Document #2054849
ACCORD – Austrian Centre for Country of Origin and Asylum Research and Documentation (Author)
29. Juni 2021
Das vorliegende Dokument beruht auf einer zeitlich begrenzten Recherche in öffentlich zugänglichen Dokumenten, die ACCORD derzeit zur Verfügung stehen sowie gegebenenfalls auf Auskünften von Expert·innen und wurde in Übereinstimmung mit den Standards von ACCORD und den Common EU Guidelines for processing Country of Origin Information (COI) erstellt.
Dieses Produkt stellt keine Meinung zum Inhalt eines Ansuchens um Asyl oder anderen internationalen Schutz dar. Alle Übersetzungen stellen Arbeitsübersetzungen dar, für die keine Gewähr übernommen werden kann.
Wir empfehlen, die verwendeten Materialien im Original durchzusehen. Originaldokumente, die nicht kostenfrei oder online abrufbar sind, können bei ACCORD eingesehen oder angefordert werden.
Kurzbeschreibungen zu den in dieser Anfragebeantwortung verwendeten Quellen sowie Ausschnitte mit Informationen aus diesen Quellen finden Sie im Anhang.
Der Jahresbericht 2020 des Büros des Sonderkoordinators der Vereinten Nationen für den Libanon (Office of the United Nations Special Coordinator for Lebanon, UNSCOL) gibt an, dass sich der Libanon in der verheerendsten sozioökonomischen Krise in seiner jüngsten Geschichte befinde. Die Wirtschafts- und Finanzkrise, die sich seit Ende 2019 beschleunige, sei noch einmal durch die COVID-Pandemie und die Explosionen im Hafen von Beirut verschärft worden. Die Wirtschaft leide an einem Mangel an Devisen, wodurch das Libanesische Pfund mit Stand Jänner 2021 mehr als 80 Prozent seines Wertes verloren habe. Im November 2020 habe die jährliche Inflation 133 Prozent erreicht und Nahrungsmittelpreise seien um 423 Prozent angestiegen. Es werde erwartet, dass Ende 2021 mehr als die Hälfte der Bevölkerung von Armut betroffen sein werde und die Arbeitslosigkeit 40 Prozent übersteigen werde. Die humanitären Bedürfnisse seien extrem. Die große Anzahl von Flüchtlingen und vulnerablen Aufnahmegemeinschaften würden lokale Ressourcen strapazieren und Spannungen zwischen den Gemeinschaften erhöhen. (UNSCOL, 2021, S. 7-8)
Wohnraum
Die Internationale Organisation für Migration (IOM) scheibt in ihrem Länderinformationsblatt 2020 zum Libanon Folgendes zu Wohnraum:
„Schätzungsweise 50 Prozent der libanesischen Bevölkerung lebt im Großraum Beirut. Die Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum übersteigt das Angebot bei weitem, was dazu führt, dass Menschen einen großen Teil ihres Einkommens für Wohnraum ausgeben, lange Wege zurücklegen, sich eine Unterkunft teilen und / oder unter minderwertigen Bedingungen leben. Der Libanon ist mit Stromengpässen konfrontiert, welche zu regelmäßigen Ausfällen führen. Folglich sind die Bevölkerung und zahlreiche Unternehmen abhängig von Generatoren. Dies wirkt sich auf die monatlichen Stromkosten aus (circa LBP 150 000 / USD 100). Daneben herrscht eine chronische Wasserknappheit. Diese wird sich in Zukunft und als Folge der steigenden Nachfrage und zunehmender Trockenheit wohl noch weiter verschärfen. Der Libanon hat kein soziales Wohnungssystem. Notunterkünfte stehen Rückkehrenden normalerweise nicht zur Verfügung. Kurzfristige Unterkünfte findet man auf verschiedenen Internetseiten oder in lokalen Anzeigen.
