ecoi.net-Themendossier zu Somalia: Humanitäre Lage

Die ecoi.net-Themendossiers bieten einen Überblick zu einem ausgewählten Thema. Dieses Themendossier zu Somalia behandelt die humanitäre Lage. Die Informationen stammen aus ausgewählten Quellen und erheben nicht den Anspruch vollständig zu sein. Erstellt von ACCORD. Kurzbeschreibungen zu den verwendeten Quellen finden Sie am Ende des Themendossiers.
 
ecoi.net's featured topics offer an overview on selected issues. This featured topic for Somalia covers the humanitarian situation and is currently only available in German. The information was found in selected sources and is not intended to be comprehensive. Compiled by ACCORD. Brief descriptions of the sources used in this document are provided below.
 

1. Überblick
2. Nahrungsmittelversorgung
2.1 Naturkatastrophen
2.2 Nahrungsmittelpreise
3. Arbeitsmarkt
3.1 Aktuelle Entwicklungen
4. Unterkunft
5. Binnenvertriebene
5.1 Zwangsräumung
5.2 Zugangsbeschränkungen zu IDP-Lagern.
6. Gesundheitssystem
7. Quellenverzeichnis
8. Kurzbeschreibungen der Quellen

Humanitäre Lage in Somalia

1. Überblick

Das Nationale Statistikdirektorat (Directorate of National Statistics, DNS) der somalischen Regierung gibt im April 2020 an, dass Somalia ein tropisch heißes Klima mit wenig saisonaler Veränderung und Temperaturen zwischen 30 und 40 Grad Celsius habe. Die jährlichen Regenfälle seien gering. Die vier somalischen Jahreszeiten seien Gu’ und Deyr (Regenzeit), sowie Haga und Jilal (Trockenzeit). Im Laufe der Jahre hätten jedoch wechselnde, unvorhersagbare klimatische Muster zu landesweit wiederkehrenden Überflutungen und Dürren geführt (DNS, April 2020, S. 2).

Die Bevölkerung Somalias wird mit Stand 2025 auf etwa 17 Millionen geschätzt (WKO, April 2026, S. 1). Der erste Bevölkerungszensus sei 1975 erfolgt. Die Daten eines weiteren Zensus im Jahr 1986 seien nicht mehr publiziert worden. Aufgrund des Konfliktes habe seither kein Zensus mehr durchgeführt werden können (DNS, April 2020, S. 2). 51 Prozent der Bevölkerung würden in städtischen Gebieten leben, 23 Prozent in ländlichen Gebieten und 26 Prozent der Bevölkerung seien Nomad·innen. Somalia sei weiterhin eines der ärmsten und am wenigsten entwickelten Länder in Afrika (DNS, April 2020, S. 3). Somalia habe eines der niedrigsten BIP pro Kopf, das auf etwa 629 US-Dollar geschätzt werde (FAO, 28. Mai 2026, S. 2). Insgesamt betrage das BIP 13 Milliarden US-Dollar mit Stand 2025 (WKO, April 2026, S. 1). Die somalische Wirtschaft beruhe großteils auf Landwirtschaft und Viehhaltung. Diese Bereiche seien für 65 Prozent sowohl des BIP als auch der Arbeitskräfte verantwortlich. Viehhaltung würde etwa 40 Prozent des BIP und über 50 Prozent der Exporteinnahmen bilden (DNS, April 2020, S. 3; siehe dazu auch Borino & Saget, Dezember 2019, S. 13).

Bitte beachten Sie, dass in diesem Themendossier nicht explizit auf die Region Somaliland eingegangen wird. Der Fokus der enthaltenen Informationen liegt hauptsächlich auf Süd- und Zentralsomalia, sowie auf größeren Städten, insbesondere Mogadischu.

2. Nahrungsmittelversorgung

Dem Somaliaexperten Markus Höhne zufolge sei die Schwankung der Niederschläge in Somalia enorm, obwohl es Gebiete gebe, in denen mehr oder weniger unabhängig vom Regen Landwirtschaft betrieben werden könne, etwa entlang der Flüsse Juba und Shabelle. Die von Niederschlägen abhängigen Teile des Landes seien diesen Schwankungen jedoch voll ausgesetzt und es komme in immer kürzeren Abständen zu Dürren (Höhne, 4. März 2021). Dürre, Unsicherheit und Konflikte hätten laut einem Bericht der FAO vom Mai 2026 zur Vertreibung von Bevölkerungsgruppen geführt und Lebensgrundlagen sowie den Zugang zu Märkten beeinträchtigt. Die Situation werde durch reduzierte humanitäre Hilfe verschärft. Die Nahrungsmittelhilfe habe im Jänner 2026 lediglich 17 Prozent der 4,8 Millionen Bedürftigen erreicht. Ressourcenkonflikte um Wasser, Weide- und Ackerland würden sich während Klimaschocks verschärfen und seien eine Hauptursache für Vertreibung in ländlichen Gebieten. Dadurch entstünde ein sich selbstverstärkender Kreislauf: Klimaschocks führten zu Ressourcenknappheit, Knappheit löse Konflikte zwischen Gemeinschaften aus, Konflikte führten zu Vertreibung, und vertriebene Bevölkerungsgruppen seien mit erhöhter Ernährungsunsicherheit und Schutzrisiken konfrontiert (FAO, 28. Mai 2026, S. 3).

FEWS NET stellt auf seiner Webseite Karten zu den prognostizierten Ergebnissen hinsichtlich Ernährungssicherheit zur Verfügung.

