Problematisch bleibt die mangelnde

politische, soziale und wirtschaftliche Teilhabe Angehöriger ethnischer Minderheiten sowie ins-

besondere die ablehnende Einstellung der Gesellschaft gegenüber sexuellen Minderheiten (AA

26.5.2023).

Quellen

■ AA -AuswärtigesAmt [Deutschland] (26.5.2023): Bericht über die asyl- und abschiebungsrelevante

Lage in Georgien (Stand: April 2023), https://www.ecoi.net/en/file/local/2092800/Auswärtiges_Am

t,_Bericht_über_die_asyl-_und_abschiebungsrelevante_Lage_in_Georgien_(Stand_April_2023),

_26.05.2023.pdf, Zugriff 17.10.2024 [Login erforderlich]

■ ENNHRI - European Network of National Human Rights Institutions (o.D.): Public Defender (Om-

budsman) of Georgia, https://ennhri.org/our-members/georgia/, Zugriff 25.8.2023

■ USDOS - United States Department of State [USA] (23.4.2024): 2023 Country Report on Human

Rights Practices: Georgia, https://www.ecoi.net/de/dokument/2107700.html, Zugriff 2.9.2024

■ Verf GEOR - Verfassung Georgiens [Georgien] (29.6.2020): Constitution of Georgia, https://mats

ne.gov.ge/en/document/view/30346?publication=36, Zugriff 14.8.2024

11 Meinungs- und Pressefreiheit

Letzte Änderung 2024-10-25 14:18

Die Verfassung und die Gesetze garantieren die Meinungs- und Pressefreiheit, jedoch gibt es

erhebliche Bedenken hinsichtlich des Respekts der Regierung für diese Freiheit. Insbesondere

wird die Verschärfung des Umfelds für Medienpluralismus kritisiert. Zudem gibt es Gewalt und

23

 

https://www.ecoi.net/en/file/local/2092800/Ausw%C3%A4rtiges_Amt,_Bericht_%C3%BCber_die_asyl-_und_abschiebungsrelevante_Lage_in_Georgien_(Stand_April_2023),_26.05.2023.pdf
https://www.ecoi.net/en/file/local/2092800/Ausw%C3%A4rtiges_Amt,_Bericht_%C3%BCber_die_asyl-_und_abschiebungsrelevante_Lage_in_Georgien_(Stand_April_2023),_26.05.2023.pdf
https://www.ecoi.net/en/file/local/2092800/Ausw%C3%A4rtiges_Amt,_Bericht_%C3%BCber_die_asyl-_und_abschiebungsrelevante_Lage_in_Georgien_(Stand_April_2023),_26.05.2023.pdf
https://ennhri.org/our-members/georgia/
https://www.ecoi.net/de/dokument/2107700.html
https://matsne.gov.ge/en/document/view/30346?publication=36
https://matsne.gov.ge/en/document/view/30346?publication=36

 

Drohungen gegen Journalisten, während die Verantwortlichen für solche Taten oft nicht zur

Rechenschaft gezogen werden (USDOS 23.4.2024).

Georgier äußern ihre Meinungen im Allgemeinen ohne Angst vor staatlicher Repression, je-

doch sind in den letzten Jahren Bedenken hinsichtlich staatlicher Überwachung aufgekommen.

Berichte zeigen, dass der Staatliche Sicherheitsdienst 2021 in umfangreiche Überwachungs-

maßnahmen gegen Journalisten, Aktivisten und Politiker verwickelt war, und es herrscht eine

mangelnde Aufsicht über diese Praktiken (FH 2024; vgl. AA 26.5.2023). Im Jahr 2023 gab es

Versuche, die berufliche Tätigkeit von Medienvertretern zu beeinträchtigen und ihre Meinungs-

freiheit einzuschränken (HRC 2024).

Die georgische Presselandschaft ist stark politisiert und neigt schnell zu Übertreibungen (AA

26.5.2023; vgl. HRC 2024). Die meisten Fernsehsender sind politischen Parteien zugeordnet.

Trotz der Meinungsfreiheit erleben Journalisten und Medienvertreter kontinuierliche Angriffe,

was ein feindliches Medienumfeld schafft, während Gerichtsverfahren gegen Eigentümer kriti-

scher Medien und negative Entscheidungen des Obersten Gerichts die Meinungsfreiheit weiter

beeinträchtigen (HRC 2024).

Manipulation, Hassreden und Desinformation sind in den Medien weit verbreitet, insbesondere

im Fernsehen, der wichtigsten Informationsquelle. Die Eigentümer der Medien kontrollieren

häufig die redaktionellen Inhalte. Verbale und körperliche Angriffe auf Journalisten sind häufig,

auch durch hohe Regierungsbeamte, insbesondere während Wahlkämpfen. Auf der weltweiten

Rangliste der Pressefreiheit 2024 von Reporter ohne Grenzen rangiert Georgien gegenwärtig

auf Platz 103 von insgesamt 180 Plätzen (RSF o.D.).

Quellen

■ AA -AuswärtigesAmt [Deutschland] (26.5.2023): Bericht über die asyl- und abschiebungsrelevante

Lage in Georgien (Stand: April 2023), https://www.ecoi.net/en/file/local/2092800/Auswärtiges_Am

t,_Bericht_über_die_asyl-_und_abschiebungsrelevante_Lage_in_Georgien_(Stand_April_2023),

_26.05.2023.pdf, Zugriff 17.10.2024 [Login erforderlich]

■ FH - Freedom House (2024): Freedom in the World 2024 - Georgia, https://www.ecoi.net/de/doku

ment/2108040.html, Zugriff 14.8.2024

■ HRC - Human Rights Center (2024): State of Human Rights in Georgia, 2023, https://www.hrc.ge/

files/305annual 2023 eng.pdf, Zugriff 10.9.2024

■ RSF - Reporter ohne Grenzen (o.D.): Georgia, https://rsf.org/en/country/georgia, Zugriff 10.9.2024

■ USDOS - United States Department of State [USA] (23.4.2024): 2023 Country Report on Human

Rights Practices: Georgia, https://www.ecoi.net/de/dokument/2107700.html, Zugriff 2.9.2024

12 Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit

Letzte Änderung 2024-10-25 14:18

Die Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit sind durch die Verfassung und die Gesetze Ge-

orgiens garantiert (AA 26.5.2023). Menschenrechtsorganisationen äußern sich besorgt über

die gesetzlichen Bestimmungen, darunter die Verpflichtung, dass politische Parteien und an-

dere Organisationen den lokalen Behörden fünf Tage im Voraus mitteilen müssen, wenn sie

sich in einem öffentlichen Bereich versammeln wollen, wodurch spontane Demonstrationen

ausgeschlossen werden (USDOS 23.4.2024).

24

 

https://www.ecoi.net/en/file/local/2092800/Ausw%C3%A4rtiges_Amt,_Bericht_%C3%BCber_die_asyl-_und_abschiebungsrelevante_Lage_in_Georgien_(Stand_April_2023),_26.05.2023.pdf
https://www.ecoi.net/en/file/local/2092800/Ausw%C3%A4rtiges_Amt,_Bericht_%C3%BCber_die_asyl-_und_abschiebungsrelevante_Lage_in_Georgien_(Stand_April_2023),_26.05.2023.pdf
https://www.ecoi.net/en/file/local/2092800/Ausw%C3%A4rtiges_Amt,_Bericht_%C3%BCber_die_asyl-_und_abschiebungsrelevante_Lage_in_Georgien_(Stand_April_2023),_26.05.2023.pdf
https://www.ecoi.net/de/dokument/2108040.html
https://www.ecoi.net/de/dokument/2108040.html
https://www.hrc.ge/files/305annual%202023%20eng.pdf
https://www.hrc.ge/files/305annual%202023%20eng.pdf
https://rsf.org/en/country/georgia
https://www.ecoi.net/de/dokument/2107700.html

 

In Tiflis fanden unlängst mehrere Versammlungen von zivilen Aktivisten, politischen Parteien

und Bürgerbewegungen statt, wobei es zu erheblichen Verletzungen der Versammlungs- und

Meinungsfreiheit kam (HRC 2024), einschließlich übermäßiger Gewaltanwendung durch die

Polizei (FH 2024; vgl. HRW 11.1.2024). Die Praxis der Verhaftung von Demonstranten auf-

grund geringfügiger Vergehen wie Ungehorsams lässt sich auf die Anwendung des aus der

Sowjetzeit stammenden Gesetzbuchs für Ordnungswidrigkeiten zurückführen (BS 19.3.2024).

Die fehlende Rechenschaftspflicht für Verstöße der Strafverfolgungsbehörden, insbesondere

im Zusammenhang mit der Versammlungsfreiheit, hält an (HRW 11.1.2024).

Die Regierung vollzieht die Gesetze, welche die Vereinigungsfreiheit der Arbeitnehmer schüt-

zen oder gewerkschaftsfeindliche Diskriminierung verbieten, nicht wirksam. Rechtsmittel zur

Bekämpfung von willkürlichen Entlassungen und Rechtsstreitigkeiten über Arbeitsrechte sind

mit langen Verzögerungen verbunden (USDOS 23.4.2024).

Das Versammlungsrecht sexueller Minderheiten wird selten geschützt (FH 2024), die Versamm-

lungsfreiheit für diese Gemeinschaft ist nicht gewährleistet (AA 26.5.2023).

Quellen

■ AA -AuswärtigesAmt [Deutschland] (26.5.2023): Bericht über die asyl- und abschiebungsrelevante

Lage in Georgien (Stand: April 2023), https://www.ecoi.net/en/file/local/2092800/Auswärtiges_Am

t,_Bericht_über_die_asyl-_und_abschiebungsrelevante_Lage_in_Georgien_(Stand_April_2023),

_26.05.2023.pdf, Zugriff 17.10.2024 [Login erforderlich]

■ BS - Bertelsmann Stiftung (19.3.2024): BTI 2024 Country Report Georgia, https://www.ecoi.net/e

n/file/local/2105865/country_report_2024_GEO.pdf, Zugriff 19.8.2024

■ FH - Freedom House (2024): Freedom in the World 2024 - Georgia, https://www.ecoi.net/de/doku

ment/2108040.html, Zugriff 14.8.2024

■ HRC - Human Rights Center (2024): State of Human Rights in Georgia, 2023, https://www.hrc.ge/

files/305annual 2023 eng.pdf, Zugriff 10.9.2024

■ HRW - Human Rights Watch (11.1.2024): World Report 2024 - Georgia, https://www.ecoi.net/de/

dokument/2103212.html, Zugriff 6.9.2024

■ USDOS - United States Department of State [USA] (23.4.2024): 2023 Country Report on Human

Rights Practices: Georgia, https://www.ecoi.net/de/dokument/2107700.html, Zugriff 2.9.2024

12.1 Opposition

Letzte Änderung 2024-10-25 14:18

Die politischen Freiheiten sind verfassungsrechtlich verankert. Die politische Opposition kann

ungehindert agieren und die bestehende Vereinigungs- und Versammlungsfreiheit in Anspruch

nehmen (AA 26.5.2023).

Der politische Lernprozess wurde seit der Unabhängigkeit durch die anhaltende tiefe Spaltung

in der georgischen Politik beeinträchtigt (BS 19.3.2024). Die geringe politische Erfahrung vie-

ler Abgeordneter sowie hierarchische Traditionen und Klientelstrukturen in der Gesellschaft

erschweren die Festigung demokratischer Strukturen, auch wenn Recht und Institutionen in

den Bereichen Demokratie, Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit seit 2012 kontinuierlich an

internationale Standards angepasst wurden (AA 26.5.2023).

25

 

https://www.ecoi.net/en/file/local/2092800/Ausw%C3%A4rtiges_Amt,_Bericht_%C3%BCber_die_asyl-_und_abschiebungsrelevante_Lage_in_Georgien_(Stand_April_2023),_26.05.2023.pdf
https://www.ecoi.net/en/file/local/2092800/Ausw%C3%A4rtiges_Amt,_Bericht_%C3%BCber_die_asyl-_und_abschiebungsrelevante_Lage_in_Georgien_(Stand_April_2023),_26.05.2023.pdf
https://www.ecoi.net/en/file/local/2092800/Ausw%C3%A4rtiges_Amt,_Bericht_%C3%BCber_die_asyl-_und_abschiebungsrelevante_Lage_in_Georgien_(Stand_April_2023),_26.05.2023.pdf
https://www.ecoi.net/en/file/local/2105865/country_report_2024_GEO.pdf
https://www.ecoi.net/en/file/local/2105865/country_report_2024_GEO.pdf
https://www.ecoi.net/de/dokument/2108040.html
https://www.ecoi.net/de/dokument/2108040.html
https://www.hrc.ge/files/305annual%202023%20eng.pdf
https://www.hrc.ge/files/305annual%202023%20eng.pdf
https://www.ecoi.net/de/dokument/2103212.html
https://www.ecoi.net/de/dokument/2103212.html
https://www.ecoi.net/de/dokument/2107700.html

 

Die Opposition ist in Georgien zersplittert (CEPA 17.5.2024; vgl. EC 8.11.2023a). In der georgi-

schen Gesellschaft herrscht eine tiefe politische Polarisierung. Die politischen Akteure räumen

der Zivilgesellschaft wenig Raum ein und verfolgen losgelöst von ihr die eigene Agenda. Dies

erschüttert das Vertrauen in den Staat und seine Institutionen (Böll 21.7.2023).

Das Verhältnis zwischen Regierung und Opposition bleibt konfrontativ und kontraproduktiv für

den Aufbau des Staates und die Stärkung der demokratischen Institutionen, während öffentliche

Debatten oft von den Konflikten zwischen den politischen Lagern dominiert werden. Obwohl es

gelegentlich Versuche gab, Differenzen zu überbrücken, wie das kurzlebige Abkommen vom 19.

April 2021, kehrten die politischen Führer Georgiens schnell zu einem Zustand der Blockade

zurück, was die politische Entwicklung weiter lähmt (BS 19.3.2024).

Obwohl Georgien über ein dynamisches Mehrparteiensystem verfügt, können Oppositionspar-

teien mit Hindernissen für den politischen Wettbewerb konfrontiert sein, darunter rechtliche

Schikanen, Einschüchterung und physische Gewalt. Im Jahr 2023 gab es eine Reihe von ge-

walttätigen Übergriffen gegen Oppositionelle (FH 2024).

