Document #2118024
ACCORD – Austrian Centre for Country of Origin and Asylum Research and Documentation (Author)
20. November 2024
Das vorliegende Dokument beruht auf einer zeitlich begrenzten Recherche in öffentlich zugänglichen Dokumenten, die ACCORD derzeit zur Verfügung stehen, sowie gegebenenfalls auf Auskünften von Expert·innen und wurde in Übereinstimmung mit den Standards von ACCORD und den Common EU Guidelines for processing Country of Origin Information (COI) erstellt.
Dieses Produkt stellt keine Meinung zum Inhalt eines Ansuchens um Asyl oder anderen internationalen Schutz dar.
Wir empfehlen, die verwendeten Materialien im Original durchzusehen. Originaldokumente, die nicht kostenfrei oder online abrufbar sind, können bei ACCORD eingesehen oder angefordert werden.
Kurzbeschreibungen zu den in dieser Anfragebeantwortung verwendeten Quellen sowie Ausschnitte mit Informationen aus diesen Quellen finden Sie im Anhang.
Die Action Group for Palestinians of Syria (AGPS), eine in London ansässige Menschenrechtsorganisation, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Situation palästinensischer Flüchtlinge in Syrien zu dokumentieren, erklärt in einer E-Mail-Auskunft an ACCORD vom Oktober 2024, dass es für Palästina-Flüchtlinge in Syrien kein Problem sei, in jegliches Lager oder jegliche Region unter Regierungskontrolle zu ziehen, wo UNRWA (United Nations Relief and Works Agency for Palestine Refugees in the Near East) seine Hilfe und Dienstleistungen zur Verfügung stelle (AGPS, 16. Oktober 2024).
Das Hilfswerk der Vereinten Nationen für Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten (UNRWA) erklärt auf einem undatierten Beitrag seiner Webseite, dass sich die Verantwortung des UNRWA in den Flüchtlingslagern auf die Bereitstellung von Dienstleistungen und die Verwaltung der UNRWA-Einrichtungen beschränke. Für die Verwaltung und Überwachung der Lager seien die Aufnahmebehörden zuständig. Dienstleistungen des Hilfswerks stünden allen registrierten Palästina-Flüchtlingen zur Verfügung, auch denen, die nicht in Lagern leben würden (UNRWA, ohne Datum).
Das Danish Immigration Service (DIS) interviewt für einen Bericht über Palästinenser·innen in den Provinzen Damaskus und Rif Damashq Anfang 2021 unter anderem eine/n Mitarbeiter·in von AGPS), eine/n Mitarbeiter·in einer internationalen Organisation, sowie den palästinensischen Berater, Analysten und ehemaligen Journalisten aus Yarmouk, Musaab Balchi. Laut AGPS könnten alle Palästinenser·innen in Syrien wählen, ob sie von einem Lager zum anderen oder außerhalb von Lagern umziehen möchten. Sie würden jedoch vor einem Umzug eine Sicherheitsüberprüfung benötigen, wie dies bei jeder Person der Fall sei, die umziehen wolle (DIS, Oktober 2021, S. 56). Nähere Informationen zu der Notwendigkeit des Erhalts von Sicherheitsüberprüfungen vor einem Umzug finden Sie in Teil 6 dieser Anfragebeantwortung, siehe a-12456-6.
Die internationale Organisation erklärt, dass die bei der Organisationen GAPAR (General Administration for Palestine Arab Refugees) registrierten palästinensischen Flüchtlinge ursprünglich die Erlaubnis erhalten hätten, auf einem bestimmten Grundstück in einem bestimmten Lager ein Haus zu bauen und dort zu wohnen. Die Flüchtlinge hätten kein Eigentumsrecht an dem Land und den darauf errichteten Immobilien, jedoch das Recht (für sich und ihre Nachkommen), das Grundstück zu Wohnzwecken zu nutzen. Wenn eine Familie in ein anderes Lager umziehen wolle, werde der Familie kein neues Grundstück von GAPAR zugeteilt (DIS, Oktober 2021, S. 63). Es gebe laut AGPS eine große Anzahl von Immobilienagenturen, die sich um Mietangebote innerhalb und außerhalb der Lager kümmern würden. Einzelpersonen müssten sich meistens an Makler wenden, um eine freie Unterkunft zu finden, es sei denn sie würden jemanden privat kennen, der/die Unterkünfte vermiete (DIS, Oktober 2021, S. 57).
Laut Musaab Balchi gebe es keine rechtlichen Hindernisse für Palästina-Flüchtlinge in Syrien, Häuser oder Wohnungen zu mieten. Es gebe Maklerbüros für die Vermietung oder den Verkauf von Häusern in den Lagern, man würde aber auch über soziale Medien und persönliche Kontakte Wohnraum finden. Mit Jänner 2021 sei es laut Balchi möglich, in die Lager Khan Eshieh, Sbeineh und Huseinyeh zu ziehen, es sei jedoch die Einholung einer Sicherheitsgenehmigung der Behörden erforderlich. Die syrischen Behörden würden das Betreten und den Aufenthalt im Lager Yarmouk regeln. Für Personen, die aus den Lagern Jaramana und Khan Dunoun stammen, sei es nicht notwendig, eine Sicherheitsüberprüfung zu erhalten, um in die Lager zurückzukehren. Binnenflüchtlinge, die in die Lager ziehen wollten, würden jedoch eine Sicherheitsüberprüfung benötigen (DIS, Oktober 2021, S. 68-69).