Es gibt keine staatliche Unterstützung bei der Wohnungssuche. Wohnungen, Häuser und Apartments werden auf Aushängen, in Zeitungen und im Internet verbreitet. Erste Anhaltspunkte sind:
- www.propertyfinder.com
- www.alwaseet.com
https://olxliban.com
Zuschüsse für Wohnraum sind nicht verfügbar, aber die ‚Public Corporation for Housing‘ bietet Käufern/ -innen subventionierte Kredite an. Die Banken haben angesichts der Finanzkrise die Kreditvergabe eingestellt. Es ist nicht bekannt, wie lange dieser Zustand andauern wird.“ (IOM, 2020, S. 5)
Das Nachrichtenportal Sawt Beirut International (SBI) berichtet im April 2021, dass aufgrund der Hyperinflation die Mietpreise in Beirut dramatisch angestiegen seien. Lokale Bewohner·innen hätten zunehmend Schwierigkeiten, mit ihrem geringen Gehalt in Libanesischem Pfund eine geeignete Wohnung zu finden, während Vermieter·innen Ausschau nach US-Dollar halten würden. Laut Angaben eines Maklers liege der durchschnittliche Preis einer Wohnung mit zwei Schlafzimmern im Zentrum von Beirut derzeit bei 750-800 US-Dollar (etwa 9-9,6 Millionen Libanesische Pfund gemäß dem Schwarzmarktkurs) im Viertel Ashrafieh, 800-1.000 US-Dollar (etwa 9,6-12 Millionen Libanesische Pfund gemäß dem Schwarzmarktkurs) im Viertel Badaro, 600-700 US-Dollar (etwa 7,2-8,4 Millionen Libanesische Pfund gemäß dem Schwarzmarktkurs) im Viertel Geitawi, 800-1.000 US-Dollar (etwa 9,6-12 Millionen Libanesische Pfund gemäß dem Schwarzmarktkurs) im Viertel Hamra und 600-800 US-Dollar (etwa 7,2-9,6 Millionen Libanesische Pfund gemäß dem Schwarzmarktkurs) im Viertel Mar Mikhael. Das billigste Apartment mit zwei Schlafzimmern, das der Makler im Monat April vermietet habe, liege im Viertel Gemmayzeh und die Miete betrage 4 Millionen Libanesische Pfund, das entspreche etwa 500 US-Dollar Schwarzmarktkurs (etwa 419 Euro, Anm. ACCORD). Viele Haushalte, die ihr Einkommen in Libanesischen Pfund beziehen und die kein gutes Angebot finden oder bei der Familie leben würden, seien aus Wohnungen in den Vierteln Gemmayzeh und Mar Mikhael in die Viertel Furn al-Shubbak oder Burj Hammoud gezogen oder hätten Wohngemeinschaften in Ashrafieh. Beispielsweise habe Bashar Alahmod vor Beginn der Finanzkrise im Jahr 2019 für seine Wohnung in Ashrafieh 900.000 Libanesische Pfund bezahlt, das habe etwa 600 US-Dollar entsprochen. Als das Libanesische Pfund an Wert verloren habe, habe sein Vermieter von ihm die Miete in US-Dollar gemäß dem Schwarzmarktkurs verlangt, das habe etwa 7 Millionen Libanesischen Pfund entsprochen. Er sei daraufhin nach Burj Hammoud gezogen, wo er monatlich 600.000 Libanesische Pfund bezahle. (SBI, 12. April 2021)
Ähnliche Informationen zum Wohnungsmarkt vor dem Hintergrund der Wirtschaftskrise finden sich in folgenden Artikeln:
· Al-Bawaba: Why Young Lebanese Can't Rent Apartments in Beirut?, 1. September 2019
https://www.albawaba.com/editors-choice/why-young-lebanese-cant-rent-apartments-beirut-1305884
· Beirut Today: Dollars or nothing: Rent crisis burdens Lebanon’s tenants, 21. Mai 2020
https://beirut-today.com/2020/05/21/dollars-or-nothing-rent-crisis/
Das Nachrichtenportal Arabic Post berichtet in einem Artikel vom April 2021, dass aufgrund der schweren Wirtschaftskrise einige Libanes·innen in die überbelegten palästinensischen Flüchtlingslager gezogen seien, weil man dort im Angesicht der stark ansteigenden Preise noch eher leben könne. Eine Studie des zum libanesischen Ministerrat gehörenden Lebanese Palestinian Dialogue Committee (LPDC) aus dem Jahr 2020 habe ergeben, dass die Zahl der Bewohner·innen palästinensischer Flüchtlingslager zugenommen habe und dort auch syrische Flüchtlinge sowie Libanes·innen leben würden. Beispielsweise seien im Lager Mar Eliyas in Beirut 55 Prozent der Einwohner·innen keine Palästinenser·innen, im Lager Schatila in Beirut seien es sogar 69 Prozent. Ein Aktivist aus dem Lager Ayn El-Hilweh im Süden des Landes habe berichtet, dass sich seit der verschärften Krise Libanes·innen nach Wohnmöglichkeiten im Lager umschauen würden, da man dort weder Strom- noch Wasserrechnungen zahlen müsse und daher das Wohnen dort aus finanziellen Gründen besser sei. Rami, der Vorstand einer libanesischen Familie, habe Arabic Post erklärt, dass er durch den Umzug ins Lager viele Kosten einspare, die ihn erdrückt hätten, darunter Stromrechnungen, Beteiligungskosten an Generatoren, Wasser- und Kommunalabgaben. (Arabic Post, 10. April 2021)
Medizinische Versorgung
IOM veröffentlicht 2020 folgende allgemeine Informationen zum Gesundheitssystem sowie zur Krankenversicherung:
„Allgemeine Informationen
Das Gesundheitssystem, unter der Verantwortung des Gesundheitsministeriums, steht allen libanesischen Staatsangehörigen zu erschwinglichen Preisen zur Verfügung. Gesundheitseinrichtungen gibt es landesweit. Die Dienstleistungen umfassen Impfungen, Gesundheitsfürsorge für Mütter und Kinder, notwendige Medikamente, und Behandlungen von (nicht) übertragbaren Krankheiten, Ernährung und so weiter.