FEWS NET verwendet dazu folgendes Klassifizierungssystem (Integrated Phase Classification, IPC): In Stufe 1 der fünfstufigen Skala, auch „Minimal“ genannt, sind die Haushalte in der Lage, den Bedarf an lebensnotwendigen Nahrungsmitteln und Nicht-Nahrungsmitteln zu decken, ohne atypische und unhaltbare Strategien für den Zugang zu Nahrung und Einkommen zu verfolgen. In Stufe 2, auch „Stressed“ genannt, weisen Haushalte nur einen gerade noch angemessenen Lebensmittelverbrauch auf und sind nicht in der Lage, sich wesentliche, nicht nahrungsbezogene Güter zu leisten, ohne dabei irreversible Bewältigungsstrategien anzuwenden. In Stufe 3, auch als „Crisis“ bezeichnet, weisen Haushalte Lücken im Nahrungsmittelkonsum mit hoher oder überdurchschnittlicher akuter Unterernährung auf oder sind nur in geringem Maße in der Lage, ihren Mindestnahrungsmittelbedarf zu decken – und dies nur, indem Güter, die als Lebensgrundlage dienen, vorzeitig aufgebraucht werden bzw. durch Krisenbewältigungsstrategien. In Stufe 4, „Emergency“, weisen Haushalte entweder große Lücken im Lebensmittelkonsum auf, was zu einer sehr hohen akuten Unterernährung führt, oder sind nur durch den Einsatz von Notfallstrategien und der Liquidation von Vermögenswerten in der Lage, diese Lücken abzuschwächen. Die fünfte und letzte Stufe der Skala, „Famine“, bedeutet einen extremen Mangel an Nahrungsmitteln oder anderen Grundbedürfnissen, obwohl Bewältigungsstrategien angewendet werden; es sind Hunger, Tod, bittere Armut und extrem kritische akute Unterernährung zu beobachten (FEWS NET, ohne Datum siehe auch: FSNAU, 6. April 2025, S. 7). Auf der folgenden Karte der FSNAU zu Ernährungssicherheit in Somalia findet sich eine Prognose für den Zeitraum April bis Juni 2026. Die Farbe Orange entspricht Stufe 3:


(FSNAU, 14. Mai 2026, S. 3)

2.1 Naturkatastrophen

Einem Bericht von FEWS NET vom Juni 2026 zufolge werde im wahrscheinlichsten Progonose-Szenario für die Region Bay und Umgebung erwartet, dass es bis September zu einer Notlage (IPC-Phase 4) komme, wobei ein kleiner Teil der Bevölkerung von IPC-Phase 5 („Hungersnot“) betroffen sein werde. Grund dafür sei der verspätete Saisonbeginn und die unregelmäßige Niederschlagsverteilung im Mai. Obwohl die Bauern schätzungsweise 80 Prozent ihrer üblichen Anbaufläche vorwiegend mit der dürreresistenteren Sorghum-Sorte bestellt sei das Pflanzenwachstum hinter dem Zeitplan zurück. Auch die Gesundheit und Produktivität des Viehbestands seien weiterhin sehr niedrig. Unterdurchschnittliche Niederschläge (Gu und Xagaa)werden voraussichtlich einen Ernteausfall verhindern, jedoch werde für die Getreideernte im Juli/August ein Produktionsausfall von mindestens 50 Prozent erwartet (FEWS NET, 9. Juni 2026, S. 1).

2.2 Nahrungsmittelpreise

Auf der Website der World Bank können Daten zu Nahrungsmittelpreisen (darunter Mais, Sorghum und Speiseöl) auf verschiedenen Märkten in Somalia abgerufen werden (Bakaara market befindet sich in Mogadischu, Anm. ACCORD). Zudem zeigt folgende Grafik Nahrungsmittelindex und Inflationsrate:


(The World Bank, 18. Mai 2026)

Das somalische Nationale Statistikbüro veröffentlicht zudem Informationen zum Verbraucherpreisindex im März 2026 (siehe: Somalia National of Statistics, März 2026).

3. Arbeitsmarkt

Die somalische Regierung führt die Erwerbsbevölkerung mit durchschnittlich 57 Prozent (zwischen 2004 und 2023) an, die durchschnittliche Erwerbsquote mit 49 Prozent bei Männern und 22 Prozent bei Frauen. Die Arbeitslosenrate wird mit 25 Prozent der weiblichen Erwerbsbevölkerung und 17 Prozent der männlichen Erwerbsbevölkerung angeführt (Ministry of Planning, Investment and Economic Development, Mai 2025, S. 11-13). Einem von LASER PULSE veröffentlichten Bericht vom Oktober 2024 zufolge, seien private Unternehmen mit einem geschätzten Anteil von 95 Prozent aller geschaffenen Arbeitsplätze der wichtigste Arbeitgeber in Somalia. Trotz des jüngsten Wirtschaftswachstums und bescheidener Verbesserungen im Sozialbereich sei die somalische Wirtschaft nach wie vor nicht in der Lage, genügend Beschäftigungsmöglichkeiten für eine schnell wachsende Bevölkerung zu schaffen. Die Erwerbsquote sei selbst im Vergleich zu anderen Ländern in der weiteren Region niedrig. Im Jahr 2022 seien nur 21,7 Prozent der erwachsenen SomalierInnen erwerbstätig gewesen. Darüber hinaus seien die meisten Arbeitsplätze in Somalia „minderwertig“, was zu einer hohen Unterbeschäftigungsquote und Erwerbsarmut führe. Fast zwei Drittel der Arbeitnehmer würden trotz eines Arbeitsplatzes als extrem arm gelten, was darauf hindeute, dass die meisten Arbeitsplätze kein ausreichendes Einkommen bieten würden. Ein Arbeitsplatz schütze also nicht vor Armut. Angesichts des Mangels an Lohnarbeit sei Selbstständigkeit weit verbreitet. Rund 64 Prozent der Erwerbsbevölkerung des Landes seien selbstständig. Bestimmte Bevölkerungsgruppen seien am Arbeitsmarkt besonders benachteiligt. Dies gelte insbesondere für Binnenvertriebene, Frauen und Jugendliche. Sie seien mit zusätzlichen Hindernissen beim Zugang zu einer nachhaltigen Existenzgrundlage konfrontiert, was sich in extrem niedrigen Erwerbsquoten widerspiegle (Zaki & Gudel, 1. Oktober 2024, S. 7). Im somalischen Kontext würden Clan-Hintergründe und -Verbindungen zudem eine einzigartige Form von Sozialkapital bilden, das neben anderen sozialen und beruflichen Netzwerken existiere. Clan-basierte Verbindungen würden eine wichtige Rolle im Alltag der SomalierInnen spielen - unter anderem hinsichtlich der Strukturierung des Zugangs zu Dienstleistungen und Lebensgrundlagen. Angehörige von Minderheiten-Clans seien anhaltender Marginalisierung und Ausgrenzung ausgesetzt (Zaki & Gudel, 1. Oktober 2024, S. 9).