Schließlich kam es in der Vergangenheit zu einer Reihe von Strafverfahren und Verurteilungen

vonOppositionspolitikern und der Opposition nahestehenden Personen wegen unterschiedlicher

Delikte (AA 26.5.2023).

Quellen

■ AA -AuswärtigesAmt [Deutschland] (26.5.2023): Bericht über die asyl- und abschiebungsrelevante

Lage in Georgien (Stand: April 2023), https://www.ecoi.net/en/file/local/2092800/Auswärtiges_Am

t,_Bericht_über_die_asyl-_und_abschiebungsrelevante_Lage_in_Georgien_(Stand_April_2023),

_26.05.2023.pdf, Zugriff 17.10.2024 [Login erforderlich]

■ Böll - Heinrich Böll Stiftung (21.7.2023): Supporting an inclusive and consensual political environ-

ment in Georgia, https://ge.boell.org/en/2023/07/21/supporting-inclusive-and-consensual-political

-environment-georgia-2023, Zugriff 17.8.2023

■ BS - Bertelsmann Stiftung (19.3.2024): BTI 2024 Country Report Georgia, https://www.ecoi.net/e

n/file/local/2105865/country_report_2024_GEO.pdf, Zugriff 19.8.2024

■ CEPA - The Center for European Policy Analysis (17.5.2024): A Letter to Georgia, https://cepa.org

/article/a-letter-to-georgia, Zugriff 11.9.2024

■ EC - Europäische Kommission (8.11.2023a): Georgia 2023 Report, https://neighbourhood-enlarge-

ment.ec.europa.eu/system/files/2023-11/SWD_2023_697 Georgia report.pdf, Zugriff 4.9.2024

■ FH - Freedom House (2024): Freedom in the World 2024 - Georgia, https://www.ecoi.net/de/doku

ment/2108040.html, Zugriff 14.8.2024

13 Haftbedingungen

Letzte Änderung 2024-10-25 14:18

Grundlegende Reformen im Strafrecht und Strafvollzug haben die Haftbedingungen in den ge-

orgischen Gefängnissen deutlich verbessert (AA 26.5.2023), jedoch bleiben Gewalt und harte

Bedingungen in den Gefängnissen ein Problem (FH 2024). Während die Lebensbedingungen

in den Gefängnissen und Haftanstalten im Allgemeinen adäquat sind, sind in einigen älteren

Einrichtungen Belüftung, natürliches Licht, Platz und Gesundheitsversorgung nicht ausreichend.

26

 

https://www.ecoi.net/en/file/local/2092800/Ausw%C3%A4rtiges_Amt,_Bericht_%C3%BCber_die_asyl-_und_abschiebungsrelevante_Lage_in_Georgien_(Stand_April_2023),_26.05.2023.pdf
https://www.ecoi.net/en/file/local/2092800/Ausw%C3%A4rtiges_Amt,_Bericht_%C3%BCber_die_asyl-_und_abschiebungsrelevante_Lage_in_Georgien_(Stand_April_2023),_26.05.2023.pdf
https://www.ecoi.net/en/file/local/2092800/Ausw%C3%A4rtiges_Amt,_Bericht_%C3%BCber_die_asyl-_und_abschiebungsrelevante_Lage_in_Georgien_(Stand_April_2023),_26.05.2023.pdf
https://ge.boell.org/en/2023/07/21/supporting-inclusive-and-consensual-political-environment-georgia-2023
https://ge.boell.org/en/2023/07/21/supporting-inclusive-and-consensual-political-environment-georgia-2023
https://www.ecoi.net/en/file/local/2105865/country_report_2024_GEO.pdf
https://www.ecoi.net/en/file/local/2105865/country_report_2024_GEO.pdf
https://cepa.org/article/a-letter-to-georgia
https://cepa.org/article/a-letter-to-georgia
https://neighbourhood-enlargement.ec.europa.eu/system/files/2023-11/SWD_2023_697%20Georgia%20report.pdf
https://neighbourhood-enlargement.ec.europa.eu/system/files/2023-11/SWD_2023_697%20Georgia%20report.pdf
https://www.ecoi.net/de/dokument/2108040.html
https://www.ecoi.net/de/dokument/2108040.html

 

Weiters besteht wie in den vergangenen Jahren das Problem der Langzeitisolation von Ge-

fangenen, der Unterbringung in Deeskalationsräumen und Einzelhaftzellen sowie der Gewalt

zwischen Gefangenen (USDOS 23.4.2024).

Gesetzliche Regelungen erlauben Alternativen zur Haft. NGOs und Gerichtsbeobachter berich-

ten, dass die Justiz alternative Maßnahmen nicht adäquat anwendet. Auch verfügt die Regierung

über keinen Monitoring-Mechanismus in Bezug auf Angeklagte, welche nicht in Haft sind (US-

DOS 23.4.2024).

Der „National Preventive Mechanism under the Public Defender’s Office“ gibt der Ombudsperson

vollen Zugang zu Haftanstalten. Die Überprüfung der Haftbedingungen gehört zu den ständigen

Aufgaben des Büros der Ombudsperson, in dessen Jahresbericht ausführlich über Zustand und

Entwicklung berichtet wird. Besuche der Ombudsperson in den Haftanstalten wurden zuletzt

öfters aus Sicherheitsgründen abgebrochen. Nach Angaben des Büros der Ombudsperson ha-

ben Gefängnisbehörden absichtlich Konfliktsituationen mit Häftlingen provoziert (AA 26.5.2023).

Die Regierung erlaubt ein unabhängiges Monitoring der Lage in den Gefängnissen durch inter-

nationale Organisationen, darunter das Europäische Komitee zur Verhütung von Folter (CPT),

und durch mehrere lokale sowie internationale Menschenrechtsgruppen (USDOS 23.4.2024).

Mit Stand 31.7.2024 betrug die Gesamtanzahl der Gefängnisinsassen in Georgien 10.419. 17

% der Gefängnisinsassen befanden sich in Untersuchungshaft. 3,9 % der Inhaftierten sind

weiblichen Geschlechts, und 0,7 % sind unter 18 Jahre alt. Die Anzahl der Haftanstalten beträgt

14. Die offizielle Kapazität des Gefängnissystems beträgt 12.332. Dessen Auslastung beträgt

ca. 85 % (WPB o.D.).

Quellen

■ AA -AuswärtigesAmt [Deutschland] (26.5.2023): Bericht über die asyl- und abschiebungsrelevante

Lage in Georgien (Stand: April 2023), https://www.ecoi.net/en/file/local/2092800/Auswärtiges_Am

t,_Bericht_über_die_asyl-_und_abschiebungsrelevante_Lage_in_Georgien_(Stand_April_2023),

_26.05.2023.pdf, Zugriff 17.10.2024 [Login erforderlich]

■ FH - Freedom House (2024): Freedom in the World 2024 - Georgia, https://www.ecoi.net/de/doku

ment/2108040.html, Zugriff 14.8.2024

■ USDOS - United States Department of State [USA] (23.4.2024): 2023 Country Report on Human

Rights Practices: Georgia, https://www.ecoi.net/de/dokument/2107700.html, Zugriff 2.9.2024

■ WPB - World Prison Brief (o.D.): World Prison Brief Data: Georgia, https://www.prisonstudies.org/

country/georgia, Zugriff 11.9.2024

14 Todesstrafe

Letzte Änderung 2024-10-25 14:18

In Georgien wurde 1997 die Todesstrafe für alle Straftaten abgeschafft (AA 26.5.2023; vgl. AI

5.2024). Dieses Verbot ist auch in Artikel 10 der Verfassung verankert (Verf GEOR 29.6.2020).

Das zweite Fakultativprotokoll zum Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte

zur Abschaffung der Todesstrafe hat Georgien im März 1999 ratifiziert (OHCHR o.D.).

27

 

https://www.ecoi.net/en/file/local/2092800/Ausw%C3%A4rtiges_Amt,_Bericht_%C3%BCber_die_asyl-_und_abschiebungsrelevante_Lage_in_Georgien_(Stand_April_2023),_26.05.2023.pdf
https://www.ecoi.net/en/file/local/2092800/Ausw%C3%A4rtiges_Amt,_Bericht_%C3%BCber_die_asyl-_und_abschiebungsrelevante_Lage_in_Georgien_(Stand_April_2023),_26.05.2023.pdf
https://www.ecoi.net/en/file/local/2092800/Ausw%C3%A4rtiges_Amt,_Bericht_%C3%BCber_die_asyl-_und_abschiebungsrelevante_Lage_in_Georgien_(Stand_April_2023),_26.05.2023.pdf
https://www.ecoi.net/de/dokument/2108040.html
https://www.ecoi.net/de/dokument/2108040.html
https://www.ecoi.net/de/dokument/2107700.html
https://www.prisonstudies.org/country/georgia
https://www.prisonstudies.org/country/georgia

 

Quellen

■ AA -AuswärtigesAmt [Deutschland] (26.5.2023): Bericht über die asyl- und abschiebungsrelevante

Lage in Georgien (Stand: April 2023), https://www.ecoi.net/en/file/local/2092800/Auswärtiges_Am

t,_Bericht_über_die_asyl-_und_abschiebungsrelevante_Lage_in_Georgien_(Stand_April_2023),

_26.05.2023.pdf, Zugriff 17.10.2024 [Login erforderlich]

■ AI - Amnesty International (5.2024): Death Sentences and Executions 2023, https://www.ecoi.net

/en/file/local/2110112/ACT5079522024ENGLISH.pdf, Zugriff 11.9.2024

■ OHCHR - Office of the United Nations High Commissioner for Human Rights (o.D.): UN Treaty

Body Database, https://tbinternet.ohchr.org/_layouts/15/TreatyBodyExternal/Treaty.aspx?Countr

yID=89, Zugriff 11.9.2024

■ Verf GEOR - Verfassung Georgiens [Georgien] (29.6.2020): Constitution of Georgia, https://mats

ne.gov.ge/en/document/view/30346?publication=36, Zugriff 14.8.2024

15 Religionsfreiheit

Letzte Änderung 2024-10-25 14:18

Gemäß der Volkszählung von 2014 sind ca. 83 % der Bevölkerung griechisch-orthodox, ca. 11

% Muslime und rund 3 % Anhänger der armenisch-apostolischen Kirche. Es gibt einen starken

Zusammenhang zwischen Ethnie, Religionszugehörigkeit und Heimatregion. Die meisten ethni-

schen Georgier gehören der georgisch-orthodoxen Kirche an. Eine geringeAnzahl an Personen,

hauptsächlich ethnische Russen, ist anderen orthodoxen Gruppen zugehörig. Ethnische Aseris

– überwiegend schiitische Muslime – bilden eine Bevölkerungsmehrheit in der südöstlichen Re-

gion Niederkartlien. Weitere muslimische Gruppen sind u. a. die ethnisch georgischen Muslime

in Adscharien und die tschetschenischen Kisten im Nordosten. Ethnische Armenier gehören

hauptsächlich der armenisch-apostolischen Kirche an und bilden eine Bevölkerungsmehrheit in

der südlichen Region Samzche-Dschawachetien. Katholiken, Jesiden, Griechisch-Orthodoxe,

Menschen jüdischen Glaubens, nicht-traditionelle religiöse Gruppen wie z. B. Baptisten, Zeugen

Jehovas, Pfingstbewegung, Internationale Gesellschaft für Krishna-Bewusstsein und Menschen

ohne Bekenntnis machen 3 % aus (USDOS 30.6.2024; vgl. BAMF 10.2020).

Die Verfassung sieht Religionsfreiheit sowie Trennung von Kirche und Staat vor. Die Verfassung

verbietet religiöse Verfolgung und erkennt die Gleichheit für alle ungeachtet der Religion an,

vorbehaltlich von Erwägungen der öffentlichen Sicherheit oder Gesundheit oder der Rechte

anderer (Verf GEOR 29.6.2020; vgl. USDOS 30.6.2024). Diskriminierung aufgrund des religiö-

sen Bekenntnisses oder die Behinderung der Religionsausübung sind unter Strafe gestellt (AA

26.5.2023). Gesetze und politische Strategien gewähren der georgisch-orthodoxen Kirche je-

doch Privilegien, die keiner anderen religiösen Gruppe gewährt werden (USDOS 30.6.2024;

vgl.HRC 2024, AA 26.5.2023). Religiöse Minderheiten stehen vor Herausforderungen wie unzu-

reichende finanzielle Mittel zur Wiederherstellung ihrer Kultstätten, ineffektive Strafverfolgung

von religiös motivierten Verbrechen und mangelndes Vertrauen in die staatliche Religionsbehör-

de, deren Strategie von 2015 eher die Kontrolle über religiöse Organisationen als die Förderung

der Religionsfreiheit zum Ziel hatte (HRC 2024).

Ein Religionsrat beim Büro der Ombudsperson mit Vertretern von 12 religiösen Organisationen

soll den Austausch, Aktivitäten und Integration der verschiedenen Glaubensgemeinschaften

fördern, konnte aber noch keine große Wirkung entfalten. Angehörige religiöser Minderheiten

28

 

https://www.ecoi.net/en/file/local/2092800/Ausw%C3%A4rtiges_Amt,_Bericht_%C3%BCber_die_asyl-_und_abschiebungsrelevante_Lage_in_Georgien_(Stand_April_2023),_26.05.2023.pdf
https://www.ecoi.net/en/file/local/2092800/Ausw%C3%A4rtiges_Amt,_Bericht_%C3%BCber_die_asyl-_und_abschiebungsrelevante_Lage_in_Georgien_(Stand_April_2023),_26.05.2023.pdf
https://www.ecoi.net/en/file/local/2092800/Ausw%C3%A4rtiges_Amt,_Bericht_%C3%BCber_die_asyl-_und_abschiebungsrelevante_Lage_in_Georgien_(Stand_April_2023),_26.05.2023.pdf
https://www.ecoi.net/en/file/local/2110112/ACT5079522024ENGLISH.pdf
https://www.ecoi.net/en/file/local/2110112/ACT5079522024ENGLISH.pdf
https://tbinternet.ohchr.org/_layouts/15/TreatyBodyExternal/Treaty.aspx?CountryID=89
https://tbinternet.ohchr.org/_layouts/15/TreatyBodyExternal/Treaty.aspx?CountryID=89
https://matsne.gov.ge/en/document/view/30346?publication=36
https://matsne.gov.ge/en/document/view/30346?publication=36

 

müssen mit Intoleranz und Nachteilen im gesellschaftlichen und beruflichen Leben rechnen,

z. B. bei der Besetzung öffentlicher Ämter in verschiedenen Regionen (AA 26.5.2023). Nach

Angaben der Ombudsperson hält der Trend zu weniger schweren Übergriffen und Gewalt gegen

Zeugen Jehovas an (PDG o.D.).