Krankenversicherung
Eine Vielzahl von Versicherungsgesellschaften bieten privaten Absicherungen an. Daneben gibt es den Nationalen Sozialversicherungsfonds (NSSF), zu dem allerdings nur Beamte/ -innen und deren Angehörige Zugang haben. Die Voraussetzungen für die Registrierung werden individuell geprüft und hängen von dem Versicherungsunternehmen ab:
• Bei Privatversicherungen sollte der Anbieter oder die Anbieterin direkt kontaktiert werden.
• Für den NSSF übernehmen die Arbeitgeber/ -innen die Anmeldung. […]
• Für planmäßige Krankenhausaufenthalte wird vorab eine Genehmigung benötigt, welche von einer Einigung zwischen Krankenhaus und Gesundheitsministerium anhängt.
• Krankenhausaufenthalte (in staatlichen Krankenhäusern) sind für libanesische Staatangehörige über 65 Jahren kostenfrei. Dokumente für Familienregistrierungen: Gültige Ausweisdokumente und Krankenakten aller Familienmitglieder; Auszug aus dem Familienregister.“ (IOM, 2020, S. 3)
Das niederländische Außenministerium (Netherlands Ministry of Foreign Affairs) schreibt in einem Bericht zur Lage von Palästinenser·innen im Libanon vom Jänner 2021 allgemein über die Gesundheitsversorgung im Libanon, dass das libanesische Gesundheitssystem generell unter Druck stehe und sich Libanes·innen häufig auf den privaten Sektor verlassen würden. Krankenhäuser seien aufgrund der gegenwärtigen Krise mit Stromversorgungsproblemen, Überbelegung und finanziellen Engpässen konfrontiert. Es sei auch beim Import von Medikamenten zu Engpässen gekommen. Das libanesische Gesundheitsministerium habe Apotheken angewiesen, Medikamente nur in Mengen, die nicht länger als ein paar Tage reichen würden, auszugeben. (Netherlands Ministry of Foreign Affairs, Jänner 2021, S. 57)
Im Februar 2021 veröffentlichen das Welternährungsprogramm und die Weltbank einen gemeinsamen Bericht zur Ernährungssicherheit im Libanon, der auf von November bis Dezember 2020 durchgeführten telefonischen Umfragen bei 4.203 Haushalten basiert. Der Anteil der Haushalte, der Schwierigkeiten beim Zugang zur Gesundheitsversorgung habe, sei von 25 Prozent in der Vergleichsstudie von Juli-August auf 36 Prozent angestiegen. Die größten Schwierigkeiten beim Zugang zur Gesundheitsversorgung seien in Beirut verzeichnet worden (43 Prozent), gefolgt von der Provinz Norden (41 Prozent). Die Provinz Mount Lebanon habe einen erheblichen Anstieg von 20 Prozent im Zeitraum Juli-August auf 37 Prozent verzeichnet. 60 Prozent aller Befragten im ganzen Land hätten angegeben, mindestens ein Familienmitglied zu haben, das an einer chronischen Krankheit leide. Es gebe großen Bedarf beim Zugang zum überbelasteten Gesundheitssystem, jedoch sei Geldmangel weiterhin ein großes Hindernis dabei, medizinische Versorgung aufzusuchen. (WFP/WBG, 23. Februar 2021, S. 14)
Asharq Al-Awsat berichtet im September 2020, dass seit März 2020 viele Libanes·innen für wiederkehrende Zeiträume bis zu 15 Tagen ihre Medikamente, insbesondere für chronische Krankheiten, nicht erhalten hätten. Derzeit müsse man eine Reihe von Apotheken aufsuchen um dann nach einem Zeitraum, der mehr als einen Monat dauern könne, seine Medikamente zu erhalten. Der Leiter einer Apotheke in Beirut habe erklärt, dass der Medikamentenmangel damit zusammenhänge, dass manche Bürger Medikamente aus Angst vor Lieferengpässen und Preissteigerungen auf Vorrat gekauft hätten. Die Zentralbank, die unter anderem den Medikamentensektor subventioniere, habe angekündigt, dass sie ab Ende 2020 aufgrund der schwindenden Devisenreserven nicht mehr in der Lage sein werde, Medikamente zu subventionieren. Die Aufhebung der Subvention bedeute eine Angleichung der Medikamentenpreise and den Wechselkurs des US-Dollar auf dem Schwarzmarkt, was einer Preissteigerung auf das Fünffache entsprechen werde. (Asharq Al-Awsat, 20. September 2020)