Im Jahr 2019 führte das somalische Statistikamt eine Umfrage zu Arbeitskräften durch, die im September 2021 veröffentlicht wurde. Allerdings wird im Bericht zur Umfrage darauf hingewiesen, dass unter anderem aufgrund der Sicherheitslage für die Umfrage nur ein Sample, das auf etwa 7,3 Millionen Somali beruhe, herangezogen worden sei. 51,7 Prozent der Personen seien im arbeitsfähigen Alter (15 Jahre oder älter) gewesen. 32,4 Prozent dieser Gruppe würden als Erwerbsbevölkerung eingestuft (beschäftigt oder nicht beschäftigt). 79,7 Prozent der Frauen und 54,1 Prozent der Männer würden nicht der Erwerbsbevölkerung angehören. Die Arbeitslosenrate betrage insgesamt 21,4 Prozent und für Jugendliche (zwischen 15 und 24 Jahren) 37,4 Prozent. Der Anteil der Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter, der beschäftigt ist, betrage 25,5 Prozent. Der Dienstleistungssektor mache 59,9 Prozent der gesamten Beschäftigung aus, gefolgt von Industrie (18 Prozent) und Landwirtschaft (13,5 Prozent). Definitionen der verwendeten Begriffe finden sich auf den Seiten 47 bis 48 des Berichts (Somalia National Bureau of Statistics, September 2021, S. 1, 15, 25, 47-48).

The Africa Report berichtet im Oktober 2023 über die Arbeitsmarktaussichten von UniversitätsabsolventInnen. Es mangle einerseits an ausreichenden Beschäftigungsmöglichkeiten und andererseits würden die wenigen verfügbaren Stellen eher durch Günstlingswirtschaft als durch Leistung besetzt. Dies betreffe unter anderem den öffentlichen Sektor, Nichtregierungsorganisationen oder UN-Organisationen. Laut dem somalischen Dachverband von 11 nationalen Gewerkschaften, dem Somali Congress of Trade Unions (SOCOTU), würden die Arbeitgeber Qualifikationen und Fähigkeiten nicht berücksichtigen. Eine Beschäftigung basiere darauf, wen man kenne, und nicht auf der eigenen Kompetenz (The Africa Report, 23. Oktober 2023).

Es gebe kein formelles und von der Regierung geführtes Programm zur sozialen Sicherheit. Etwa 96 Prozent der Beschäftigten würden einm ILO-Bericht von 2019 zufolge angeben, von keiner Beschäftigungsversicherung zu profitieren. Aufgrund des Fehlens eines formellen sozialen Sicherungssystems würden sich die Haushalte auf drei Quellen verlassen, um mit Schocks und Vulnerabilitäten zurechtzukommen: Überweisungen von Familie und Freunden, traditionelle Sicherungsnetze und Verteilungsmechanismen auf Gemeindeebene sowie soziale Schutzmaßnahmen seitens internationaler Organisationen (Borino & Saget, Dezember 2019, S. 14).

Markus Höhne erwähnt hinsichtlich der Lage, mit der Rückkehrer·innen konfrontiert seien, Folgendes: Der Arbeitsmarkt in Somalia sei im Grunde genommen in verwandtschaftlichen Netzwerken organisiert. Selbst in Orten unter staatlicher Kontrolle, wie Mogadischu, Kismayo oder Baidoa könnten sich Rückkehrer·innen nicht auf staatliche Dienstleistungen verlassen. Von zentraler Bedeutung bei einer Rückkehr sei das Vorhandensein familiärer Netzwerke und inwieweit diese auch während der Zeit im Ausland gepflegt bzw. deren Mitglieder in Somalia unterstützt worden seien. Die verwandtschaftliche Solidarität gelte dann aber sowohl für Frauen als auch für Männer, solange sie die von ihnen erwarteten moralischen Normen erfüllen würden. Jedoch spiele hier auch die Dominanz bestimmter Abstammungsgruppen eine Rolle. Ein Mann oder eine Frau, der oder die beispielsweise in Mogadischu den Hawiye angehöre (einer dominanten Gruppe in der Stadt), könne sich auf mehr Einfluss berufen oder auf eine größere Unterstützung verlassen, als Menschen, die Minoritäten oder vor Ort schwachen Gruppen angehören (Höhne, 4. März 2021).

Weitere Informationen zum somalischen Arbeitsmarkt finden sich auch in einem Bericht der Economic and Social Commission for Western Asia (ESCWA) vom Juni 2025 (siehe ESCWA, Juni 2025). Informationen zum Arbeitsmarkt speziell in Baidoa finden sich in einem Bericht von UNDP (siehe UNDP, März 2025).

Ein im Mai 2025 veröffentlichter Bericht des European Asylum Support Office enthält weitere Informationen zur sozio-ökonomischen Lage in Mogadischu, Garowe und Hargeisa (siehe: EUAA, Mai 2025).

