Amnesty Report 2025/26: Zur Lage der Menschenrechte weltweit; Namibia 2025

Berichtszeitraum: 1. Januar 2025 bis 31. Dezember 2025

Indigene Gemeinschaften erhielten auch 2025 keine umfassende Wiedergutmachung für den unter der deutschen Kolonialherrschaft begangenen Völkermord. Durch den Klimawandel bedingte Dürren verschärften die Lage der Menschen im Land, gleichzeitig lief ein staatliches Unterstützungsprogramm zur Linderung von Dürrefolgen aus. Geschlechtsspezifische Gewalt war nach wie vor weit verbreitet, und Schwangerschaftsabbrüche waren unter fast allen Umständen verboten. Ein neues Gesetz führte lange Gefängnisstrafen für Personen ein, die gleichgeschlechtliche Trauungen vollzogen. Der Zugang von lesbischen, schwulen, bisexuellen, trans und intergeschlechtlichen Menschen (LGBTI+) sowie Angehörigen anderer Gruppen zu wichtigen Gesundheitsleistungen wurde beschränkt.

 

Rechte indigener Gemeinschaften

Am 28. Mai 2025 beging Namibia erstmals einen Gedenktag zur Erinnerung an den Völkermord, den deutsche Kolonialtruppen von 1904 bis 1908 an den OvaHerero und Nama begangen hatten. Trotz laufender Gespräche zwischen der namibischen und der deutschen Regierung weigerte sich Deutschland weiterhin, seiner rechtlichen Verpflichtung nachzukommen, die Nachkommen der Nama und OvaHerero umfassend und wirkungsvoll für die Verbrechen der Kolonialzeit zu entschädigen. Damals wurden schätzungsweise 80 Prozent der OvaHerero und 50 Prozent der Nama getötet. Frauen und Mädchen wurden systematisch vergewaltigt und anderen Formen sexualisierter Gewalt ausgesetzt. Die Schädel von Nama und OvaHerero, die in den von der deutschen Kolonialverwaltung in ganz Namibia errichteten Konzentrationslagern starben, waren an deutsche Universitäten und Museen verschickt worden, wo sie für rassistische und pseudowissenschaftliche Forschungszwecke benutzt wurden. Die OvaHerero und Nama sind bis heute Minderheiten in Namibia. Sie sind politisch unterrepräsentiert und haben nur begrenzte politische Einflussmöglichkeiten. In den Verhandlungen um Wiedergutmachung waren sie nicht wirksam vertreten. Auch 2025 forderten sie größtenteils vergeblich, dass ihnen die sterblichen Überreste ihrer während des Völkermords getöteten Vorfahren übergeben werden und dass die gestohlenen Artefakte, die sich nach wie vor in deutschen Museen und Universitäten befinden, nach Namibia zurückgebracht werden.

Recht auf eine gesunde Umwelt

Seit 2024 herrschte in weiten Teilen Namibias eine schwere Dürre, die auf den Klimawandel zurückzuführen war. Trotz der verheerenden Auswirkungen auf den Nutzpflanzenanbau und die Lebensgrundlagen der Landbevölkerung erklärten die Behörden am 30. Juni 2025 ein Programm zur Linderung von Dürrefolgen für beendet, unter dem etwa 1,4 Mio. Menschen in 384.935 Haushalten von Nahrungsmittelhilfen, Unterstützungsleistungen für die Nutztierhaltung und anderen Maßnahmen profitiert hatten.

Die Klimaschutzmaßnahmen und -strategien, die Namibia unter dem UN-Klimaübereinkommen (UNFCCC) vorlegte, enthielten keine Gutachten über klimabedingt notwendige Anpassungsmaßnahmen und bezifferten nicht die Schäden und Verluste, die bestimmten Bevölkerungsgruppen entstanden waren, die aufgrund der Dürre innerhalb des Landes oder in Nachbarländer fliehen mussten.

Die Behörden schickten weiterhin Hunderte Menschen nach Angola zurück, die wegen der schweren Dürre im Süden des Landes von dort geflohen waren. Dies verstieß möglicherweise gegen den Grundsatz der Nicht-Zurückweisung (Non-Refoulement-Prinzip) und zeugte von einem Mangel an humanitären Schutzmechanismen.

Rechte von Frauen und Mädchen

Laut Behördenangaben wurden 2025 pro Monat mindestens 400 Fälle von geschlechtsspezifischer Gewalt gemeldet.

Die sexuellen und reproduktiven Rechte wurden nach wie vor gesetzlich eingeschränkt. So waren Schwangerschaftsabbrüche unter fast allen Umständen verboten, außer wenn die Schwangerschaft die Folge einer Vergewaltigung oder von Inzest war oder sie eine Gefahr für das Leben der schwangeren Person darstellte. Abbrüche waren nur in zwei staatlichen Kliniken erlaubt und mussten laut Gesetz von zwei Ärzt*innen bewilligt werden.

Im Oktober 2025 wurde in Walvis Bay eine Frau festgenommen, weil man sie des Besitzes von Abtreibungspillen verdächtigte. Ihr drohte eine Strafanzeige.

Rechte von LGBTI+

Die Regierung hatte Rechtsmittel gegen ein 2024 ergangenes Gerichtsurteil eingelegt, das ein Gesetz als verfassungswidrig und diskriminierend einstufte, welches einvernehmliche gleichgeschlechtliche sexuelle Handlungen zwischen Erwachsenen unter Strafe stellte. Das Rechtsmittel war Ende 2025 weiterhin vor dem Obersten Gerichtshof anhängig.

Das im Dezember 2024 in Kraft getretene Ehegesetz definierte die Ehe als eine Verbindung zwischen zwei Personen unterschiedlichen Geschlechts. Laut einer Bestimmung des Gesetzes drohte allen, die gleichgeschlechtliche Trauungen vollzogen, eine Gefängnisstrafe von zwei Jahren.

Die Behörden unternahmen nichts, um Hassreden und Online-Schikane gegen lesbische, schwule, bisexuelle, trans und intergeschlechtliche Menschen (LGBTI+) einzudämmen.

Recht auf Gesundheit

Trans Menschen, Sexarbeiter*innen und Menschen mit HIV waren mit Vorurteilen konfrontiert und wurden von öffentlichen Gesundheitsleistungen ausgeschlossen. Die Mittelkürzungen der US-Regierung für die Hilfsprogramme von USAID beeinträchtigten die Bereitstellung von Gesundheitsprogrammen in Namibia. Dies betraf z. B. mobile und leicht zugängliche Kliniken zur Behandlung von HIV.

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