In einem weiteren Artikel vom Mai 2021 schreibt Asharq Al-Awsat, dass Apotheken in Nabatiyeh aus Protest gegen die nicht erfolgten Lieferungen notwendiger Medikamente geschlossen hätten. (Asharq Al-Awsat, 14. Mai 2021)
Nahrungsmittelversorgung
Laut dem gemeinsamen Bericht von WFP und Weltbank hätten mehr als 41 Prozent der 4.203 von November bis Dezember 2020 befragten Haushalte angegeben, Schwierigkeiten beim Zugang zu Nahrung und anderen grundlegenden Gütern zu haben. Im Vergleichszeitraum September-Oktober seien es noch 36 Prozent gewesen. Ein Anstieg sei in allen Provinzen verzeichnet worden. Mehr als 55 Prozent der befragten Haushalte habe angegeben, im Zeitraum November/Dezember von Nahrungsmittelknappheit betroffen gewesen zu sein. Die Provinzen Akkar (66%), Baalbek-El Hermel (59%) und Beirut (56%) hätten die höchsten Raten verzeichnet. Ein Aufwärtstrend bei konsumbasierten Bewältigungsstrategien sei ebenfalls verzeichnet worden. Der Anteil der Haushalte, der die Anzahl der täglich konsumierten Mahlzeiten reduziert habe, sei von 29 Prozent im Zeitraum Juli-August auf 35 Prozent im Zeitraum November-Dezember angestiegen. 48 Prozent der Haushalte habe angegeben, dass die Erwachsenen im Haushalt den Nahrungskonsum zugunsten der Kinder im Haushalt reduziert hätten. (WFP/WBG, 23. Februar 2021, S. 9)
Das Welternährungsprogramm (World Food Programme, WFP) meldet im Mai 2021, dass geplant sei, zusätzlich 195.000 Personen zu unterstützen mit dem Ziel, insgesamt 300.000 Personen monatlich durch das National Poverty Targeting Programme (NPTP) des Sozialministeriums zu erreichen. Um der Inflation und den angestiegenen Nahrungsmittelpreisen beizukommen, würde WFP jede Familie mit einer Pre-Paid-Karte mit 200.000 Libanesischen Pfund ausstatten, die in Geschäften oder an Geldautomaten eingesetzt werden könne. Ein Vertreter des WFP habe berichtet, dass es täglich schwerer für Libanes·innen werde, Essen auf den Tisch zu bekommen und daher diese Unterstützung gerade rechtzeitig komme. (WFP, 26. Mai 2021)
Zeit Online schreibt im Februar 2021 Folgendes zu Lebensmittelbeständen im Libanon:
„Der libanesische Verband der Lebensmittelimporteure hat angesichts der schweren Wirtschaftskrise und den strikten Corona-Beschränkungen Alarm geschlagen, was die Lebensmittelversorgung im Land betrifft. ‚Zusammen werden diese Faktoren zu einer Verknappung der Lebensmittelvorräte um etwa die Hälfte oder mehr führen‘, zitierte die staatliche libanesische Nachrichtenagentur NNA aus einer Erklärung des Verbands. Der Libanon produziert kaum selbst Lebensmittel und ist stark von Importen abhängig. Nach Angaben des Verbandes deckt das kleine Land am Mittelmeer allein seinen Bedarf an Agrarprodukten zu 80 Prozent mit Waren aus dem Ausland. Ein Problem ist der Mangel an ausländischen Währungen, mit denen Importe bezahlt werden können: Das libanesische Pfund hat in der Krise auf dem Schwarzmarkt rund 80 Prozent seines Werts verloren, der US-Dollar als harte Währung ist ein begehrtes und knappes Gut. […]
Die libanesische Wirtschaft war bereits vor der Pandemie stark angeschlagen. Seit 2018 befindet sich der Staat in einer Rezession, 2019 fiel die Wirtschaftsleistung um fast sieben Prozent. Die Preise sind stark angestiegen, allein die Inflation für Lebensmittel liegt bei mehr als 200 Prozent. Mehr als die Hälfte der rund sechs Millionen Menschen im Land lebt mittlerweile unterhalb der Armutsgrenze.“ (Zeit Online, 1. Februar 2021)
Im April 2021 berichtet die libanesische Tageszeitung L’Orient Le Jour, dass der Libanon 22 Tonnen Hilfslieferungen an Nahrungsmitteln aus Marokko erhalten habe. Dies sei Teil einer Gesamtlieferung, die 90 Tonnen betragen werde. (L’Orient Le Jour, 17. April 2021)
Soziale Unterstützung
IOM stellt folgende Informationen zu sozialer Unterstützung zur Verfügung:
„Der Libanon verfügt über kein umfassendes Sozialsystem. Der Nationale Sozialversicherungsfonds (NSSF) deckt mehrere Bereiche, wie die Kranken- und Rentenversicherung ab. Jedoch haben nur Beamte/ -innen und Selbstständige, die in den Fond eintreten, Zugang zu den Leistungen. Verschiedene religiöse Gemeinden bieten Unterstützung in den Bereichen Armutsbekämpfung, Verpflegung und Krankenpflege an. Der Zugang zum NSSF ist beschränkt auf Angestellte, deren Arbeitgeber/-innen für sie eingezahlt haben, sowie Selbstständige, die selbst Beiträge entrichtet haben. Arbeitslose sind explizit nicht berechtigt. Auch die vielen Beschäftigten im informellen Sektor haben keinen Zugang zu den bestehenden Angeboten.“ (IOM, 2020, S. 6)
Des weiteren konnten Informationen zu Notleistungen gefunden werden, die vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Wirtschaftskrise im Libanon zur Verfügung gestellt werden. Die Weltbank berichtet im Jänner 2021, dass ein Programm mit 246 Millionen US-Dollar genehmigt worden sei, durch das etwa 786.000 arme und vulnerable Libanes·innen Notfallgeldtransfers und Zugang zu sozialen Leistungen erhalten sollen. Durch das Programm würden 147.000 extrem arme Haushalte ein Jahr lang mit finanziellen Beihilfen unterstützt. Das Geld würde monatlich auf eine Pre-Paid-Karte überwiesen, über die man an Geldautomaten Geld beheben könne oder mit der man in zu einem Netzwerk gehörenden Nahrungsmittelgeschäften zahlen könne. (Worldbank, 12. Jänner 2021)
Quellen: (Zugriff auf alle Quellen am 29. Juni 2021)
· Al-Bawaba: Why Young Lebanese Can't Rent Apartments in Beirut?, 1. September 2019
https://www.albawaba.com/editors-choice/why-young-lebanese-cant-rent-apartments-beirut-1305884
· Arabic Post: Sie haben Zuflucht in den Lagern gesucht – Libanesen ziehen in palästinensische Flüchtlingslager nachdem sich ihre Lage verschlechtert hat
[لجأوا إلى المخيمات.. لبنانيون ينتقلون للعيش في مخيمات اللاجئين الفلسطينيين بعد تدهور أوضاعهم], 10. April 2021
https://arabicpost.net/%D8%A3%D8%AE%D8%A8%D8%A7%D8%B1/2021/04/10/%D9%84%D8%A8%D9%86%D8%A7%D9%86%D9%8A%D9%88%D9%86-%D9%8A%D9%86%D8%AA%D9%82%D9%84%D9%88%D9%86-%D9%84%D9%84%D8%B9%D9%8A%D8%B4-%D9%81%D9%8A-%D9%85%D8%AE%D9%8A%D9%85%D8%A7%D8%AA-%D8%A7%D9%84%D9%84%D8%A7/
· Asharq Al-Awsat: Lebanon Faces Medicine Shortages, Stocks Won’t Last More than a Month, 20. September 2020
https://english.aawsat.com/home/article/2518736/lebanon-faces-medicine-shortages-stocks-won%E2%80%99t-last-more-month
· Asharq Al-Awsat: Medikamentenkrise und Treibstoffmangel machen Libanes·innen zu schaffen [أزمة أدوية وشح محروقات يؤرقان اللبنانيين], 14. Mai 2021
https://aawsat.com/home/article/2971556/%D8%A3%D8%B2%D9%85%D8%A9-%D8%A3%D8%AF%D9%88%D9%8A%D8%A9-%D9%88%D8%B4%D8%AD-%D9%85%D8%AD%D8%B1%D9%88%D9%82%D8%A7%D8%AA-%D9%8A%D8%A4%D8%B1%D9%82%D8%A7%D9%86-%D8%A7%D9%84%D9%84%D8%A8%D9%86%D8%A7%D9%86%D9%8A%D9%8A%D9%86
· Beirut Today: Dollars or nothing: Rent crisis burdens Lebanon’s tenants, 21. Mai 2020
https://beirut-today.com/2020/05/21/dollars-or-nothing-rent-crisis/
· IOM – International Organization for Migration: Libanon Länderinformationblatt 2020, 2020 (veröffentlicht von ZIRF – Zentralstelle für Informationsvermittlung zur Rückkehrförderung)
https://files.returningfromgermany.de/files/Country%20Fact%20Sheet%202020%20DE.pdf
· L’Orient Le Jour : L'armée reçoit vingt-deux tonnes d'aide alimentaire du Maroc, 17. April 2021
https://www.lorientlejour.com/article/1258980/larmee-recoit-vingt-deux-tonnes-daide-alimentaire-du-maroc.html
· Netherlands Ministry of Foreign Affairs: Thematisch Ambtsbericht Palestijnen in Libanon, Jänner 2021
https://www.ecoi.net/en/file/local/2045725/Thematisch+Ambtsbericht+Palestijnen+in+Libanon+%28januari+2021%29.pdf
· SBI - Sawt Beirut International: A rental market out of reach for most Lebanese, 12. April 2021
https://english.sawtbeirut.com/lebanon/a-rental-market-out-of-reach-for-most-lebanese/
· UNSCOL - Office of the United Nations Special Coordinator for Lebanon: 2020 UN Lebanon annual results report, 2021 (verfügbar auf ReliefWeb)