Weitere Informationen zur Möglichkeit für palästinensische Flüchtlinge aus Syrien, in Lager mit UNRWA-Dienstleistungen zurückzukehren finden Sie in folgender Anfragebeantwortung von ACCORD:
· ACCORD - Austrian Centre for Country of Origin and Asylum Research and Documentation: Anfragebeantwortung zu Syrien: Möglichkeit für palästinensische Flüchtlinge aus Syrien in Lager mit UNRWA-Dienstleistungen zurückzukehren, aktuelle Situation für palästinensische Flüchtlinge aus Syrien in Gebieten unter Regierungskontrolle [a-12130-2], 27. Juni 2023
https://www.ecoi.net/de/dokument/2095279.html
Quellen: (Zugriff auf alle Quellen am 20. November 2024)
· ACCORD - Austrian Centre for Country of Origin and Asylum Research and Documentation: Anfragebeantwortung zu Syrien: Möglichkeit für palästinensische Flüchtlinge aus Syrien in Lager mit UNRWA-Dienstleistungen zurückzukehren, aktuelle Situation für palästinensische Flüchtlinge aus Syrien in Gebieten unter Regierungskontrolle [a-12130-2], 27. Juni 2023
https://www.ecoi.net/de/dokument/2095279.html
· AGPS – Action Group for Palestinians of Syria: E-Mail Auskunft, 16. Oktober 2023
· DIS – Danish Immigration Service: Syria: Palestinians in Damascus and rural Damascus governorates, Oktober 2021
https://www.ecoi.net/en/file/local/2063240/coi_report_prs_october_2021.pdf
· UNRWA – United Nations Relief and Works Agency for Palestine Refugees in the Near East: Palestine Refugees, ohne Datum
https://www.unrwa.org/palestine-refugees
Anhang: Quellenbeschreibungen und Informationen aus ausgewählten Quellen
Das Danish Immigration Service (DIS) ist die in Dänemark für Einwanderung, Einreise und Aufenthalt von Ausländer·innen zuständige Behörde des Ministeriums für Einwanderung und Integration.
· DIS – Danish Immigration Service: Syria: Palestinians in Damascus and rural Damascus governorates, Oktober 2021
https://www.ecoi.net/en/file/local/2063240/coi_report_prs_october_2021.pdf
„Minutes from meeting with Action Group for Palestinians of Syria, Skype, 5 March 2021 […]
Palestinians can choose to move between camps or outside of camps, regardless of which category they belong to (i.e. 1948, 1967 and 1970). They will need a security clearance irrespective of whether they rent or buy accommodation, as is the case for anyone moving to a new place.“ (DIS, Oktober 2021, S. 56)
„There are a large number of real estate agencies with rental apartment listings, covering vacancies in camps as well as outside of camps. AGPS [Action Group for Palestinians of Syria] informed that most often, the real estate agents also conduct some level of security observation tasks, as a large number of real estate agents will be secretly recruited by the security branches, according to AGPS. They will also ask you where you are moving from and why you are moving. In most cases, individuals will have to go through a real estate agent to find vacant accommodation, unless you know someone privately, who are renting out him/herself or know of someone who is renting out.“ (DIS, Oktober 2021, S. 57)
„Minutes from meeting (b) with an international organisation, Skype, 2 February 2021 […]
4. With respect to living arrangements, to the organization’s, GAPAR [General Administration for Palestine Arab Refugees]-registered Palestinian refugees were originally granted permission from GAPAR to build and reside on a certain plot of land in a specific camp. For example, in Sbeineh Camp, some government land was put at the disposal of GAPAR by law, and it was then assigned to certain families to reside on, until their return to their original homes from which they were displaced as a result of the 1948 Arab-Israeli conflict, in line with relevant UN resolutions. This means that they do not have ownership over the land and the property built on it, but rather a legally based relation that provides the Palestinian refugee family and descendants the right to use this plot of land for residential purposes. The land was provided free of charge. As such, if a Palestinian refugee displaced from Sbeineh Camp, whose family was assigned to a plot of land in this camp, wants to move to another camp, such as Jaramana, s/he will not be granted a new plot of land.“ (DIS, Oktober 2021, S. 63)
„Minutes from meeting with Musaab Balchi, Skype, 22 January 2021 […]
There are no legal obstacles in place for PRS [Palestinian Refugees in Syria] to rent houses and apartments; however, there is a lack of apartments and housing is generally expensive. […]
There are offices in charge of renting out or selling houses inside the camps. People also find housing through social media and personal contacts. […]
It is possible to move into three of the camps that witnessed battles, i.e. Khan Elshieh, Sbeineh and Huseinyeh. However, it is necessary to have a prior security approval from the authorities in order to move there. Persons who previously lived in one of these camps and wish to return to live in the same camp also require a prior security approval. In order to get a security approval you need to approach the relevant security branch and ask for permission. […]
It is not necessary to get a security clearance to move to Jaramana Camp or Khan Dunoun Camp if you originate from there. However, if you are an IDP [Internally Displaced Person] who wish to reside in those camps, you would need a security clearance. […]
PRS can enter and reside in Yarmouk Camp under the provision of the Syrian authorities.“ (DIS, Oktober 2021, S. 68-69)
Das Hilfswerk der Vereinten Nationen für Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten (United Nations Relief and Works Agency for Palestine Refugees in the Near East, UNRWA) ist ein Hilfsprogramm der Vereinten Nationen mit Hauptsitz in Gaza und Amman, das Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten unterstützt.
· UNRWA – United Nations Relief and Works Agency for Palestine Refugees in the Near East: Palestine Refugees, ohne Datum
https://www.unrwa.org/palestine-refugees
„The responsibility of UNRWA in Palestine refugee camps is limited to providing services and administering its installations. The Agency does not own, administer or police the camps, as this is the responsibility of the host authorities. […]
While most of UNRWA's installations such as schools and health centres are located in the Palestine refugee camps, a number are outside; all of the Agency’s services are available to all registered Palestine refugees, including those who do not live in the camps.“ (UNRWA, ohne Datum)