3.1 Aktuelle Entwicklungen

Auf der Website des Food Security and Nutrition Analysis Unit (FSNAU) findet sich unter anderem ein Überblick zur Entwicklung der Höhe von Löhnen (in Somali Shilling bzw. Somaliland Shilling) und kennzeichnet Rückgänge um über 10 Prozent im Vergleich zum Fünfjahresschnitt mit der Farbe Rot, Rückgänge zwischen fünf und zehn Prozent mit Gelb und Rückgänge unter fünf Prozent bzw. Anstiege mit der Farbe Grün (FSNAU, ohne Datum(a); FSNAU, ohne Datum(c)). Auf der Website kann dazu auch folgende Landkarte zu den Entwicklungen im Monat Mai 2026 abgerufen werden:


(FSNAU, ohne Datum(a))

Zudem können auf der Website Informationen zur Entwicklung von Löhnen im Vergleich mit Getreidepreisen (Kilogramm Getreide für Tageslohn) abgerufen werden. Abweichungen vom Fünfjahresschnitt werden mit der Farbe Rot („Alarm“ – Rückgang ≥ 3 kg) und der Farbe Gelb („Alert“ – Rückgang um 1 bis 2 kg) ausgewiesen (FSNAU, ohne Datum(b); FSNAU, ohne Datum(c)). Folgende Landkarte stellt die Entwicklungen im Mai 2026 dar:


(FSNAU, ohne Datum(b))

4. Unterkunft

UNDP berichtet im November 2024, dass Somalia mit einer sich ständig verschärfenden Wohnungskrise kämpfe. Etwa die Hälfte der somalischen Bevölkerung lebe heute in städtischen Gebieten. Viele von ihnen seien durch jahrelange Konflikte, Armut oder Klimakatastrophen vertrieben worden und würden Zuflucht in Städten suchen, wo sie oft in informellen Siedlungen oder Lagern landen würden. In diesen Gebieten würden etwa 72 % der städtischen Bevölkerung in slumähnlichen Verhältnissen in provisorischen Unterkünften leben. Der Mangel an erschwinglichen Finanzierungsmöglichkeiten für Wohnraum stelle ein großes Hindernis für den Wohnungsbau dar, insbesondere für einkommensschwache Haushalte und Vertriebene. Aufgrund des unterentwickelten Finanzsystems hätten die meisten Menschen keinen Zugang zu Wohnungsbaudarlehen, sodass Wohneigentum für viele unerreichbar sei (UNDP, 14. November 2024).

Der vom Nationalen Statistikdirektorat (DNS) im April 2020 veröffentlichten Umfrage zu Gesundheit und Demografie (Somali Health and Demographic Survey, SDHS) zufolge würden 32,1 Prozent der somalischen Haushalte von Frauen geführt und die durchschnittliche Haushaltsgröße betrage 6,2 Personen. 65,2 Prozent der Haushalte hätten Zugang zu verbesserter Wasserversorgung bzw. Trinkwasserversorgung. Bei 41,7 Prozent davon erfolge die Versorgung mittels Wasserleitungen auf dem Gelände oder in der Unterkunft. 56,8 Prozent der Haushalte hätten Zugang zu grundlegenden Sanitäranlagen. 44,3 Prozent der Haushalte hätten Zugang zu Elektrizität. In 58,9 Prozent der Haushalte gebe es Erd- oder Sandböden, bei 26,2 Prozent seien dies Zementböden. Etwa 44,5 Prozent der Haushalte würden zum Kochen Feuerholz verwenden, 44,3 Prozent Holzkohle (DNS, April 2020, S. 35-43).

In Somalia würden nur 15 Prozent der Bevölkerung Konten bei Banken haben. Der Großteil der Bevölkerung habe keinen Zugang zu formeller Finanzierung von Wohnraum. Für viele seien Familienmitglieder eine Finanzierungsquelle, insbesondere in Hinblick auf das existierende florierende Überweisungssystem (siehe auch RVI, September 2018). Für die vulnerablen Bevölkerungsgruppen in Mogadischu sei dies die häufigste Form des Wohnraumkredits (IIED, Oktober 2019, S. 14). Zudem würden Anbieter informeller Unterkünfte und Dienste in Somalia eine kritische Rolle spielen, die am augenscheinlichsten in Mogadischu sei (IIED, Oktober 2019, S. 5-6).

Ein im Oktober 2020 von UN-Habitat veröffentlichter Bericht des unter anderem für Wohnraum zuständigen Ministeriums des Bundesstaates Jubaland (Jubaland Ministry of Public Works, Reconstruction and Housing) bezieht sich auf im Jahr 2018 und 2019 durchgeführte Umfragen in der Stadt Kismayo. Die Wohnbedingungen seien in der gesamten Stadt relativ schlecht, insbesondere unter Binnenvertriebenen (UN-Habitat, Oktober 2020, S. 24). Weitere Informationen zur Lage in Kismayo entnehmen Sie bitte dem Bericht (siehe UN-Habitat, Oktober 2020). Informationen zur Lage in der Stadt Baidoa entnehmen Sie bitte einem von UN-Habitat veröffentlichten Bericht von 2023 (siehe UN-Habitat, 2023) und zur Lage in den Städten Afgooye, Burco (Somaliland) und Jowhar entnehmen Sie bitte einem ebenfalls von UN-Habitat veröffentlichten Bericht von 2024 (UN-Habitat, 2024). UN-Habitat veröffentlichte zudem Berichte mit Informationen zur Lage in den Städten Xudur (siehe UN-Habitat, 2025(a)), Baardheere (siehe UN-Habitat, 2025(b)) und Berdaale (siehe UN-Habitat, 2025(c)).