https://reliefweb.int/sites/reliefweb.int/files/resources/2100336%20UNCT%20Annual%20Report%20-%20Lebanon%20-FINAL%20-%20WEB.pdf
· Worldbank: US$246 Million to Support Poor and Vulnerable Lebanese Households and Build-Up the Social Safety Net Delivery System, 12. Jänner 2021
https://www.worldbank.org/en/news/press-release/2021/01/12/us246-million-to-support-poor-and-vulnerable-lebanese-households-and-build-up-the-social-safety-net-delivery-system
· WFP – World Food Programme / WBG – World Bank Group: Lebanon m-VAM Vulnerability and Food Security Assessment, 23. Februar 2021 (verfügbar auf ReliefWeb)
https://reliefweb.int/sites/reliefweb.int/files/resources/WFP-0000124175.pdf
· WFP – World Food Programme: WFP triples its support to Lebanese families as country faces unprecedented crisis, 26. Mai 2021
https://www.wfp.org/news/wfp-triples-its-support-lebanese-families-country-faces-unprecedented-crisis
· Zeit Online: Hälfte der Lebensmittelbestände im Libanon bald aufgebraucht, 1. Februar 2021
https://www.zeit.de/politik/ausland/2021-02/corona-wirtschaftskrise-libanon-lebensmittel-nahrungsversorgung-armut-lockdown
Anhang: Quellenbeschreibungen und Informationen aus ausgewählten Quellen
Asharq Al-Awsat ist eine in saudischem Besitz befindliche Tageszeitung mit Sitz in London.
· Asharq Al-Awsat: Lebanon Faces Medicine Shortages, Stocks Won’t Last More than a Month, 20. September 2020
https://english.aawsat.com/home/article/2518736/lebanon-faces-medicine-shortages-stocks-won%E2%80%99t-last-more-month
„Since March, the Lebanese have been suffering from the shortage of a number of medicines, especially those for chronic diseases, for intermittent periods that used to reach 15 days. Today, obtaining some medications requires a tour of a number of pharmacies and promises to secure them after periods that may exceed a month. 'This is due to some citizens resorting to stockpiling medicine for fear of interruption or increase of prices in the event that Lebanon’s Central Bank stops subsidizing this sector,’ Mahdi, the manager of a pharmacy in Beirut, told Asharq Al-Awsat. The Central Bank, which provides credit lines to importers of wheat, fuel and medicine, at the official dollar rate, which is still fixed at LBP 1,515, announced that at the end of 2020, it would no longer be able to continue to subsidize these materials in light of the shrinking reserves of foreign currencies. The head of the Pharmacists Syndicate, Ghassan Al-Amin, told Asharq Al-Awsat that the panic caused by the Central Bank’s announcement of its inability to continue subsidizing fuel, wheat and medicine after the end of 2020 prompted the Lebanese to stockpile medications, especially since they know that lifting the subsidy means that the drug price will be linked to the dollar valuation in the black market. The prices will increase by five, based on the current dollar exchange rate in the black market, according to Al-Amin.” (Asharq Al-Awsat, 20. September 2020)
Das Netherlands Ministry of Foreign Affairs ist das niederländische Außenministerium.
· Netherlands Ministry of Foreign Affairs: Thematisch Ambtsbericht Palestijnen in Libanon, Jänner 2021
https://www.ecoi.net/en/file/local/2045725/Thematisch+Ambtsbericht+Palestijnen+in+Libanon+%28januari+2021%29.pdf
„De gezondheidszorg in Libanon staat in algemene zin onder druk, Libanezen beroepen zich vaak op de privaatsector. Ook ziekenhuizen onttrekken zich niet aan elektriciteitsproblemen, overbevolking en financiële tekorten door de huidige economische crisis. Deze heeft bijvoorbeeld ook geleid tot tekorten in de import van medicijnen. Het Libanese ministerie van Gezondheid heeft apotheken gevraagd om medicijnen voorlopig in hoeveelheden voor enkele dagen uit te geven.“ (Netherlands Ministry of Foreign Affairs, Jänner 2021, S. 57)
Sawt Beirut International ist ein libanesisches Nachrichtenportal, was sich insbesondere auch an die libanesische Diaspora richtet.