Religiöse Minderheitengruppen berichten über Widerstand von Ortsgemeinden gegen die Er-

richtung vonAndachtsstätten und gegen Errichtung religiöser Schulen für religiöse Minderheiten.

Die Ombudsperson und religiöse Minderheitengruppen berichten über die weitverbreitete gesell-

schaftliche Meinung, dass religiöse Minderheiten eine Bedrohung für die Georgisch-Orthodoxe

Kirche und die kulturellen Werte des Landes darstellen. Im September 2023 dokumentierte die

NGO Media Development Foundation 48 Fälle religiös intoleranter Äußerungen in nationalen

Medien, gegenüber 98 derartigen Vorfällen im Jahr zuvor (USDOS 30.6.2024). Religiöse Min-

derheiten berichten von Diskriminierung und Feindseligkeit, auch seitens georgisch-orthodoxer

Priester und Anhänger (FH 2024).

Quellen

■ AA -AuswärtigesAmt [Deutschland] (26.5.2023): Bericht über die asyl- und abschiebungsrelevante

Lage in Georgien (Stand: April 2023), https://www.ecoi.net/en/file/local/2092800/Auswärtiges_Am

t,_Bericht_über_die_asyl-_und_abschiebungsrelevante_Lage_in_Georgien_(Stand_April_2023),

_26.05.2023.pdf, Zugriff 17.10.2024 [Login erforderlich]

■ BAMF - Bundesamt für Migration und Flüchtlinge [Deutschland] (10.2020): Länderreport 31 Geor-

gien – Allgemeine Lage der ethnischen Minderheiten, https://www.bamf.de/SharedDocs/Anlagen

/DE/Behoerde/Informationszentrum/Laenderreporte/2020/laenderreport-31-Georgien.pdf?__blob

=publicationFile&v=5, Zugriff 10.8.2023

■ FH - Freedom House (2024): Freedom in the World 2024 - Georgia, https://www.ecoi.net/de/doku

ment/2108040.html, Zugriff 14.8.2024

■ HRC - Human Rights Center (2024): State of Human Rights in Georgia, 2023, https://www.hrc.ge/

files/305annual 2023 eng.pdf, Zugriff 10.9.2024

■ PDG - Public Defender (Ombudsman) of Georgia [Georgien] (o.D.): Report of the Public Defender

of Georgia, On the Situation of Protection of Human Rights and Freedoms in Georgia, 2023,

https://ombudsman.ge/res/docs/2024052911382931838.pdf, Zugriff 6.9.2024

■ USDOS - United States Department of State [USA] (30.6.2024): 2023 Report on International

Religious Freedom: Georgia, https://www.ecoi.net/de/dokument/2111868.html, Zugriff 2.9.2024

■ Verf GEOR - Verfassung Georgiens [Georgien] (29.6.2020): Constitution of Georgia, https://mats

ne.gov.ge/en/document/view/30346?publication=36, Zugriff 14.8.2024

16 Ethnische Minderheiten

Letzte Änderung 2024-10-04 12:43

Nach der letzten Volkszählung aus dem Jahr 2014 liegt der Anteil ethnischer Minderheiten im

von der georgischen Regierung kontrollierten Gebiet (d. h. ohne die abtrünnigen Regionen

Abchasien und Süd-Ossetien) bei ca. 13 % (FH 2024). Die größte ethnische Minderheit stellen

dabei die Aserbaidschaner (6,3 %), gefolgt von Armeniern (4,5 %) und Russen (0,7 %). Des

Weiteren leben etliche kleinere ethnische Minderheiten in Georgien, wie z. B. Osseten, Jesiden

(Kurden), Ukrainer, Kisten, Griechen, Assyrer, Menschen jüdischen Glaubens, Polen, Abchasen

und Roma (MRG o.D.; vgl. CIA 7.8.2024, BAMF 10.2020).

29

 

https://www.ecoi.net/en/file/local/2092800/Ausw%C3%A4rtiges_Amt,_Bericht_%C3%BCber_die_asyl-_und_abschiebungsrelevante_Lage_in_Georgien_(Stand_April_2023),_26.05.2023.pdf
https://www.ecoi.net/en/file/local/2092800/Ausw%C3%A4rtiges_Amt,_Bericht_%C3%BCber_die_asyl-_und_abschiebungsrelevante_Lage_in_Georgien_(Stand_April_2023),_26.05.2023.pdf
https://www.ecoi.net/en/file/local/2092800/Ausw%C3%A4rtiges_Amt,_Bericht_%C3%BCber_die_asyl-_und_abschiebungsrelevante_Lage_in_Georgien_(Stand_April_2023),_26.05.2023.pdf
https://www.bamf.de/SharedDocs/Anlagen/DE/Behoerde/Informationszentrum/Laenderreporte/2020/laenderreport-31-Georgien.pdf?__blob=publicationFile&v=5
https://www.bamf.de/SharedDocs/Anlagen/DE/Behoerde/Informationszentrum/Laenderreporte/2020/laenderreport-31-Georgien.pdf?__blob=publicationFile&v=5
https://www.bamf.de/SharedDocs/Anlagen/DE/Behoerde/Informationszentrum/Laenderreporte/2020/laenderreport-31-Georgien.pdf?__blob=publicationFile&v=5
https://www.ecoi.net/de/dokument/2108040.html
https://www.ecoi.net/de/dokument/2108040.html
https://www.hrc.ge/files/305annual%202023%20eng.pdf
https://www.hrc.ge/files/305annual%202023%20eng.pdf
https://ombudsman.ge/res/docs/2024052911382931838.pdf
https://www.ecoi.net/de/dokument/2111868.html
https://matsne.gov.ge/en/document/view/30346?publication=36
https://matsne.gov.ge/en/document/view/30346?publication=36

 

Es gibt keine Gesetze, welche die politische Partizipation ethnischer und religiöser Minderheiten

einschränken. Minderheiten sind jedoch auf allen Ebenen der Verwaltung unterrepräsentiert (FH

2024). Die mangelnde politische, soziale und wirtschaftliche Teilhabe Angehöriger ethnischer

Minderheiten bleibt eine Herausforderung. Die aserische und armenische Bevölkerung ist in

den staatlichen Einrichtungen, z. B. Exekutivorganen, unterrepräsentiert (AA 26.5.2023).

Die Europäische Kommission gegen Rassismus und Intoleranz (ECRI) berichtet, dass Georgien

seit 2015 Fortschritte im Kampf gegen Rassismus und Diskriminierung erzielt hat, einschließ-

lich verbesserter rechtlicher Rahmenbedingungen, Unterstützung ethnischer Minderheiten und

Reaktion auf diskriminierende Vorfälle, etc. (ECRI 22.6.2023). Gemäß der NGO Human Rights

Center Georgien sehen sich Vertreter nationaler Minderheiten mit verschiedenen Herausforde-

rungen konfrontiert. Besonders problematisch sind gesellschaftliche Integration, die Beteiligung

am politischen Leben des Landes und der Zugang zur Bildung (HRC 2024).

Die georgische Regierung bemüht sich, ethnische Minderheiten, vor allem die im Süden Georgi-

ens in kompakten Siedlungsgebieten lebendenArmenier undAserbaidschaner, in die georgische

Mehrheitsgesellschaft zu integrieren. Georgischer Sprachunterricht einerseits und Fernsehsen-

dungen in Minderheitensprachen andererseits sollen die Integration fördern und den Einfluss

russischer Medien verringern (AA 26.5.2023). In Ihrem letzten periodischen Länderbericht be-

teuert die Ombudsperson die Förderung und Ausweitung des offiziellen Sprachprogramms auf

Gebiete mit hohem Minderheitenanteil, inklusive angepasster Lehrmethoden für ältere Angehö-

rige ethnischer Minderheiten (PDG o.D.).

Angehörige ethnischer Minderheiten gehören häufig zugleich auch einer religiösen Minderheit

an. Auch aufgrund der Religionszugehörigkeit kann es zu bereits dargestellten Problemen wie

Diskriminierungen oder Vorurteilen kommen (BAMF 10.2020).

Quellen

■ AA -AuswärtigesAmt [Deutschland] (26.5.2023): Bericht über die asyl- und abschiebungsrelevante

Lage in Georgien (Stand: April 2023), https://www.ecoi.net/en/file/local/2092800/Auswärtiges_Am

t,_Bericht_über_die_asyl-_und_abschiebungsrelevante_Lage_in_Georgien_(Stand_April_2023),

_26.05.2023.pdf, Zugriff 17.10.2024 [Login erforderlich]

■ BAMF - Bundesamt für Migration und Flüchtlinge [Deutschland] (10.2020): Länderreport 31 Geor-

gien – Allgemeine Lage der ethnischen Minderheiten, https://www.bamf.de/SharedDocs/Anlagen

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https://www.ecoi.net/en/file/local/2092800/Ausw%C3%A4rtiges_Amt,_Bericht_%C3%BCber_die_asyl-_und_abschiebungsrelevante_Lage_in_Georgien_(Stand_April_2023),_26.05.2023.pdf
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17 Relevante Bevölkerungsgruppen

17.1 Frauen

Letzte Änderung 2024-10-25 14:18

Georgien hat vier wichtige internationale Verträge zum Schutz der Frauenrechte ratifiziert oder

angenommen, darunter das Übereinkommen zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung

der Frau, das dazugehörige Fakultativprotokoll, das Untersuchungsverfahren gemäß diesem

Protokoll (OHCHR o.D.) und die Istanbul-Konvention des Europarats zur Verhütung und Be-

kämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt (CoE o.D.). Zur Sicherstellung der

Gleichberechtigung von Männern und Frauen in allen Lebensbereichen, einschließlich Politik,

Wirtschaft, Bildung, Familie und Beruf gibt es in Georgien umfassende staatliche Garantien wie

auch einen rechtlichen Rahmen für die Umsetzung dieser Gleichstellungsmaßnahmen (GGG

GEOR 15.12.2022; vgl. AA 26.5.2023). Jedoch können Frauen diese Rechte aufgrund gesell-

schaftlicher Traditionen und Konventionen, ungeachtet gleich hohen Bildungsstandes, nicht

immer ausüben (AA 26.5.2023; vgl. FH 2024).

Obwohl keine Gesetze die Teilnahme von Frauen an der Politik verhindern, sind sie trotz Wahlre-

formen mit Geschlechterquoten in der Regierung bzw. in der Politik unterrepräsentiert (FH 2024;

vgl. GIP 5.3.2024, UNDP o.D.). Georgische Politikerinnen sind häufig Opfer von Gewalt und

sexistischen Anfeindungen, was ihre Teilnahme an der Demokratie behindert. Jüngsten Daten

zufolge haben 54 % der weiblichen Kandidaten während ihres Wahlkampfs oder ihrer politischen

Laufbahn physische, psychische, wirtschaftliche oder sexuelle Gewalt und Belästigung erfahren.

In den sozialen Medien werden Politikerinnen häufig mit sexistischen Hasstiraden angegrif-

fen, unter anderem aufgrund ihrer Geschlechtsidentität, ihres Aussehens, ihrer intellektuellen

Fähigkeiten und moralischer Kriterien (UN Georgia 25.11.2023). Tief verwurzelte Stereotype

behindern den Fortschritt zu einer gleichberechtigten Gesellschaft, auch wenn es in den letzten

Jahren einige positive Veränderungen in der öffentlichen Meinung gegeben hat (GIP 5.3.2024).

Frauen sind unabhängig von ihren beruflichen und akademischen Qualifikationen in schlecht

bezahlten und gering qualifizierten Positionen überrepräsentiert (USDOS 20.3.2023). Trotz be-

deutender Fortschritte bei der Verbesserung der nationalen Gesetzgebung und der Stärkung

des Schutzes der Frauenrechte sind in Georgien immer noch geschlechtsspezifische Vorur-

teile verbreitet, die der Gleichstellung der Geschlechter und der Teilhabe, einschließlich der

wirtschaftlichen Teilhabe, von Frauen und Mädchen im Wege stehen (GIZ 28.2.2024).

Trotz entscheidender Maßnahmen von Regierung und Zivilgesellschaft bleibt Gewalt gegen

Frauen und Mädchen in Georgien ein kritisches Problem, das in der Geschlechterungleichheit

verwurzelt ist und diese weiter verstärkt (UN Georgia 25.11.2023; vgl. AA 26.5.2023). Fälle

häuslicher Gewalt werden von der Gesellschaft und den Behörden meist als interne Familien-

angelegenheit betrachtet. Die Bereitschaft, dagegen Maßnahmen zu ergreifen, nimmt jedoch

weiterhin zu (AA 26.5.2023; vgl. FH 2024). Die Statistik zeigt, dass trotz positiver Gesetzesän-

derungen in Georgien die Umsetzung der Gesetze und die Zahl der Verbrechen gegen Frauen

weiterhin problematisch sind, wobei in den ersten sechs Monaten des Jahres 2023 13 Frau-

enmorde registriert wurden, von denen 7 Anzeichen häuslicher Gewalt aufwiesen (HRC 2024).

31

 

 

Auch die digitale Gewalt nimmt mit der technologischen Entwicklung zu und betrifft insbesondere

Frauen, die häufig Opfer psychischer Gewalt werden (HRC 2024).

Vergewaltigung ist gesetzeswidrig. Ersttäter können mit einer Haftstrafe von bis zu acht Jahren

belangt werden. Die Regierung setzt das Gesetz nicht wirksam um. Den Ermittlungsbehörden

fehlt es an Schulungen bzgl. wirksamer Abläufe für Fallbearbeitung und Beweissammlung (US-

DOS 23.4.2024). Vergewaltigung in der Ehe ist nicht ausdrücklich strafbar (FH 2024).

Schutz vor häuslicher Gewalt kann in Frauenhäusern oder Einrichtungen für Mütter und Kinder

geboten werden (AA 26.5.2023). Der georgische Staat finanziert neben fünf Frauenhäusern

auch fünf Krisenzentren, in denen Frauen eine Unterkunft beziehen können. Darüber hinaus

gibt es eine staatliche Notrufnummer, die Informationen und Hilfe für Gewaltopfer bereitstellt.