Einem im Jänner 2023 veröffentlichtem Artikel von Somali Public Agenda zufolge seien die hohen Mietpreise in Mogadischu auf mehrere Faktoren zurückzuführen, darunter die Unsicherheit in einigen Teilen der Stadt, die relative Sicherheit in anderen Teilen sowie die wachsende Bevölkerung und die rasche Verstädterung von Mogadischu. Einem Grundstücksmakler zufolge würden Wadajir, Hodan und Waberi zu den teuersten Bezirken in Mogadischu zählen. Dort befänden sich die meisten Regierungsstellen. Die hohe Nachfrage nach Mietwohnungen sei vermutlich ein weiterer wichtiger Faktor, der die Mieten in die Höhe treibe. Der Anstieg der Miet- und Hauspreise habe sich trotz zunehmender Investitionen in den Immobiliensektor kaum verlangsamt. Daneben trage auch die Kommodifizierung von Grund und Boden sowie die Immobilienfinanzierung zu den hohen Mietkosten in Mogadischu bei (Somali Public Agenda, 29. Jänner 2023).

Auch Höhne nennt als Beispiel zum Thema Preise am Wohnungsmarkt Mogadischu. Hier werde sehr stark unterschieden zwischen sicheren und unsicheren Gebieten. Die sicheren Gebiete im Zentrum Mogadischus würden von der Regierung und den Hilfstruppen der Afrikanischen Union (AMISOM) abgesichert. In den Randbezirken der Stadt, die weniger gut abgesichert seien und wo al-Schabaab teilweise nach wie vor aktiv sei und Einfluss habe, sei Wohnraum deutlich billiger. Konkret koste eine Einzimmerwohnung im sichereren Zentrum der Hauptstadt mindestens 150 Dollar Miete im Monat. Ein Haus mit vier oder fünf Zimmern am Stadtrand koste ebenfalls etwa 150 Dollar monatlich (Höhne, 4. März 2021).

Numbeo, eine Website mit nutzergenerierten Inhalten zu Lebenshaltungskosten enthält unter anderem Daten zu Mietkosten und Immobilienkosten in Somalia (siehe Numbeo, ohne Datum).

Weitere Informationen zu Finanzierung sowie zum Thema Wohnraum in Somalia finden sich auch auf den Seiten 187 bis 190 des Jahresberichts des Centre for Affordable Housing Finance in Africa (CAHF) (siehe CAHF, 28. Februar 2025).

5. Binnenvertriebene

Für das erste Quartal 2026 habe UNHCR 510.788 Binnenvertreibungen dokumentiert. 93 Prozent davon seien auf Dürre und 6 Prozent auf Konflikte zurückzuführen gewesen. Die meisten Vertreibungen im ersten Quartal seien in den Distrikten Jowhar in der Region Middle Shabelle und Qansax Dheere in der Region Bay verzeichnet worden (UNHCR, 6. Mai 2026).

Im Jahr 2025 habe UNHCR 663.612 Binnenvertreibungen dokumentiert. Das entspreche gegenüber 2024 einer Steigerung von 21 Prozent. Im Jahr 2025, seien 85 Prozent der Binnenvertriebenen Frauen und Kinder gewesen. 52 Prozent der Vertreibungen seien aufgrund von Dürre, 35 Prozent aufgrund von Konflikt und Unsicherheit und 7 Prozent aufgrund von Überflutungen erfolgt. Regional seien die höchsten Zahlen in Mudug, Hiraan und Middle Shabelle verzeichnet worden (UNHCR, 2. Mai 2026, S. 3).

Ein im Mai 2026 veröffentlichter Bericht von EUAA enthält Informationen zu Binnenvertriebenen und Zwangsräumungen in Mogadischu (siehe EUAA, Mai 2026)

Ein von der International Organization for Migration (IOM) veröffentlichter Bericht enthält unter anderem Informationen zu Herausforderungen, denen Binnenvertriebene in Bezug auf Integration, Akzeptanz und Diskriminierung gegenüberstehen. Der Bericht basiert auf Interviews mit Fokusgruppen, die im April 2024 in Daynille, Khada, Hawlwadaag, Baidoa, Hudur, Berdale, Doolow, Baardheere und Kismayo geführt worden seien (siehe IOM, 9. Jänner 2026).

Ein im Jänner 2024 veröffentlichter Bericht der Autoren Wicaksono & King erwähnt, dass aufgrund der wichtigen Rolle, die der Clan im sozialen Leben spiele, das soziale Kapital der IDPs, insbesondere ihre Beziehungen zu Mitgliedern der lokalen Behörden, ein entscheidender Faktor bei der Entscheidung sei, wer Hilfe erhalte. IDPs würden bei ihrer Ankunft in einem neuen Bezirk zu den am stärksten gefährdeten Personen zählen, da sie wenig über den lokalen sozialen Kontext und den Arbeitsmarkt wissen würden und es einige Zeit dauere, bis neu errichtete Lager von nationalen und internationalen Hilfsorganisationen anerkannt und registriert würden. Diese Vulnerabilität werde häufig durch geschlechts-, alters- und behinderungsspezifische Aspekte verstärkt, wobei sowohl Vorurteile gegenüber Frauen und Jugendlichen als auch physische Barrieren, die die Mobilität von Menschen mit Behinderungen einschränken würden (sowie anhaltende Vorurteile ihnen gegenüber), oft erhebliche zusätzliche Hindernisse für den Zugang zu Einkommen usw. darstellen würden (Wicaksono & King, 19. Jänner 2024, S. 42). Der allgemeine Mangel an bezahlten Arbeitsplätzen in den meisten städtischen Gebieten und das fehlende soziale Kapital der Vertriebenen, das ihnen den Zugang zu diesen Arbeitsplätzen ermöglichen würde, führe zu einer großen Zahl von Vertriebenen, die auf der Suche nach einem Einkommen seien und deren einzige Möglichkeit, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, darin bestehe, sich als Tagelöhner zu verdingen, wobei sie nur geringe Sozialleistungen und sozialen Schutz erhalten würden. Einer der Gründe, warum die Aufnahmegemeinschaften den Ruf hätten eine große Zahl von Vertriebenen zu tolerieren, sei, dass diese Menschen eine Quelle ausbeutbarer, billiger Arbeitskräfte für niedere Arbeiten wie Bau-, Reinigungs- und andere Hilfsarbeiten darstellen würden (Wicaksono & King, 19. Jänner 2024, S. 17).