· SBI - Sawt Beirut International: A rental market out of reach for most Lebanese, 12. April 2021
https://english.sawtbeirut.com/lebanon/a-rental-market-out-of-reach-for-most-lebanese/
„The dysfunctional nature of the Lebanese economy has meant that while the US dollar cost of renting in Beirut has largely decreased due to restrictions on international travel and the deteriorating economic situation, the Lebanese pound cost of renting in central Beirut has dramatically increased due to hyperinflation. With rising Lebanese pound rental prices, landlords looking for fresh dollars and the port blast meant that renting in many central neighborhoods in Beirut has become increasingly difficult for locals whose low income in pound makes it nearly impossible to find a suitable apartment with their small budget.
In the experience of real estate agent Charif Wehbi, the average cost of renting a two-bedroom apartment in central Beirut is currently:
• Ashrafieh: $750 – $800 (approx. 9 – 9.6 million LBP per BMR [Black Market Rate])
• Badaro: $800 – $1000 (approx. 9.6 – 12 million LBP per BMR)
• Geitawi: $600-$700 (approx. 7.2 – 8.4 million LBP per BMR)
• Hamra: $800 – $1000 (approx. 9.6 – 12 million LBP per BMR)
• Mar Mikhael: $600 – $800 (approx. 7.2 – 9.6 million LBP per BMR)
This month, the cheapest apartment that Wehbi rented was a standard two-bedroom apartment in Gemmayzeh for LL4 million (approx. $500 per BMR) while the most expensive was a luxury, furnished three-bedroom apartment in Ashrafieh for $2,800 per month. […]
Many households reliant on Lebanese pound salaries and who are not lucky enough to find a deal or live with family have moved from apartments in areas like Gemmayzeh and Mar Mikhael to Furn al-Shubbak, Burj Hammoud or sharing apartments in Ashrafieh. For example, before the financial crisis started in 2019, Bashar Alahmod paid LL900,000 (equivalent to $600) for his apartment in Ashrafieh. As the pound started to lose its value, Alahmod’s landlord asked him to start paying in dollars according to the BMR, which at today’s rate would have meant he was paying over LL7 million. Faced with rocketing LBP rent in Ashrafieh, he now lives in Burj Hammoud where he pays LL600,000 per month for an apartment.” (SBI, 12. April 2021)
Das Office of the United Nations Special Coordinator for Lebanon (UNSCOL) ist das Büro des Sonderkoordinators der Vereinten Nationen für den Libanon (UNSCOL), das die Arbeit der Vereinten Nationen im Libanon koordiniert.
· UNSCOL - Office of the United Nations Special Coordinator for Lebanon: 2020 UN Lebanon annual results report, 2021 (verfügbar auf ReliefWeb)
https://reliefweb.int/sites/reliefweb.int/files/resources/2100336%20UNCT%20Annual%20Report%20-%20Lebanon%20-FINAL%20-%20WEB.pdf
„Lebanon is facing the most devastating socio-economic crisis in its recent history. The economic and financial crisis, accelerating since end of 2019, has been compounded by the COVID-19 pandemic and the Beirut Port explosions. In March 2020, the Government of Lebanon defaulted on its foreign-denominated debt, marking the first sovereign default for the country. The economy continues to suffer from a critical foreign currency shortage. As a result, the Lebanese pound has severely depreciated, losing more than 80 percent of its value by January 2021. Inflation has been in the triple digits, reaching 133 percent (year-over-year) in November 2020, with food prices increasing by a staggering 423 percent. The banking system is severely impaired; informal capital controls have been in place since October 2019, with foreign currency withdrawals and transfers currently halted. Real GDP is estimated to have contracted by 19 percent in 2020, following a contraction of close to 7 percent in 2019. An acute human tragedy is unfolding, with poverty expected to affect more than one-half of the population and unemployment expected to exceed 40 percent by the end of 2021. […] The situation in Lebanon continues to be precarious, with extensive humanitarian needs. Socio-economic and political drivers are affecting the stability of the country. The large-scale presence of refugees and vulnerable host communities are stretching local resources and capacity as well as heightening inter-communal tensions. The combination of the current debt crisis, the COVID-19 pandemic, the Beirut Port explosions and the lack of political action have contributed to a looming humanitarian crisis in Lebanon.“ (UNSCOL, 2021, S. 7-8)
„Food insecurity is also on the rise in Lebanon. Half of the Syrian refugee population is now food insecure, an increase of 20 percent from 2019, while 33 percent of refugees of other nationalities and 20 percent of Lebanese are food insecure.” (UNSCOL, 2021, S. 8)
· Worldbank: US$246 Million to Support Poor and Vulnerable Lebanese Households and Build-Up the Social Safety Net Delivery System, 12. Jänner 2021
https://www.worldbank.org/en/news/press-release/2021/01/12/us246-million-to-support-poor-and-vulnerable-lebanese-households-and-build-up-the-social-safety-net-delivery-system