Der Staat bietet Frauen derzeit auch die Möglichkeit, einen neuen Beruf zu erlernen, jedoch

reicht diese Unterstützung oftmals nicht aus, da viele Frauen ein Einkommen sofort benötigen

(Chaikhana 27.12.2022). Die Regierung hat im Oktober 2023 mit Unterstützung der UN ein

erweitertes Frauenhaus in Tiflis eröffnet, um Opfern von Gewalt Dienste und Schutz zu bieten

(UN Georgia 27.10.2023).

Sexuelle Belästigung wird als eine Verwaltungsübertretung behandelt und hat strafrechtlich

keine Folgen. Vor allem am Arbeitsplatz stellt sexuelle Belästigung ein Problem dar (USDOS

23.4.2024). Frauen und Mädchen, die Überlebende geschlechtsspezifischer Gewalt sind, ein-

schließlich konfliktbezogener sexueller Gewalt und häuslicher Gewalt, zögern oft, solche Gewalt-

taten zu melden, aufgrund vorherrschender Geschlechterstereotypen, Angst vor Stigmatisierung

oder Vergeltung sowie mangelnden Vertrauens in Strafverfolgungsmechanismen und staatliche

Unterstützungsdienste (UN-CEDAW 2.3.2023).

Gemäß dem Global Gender Gap Index 2024 des Weltwirtschaftsforums nimmt Georgien Rang

69 [76 im Jahr 2023] von insgesamt 146 Ländern ein. Rangmäßig befindet sich Georgien zwi-

schen Rumänien und Brasilien. [Der Global Gender Gap Index misst die Entwicklung der Ge-

samtsituation für Frauen in Bezug auf folgende Aspekte: Teilnahme am Wirtschaftsleben; Bil-

dungschancen; Gesundheit und politische Rechte.] (WEF 11.6.2024).

Quellen

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Lage in Georgien (Stand: April 2023), https://www.ecoi.net/en/file/local/2092800/Auswärtiges_Am

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32

 

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■ WEF - World Economic Forum (11.6.2024): Global Gender Gap Report 2024, https://www3.wefor

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17.2 Kinder

Letzte Änderung 2024-10-25 14:18

Die UN-Kinderrechtskonvention wurde von Georgien im Jahr 1994 ratifiziert (OHCHR o.D.).

Staatliche repressive Handlungen gegen Kinder gibt es in Georgien nicht. Jedoch ist die staat-

liche Unterstützung von Kindern – ob bei Bildung oder Sozialhilfe – gering. Der Erwerb des

Familieneinkommens mithilfe von Kindern und die frühe Verheiratung von Mädchen sind insbe-

sondere bei ethnischen Minderheiten verbreitet und akzeptiert mit der Folge, dass die Schul-

pflicht vernachlässigt wird (AA 26.5.2023). In Georgien bestehen ein hohes Maß an Gewalt

gegen Kinder und unzureichende Verfahrens- sowie politische Maßnahmen zur Bekämpfung

von Gewalt gegen Kinder in Familien, Heimen, Pflegefamilien und in Bildungseinrichtungen

(UN-CRC 25.6.2024; vgl. AA 26.5.2023, HRC 2024). Das Gesetz legt Rechte für Kinder fest,

verbietet Diskriminierung und sieht Strafen für Kindesmissbrauch vor, wobei jedoch Herausfor-

derungen bei der Prävention von Gewalt gegen Kinder, der Qualifikation von Fachkräften und

Ressourcenknappheit bestehen und körperliche Züchtigung in Schulen trotz Verbots weiterhin

ein Problem darstellt (USDOS 23.4.2024; vgl. PDG o.D.). Die Sterblichkeitsrate bei Kindern

unter fünf Jahren betrug im Jahr 2023 0,6 % (GHI o.D.).

Die Prävention von Straftaten sexueller Gewalt gegen Kinder, die schnelle Aufdeckung von Vor-

fällen, die wirksame Reaktion und Verfügbarkeit von Rehabilitations- und Unterstützungsdiens-

ten für Kinder und ihre Familien sind weiterhin problematisch. Die innerstaatliche Gesetzgebung

33

 

https://gip.ge/wp-content/uploads/2024/04/Georgia-Goverance-Index-Report-2023_Eng.pdf
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https://www3.weforum.org/docs/WEF_GGGR_2024.pdf
https://www3.weforum.org/docs/WEF_GGGR_2024.pdf

 

und der bestehende Beweisstandard sind der Ombudsperson nach nicht mit den Verpflichtun-

gen aus internationalen Instrumenten vereinbar. Gewalt, Gewaltandrohung undAusnutzung von

Hilflosigkeit bleiben weiterhin Voraussetzungen für die strafrechtliche Einordnung als Vergewal-

tigung oder andere sexuelle Handlungen an Kindern, während Umstände wie Vertrauensmiss-

brauch oder Ausnutzung einer Autoritätsposition allein keinen Straftatbestand darstellen. Zudem

gibt es kein gesetzlich festgelegtes Mindestalter für die Einwilligung [in sexuelle Handlungen;

Anm. der Staatendokumentation]. Die unzureichende Versorgung und geografische Abdeckung

von Dienstleistungen für Kinder, die Opfer von Missbrauch und sexueller Gewalt geworden sind,

sowie der Mangel an Fachkräften für die Arbeit mit Kindern bleiben problematisch, wobei das

einzige spezialisierte Zentrum für psychologische und soziale Dienste nur in Tiflis verfügbar ist,

trotz langjähriger Pläne zur Eröffnung eines ähnlichen Zentrums in Westgeorgien (PDG o.D.).

Die Regierung hat die Ersetzung der Großwaisenhäuser durch alternative Einrichtungen weit-

gehend abgeschlossen (USDOS 20.3.2023; vgl. PDG 3.4.2023). In Georgien gibt es 37 kleine

familienähnliche Heime, darunter vier spezialisierte familienähnliche Heime für Kinder mit schwe-

ren und schwersten Behinderungen oder gesundheitlichen Problemen, sowie das Kinderheim

in Tiflis, das LEPL-Kinderzentrum in Poti und die Ninotsminda-Internatsschule für Waisenkinder

unter dem Patriarchat von Georgien (PDG o.D.). Die Regierung hat den Pool von Pflegeeltern

aufgestockt, um Kinder aus Waisenhäusern aufzunehmen und einen Zustrom neuer Fälle in

Waisenhäuser zu vermeiden (USDOS 20.3.2023).

Der Unterricht in öffentlichen Schulen ist kostenlos (IOM 6.2023). Trotz hoher Einschreibungs-

quoten in den Primar- und Sekundarschulen bestehen in Georgien Bedenken bezüglich mangel-

haften Schulbesuchs und eingeschränkten Bildungszugangs für Kinder ethnischer Minderheiten,

was teilweise auf einen Mangel an Lehrkräften in nicht-georgischsprachigen Schulen zurückzu-

führen ist (UN-CRC 25.6.2024).

Der Schutz obdachloser Kinder stellte im Jahr 2023 weiterhin eine große Herausforderung dar,

wobei 261 Kinder Unterstützung erhielten, aber Probleme wie Sicherheit, Gewaltprävention und

mangelnde Ressourcen blieben bestehen. Trotz der Empfehlungen der Ombudsperson aus den

Vorjahren wurden die systemischen Probleme nicht gelöst, was zu einer weiteren Reduzierung

der Tagesbetreuungszentren und Unterkünfte führte. Die Situation verdeutlicht die Notwendigkeit

verstärkter Dienste, zusätzlicher Unterstützungsprogramme und koordinierter Maßnahmen der

zuständigen Regierungsbehörden, um langfristige Lösungen für obdachlose Kinder zu finden

(PDG o.D.).

Georgien machte 2023 moderate Fortschritte bei der Bekämpfung der schlimmsten Formen

von Kinderarbeit, einschließlich verstärkter Arbeitsplatzinspektionen und erhöhter finanzieller

Unterstützung für Sozialprogramme. Trotz dieser Fortschritte bestehen weiterhin Herausforde-

rungen wie unzureichende Gesetze zum Mindestarbeitsalter, fehlende explizite Verbote der

Nutzung von Kindern für illegale Aktivitäten und mangelnde Koordination bei der Bekämpfung

von Menschenhandel. Gesetzlich ist Erwerbstätigkeit ab einem Alter von 16 Jahren erlaubt,

was nicht den internationalen Standards entspricht, da dies nicht für den informellen Sektor gilt.

Darüber hinaus verbietet das Strafgesetzbuch nicht ausdrücklich den Einsatz von Kindern für

34

 

 

illegale Tätigkeiten. Das Bildungsgesetz erlaubt es Kindern, die Schule bereits mit 15 Jahren zu

verlassen, was sie für ausbeuterische Arbeitsverhältnisse anfällig macht (USDOL 2024).

Die Kinder in Georgien sind einem höheren Armutsrisiko ausgesetzt als jede andere Bevölke-

rungsgruppe, wobei das Land ein umfassendes, kinderfreundliches Sozialsystem vermissen

lässt und viele schutzbedürftige Familien und Kinder, insbesondere in ländlichen Gebieten,

unzureichend unterstützt werden (UNICEF o.D.). Laut einer Studie des Kinderhilfswerks der

Vereinten Nationen aus dem Jahr 2023 weisen 37,8 % der georgischen Kinder materielle und

soziale Defizite auf (HRC 2024). So berichtet die Ombudsperson, dass 15 % der Fälle mögli-

cher Verletzungen der Rechte des Kindes, die von der Staatsanwaltschaft untersucht werden,

im Zusammenhang mit der Armut und der schwierigen sozialen und wirtschaftlichen Situation

von Kindern und Familien mit Kindern stehen. Die Anzahl der in der einheitlichen Datenbank für

sozial schwache Familien registrierten Kinder ist im Vergleich zum Jahr 2022 um 5,2%gestiegen.

Trotz verschiedener zentraler und kommunaler Sozialprogramme, einschließlich der Versorgung

von Säuglingen mit Babynahrung und Lebensmitteln für Familien mit Kindern, können die be-

stehenden Maßnahmen laut der Ombudsperson die Bedürfnisse von Kindern und Familien in

schwierigen sozioökonomischen Situationen nicht vollständig erfüllen (PDG o.D.). Im Juli 2023

führte die Regierung ein System zur monatlichen finanziellen Unterstützung in Höhe von GEL

200 [ca. EUR 67] für sozial schwache Kinder ein, die in Armut leben, darunter Kinder bis 16

Jahre, die unter Sozialschutz stehen (GIP 5.3.2024; vgl. CoE 28.12.2023). Nach Angaben des

Gesundheitsministeriums wurde die finanzielle Unterstützung für hilfsbedürftige Kinder im Jahr

2022 um GEL 50 [ca. EUR 17] erhöht, sodass seit Juli 2023 etwa 232.000 Kinder die erhöhte

Unterstützung von GEL 200 [ca. EUR 67] erhalten. Die Sozialhilfe für Kinder mit Behinderungen

wurde im Jahr 2022 zunächst auf GEL 275 [ca. EUR 92] und mit 2023 auf GEL 340 [ca. EUR

113] angehoben (Agenda.ge 20.4.2023).

Das gesetzliche Mindestalter für die Eheschließung beträgt für Männer und Frauen 18 Jahre.

Die Zwangsverheiratung von Personen unter 18 Jahren wird mit zwei bis vier Jahren Freiheits-

strafe geahndet (USDOS 23.4.2024). Die Praxis der frühen Verheiratung und Verlobung stellt

nach wie vor eine bedeutende Herausforderung dar (USDOS 23.4.2024; vgl. PDG o.D., Hu-

manium o.D.). Trotz einiger Fortschritte, wie der Einrichtung einer Arbeitsgruppe zum Thema

Kinderehen und einer leichten Abnahme der Schulabbrüche aufgrund von Heirat, bleiben die

Koordination zwischen den zuständigen Behörden, die Umsetzung von Schutzmaßnahmen und

die strafrechtliche Verfolgung von Kinderehen weiterhin problematisch (PDG o.D.).

Gemäß dem Index der Umsetzung von Kinderrechten erreicht Georgien 7,79 von insgesamt 10

Punkten, was „wahrnehmbare Probleme“ bedeutet (orange Stufe) (Humanium o.D.).

Quellen

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https://ombudsman.ge/res/docs/2024052911382931838.pdf, Zugriff 6.9.2024

■ PDG - Public Defender (Ombudsman) of Georgia [Georgien] (3.4.2023): Parliamentary Report of

the Public Defender of Georgia: On the situation of Protection of Human Rights and Freedoms

in Georgia 2022, https://www.ombudsman.ge/res/docs/2023033120380187763.pdf, Zugriff

10.8.2023

■ UN-CRC - UN Committee on the Rights of the Child (25.6.2024): Concluding observations on the

combined fifth and sixth periodic reports of Georgia [CRC/C/GEO/CO/5-6], https://www.ecoi.net/e

n/file/local/2113097/G2408887.pdf, Zugriff 16.9.2024

■ UNICEF - United Nations International Children’s Emergency Fund (o.D.): Child Poverty and Social

Protection, https://www.unicef.org/georgia/child-poverty-and-social-protection, Zugriff 16.9.2024

■ USDOL - United States Department of Labor [USA] (2024): 2023 Findings on the Worst Forms of

Child Labor: Georgia, https://www.dol.gov/agencies/ilab/resources/reports/child-labor/georgia,

Zugriff 16.9.2024

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Rights Practices: Georgia, https://www.ecoi.net/de/dokument/2107700.html, Zugriff 2.9.2024

■ USDOS - United States Department of State [USA] (20.3.2023): 2022 Country Report on Human

Rights Practices: Georgia, https://www.ecoi.net/de/dokument/2089112.html, Zugriff 13.9.2024

17.3 Sexuelle Minderheiten

Letzte Änderung 2024-10-25 14:18

Aus gesetzlicher Sicht sind gleichgeschlechtliche sexuelle Handlungen in Georgien zwar nicht

kriminalisiert, aber Diskriminierung und Gewalt kommen weiterhin vor. Trotz gesetzlicher Schutz-

maßnahmen gibt es Probleme bei der Durchsetzung, insbesondere bei der Reaktion auf Hass-

verbrechen und der rechtlichen Anerkennung der Geschlechtsidentität. Die Versammlungsfrei-

heit sexueller Minderheiten ist eingeschränkt, und es fehlt an Unterstützung durch hochrangige