Mittels einer Suchabfrage auf ecoi.net können mehrere im Jahr 2024 und 2025 veröffentlichte Dokumente zu bestätigten Binnenvertriebenenlagern in Somalia gefunden werden. Das Ergebnis einer weiteren Suchabfrage auf ecoi.net ergibt zudem eine Liste mit Datenblättern mit Informationen zu Bedingungen in verschiedenen IDP-Lagern. Diese wurden von der NGO IMPACT im Rahmen ihrer REACH Initiative veröffentlicht. Die aktuelle Begutachtungsrunde im Rahmen des Detailed Site Assessment (DSA) sei zwischen Oktober und Dezember 2023 erfolgt. Dabei seien Binnenvertriebenensiedlungen in 67 Distrikten landesweit untersucht worden (REACH Initiative, 11. April 2024, S. 1).

Eine im Oktober 2020 veröffentlichte wissenschaftliche Arbeit enthält weitere Informationen zu Binnenvertriebenenlagern in städtischen Gebieten Somalias (siehe Bakonyi, 15. Oktober 2020).

Bitte beachten Sie auch die Informationen im Abschnitt zur Nahrungsmittelversorgung dieses Themendossiers.

5.1 Zwangsräumung

Ein vom Norwegian Refugee Council (NRC) betriebenes Informationsportal enthält umfangreiche Daten zu Zwangsräumungen in Somalia. Für das Jahr 2026 werden landesweit (inklusive Somaliland) 123.064 Personen angeführt, die von Zwangsräumung betroffen gewesen seien (NRC, Stand: Juni 2026).

5.2 Zugangsbeschränkungen zu IDP-Lagern

Der Bericht des IIED vom Oktober 2019 erwähnt Personen, die als Pförtner („gatekeepers“) oder informelle Siedlungsverwalter (informal settlement managers, ISMs) bekannt seien. Diese würden mit lokalen GrundbesitzerInnen oder traditionellen Autoritäten den Zugang zu Grundstücken verhandeln, und im Anschluss den Zugang zu Unterkünften, insbesondere für IDPs aber auch für arme städtische Bewohner·innen, Flüchtlinge und Rückkehrer·innen ermöglichen. ISMs würden Land, Sicherheit und grundlegende Dienste für eine Gebühr bereitstellen. Sie hätten sich als unvermeidliche Akteure hinsichtlich Hilfsleistungen für IDPs etabliert und sich als Zwischenhändler zwischen den Vertriebenen und externen Akteuren, darunter die lokale Regierung und die humanitäre Community, positioniert. Als solche würden ISMs eine informelle Machtstruktur bilden, die Schutz und Dienste (für gewöhnlich in sehr geringer Qualität) anbieten würde, die formelle Autoritäten – in diesem Fall die Bundesregierung Somalias – nicht bieten könnten. Es habe in Mogadischu im Jahr 2017 etwa 140 ISMs gegeben, die informell tätig gewesen seien. In einigen Fällen habe dies zu Misshandlung und Ausbeutung von IDPs geführt (IIED, Oktober 2019, S. 5-6). Ein Artikel von Somali Public Agenda zur Marginalisierung von IDPs aufgrund ihrer Clanzugehörigkeit in Mogadischu erwähnt, dass Angehörige von Minderheitengruppen oder marginalisierten Gruppen von Gatekeepern, Grundstücksbesitzer·innen und örtlichen Behörden ausgebeutet würden. Landbesitzer und Gatekeeper - Großteils aus dominanten Clangruppen - würden Verbindungen zu örtlichen Hilfsorganisationen herstellen und mit einigen lokalen Beamten Listen von Begünstigten erstellen. Bei der Verteilung der Hilfsleistungen würden Gatekeeper als Gegenleistung für das Leben im IDP-Lager fast 60 Prozent der finanziellen und materiellen Hilfsleistungen verlangen. Eine Nichteinhaltung dieser Regelung könne zu Zwangsräumungen führen (Somali Public Agenda, 28. August 2023). Ein Artikel von TNH vom Oktober 2023 enthält weitere Informationen zur Rolle von „gatekeepers“ in den IDP-Lagern, insbesondere in Mogadischu (TNH, 26. Oktober 2023).

Auch in Baidoa würden ISMs eine einflussreiche Rolle bei der Koordination von Arrangements zwischen Vertriebenen und Landbesitzer·innen spielen. Sie seien zudem hinsichtlich der humanitären Hilfsleistungen im IDP-Lager Schlüsselpersonen (NRC, 16. September 2021, S. 6).

6. Gesundheitssystem

Einem Bericht der WHO vom März 2026 zufolge stehe das somalische Gesundheitssystem vor erheblichen Herausforderungen bei der Deckung der vielfältigen Gesundheitsbedürfnisse der Bevölkerung. Somalia belege im Bereich der Gesundheitssicherheit den letzten Platz, da die Morbiditäts- und Mortalitätsraten weiterhin zu den höchsten weltweit zählen würden. Das fragile Gesundheitssystem sei einer enormen Belastung ausgesetzt. Schlechter Zugang zu sauberem Wasser sowie dürrebedingte Vertreibungen hätten zu einem sprunghaften Anstieg impfpräventabler Krankheiten, akuter wässriger Durchfallerkrankungen (AWD), Cholera und anderer Krankheitsausbrüche geführt. Davon betroffen sei insbesondere die hohe Zahl von Kindern im Land, die noch keine einzige Impfung erhalten hätten. Die Reaktionsfähigkeit des Gesundheitssystems werde durch chronische Unterfinanzierung und logistische Störungen stark beeinträchtigt, was zu kritischen Lücken in der stationären Versorgung führe. Die kombinierten Auswirkungen des eingeschränkten Zugangs zur Gesundheitsversorgung und der steigenden Krankheitslast würden eine unmittelbare Lebensgefahr darstellen, insbesondere für unterernährte Kinder und schwangere Frauen in den am stärksten betroffenen Schwerpunktgebieten (WHO, 4. März 2026, S. 16).