„The World Bank Group’s Board of Executive Directors approved today a US$246 million new project to provide emergency cash transfers and access to social services to approximately 786,000 poor and vulnerable Lebanese reeling under the pressure of Lebanon’s economic and COVID-19 crises. […]
The ESSN project will provide 147,000 extreme poor Lebanese households (approximately 786,000 individuals) with cash assistance for one year. Eligible households will receive a monthly transfer of LBP 100,000 per household member, in addition to a flat amount of LBP 200,000 per household. The transfer value per household will be uploaded monthly onto a pre-paid card issued by a financial service provider and distributed to beneficiary households who can cash out the amount at automated teller machines, or use it to make electronic payments for purchases in a network of food shops.” (Worldbank, 12. Jänner 2021)
· WFP – World Food Programme / WBG – World Bank Group: Lebanon m-VAM Vulnerability and Food Security Assessment, 23. Februar 2021 (verfügbar auf ReliefWeb)
https://reliefweb.int/sites/reliefweb.int/files/resources/WFP-0000124175.pdf
„A relapse in terms of the ability to access food and other basic needs was observed during November-December 2020. More than 41 percent of households across the country reported having faced challenges, compared to 36 percent reported in September-October. All governorates showed a significant increase in having challenges to access food compared to those reported in September-October, especially in Beirut (40%), El Nabatiyeh (41%), and Mount Lebanon (40%).” (WFP/WBG, 23. Februar 2021, S. 8)
„Nationally, an overall increase in the prevalence of households facing food shortages in the 14 days prior to the survey was reported compared to September/October round. More than half of the surveyed (55 percent, equal to the proportion reported in August-September) respondents stated having food shortages during the period of November/December, compared to 49 percent reported in the previous round. At the governorate level, Akkar recorded the highest proportion of households facing food shortages (66%), followed by Baalbek-El Hermel (59%), Beirut (56%), and the North (56%). Akkar and Beirut have the highest increase during the current round compared to September/October period (up by 7 percent and 5 percent, respectively).” (WFP/WBG, 23. Februar 2021, S. 9)
„An upwards trend in the use of consumption-based coping strategies was observed between the three rounds of data collection. The proportion of households reducing the number of meals consumed each day increased over the three rounds from 29 percent in July-August to 35 percent in November-December. The trend is similar for borrowing food, from 21 percent in July-August to 28 percent in November-December. Reducing the consumption of adults in favour of children –the most severe consumption-based coping strategy –continued to increase, as 48 percent of households reported using it. Consuming less expensive food remains the strategy adopted by most respondents (85percent)(see figure 6). Similar to previous rounds, Akkar (24) recorded the highest reduced Coping Strategy Index (rCSI), followed by Baalbek-El Hermel (21) and the North (20) (Map 5). The average rCSI reported in November-December has not significantly changed compared to previous rounds; yet, a slight increase was observed in El Nabatieh and Mount Lebanon when compared to September-October (figure 7). The analysis highlights that Lebanese households are struggling to ensure the coverage of adequate food needs, while facing the negative impacts of the deterioration in the economy, by resorting to negative coping strategies.” (WFP/WBG, 23. Februar 2021, S. 11)
· WFP – World Food Programme: WFP triples its support to Lebanese families as country faces unprecedented crisis, 26. Mai 2021
https://www.wfp.org/news/wfp-triples-its-support-lebanese-families-country-faces-unprecedented-crisis
„WFP will support an additional 195,000 people, aiming to reach a total of 300,000 people per month through the National Poverty Targeting Programme (NPTP) of the Ministry of Social Affairs which is developing the national social protection framework and strategy. To address inflation and increased food prices in Lebanon, WFP will provide each family with a cash top-up of 200,000 LBP that can be used in shops or at cash machines (ATMs).
‘It gets harder by the day for Lebanese people to put food on the table, so this assistance comes just in time,’ says WFP Representative and Country Director in Lebanon Abdallah Alwardat. ‘Meanwhile, we are monitoring the overall conditions of the families receiving our assistance to make sure they can feed themselves properly and avoid the anguish of not knowing where their next meal is coming from.’
Since 2014, together with the Ministry of Social Affairs, WFP has been the backbone of sustaining the food assistance component of the National Poverty Targeting Programme, reaching more than 105,000 people every month through e-cards which can be used to buy food. This support provides a lifeline for Lebanese families living meal to meal.” (WFP, 26. Mai 2021)