Beamte und Politiker (USDOS 23.4.2024; vgl. PDG o.D.). Dazu wirken laut der Ombudsperson

homophobe Einstellungen, Hassverbrechen und diskriminierende Haltungen in der Gesellschaft

mit, wobei Personen mit rechtsextremen Ideologien durch ihre Handlungen und Äußerungen

zur Verbreitung homophober Stimmungen beitragen und schwerwiegende Rechtsverletzun-

gen begehen (PDG o.D.). Nicht zuletzt wird die Annahme des Gesetzespakets „Familienwerte

und Jugendschutz“ vom Jahr 2024 von der internationalen Gemeinschaft beanstandet (EEAS

36

 

https://rm.coe.int/geo-ad-hoc-report-on-the-cost-of-living-crisis/1680ae60b7
https://rm.coe.int/geo-ad-hoc-report-on-the-cost-of-living-crisis/1680ae60b7
https://www.globalhungerindex.org/de/georgia.html
https://www.globalhungerindex.org/de/georgia.html
https://gip.ge/wp-content/uploads/2024/04/Georgia-Goverance-Index-Report-2023_Eng.pdf
https://gip.ge/wp-content/uploads/2024/04/Georgia-Goverance-Index-Report-2023_Eng.pdf
https://www.hrc.ge/files/305annual%202023%20eng.pdf
https://www.hrc.ge/files/305annual%202023%20eng.pdf
https://www.humanium.org/de/georgien
https://files.returningfromgermany.de/files/CFS_Georgia_2023_DE.pdf
https://tbinternet.ohchr.org/_layouts/15/TreatyBodyExternal/Treaty.aspx?CountryID=89
https://tbinternet.ohchr.org/_layouts/15/TreatyBodyExternal/Treaty.aspx?CountryID=89
https://ombudsman.ge/res/docs/2024052911382931838.pdf
https://www.ombudsman.ge/res/docs/2023033120380187763.pdf
https://www.ecoi.net/en/file/local/2113097/G2408887.pdf
https://www.ecoi.net/en/file/local/2113097/G2408887.pdf
https://www.unicef.org/georgia/child-poverty-and-social-protection
https://www.dol.gov/agencies/ilab/resources/reports/child-labor/georgia
https://www.ecoi.net/de/dokument/2107700.html
https://www.ecoi.net/de/dokument/2089112.html

 

4.9.2024). Der Entwurf dieses Verfassungsgesetzes zum Schutz von Familienwerten und Min-

derjährigen wurde von der Venedig-Kommission kritisch bewertet, da er unter anderem die

Rechte sexueller Minderheiten einschränkt und nicht den europäischen sowie internationalen

Standards entspricht (CoE 25.6.2024).

Gleichgeschlechtliche Ehen sind gesetzlich nicht vorgesehen. Die Verfassung definiert die Ehe

als „eine Verbindung zwischen einer Frau und einem Mann zum Zwecke der Familiengründung“

(Verf GEOR 29.6.2020; vgl. USDOS 23.4.2024). Ein Gesetz aus dem Jahr 2014 bietet Schutz

vor Diskriminierung aufgrund verschiedener Faktoren, darunter auch sexuelle Ausrichtung und

Geschlechtsidentität, wird aber nicht einheitlich durchgesetzt (FH 2024; vgl. USDOS 23.4.2024).

Die Menschenrechtsabteilung des Innenministeriums hat Beamte in Bezug auf Hassverbrechen

geschult (USDOS 23.4.2024).

Sexuelle Minderheiten werden gesellschaftlich diskriminiert und sind Zielscheibe schwerer Ge-

walt (FH 2024; vgl. AA 26.5.2023). Im gesellschaftlichen und beruflichen Leben (z. B. Arbeit,

Familie, Gesundheit) müssen sexuelle Minderheiten mit ungleicher Behandlung und Anfeindun-

gen rechnen (AA26.5.2023; vgl. HRC 2023). Angehörige sexueller Minderheiten sind deshalb oft

gezwungen, ihre sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität zu verbergen (AA 26.5.2023).

Dies wird durch die Unkenntnis des Staates über die Stigmatisierung, die Vorurteile gegenüber

sexuellen Minderheiten und von Politikern verbreitete Hassreden begünstigt (PDG 29.4.2022;

vgl. PDG 3.4.2023). Staatliche und nichtstaatliche Akteure üben Gewalt und Belästigung gegen

sexuelle Minderheiten und diejenigen aus, die solchen Missbrauch melden, wobei die Polizei

oder andere Regierungsvertreter gelegentlich nicht angemessen auf solche Vorfälle reagieren

(USDOS 23.4.2024).

Die Wohnsituation sexueller Minderheiten und insbesondere transsexueller Menschen hat sich

durch den Krieg in der Ukraine weiter verschlechtert, und staatliche Unterstützung ist nicht

verfügbar (ILGA 29.2.2024). Die ablehnende Einstellung der Gesellschaft gegenüber sexuellen

Minderheiten wird durch die ablehnende Haltung der orthodoxen Kirche verstärkt (AA 26.5.2023;

vgl. BS 19.3.2024).

Es gibt keine Gesetze oder andere Einschränkungen für Einzelpersonen, die über LGBT-

QI+-Themen sprechen oder in den Medien darüber berichten. Veranstaltungen wie das Pride

Festival im Juli 2023 in Tbilisi können von gewalttätigen Gruppen gestört werden, ohne dass

die Behörden ausreichend eingreifen (USDOS 23.4.2024).

Transgender-Personen, welche die Änderung ihres Geschlechts anerkennen lassen wollen,

müssen sich einem medizinischen Eingriff unterziehen (AA 26.5.2023; vgl. USDOS 23.4.2024).

Eine erste Umregistrierung des Geschlechts im Zivilregister erfolgte nach Autorisierung durch

das Justizministerium im März 2021 (AA 26.5.2023). Transgender-Personen erhalten nur wenig

Schutz, und Staatsanwälte bezeichnen Verbrechen gegen Transgender-Personen oder ande-

re Minderheiten selten als Hassverbrechen, auch wenn es Beweise gibt, die für eine solche

Einstufung sprechen (FH 2024).

37

 

 

Quellen

■ AA -AuswärtigesAmt [Deutschland] (26.5.2023): Bericht über die asyl- und abschiebungsrelevante

Lage in Georgien (Stand: April 2023), https://www.ecoi.net/en/file/local/2092800/Auswärtiges_Am

t,_Bericht_über_die_asyl-_und_abschiebungsrelevante_Lage_in_Georgien_(Stand_April_2023),

_26.05.2023.pdf, Zugriff 17.10.2024 [Login erforderlich]

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n/file/local/2105865/country_report_2024_GEO.pdf, Zugriff 19.8.2024

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_full_annual_review.pdf, Zugriff 17.9.2024

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of Georgia, On the Situation of Protection of Human Rights and Freedoms in Georgia, 2023,

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■ PDG - Public Defender (Ombudsman) of Georgia [Georgien] (3.4.2023): Parliamentary Report of

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■ USDOS - United States Department of State [USA] (23.4.2024): 2023 Country Report on Human

Rights Practices: Georgia, https://www.ecoi.net/de/dokument/2107700.html, Zugriff 2.9.2024

■ Verf GEOR - Verfassung Georgiens [Georgien] (29.6.2020): Constitution of Georgia, https://mats

ne.gov.ge/en/document/view/30346?publication=36, Zugriff 14.8.2024

18 Bewegungsfreiheit

Letzte Änderung 2024-10-25 14:18

Georgier dürfen frei reisen, im Inland innerhalb des von der Regierung kontrollierten Territoriums

sowie ins Ausland. Sie dürfen ihren Wohnsitz, ihre Beschäftigung und ihre Ausbildung ohne

unangemessene Einmischung wechseln (FH 2024).

Es ist nach georgischem Recht illegal, von Russland aus über Südossetien oderAbchasien nach

Georgien einzureisen, da es keine offiziellen Grenzkontrollen gibt und Reisende strafrechtlich

verfolgt werden können (DFA 7.8.2024; vgl. FCDO o.D.).

Bei der Ausreise aus Georgien erfolgt eine Pass- und Identitätskontrolle unter Nutzung eines

EDV-basierten zuverlässigen Systems. Es überprüft die Personalien des Reisedokuments mit

der im System hinterlegten Datenbank mit durch Georgien gesuchten Personen und gibt Hil-

festellung bei der Echtheitsprüfung des Dokuments. Ziel ist es, aufenthaltsrechtliche Verstöße,

38

 

https://www.ecoi.net/en/file/local/2092800/Ausw%C3%A4rtiges_Amt,_Bericht_%C3%BCber_die_asyl-_und_abschiebungsrelevante_Lage_in_Georgien_(Stand_April_2023),_26.05.2023.pdf
https://www.ecoi.net/en/file/local/2092800/Ausw%C3%A4rtiges_Amt,_Bericht_%C3%BCber_die_asyl-_und_abschiebungsrelevante_Lage_in_Georgien_(Stand_April_2023),_26.05.2023.pdf
https://www.ecoi.net/en/file/local/2092800/Ausw%C3%A4rtiges_Amt,_Bericht_%C3%BCber_die_asyl-_und_abschiebungsrelevante_Lage_in_Georgien_(Stand_April_2023),_26.05.2023.pdf
https://www.ecoi.net/en/file/local/2105865/country_report_2024_GEO.pdf
https://www.ecoi.net/en/file/local/2105865/country_report_2024_GEO.pdf
https://www.venice.coe.int/webforms/documents/default.aspx?pdffile=CDL-AD(2024)021-e
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https://www.eeas.europa.eu/eeas/georgia-statement-spokesperson-legislative-package-family-values-and-protection-minors_en?s=221
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https://www.eeas.europa.eu/eeas/georgia-statement-spokesperson-legislative-package-family-values-and-protection-minors_en?s=221
https://www.ecoi.net/de/dokument/2108040.html
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https://hrc.ge/files/reports/245ANNUAL-ENG%202022-FULL.pdf
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https://www.ilga-europe.org/files/uploads/2024/02/2024_full_annual_review.pdf
https://www.ilga-europe.org/files/uploads/2024/02/2024_full_annual_review.pdf
https://ombudsman.ge/res/docs/2024052911382931838.pdf
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https://www.ecoi.net/de/dokument/2107700.html
https://matsne.gov.ge/en/document/view/30346?publication=36
https://matsne.gov.ge/en/document/view/30346?publication=36

 

insbesondere aber mit Haftbefehl gesuchte Straftäter und irreguläre Migranten, zu identifizieren

(AA 26.5.2023).

Zwischen Georgien und der EU besteht seit 2017 ein visafreies Regime (EC 8.11.2023a) . Der

Europäischen Kommission nach erfüllt die georgische Grenzkontrolle zwar Mindeststandards,

benötigt jedoch zusätzliche technische und personelle Ressourcen zur Qualitätsverbesserung.

Georgien verwendet eine Risikobewertungsmethodik basierend auf dem von Frontex entwi-

ckelten gemeinsamen integrierten Risikoanalysemodell (CIRAM). Die Bekämpfung grenzüber-

schreitender organisierter Kriminalität erfordert Verbesserungen bei Ermittlungen und Strafver-

folgung, insbesondere in Bezug auf Menschenhandel, Migrantenschmuggel und Terrorismus.

Schließlich kooperiert Georgien aktiv mit internationalen Organisationen wie Europol, Interpol

und Frontex, um die Grenzsicherheit zu verbessern und den Informationsaustausch zu fördern

(EC 8.11.2023a). Im Jahr 2025 wird für Reisen nach Europa eine ETIAS-Reisegenehmigung

(European Travel Information and Authorisation System) benötigt, die auch georgische Staats-

angehörige betreffen wird (EU 7.2024).

Die De-facto-Behörden und russische Streitkräfte in den von Russland besetzten Gebieten

schränken die Bewegungsfreiheit der lokalen Bevölkerung beim Passieren der administrati-

ven Grenze ein, gleichwohl sie Flexibilität für Reisen zu medizinischen, Pensionsleistungs-,

religiösen und bildungsbezogenen Zwecken zeigen. In einigen Fällen aber, insbesondere in

Südossetien, behindern sie den Zugang zu medizinischer Versorgung im von Tiflis verwalte-

ten Gebiet. Der abchasische Hauptgrenzübergang bleibt für alle Einwohner geöffnet, die über

lokal ausgestellte Reisedokumente verfügen (USDOS 23.4.2024). Personen, die sich der ad-

ministrativen Grenze nähern, riskieren die Inhaftierung durch den Grenzschutz der Russischen

Föderation oder Misshandlung durch die lokalen Sicherheitskräfte (USDOS 23.4.2024; vgl. FH

2024).

In Georgien gibt es kein zentrales Melderegister. Jedoch existiert ein auskunftsfähiges, zen-

trales Personenregister, da jedem georgischen Staatsbürger von Geburt an eine persönliche

Identitätsnummer zugeteilt wird (AA 26.5.2023; vgl. VB Tiflis 10.8.2022). Adressanmeldungen

werden durchgeführt. Diese werden in den sogenannten „Public Halls“ administriert, welche

vom Justizministerium verwaltet werden (VB Tiflis 10.8.2022).