Die dänische Einwanderungsbehörde (Danish Immigration Service, DIS) schreibt in einem Bericht zum somalischen Gesundheitssystem vom Februar 2025, dass das somalische Gesundheitssystem fragmentiert sei. Die meisten Krankenhäuser und Kliniken des Landes befänden sich in der Region Banadir, und somit gebe es in Mogadischu mehr Krankenhäuser und Kliniken als in jedem anderen der föderalen Mitgliedstaaten. In Mogadischu habe die Zahl der privaten, gewinnorientierten Kliniken zugenommen. Die meisten dieser Einrichtungen seien von Mitgliedern der Diaspora und Ausländer·innen gegründet worden. Die Mechanismen zur Kontrolle der Qualität der Gesundheitsdienste seien in Somalia jedoch begrenzt. Die Qualität der Versorgung werde in privaten Krankenhäusern als besser eingeschätzt, aber die Kosten für die Leistungen seien hoch und die armen Bevölkerungsschichten seien nicht in der Lage, für die Leistungen privater Krankenhäuser aufzukommen. Die Verfügbarkeit von Medikamenten sei begrenzt. Die Regulierung von Arzneimitteln durch die nationalen Behörden sei begrenzt, und private Apotheken würden ohne Lizenz fungieren. In den beiden im Rahmen des DIS-Berichts untersuchten Krankenhäusern sei keine Krebsbehandlung verfügbar und der Zugang zur Chemotherapie sei sehr eingeschränkt gewesen. Der Bericht verweist zudem auf weitere Krankheitsbilder wie Herzkomplikationen und Bluthochdruck, chronisch obstruktive Lungenerkrankung, Diabetes und Nierenerkrankungen. Psychische Gesundheit sei nach wie vor stigmatisiert. Nur schwere Erkrankungen wie Schizophrenie und bipolare Störungen würden als psychische Störungen anerkannt. Personen, die unter Erkrankungen wie Angstzuständen oder Depressionen leiden, würden Gefahr laufen, nicht richtig diagnostiziert und behandelt zu werden. Schmerzmittel seien in Apotheken in Mogadischu erhältlich, jedoch sei der Markt nicht reguliert und das Gesundheitspersonal nicht über Palliativpflege informiert (DIS, Februar 2025, S. 1).

Der Umfrage zu Gesundheit und Demografie (Somali Health and Demographic Survey, SDHS) von 2020 zufolge gebe etwa die Hälfte der somalischen Haushalte an, Gesundheitsausgaben aus eigenen Mitteln zu bestreiten (DNS, April 2020, S. xxxi).

Auch Höhne erwähnt, dass die vom Staat bereitgestellte Infrastruktur vor allem im Gesundheitsbereich höchst mangelhaft sei. Betreffend Krankenhäuser, Ärzte oder auch Apotheken gebe es ein großes privates Angebot. Dabei handle es sich um private Unternehmen, die keinerlei staatlicher Kontrolle unterliegen. Alle Leistungen müssten selbst bezahlt werden, seien es ärztliche Dienstleistungen, Operationen, Medikamente, Übernachtungskosten oder Verpflegung (Höhne, 4. März 2021).

Die von der UN bestellte unabhängige Expertin für die Menschenrechtslage in Somalia erwähnt in ihrem Bericht vom August 2024, dass der Gesundheitssektor in Somalia unter einem kritischen Mangel an finanziellen Ressourcen, qualifizierten Fachkräften und einer angemessenen Infrastruktur leide, wodurch die Möglichkeiten zum Ausbau und zur Aufrechterhaltung der Gesundheitsdienste eingeschränkt seien. Die Bundesregierung erkenne den dringenden Bedarf an höheren Investitionen im Gesundheitssektor an, auf den derzeit nur 1,3 % der gesamten Staatsausgaben entfallen würden. Dies liege deutlich unter dem im Rahmen der Afrikanischen Union festgelegten Ziel von 15 % (HRC, 23. August 2024, S. 10). Trotz einer Erhöhung der Gesundheitsausgaben auf schätzungsweise 7 %, würden diese weiterhin unter dem Ziel liegen (HRC, 12. September 2025, S. 14).

Weitere, detailliertere Informationen zur Gesundheitsversorgung in Somalia entnehmen Sie bitte dem oben zitierten DIS-Bericht. Dieser enthält im Anhang zudem einen von Tana Copenhagen für das DIS verfassten Bericht zur Verfügbarkeit von Behandlungsdiensten und zur Verfügbarkeit von Medikamenten in Mogadischu (siehe DIS, Februar 2025).

Weitere Informationen zum somalischen Gesundheitssystem, darunter zu psychischer Gesundheit, finden sich in einem Bericht des UK Home Office (siehe UK Home Office, Dezember 2020, S. 26-36). Weitere Informationen finden sich auch in einem Länderprofil der WHO zu psychischer Gesundheit (siehe WHO, 2. September 2025).

7. Quellenverzeichnis

(Zugriff auf alle Quellen am 15. Juni 2026)


Kurzbeschreibungen der Quellen

Das Austrian Centre for Country of Origin & Asylum Research and Documentation (ACCORD) ist eine Abteilung innerhalb des Generalsekretariats des Österreichischen Roten Kreuzes (ÖRK), die Informationen zu Herkunftsländern von Asylwerber·innen (COI) bereitstellt, um zu fairen und effizienten Asylverfahren beizutragen.