Quellen

■ AA -AuswärtigesAmt [Deutschland] (26.5.2023): Bericht über die asyl- und abschiebungsrelevante

Lage in Georgien (Stand: April 2023), https://www.ecoi.net/en/file/local/2092800/Auswärtiges_Am

t,_Bericht_über_die_asyl-_und_abschiebungsrelevante_Lage_in_Georgien_(Stand_April_2023),

_26.05.2023.pdf, Zugriff 17.10.2024 [Login erforderlich]

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■ EC - Europäische Kommission (8.11.2023a): Georgia 2023 Report, https://neighbourhood-enlarge-

ment.ec.europa.eu/system/files/2023-11/SWD_2023_697 Georgia report.pdf, Zugriff 4.9.2024

■ EU - Europäische Union (7.2024): ETIAS Info Pack, Public Version, June - July 2024, https:

//www.bmi.gv.at/202/Fremdenpolizei_und_Grenzkontrolle/Information_zu_ETIAS/files/ETIAS_Inf

o_Pack_July_2024_Public_nBF_01082024.pdf, Zugriff 18.9.2024

■ FCDO - Foreign, Commonwealth & Development Office [United Kingdom] (o.D.): Georgia travel

advice - Safety and security, https://www.gov.uk/foreign-travel-advice/georgia/safety-and-security,

Zugriff 7.6.2023

39

 

https://www.ecoi.net/en/file/local/2092800/Ausw%C3%A4rtiges_Amt,_Bericht_%C3%BCber_die_asyl-_und_abschiebungsrelevante_Lage_in_Georgien_(Stand_April_2023),_26.05.2023.pdf
https://www.ecoi.net/en/file/local/2092800/Ausw%C3%A4rtiges_Amt,_Bericht_%C3%BCber_die_asyl-_und_abschiebungsrelevante_Lage_in_Georgien_(Stand_April_2023),_26.05.2023.pdf
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https://www.ireland.ie/en/dfa/overseas-travel/advice/georgia
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https://www.bmi.gv.at/202/Fremdenpolizei_und_Grenzkontrolle/Information_zu_ETIAS/files/ETIAS_Info_Pack_July_2024_Public_nBF_01082024.pdf
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https://www.gov.uk/foreign-travel-advice/georgia/safety-and-security

 

■ FH - Freedom House (2024): Freedom in the World 2024 - Georgia, https://www.ecoi.net/de/doku

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■ USDOS - United States Department of State [USA] (23.4.2024): 2023 Country Report on Human

Rights Practices: Georgia, https://www.ecoi.net/de/dokument/2107700.html, Zugriff 2.9.2024

■ VB Tiflis - Verbindungsbeamter des BMI in Tiflis [Österreich] (10.8.2022): Auskunft per E-Mail

19 IDPs und Flüchtlinge

Letzte Änderung 2024-10-25 14:18

Nach Angaben der Beobachtungsstelle für Binnenvertreibung (IDMC) gab es in Georgien mit

Ende 2023 311.000 Binnenvertriebene (IDP) (IDMC 14.5.2024; vgl.Angaben der Ombudsperson

„295.872 IDPs“ - PDG o.D.). Zu dieser Zahl gehören u. a. Personen, welche nach Abchasien

und Südossetien zurückgekehrt sind, sowie diejenigen, die im Konflikt von 2008 vertrieben und

anschließend umgesiedelt wurden oder eine Unterkunft oder Barausgleich erhalten haben. Die

meisten im Jahr 2008 Vertriebenen erhielten den formellen Status eines Binnenvertriebenen

gemäß den nationalen Rechtsvorschriften, obwohl einige Personen, welche der Konflikt 2008

nicht vertrieben hat und die in der Nähe der administrativen Grenze (ABL) lebten, offiziell als in

einer „IDP-ähnlichen Situation“ beschrieben wurden (USDOS 23.4.2024).

Die UN-Flüchtlingsagentur (UNHCR) unterstützt Vertriebene und Staatenlose, einschließlich

ukrainischer Flüchtlinge, und arbeitet mit der Regierung und Partnern in den Bereichen in-

ternationaler Schutz, Staatenlosigkeit und Binnenvertreibung in Georgien. Sie koordiniert die

Flüchtlingshilfe für die Ukraine, kooperiert bei der Umsetzung der Migrationsstrategie 2021-2030

und der Verpflichtungen des Globalen Flüchtlingsforums (GFR) und setzt sich gemeinsam mit

der Regierung und Zivilgesellschaft für den Zugang zu Rechten und Dienstleistungen für Flücht-

linge sowie für den Schutz und die Eigenständigkeit von Binnenvertriebenen in Abchasien ein

(UNHCR 2.2024). Im Zeitraum Oktober 2023 - März 2024 gab es keine Fortschritte bei der

freiwilligen und sicheren Rückkehr von Binnenvertriebenen und Flüchtlingen. Die georgische

Regierung setzt aktuell einen neuen Aktionsplan für 2023-2024 um, um den Binnenvertriebenen

dauerhafte Lösungen zu bieten. Verschiedene Programme zur Bereitstellung von dauerhaften

Wohnlösungen werden durchgeführt, wobei 56% der IDP-Familien bereits versorgt sind. Neben

der Unterbringung bietet die Regierung auch monatliche Zuschüsse und einmalige finanzielle

Unterstützung für IDPs, basierend auf einer Bedarfseinschätzung (CoE 15.4.2024). Seit dem

Jänner 2023 sind Änderungen des georgischen Gesetzes „Über Binnenvertriebene aus den

besetzten Gebieten Georgiens“ in Kraft getreten, die die Bereitstellung von dauerhaftem Wohn-

raum für Binnenvertriebene vollständig neu regeln und die bisherige Situation grundlegend

verändern. Die umgesetzten Änderungen spiegeln eine Verschiebung in der Politik bezüglich

der langfristigen Neuansiedlung von Binnenvertriebenen wider. Eines der Ziele besteht darin, die

Anzahl der umgesiedelten vertriebenen Familien genau zu bestimmen (PDG o.D.). Die Ombuds-

person erklärte jedoch im Dezember 2023, dass trotz verbesserter Verfahren zur langfristigen

Umsiedlung von Binnenvertriebenen die Regeln weiterhin mangelhaft sind, einige ablehnen-

de Entscheidungen unbegründet erscheinen und zudem viele der zugewiesenen Unterkünfte

baufällig sind (PDG 10.12.2023; vgl. HRC 2024).

40

 

https://www.ecoi.net/de/dokument/2108040.html
https://www.ecoi.net/de/dokument/2108040.html
https://www.ecoi.net/de/dokument/2107700.html

 

Binnenvertriebene stellen eine sozioökonomisch gefährdete Gruppe dar, die eine etwa doppelt

so hohe Arbeitslosenquote im Vergleich zur übrigen Bevölkerung aufweist. Mehr als die Hälfte

der Binnenvertriebenen lebte vor ihrer Vertreibung in ländlichen Siedlungen und war in der Land-

wirtschaft tätig. Nach der Vertreibung mussten sich 77 % der betroffenen Personen in Städten

niederlassen, was ein zusätzliches Problem bei der Arbeitssuche darstellt (PDG 23.12.2022).

Zwischen 45.000 und 60.000 IDPs sind nach Abchasien (in die Bezirke Gali, Tqwartscheli und

Otschamtschire) zurückgekehrt. Allerdings verwehren die De-facto-Behörden den Binnenflücht-

lingen eine Rückkehr in andere Bezirke. In Abchasien verbietet das „Rechtssystem“ Eigentums-

ansprüche ethnischer Georgier, die Abchasien vor, während oder nach dem Krieg 1992-1993

verlassen haben, wodurch Binnenvertriebenen ihre Eigentumsrechte in Abchasien entzogen

werden (USDOS 23.4.2024).

Ausländische Flüchtlinge erfahren in Georgien nur geringe Aufmerksamkeit. Unterstützungsleis-

tungen für Flüchtlinge kommen überwiegend von internationalen Organisationen und Projekten

(v. a. IOM, UNHCR) (AA 26.5.2023). Die Regierung kooperiert mit UNHCR und anderen hu-

manitären Organisationen (USDOS 23.4.2024). Eine Integration ausländischer Flüchtlinge ist

wegen Sprachbarrieren und einer distanzierten georgischen Mehrheitsgesellschaft schwierig

(AA 26.5.2023).

Quellen

■ AA -AuswärtigesAmt [Deutschland] (26.5.2023): Bericht über die asyl- und abschiebungsrelevante

Lage in Georgien (Stand: April 2023), https://www.ecoi.net/en/file/local/2092800/Auswärtiges_Am

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20 Grundversorgung und Wirtschaft

Letzte Änderung 2024-10-25 14:18

Die Grundversorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln ist gewährleistet. Die staatliche

Sozialhilfe liegt bei bis zu GEL 220 [ca. EUR 73] im Monat. Die soziale Absicherung erfolgt in

aller Regel durch den Familienverband (AA 26.5.2023).

Große Teile der georgischen Bevölkerung sind unterbeschäftigt oder arbeitslos. Vor allem die

Bewohner der ländlichen Bergregionen, aber auch besonders gefährdete Gruppen in Städten,

wie intern Vertriebene und Alleinerzieher, sind von Armut betroffen. Ländliche Armut führt häufig

zu Landflucht oder Emigration (ADA 10.2023). Das nationale Statistikbüro Georgiens gibt die

Arbeitslosenrate für das Jahr 2023mit 16,4% an (Geo Stat 15.5.2024). Etwa 15,6% der Georgier

leben in Armut (Agenda.ge 29.5.2023; vgl. SJC 20.7.2023, Geo Stat 29.5.2024).

Die meisten Personen sind in der Landwirtschaft, Jagd- und Forstwirtschaft, Fischerei, Groß-

und Einzelhandel, Reparatur von Kraftfahrzeugen und persönlichen und Haushaltswaren, Bil-

dung, Industrie tätig. Die größte Nachfrage nachArbeitsplätzen besteht im Dienstleistungssektor.

Die meisten Erwerbstätigen sind zwischen 25 und 60 Jahre alt (IOM 6.2023). Das monatliche

Durchschnittseinkommen (nominal) der unselbstständig Beschäftigten lag im zweiten Quartal

2024 bei den Männern bei ca. GEL 2.413,5 [ca. EUR 800] und bei den Frauen bei GEL 1.590,2

[ca. EUR 527] (Geo Stat o.D.a).

Das reale Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) betrug im zweiten Quartal 2024 9,6 %

(Geo Stat o.D.b). Der Wechselkurs des Lari stabilisiert sich (die Volatilität, die im Jahr 2022

bestand, hat nachgelassen), das Leistungsbilanzdefizit bleibt aufgrund des wenig entwickelten

Industriesektors und der hohen Energie- und Rohstoffabhängigkeit weiterhin bestehen. Zusätz-

lich trägt der wachsende Fachkräftemangel zu einem negativen Einfluss auf die Leistungsbilanz

und das Außenhandelsbilanzdefizit bei. Im Jahr 2022 betrug die Inflation durchschnittlich 2,5 %

(WKO 5.2024). Im Bankensektor hat sich der Zugang zu Finanzmitteln verbessert (HF 10.2023).

In der ersten Hälfte 2023 stammte ein Fünftel der internationalen Ankünfte in Georgien aus

Russland, doppelt so viele wie im Vorjahreszeitraum. Die Einnahmen aus russischem Touris-

mus, Überweisungen und Exporten nach Russland beliefen sich auf etwa 2 Milliarden USD,

1,6-mal mehr als im gleichen Zeitraum 2022 (GIP 5.3.2024).

Der Außenhandel Georgiens wuchs 2023 weiter, wobei sowohl Importe (hauptsächlich durch

den Handel mit Kraftfahrzeugen, Erdöl, Gas und Pharmazeutika) als auch Exporte (vor allem

Kraftfahrzeuge, Kupfererze und -konzentrate sowie Wein und Spirituosen) zunahmen. Die wich-

tigsten Absatzmärkte verlagerten sich in Richtung GUS-Länder (insbesondere Aserbaidschan

und Armenien, gefolgt von Kasachstan und Kirgistan), die insgesamt 65,9 % des Gesamtexport-

marktes ausmachten, während die EU trotz eines Exportrückgangs ein bedeutender Handels-

partner nach Aserbaidschan und Armenien blieb. Der Import aus der EU stieg um fast ein Viertel

auf 3,81 Mrd. USD und macht sich somit zum wichtigsten Beschaffungsmarkt Georgiens. Die

weiteren bedeutenden Handelspartner im Import waren die Türkei, die USA und Russland. Ein

wichtiger Wirtschaftsfaktor sind auch die Überweisungen von Gastarbeitern aus dem Ausland,

42

 

 

die im Jahr 2023 allerdings um 12,8 % auf nach wie vor hohe 3,8 Mrd. zurückgegangen sind

(WKO 5.2024).

Quellen

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20.1 Sozialbeihilfen

Letzte Änderung 2024-10-25 14:18

Die georgische Regierung hat ein gemischtes System gezielter und universeller beitragsfreier

Sozialleistungen eingeführt, dessen Gestaltung und Umsetzung noch stark von institutionellem

Erbe geprägt ist (UN Georgia 14.2.2024). Die georgische Verfassung definiert das Land als Sozi-

alstaat, der soziale Gerechtigkeit, gleichmäßige Entwicklung und grundlegende Sozialleistungen

gewährleisten muss (Verf GEOR 29.6.2020,Art. 5). Das Gesetz „Über die Sozialhilfe“ und die Re-

gierungsresolution Nr. 145 „Über die Sozialhilfe“ bilden die rechtliche Grundlage für das System

der Sozialhilfe (SJC 20.7.2023). Das Sozialhilfegesetz zielt auf ein faires und effektives Unter-

stützungssystem ab, indem es Sozialhilfebeziehungen regelt, zuständige Behörden festlegt und

verschiedene Arten der Hilfeleistung bestimmt. Die Sozialhilfe umfasst verschiedene Formen

wie Lebensunterhaltszuschüsse, Wiedereingliederungshilfen, Zulagen für Pflegefamilien, Beihil-

fen für die Pflege volljähriger Personen, nicht-monetäre Sozialhilfe und ein Sozialpaket, deren

43

 

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https://www.wko.at/oe/aussenwirtschaft/georgien-wirtschaftsbericht.pdf
https://www.wko.at/oe/aussenwirtschaft/georgien-wirtschaftsbericht.pdf

 

Verfahren und Kriterien durch ministerielle Verordnungen oder Regierungsbeschlüsse geregelt

werden (GSH GEOR 1.12.2022, Art. 1-121; vgl. CoE 28.12.2023). Kritischen Meinungen zufolge

betont das nationale Sozialhilfegesetz die gezielte Zuweisung von Ressourcen an besonders

bedürftige Personen, extrem arme Familien und Obdachlose, anstatt ein bedingungsloses Recht

auf Sozialhilfe zu gewährleisten (SJC 20.7.2023; vgl. UN Georgia 14.2.2024).

2006 wurde das wichtigste Sozialhilfeprogramm des Landes, „die gezielte Sozialhilfe“ (auch

bekannt als „Targeted Social Assistance“, TSA), eingeführt (UN Georgia 14.2.2024). Dieses

kommt extrem armen Familien zugute, die durch ein sozioökonomisches Bewertungssystem

identifiziert werden, das verschiedene Aspekte wie Beschäftigungsstatus, Einkommen, Wohn-

situation, Nebenkosten und Gesundheitszustand berücksichtigt. Anspruch auf die TSA haben

jene Familien, die in der einheitlichen Datenbank für sozial gefährdete Familien registriert sind

und deren Bewertungspunktzahl unter dem gesetzlich festgelegten Schwellenwert liegt (SJC

20.7.2023; vgl. UN Georgia 14.2.2024). Aktuell arbeitet das Sozialministerium an einer erneuten

Überarbeitung des Bewertungssystems, um Inklusions- und Exklusionsfehler zu minimieren

(UN Georgia 14.2.2024). Folgende Familienbeihilfen (TSA) und Kinderbeihilfen (Child Benefit

Programme, CBP) in der Landeswährung (GEL) lassen sich den Bewertungspunkten zuordnen:

Quelle: UN Georgia 14.2.2024

Familien unterhalb der Armutsgrenze können mit einer Unterstützung von GEL 30-60 [ca. EUR

10-20] pro Familienmitglied rechnen (IOM 6.2023; vgl. SJC 20.7.2023). Insgesamt erhalten etwa

40 % der georgischen Bevölkerung mindestens eine Sozialleistung, wobei 42 % der Männer und

48 % der Frauen abgedeckt sind. Der höhere Anteil weiblicher Leistungsempfänger ist haupt-

sächlich darauf zurückzuführen, dass mehr Frauen eine allgemeine Alterspension beziehen. Bei

der gezielten Sozialhilfe überwiegen Frauen mit etwa 55 % gegenüber Männern mit etwa 45 %

(UN Georgia 14.2.2024).

Eine Arbeitslosenunterstützung existiert nicht (UN Georgia 14.2.2024; vgl. IOM 6.2023). Es gibt

ein staatliches Pensionssystem, und bezugsberechtigt sind Männer ab 65 und Frauen ab 60

Jahre. Der Pensionsantrag ist bei der nächstgelegenen Sozialdienststelle einzureichen. Die

Entscheidung fällt innerhalb von zehn Tagen (IOM 6.2023). Die staatliche Pension beträgt 2024

für unter 70-Jährige GEL 315 [ca. EUR 106] (GEL 378 [ca. EUR 127] in Bergregionen) und

für über 70-Jährige GEL 415 [ca. EUR 140] (GEL 498 [ca. EUR 168] in Bergregionen), wobei

44

 

 

eine jährliche Anpassung an Inflation und Wirtschaftswachstum erfolgt (JA o.D.). Seit 2019

ist ein kumulatives Pensionssystem eingeführt worden, welches für Selbstständige freiwillig

ist, auch für Arbeitnehmer über 40 Jahre. Die Teilnahme an diesem System ist für georgische

Staatsbürger unter 40 Jahren, die angestellt und/oder selbstständig erwerbstätig sind, sowie

für Ausländer, die im Besitz einer Daueraufenthaltsgenehmigung sind, verpflichtend. 2 % des

Gehalts des Beitragszahlers gehen auf dessen persönliches Pensionskonto. Darüber hinaus

überweisen die Regierung und der Arbeitgeber 2 % auf das Konto des Beitragszahlers. Bei

Erreichen des Pensionsalters hat der Beitragszahler Anspruch auf eine Pension auf monatlicher

Basis (IOM 6.2023).

Im Gesetz ist ein bezahlter Mutterschaftsurlaub von 126 Kalendertagen und im Falle von Kom-

plikationen während der Geburt oder bei der Geburt von Zwillingen ein Mutterschaftsurlaub

von 143 Kalendertagen festgelegt (AGB GEOR 17.9.2024). Mutterschaftsleistungen gelten aus-

schließlich für formal Beschäftigte, nicht für Frauen im informellen Sektor, Selbstständige oder

Arbeitslose. Für 126 Tage Mutterschutz wird eine einmalige staatliche Leistung von bis zu GEL

2.000 [ca. EUR 674] gewährt (UN Georgia 14.2.2024).

Der Staatliche Fonds zum Schutz und Unterstützung für Opfer von Menschenhandel verfügt

über zwei Unterkünfte in Tiflis und Batumi für Opfer von Menschenhandel und häuslicher Ge-

walt. Betroffene können außerdem in einem Krisenzentrum in Tiflis untergebracht werden und

erhalten u. a. folgende Dienstleistungen: psychologische Unterstützung, medizinische Hilfe,

Rechtsbeistand und Übersetzungsdienst (IOM 6.2023).

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21 Medizinische Versorgung

Letzte Änderung 2024-10-25 14:18

Gemäß der georgischen Gesetzgebung sorgt das georgische Ministerium für Arbeit, Gesundheit

und Soziales für die Verfolgung der staatlichen Gesundheitspolitik. Es erarbeitet und erlässt in

seinem Zuständigkeitsbereich entsprechende Rechtsakte. Einer der Grundsätze der staatlichen

Gesundheitspolitik ist die allgemeine und gleichberechtigte Zugänglichkeit zur Gesundheits-

versorgung für die Bevölkerung im Rahmen der staatlichen Verpflichtungen, die in den staatli-

chen Gesundheitsprogrammen vorgesehen sind. Der Staat ist für die Zertifizierung von Ärzten,

Zulassung medizinischer Tätigkeiten und Erteilung von Genehmigungen für medizinische Ein-

richtungen zuständig (GGW GEOR 28.6.2017, Art. 4f, 15). Die Weltgesundheitsorganisation

betont, dass Georgien der Stärkung der primären Gesundheitsversorgung durch verschiedene

Reformen und Programme stets Priorität einräumt. Diese werden jedoch von uneinheitlicher

Umsetzung, unvollendetenAgenden und mangelnderAbstimmung zwischen den verschiedenen

Akteuren des Gesundheitssystems beeinträchtigt (WHO 27.7.2023).

Im Februar 2013 wurde das staatlich verwaltete Universelle Gesundheitsversorgungsprogramm

(Universal Health Care Program, UHCP) mit überwiegend privaten medizinischen Einrichtun-

gen eingeführt (MIdpLHSA o.D.; vgl. EOHSP 12.9.2022) und ermöglichte Personen, die zuvor

nicht versichert waren, den Anspruch auf ein „Mindestleistungspaket“, nachdem sie sich bei

einer Primärversorgungseinrichtung ihrer Wahl angemeldet hatten. Dies wurde im Juli 2013

auf nicht notfallmedizinische Operationen, Herzoperationen, Chemotherapie, Hormontherapie,

Strahlentherapie und Entbindungen ausgeweitet. Im Jahr 2020 wurde eine neue nationale Ge-

sundheitsbehörde eingerichtet, um das UHCP und die meisten anderen Gesundheitsprogramme

zu verwalten (EOHSP 12.9.2022). Das UHCP bietet Gesamt- und Basispakete von Leistungen

(IOM 6.2023), welche nach Einkommen und anderen vorrangigen Gruppen unterteilt werden

(EOHSP 12.9.2022; vgl. IOM 6.2023). Für einige medizinische Leistungen müssen verschie-

dene Nutzerkategorien eine Zuzahlung leisten. Das UHCP gewährleistet die finanzielle und

geografische Zugänglichkeit der wichtigsten medizinischen Leistungen für alle Nutzer (MId-

pLHSA o.D.). Die medizinische Versorgung ist durch das staatlich finanzierte UHCP sowie

zusätzlich durch bestehende staatliche Gesundheitsprogramme für bestimmte Krankheitsbilder

(z. B. Diabetes, Hepatitis C, Tuberkulose) je nach sozialer Lage kostenlos oder mit Zuzahlungen

gewährleistet. Mit privater Krankenversicherung kann die Leistungsübernahme medizinischer

Behandlungen beitragsabhängig erweitert werden (AA 26.5.2023). In dringenden Fällen wendet

sich der UHCP-Teilnehmer an eine beliebige medizinische Einrichtung des UHCP. Für eine

geplante stationäre Behandlung darf die Agentur für soziale Dienste mit einem Formular der

medizinischen Einrichtung kontaktiert werden, in der die Behandlung erfolgen soll (MIdpLHSA

o.D.).

Das georgische Gesundheitsministerium hat ein Punktesystem entwickelt, um festzustellen, ob

eine Person als sozioökonomisch gefährdet einzustufen ist. Die Höhe der Punktzahl hängt vom

Vermögen, Einkommen und der Haushaltszusammensetzung ab und bestimmt, ob eine Person

Anspruch auf bestimmte Sozialleistungen und auf das öffentliche Krankenversicherungssystem

hat (EUAAMedCOI 3.8.2022).

46

 

 

UHCP-Versicherte müssen ihren Hausarzt kontaktieren, um eine Überweisung für einen Fach-

arzt zu erhalten (IOM 6.2023). Für Behandlungskosten, welche von Patienten selbst getragen

werden müssen, kann bei der zuständigen Kommission des Ministeriums um Kostenersatz an-

gesucht werden. Die Unterstützungsleistungen hängen sowohl von der Art der Erkrankung bzw.

Therapie als auch von der Bedürftigkeit der Person selbst ab. Bei manchen Therapien gibt es

z. B. für „Veteranen“ 100 % Vergütung, bei anderen Erkrankungen nur 50 % oder gar keine

Unterstützung. Manches Mal sind die Unterstützungsleistungen auch zeitlich begrenzt. Aus

diesem Grund muss betreffend Unterstützung bei Behandlungskosten jede Erkrankung/Medika-

ment/Therapie separat betrachtet werden (VB Tiflis 30.8.2022). Die Kosten für die Behandlung

von Kindern bis zu einem Alter von 5 Jahren sind teilweise gedeckt, abhängig von der Art der

Erkrankung (IOM 6.2023). Das Recht auf medizinische Versorgung haben georgische Staats-

bürger und Staatenlose mit entsprechendem Status in Georgien (GGW GEOR 28.6.2017, Art.

5; vgl. EUAAMedCOI 9.5.2023, AA 26.5.2023). Die Abteilung für medizinische Länderinforma-

tionen der European Union Agency for Asylum (EUAAMedCOI) geht davon aus, dass es keine

Beschränkungen für Bürger gibt, die seit mehreren Jahren nicht mehr in Georgien aufhältig sind

(EUAAMedCOI 9.5.2023). Das UHCP steht weiters Einwohnern Abchasiens und Südossetiens,

welche ein sogenanntes neutrales Reisedokument besitzen (MIdpLHSA o.D.), sowie Asylbewer-

bern und Personen mit humanitärem oder Flüchtlingsstatus offen (IOM 6.2023; vgl. MIdpLHSA

o.D.).

Die Anspruchsberechtigung für das UHCP und die Höhe der Zuzahlung für diejenigen Personen,

die keine private Versicherung haben, sind einkommensabhängig (EOHSP 12.9.2022). Sozial

schwache Gruppen haben Anspruch auf das Gesamtpaket des UHCP. Erwerbstätige, deren

Bruttogehalt GEL 1.000 [ca. EUR 339] übersteigt, aber das Jahreseinkommen weniger als

GEL 40.000 [ca. EUR 13.543] beträgt, haben Anspruch auf das UHCP mit eingeschränkten

Leistungen. Die einkommensstärksten Haushalte sind seit 2017 von den meisten Leistungen

des UHCP ausgeschlossen, haben aber weiterhin Anspruch auf einige Leistungen (IOM 6.2023;

vgl. MIdpLHSA o.D.), die durch vertikale Programme angeboten werden - es gibt 22 vertikale

nationale Gesundheitsprogramme, die die gesamte Bevölkerung für bestimmte Krankheiten oder

Behandlungen abdecken. Es wird von ihnen erwartet, dass sie eine private Krankenversicherung

abschließen (EOHSP 12.9.2022).

In Georgien werden drei Arten von Paketen der staatlichen medizinischen Versorgung angebo-

ten: ein Standard- undMinimalpaket sowie ein Paket für bestimmteAlters- und Risikogruppen. Im

Standardpaket sind geplante ambulante Gesundheitsdienste (70 bis 100 % finanziert), verschie-

dene Fachärzte, mehrere geplante Operationen, nicht-chirurgische Behandlung onkologischer

Erkrankungen, Entbindungen sowie diagnostische Verfahren eingeschlossen. Im Minimalpaket,

das bis dato privat versicherte Personen vorsieht, die ihren Vertrag mit der privaten Versiche-

rungsanstalt kündigen, stehen Allgemeinmediziner, kostenlose Pflegedienste, eine vollständige

Finanzierung von Blut- und Urintests sowie ambulante und stationäre Behandlungen für mehr

als 450 spezifische Indikationen des UHCP zur Verfügung (Kostengrenze GEL 15.000 [ca. EUR

5.334]). Schließlich gilt beim Paket für bestimmte Alters- und Risikogruppen eine hundertpro-

zentige Abdeckung der UHCP-Leistungen (einschließlich der medizinischen Grundversorgung),

47

 

 

jedoch mit gewissen Einschränkungen. Darüber hinaus ist hierin eine hundertprozentige Kosten-

übernahme für diagnostische Verfahren wie Fluoroskopie, Radio- und Mammografie vorgesehen

(UNHCR 6.2020).

Georgien bietet staatliche Programme zur Behandlung verschiedener Krankheiten wie beispiels-

weise Hepatitis C, HIV/AIDS und Drogenabhängigkeit (MIdpLHSA o.D.; vgl. IOM 6.2023). Auch

bestehen staatliche Programme betreffend eine Reihe von Behandlungen psychischer Krank-

heiten, spezielle Medikamente für spezifische Erkrankungen wie unter anderem Diabetes, an-

geborene Zerebralparese und Downsyndrom, Medikamente für Brustkrebs im Frühstadium,

Behandlung von Tuberkulose, Dialyse und Nierentransplantation, palliativmedizinische Versor-

gung und nicht zuletzt Notfallversorgung und Krankentransport (MIdpLHSA o.D.).

Große Apotheken bieten eine Vielzahl von Medikamenten an. Die Verfügbarkeit gewisser Me-

dikamente kann online oder telefonisch überprüft werden. Die meisten Medikamentenkosten

werden nicht von staatlichen Programmen abgedeckt (IOM 6.2023). Seit März 2023 gilt in Ge-

orgien eine Preisobergrenze für 300 Medikamente zur Behandlung onkologischer und verschie-

dener chronischer Krankheiten. Für insgesamt 1.100 Arzneimittel gelten derzeit Festbeträge.

Das Gesundheitsministerium verspricht, dass die Liste schrittweise erweitert werden soll (NG

18.3.2023; vgl. EK 18.3.2023).