Altai Consulting ist ein Beratungsunternehmen mit Sitz in Paris.

Jutta Bakonyi ist Professorin an der School of Government and International Affairs (SGIA) der Durham University.

Das Centre for Affordable Housing Finance in Africa (CAHF) ist eine südafrikanische Denkfabrik, die sich mit den afrikanischen Wohnungsmärkten beschäftigt.

Camp Coordination and Camp Management Cluster (CCCM) ist eine von IOM und UNHCR geleitete Organisation, die sich für Dienste in Binnenvertriebenenlagern einsetzt.

Das Danish Immigration Service (DIS) ist die in Dänemark für Einwanderung, Einreise und Aufenthalt von Ausländer·innen zuständige Behörde des Ministeriums für Einwanderung und Integration.

Das Directorate of National Statistics (DNS) ist das Nationale Statistikdirektorat der somalischen Regierung. Das DNS veröffentlichte im April 2020 die Umfrage zu Gesundheit und Demografie (Somali Health and Demographic Survey, SDHS).

Das Famine Early Warning Systems Network (FEWS) ist ein von der US-Behörde für Entwicklungszusammenarbeit USAID gegründetes Netzwerk mit Büros in 19 Ländern, das Informationen zu Nahrungsmittelunsicherheit insbesondere in Afrika zur Verfügung stellt.

Food Security and Nutrition Analysis Unit - Somalia (FSNAU) ist ein von Europäischer Kommission und USAID finanziertes Projekt, das von der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (Food and Agriculture Organization of the United Nations, FAO) umgesetzt wird und das Ziel hat, Analysen zur Nahrungsmittel-, Ernährungs- und Lebensunterhaltssicherung in Somalia bereitzustellen.

Dr. Markus Höhne ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Ethnologie der Universität Leipzig.

Das International Institute for Environment and Development (IIED) ist eine Rechercheeinrichtung, die unter anderem zu menschlichen Siedlungen forscht und von Regierungsbehörden, NGOs und anderen Einrichtungen unterstützt wird.

Die Internationale Arbeitsorganisation (International Labour Organization, ILO) ist eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen und damit beauftragt, soziale Gerechtigkeit sowie Menschen- und Arbeitsrechte zu fördern.

Die Internationale Organisation für Migration (International Organisation for Migration, IOM) ist eine weltweite völkerrechtliche Internationale Organisation, die Hilfsprogramme für MigrantInnen durchführt.

LASER (Long-term Assistance and Services for Research) PULSE (Partners for University-Led Solutions Engine) ist ein von USAID finanziertes Programm, das von einem Konsortium unter der Leitung der Purdue University durchgeführt wird.

Der Norwegian Refugee Council (NRC) ist eine unabhängige, humanitäre, gemeinnützige Nichtregierungsorganisation, die Flüchtlingen und intern Vertriebenen auf der ganzen Welt Unterstützung, Schutz und dauerhafte Lösungen anbietet.

Das Amt der Vereinten Nationen für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA) ist verantwortlich für die Mobilisierung und Koordinierung von Akteur·innen im humanitären Bereich, damit für kohärente Maßnahmen in Hinblick auf Notsituationen gesorgt ist, für die Verteidigung der Rechte von hilfsbedürftigen Menschen, für die Förderung von Bereitschaft und Prävention sowie für die Bereitstellung nachhaltiger Lösungen.

REACH Resource Centre ist eine Initiative von IMPACT, ACTED und dem United Nations Operational Satellite Applications Programme (UNOSAT) und stellt Daten bei Krisen, Katastrophen und Vertreibungen zur Verfügung.

Refugees International (RI) ist eine Nichtregierungsorganisation mit Sitz in Washington, D.C., die sich für die Unterstützung und den Schutz von Vertriebenen einsetzt und Lösungen für Vertreibungskrisen empfiehlt.

Das Rift Valley Institute (RVI) ist eine in Nairobi ansässige, nicht gewinnorientierte Organisation, die sich für ein besseres Verständnis lokaler Verhältnisse in Ost- und Zentralafrika einsetzt, um Maßnahmen in der Region zu beeinflussen.

Shelter Cluster Somalia ist ein von UNHCR geführtes Programm.

Somali Public Agenda ist eine Rechercheorganisation mit Sitz in Mogadischu.

Die Somali Young Doctors Association ist eine gemeinnützige, nichtstaatliche humanitäre Organisation, die von jungen ÄrztInnen in Somalia gegründet wurde.

The New Humanitarian (TNH), ehemals Teil des Büros der Vereinten Nationen zur Koordinierung der humanitären Hilfe (UNOCHA) und unter der Bezeichnung IRIN bekannt, ist eine institutionell unabhängige Nachrichtenagentur, die schwerpunktmäßig über Krisen berichtet und sich für eine Verbesserung humanitärer Hilfsmaßnahmen einsetzt.

Tana Copenhagen ist ein internationales Beratungsunternehmen mit Sitz in Kopenhagen.

Das UK Home Office ist das britische Innenministerium.

Der UN Population Fund (UNFPA) ist der Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen.

Das United Nations Human Settlements Programme (UN-Habitat) ist das Wohn- und Siedlungsprogramm der Vereinten Nationen.

United Nations High Commissioner for Refugees (UNHCR) ist das UNO-Flüchtlingswerk.

Die Weltbank (The World Bank) ist die in Washington, D.C. angesiedelte multinationale Entwicklungsbank.

Die Wirtschaftskammer Österreich (WKO) ist eine Körperschaft öffentlichen Rechts und koordiniert die Tätigkeit der Landeskammern, der gesetzlichen Interessensvertretungen der gewerblichen Wirtschaftstreibenden in Österreich.

Das World Food Programme (WFP) ist das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen.

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