Der Weltgesundheitsorganisation zufolge hat Georgien den Zugang zu grundlegenden Diens-

ten verbessert, vor allem bei Infektionskrankheiten, insbesondere bei der Behandlung von HIV,

Tuberkulose und Hepatitis C. Herausforderungen bestehen beim Zugang zur Behandlung chro-

nischer Erkrankungen und bei vorbeugenden Behandlungen von Herz-Kreislauf-Erkrankungen

(WHO 27.7.2023).

Medizinische Einrichtungen gibt es landesweit, jedoch mit stark voneinander abweichender

Qualität (AA 26.5.2023). Die medizinische Versorgung, insbesondere außerhalb von Tiflis, ist

unzureichend. Außerhalb von Städten kann sie häufig nicht gewährleistet werden (AA 4.6.2024).

Für manche überlebensnotwendigen Eingriffe und Maßnahmen ist allein eine Behandlung in

Tiflis möglich. Medikamente werden weitgehend importiert, zumeist aus der Türkei und Russland,

aber auch aus EU-Ländern (AA26.5.2023). Die öffentlichen Krankenhäuser, vor allem außerhalb

der Hauptstadt, entsprechen nicht dem europäischen Standard. In Tiflis, Batumi und Kutaissi

gibt es einige private Einrichtungen, die hinsichtlich der Unterbringung und der technischen

und fachlichen Ausstattung modern und auf dem neuesten Stand sind (BMEIA 24.9.2024; vgl.

AA 4.6.2024). Viele Gesundheitsleistungen sind noch nicht von der staatlichen Versicherung

abgedeckt. Im Rahmen des UHCP ist die Notfallversorgung zu 70-100 % abgedeckt (IOM

6.2023).

Im Jahr 2022 wurde das Verfahren Diagnosis Related Groups (DRG) im Bereich der Gesund-

heitsversorgung vorgestellt. Das DRG-System dient der Überprüfung der Sätze für medizinische

Leistungen, der Übertragung von Budgetbeträgen, der Klassifizierung von Leistungen und der

Erstellung gemeinsamer Tarife. Bei Nichteinhaltung der Vorgaben können Krankenhäuser vom

UHCP ausgeschlossen werden (GIP 1.2.2023). Die Einführung des DRG-Systems und die Re-

gulierung der Arzneimittelpreise haben den Zugang der Bürger zur Gesundheitsversorgung

48

 

 

verbessert, aber auch das Risiko einer Verschlechterung der Qualität von Dienstleistungen und

Medikamenten mit sich gebracht (GIP 5.3.2024).

Quellen

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22 Rückkehr

Letzte Änderung 2024-10-25 14:18

Georgische Rückkehrer/Rückgeführte können die allgemeinen, wenn auch in der Regel insge-

samt unzureichenden Sozialleistungen in Anspruch nehmen, darunter eine kostenlose medi-

zinische Grundversorgung. Traditionell bietet der Familienverband eine soziale Absicherung.

Internationale Organisationen wie die Internationale Organisation für Migration (IOM) und das

International Centre for Migration Policy Development (ICMPD) bieten Beratung und finanzielle

Unterstützung für Rückkehrer an. Das Ministerium für Binnenvertriebene, Arbeit, Gesundheit

und Soziales koordiniert das staatliche Reintegrationsprogramm (State Reintegration Program-

me). Hier wird Beratung und auch finanzielle Hilfe zur Reintegration in den Arbeitsmarkt (auch

Hilfe zur Selbstständigkeit) und bei Bedarf auch Erst- bzw. Zwischenunterkunft zur Verfügung

gestellt. Staatliche Repressalien gegen Rückkehrer sind nicht bekannt. Auch die Tatsache einer

Asylantragstellung im Ausland ist für die Behandlung durch staatliche Stellen ohne Bedeutung.

Georgien hat Rückübernahme-Abkommen mit der EU und weiteren europäischen Ländern ge-

schlossen. Die georgische Regierung stellt sich zunehmend den Problemen von Rückkehrern

(AA 26.5.2023).

Das staatliche Programm zur Reintegration von Rückkehrern sieht die Unterstützung des Re-

integrationsprozesses georgischer Staatsbürger, die aus der Emigration zurückkehren, vor. Das

Programm sieht die Bereitstellung von Zuschüssen, Berufsausbildung, medizinischer Hilfe und

vorübergehendem Wohnraum zur Schaffung einer Einkommensquelle und zur Förderung der

Selbstständigkeit vor. Teilnahmeberechtigt sind georgische Staatsbürger (oder staatenlose Per-

sonen, die dauerhaft in Georgien leben), welche sich seit mehr als 12 Monaten unrechtmäßig

im Ausland aufhalten oder im Ausland Asyl beantragt oder erhalten haben (GDA o.D.).

IOM bietet Rückkehrern Unterstützung im Rahmen des AVRR-Programms an (Assisted Volunta-

ry Return and Reintegration). Im Rahmen von Programmen zur unterstützten Rückkehr erhalten

Migranten administrative, logistische und finanzielle Unterstützung (IOM o.D.).

Quellen

■ AA -AuswärtigesAmt [Deutschland] (26.5.2023): Bericht über die asyl- und abschiebungsrelevante

Lage in Georgien (Stand: April 2023), https://www.ecoi.net/en/file/local/2092800/Auswärtiges_Am

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rende Migranten], https://gda.ge/pages/reintegratsiis-sakhelmtsifo-programa, Zugriff 18.10.2024

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https://www.ecoi.net/en/file/local/2092800/Ausw%C3%A4rtiges_Amt,_Bericht_%C3%BCber_die_asyl-_und_abschiebungsrelevante_Lage_in_Georgien_(Stand_April_2023),_26.05.2023.pdf
https://www.ecoi.net/en/file/local/2092800/Ausw%C3%A4rtiges_Amt,_Bericht_%C3%BCber_die_asyl-_und_abschiebungsrelevante_Lage_in_Georgien_(Stand_April_2023),_26.05.2023.pdf
https://gda.ge/pages/reintegratsiis-sakhelmtsifo-programa
https://georgia.iom.int/return-to-georgia
https://georgia.iom.int/return-to-georgia

 

23 Dokumente

Letzte Änderung 2024-10-25 14:16

Die Echtheit behördlich ausgestellter Dokumente steht in der Regel außer Zweifel. Problema-

tisch sind privatrechtliche Bescheinigungen zum Nachweis von tatsächlich vorhandenen Ei-

genschaften/Qualifikationen (AA 26.5.2023). Gemäß Experten sind Dokumentenvermittler, die

gegen Bezahlung gefälschte Dokumente wie Arbeitsbescheinigungen oder Dokumente zur Un-

termauerung von Asylanträgen ausstellen, in Georgien sehr gefragt. Trotz der angeblich hohen

Nachfrage nach diesen Diensten ist die Verwendung gefälschter Dokumente für Reisen von

Georgien in die EU-Mitgliedstaaten relativ selten (EUAA 18.8.2022).

Im Rahmen des IOM-Projekts „Unterstützung der integrierten Grenzverwaltung in Georgien“

wurde eine Schulung zur Überprüfung von Dokumenten und zur Aufdeckung von Betrug für

die Grenzkontrollbeamten der Polizeipatrouille des Innenministeriums und die Zollbeamten

der Steuerbehörde initiiert. Ziel ist es, die Fähigkeiten der Mitarbeiter verschiedener Grenz-

übergangsstellen in ganz Georgien im Bereich der Erkennung betrügerischer und gefälschter

Dokumente zu verbessern (IOM 22.7.2022).

Eine Identitätsfeststellung georgischer Staatsangehöriger, die ohne Reisedokumente in Geor-

gien eintreffen, ist in der Regel zügig möglich, da umfangreiche Datensätze – inklusive einer

unveränderbaren persönlichen Identifikationsnummer von Geburt an – bestehen. Personen-

standsurkunden verfügen seit geraumer Zeit nicht mehr über klassische Sicherheitsmerkmale

wie Unterschrift oder Siegel; ihre Echtheit lässt sich aber online über ein Portal der Bürgerämter

anhand einer Dokumentennummer prüfen. Erkenntnisse über gefälschte Haftbefehle gibt es

nicht. Das Einspeisen von falschen oder zumindest übertriebenen Informationen in die Presse

zur Dokumentation staatlicher Repressionsmaßnahmen ist durchaus möglich (AA 26.5.2023).

Quellen

■ AA -AuswärtigesAmt [Deutschland] (26.5.2023): Bericht über die asyl- und abschiebungsrelevante

Lage in Georgien (Stand: April 2023), https://www.ecoi.net/en/file/local/2092800/Auswärtiges_Am

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_26.05.2023.pdf, Zugriff 17.10.2024 [Login erforderlich]

■ EUAA - European Union Agency for Asylum (18.8.2022): Migration Drivers Report: Georgia as a

Country of Origin, https://www.ecoi.net/en/file/local/2079308/2022_08_MDR_Georgia_Origin_EN

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■ IOM - International Organization for Migration (22.7.2022): IOM Launches Document Verification

and Fraud Detection Cascade Training for Border Authorities Across Georgia, https://georgia.iom.

int/news/iom-launches-document-verification-and-fraud-detection-cascade-training-border-autho

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24 Impressum

Herausgegeben von der Staatendokumentation des Bundesamtes für Fremdenwesen und Asyl

Wien (BFA - https://bfa.gv.at), Österreich

Telefon: +43 59133 98 7271

Mail: BFA-Staatendokumentation@bmi.gv.at

51

 

https://www.ecoi.net/en/file/local/2092800/Ausw%C3%A4rtiges_Amt,_Bericht_%C3%BCber_die_asyl-_und_abschiebungsrelevante_Lage_in_Georgien_(Stand_April_2023),_26.05.2023.pdf
https://www.ecoi.net/en/file/local/2092800/Ausw%C3%A4rtiges_Amt,_Bericht_%C3%BCber_die_asyl-_und_abschiebungsrelevante_Lage_in_Georgien_(Stand_April_2023),_26.05.2023.pdf
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https://www.ecoi.net/en/file/local/2079308/2022_08_MDR_Georgia_Origin_EN_new.pdf
https://www.ecoi.net/en/file/local/2079308/2022_08_MDR_Georgia_Origin_EN_new.pdf
https://georgia.iom.int/news/iom-launches-document-verification-and-fraud-detection-cascade-training-border-authorities-across-georgia
https://georgia.iom.int/news/iom-launches-document-verification-and-fraud-detection-cascade-training-border-authorities-across-georgia
https://georgia.iom.int/news/iom-launches-document-verification-and-fraud-detection-cascade-training-border-authorities-across-georgia
https://bfa.gv.at/
tel:+43 59133 98 7271
mailto:BFA-Staatendokumentation@bmi.gv.at

 

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24.1 Urheberrecht

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gestattet.

24.2 Hinweis zum Datenschutz

Die Herkunftsländer-Informationsstelle des Bundesamtes für Fremdenwesen und Asyl verarbei-

tet Daten in Übereinstimmung mit der General Data Protection Regulation (GDPR. Verordnung

(EU) des Europäischen Parlaments und des Rates vom 27. April 2016 zum Schutz natürlicher

Personen bei der Verarbeitung personenbezogener Daten, zum freien Datenverkehr und zurAuf-

hebung der Richtlinie 95/46/EG) und des österreichischen Datenschutzgesetzes (Bundesgesetz

über den Schutz personenbezogener Daten, BGBl. I Nr. 165/1999 idgF). Zum Zweck der Vertei-

lung werden Name, Post- und/oder E-Mail-Adressen gespeichert. Den Empfängern stehen die

allgemeinen Rechte auf Auskunft, Berichtigung, Löschung, Einschränkung, Datenübertragbar-

keit, Widerruf und Widerspruch zu. Das Abonnement kann jederzeit gekündigt werden (E-Mail

mit dem Betreff „unsubscribe“ an BFA-Staatendokumentation@bmi.gv.at).

Informationen zum E-Mail-Verkehr mit dem BMI (Kundmachung gemäß § 13 Abs. 2 AVG)

https://www.bmi.gv.at/Impressum/email_richtlinien.aspx

Hinweise für elektronische Anbringen (96,7 KB)

https://www.bfa.gv.at/Kontakt/files/Kundmachung_nach_13_Abs_2_und_5_AVG.pdf

Amtssignatur – Bildmarke (117,7 KB)

https://www.bfa.gv.at/Impressum/files/Amtssignatur_Bildmarke_Veroeffentlichungstext_2020.p

df

24.3 Veröffentlichte Versionen

• Version 9, Gültig seit 25-10-2024 bis 07-02-2025

• Version 8, Gültig seit 03-10-2023 bis 25-10-2024

• Version 7, Gültig seit 13-12-2022 bis 03-10-2023

• Version 6, Gültig seit 22-03-2022 bis 13-12-2022

• Version 5, Gültig seit 15-10-2021 bis 22-03-2022

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https://staatendokumentation.at/
https://cloud.staatendokumentation.at/
https://coi-cms.staatendokumentation.at/
https://www.bmi.gv.at/Impressum/email_richtlinien.aspx
https://www.bfa.gv.at/Kontakt/files/Kundmachung_nach_13_Abs_2_und_5_AVG.pdf
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• Version 4, Gültig seit 29-03-2021 bis 15-10-2021

• Version 3, Gültig seit 02-12-2020 bis 29-03-2021

• Version 2, Gültig seit 02-09-2020 bis 02-12-2020

• Version 1, Gültig seit 09-04-2020 bis 02-09-2020

© 2025 Staatendokumentation des Bundesamtes für Fremdenwesen und Asyl

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  • Inhalt
  • Länderspezifische Anmerkungen
  • Politische Lage
    • Abchasien
    • Südossetien
  • Sicherheitslage
  • Rechtsschutz / Justizwesen
  • Sicherheitsbehörden
  • Folter und unmenschliche Behandlung
  • Korruption
  • NGOs und Menschenrechtsaktivisten
  • Wehrdienst und Rekrutierungen
    • Wehrersatzdienst, Wehrdienstverweigerung, Desertion
  • Allgemeine Menschenrechtslage
  • Meinungs- und Pressefreiheit
  • Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit
    • Opposition
  • Haftbedingungen
  • Todesstrafe
  • Religionsfreiheit
  • Ethnische Minderheiten
  • Relevante Bevölkerungsgruppen
    • Frauen
    • Kinder
    • Sexuelle Minderheiten
  • Bewegungsfreiheit
  • IDPs und Flüchtlinge
  • Grundversorgung und Wirtschaft
    • Sozialbeihilfen
  • Medizinische Versorgung
  • Rückkehr
  • Dokumente
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    • Veröffentlichte Versionen