a-5891 (ACC-IRQ-5891)

Nach einer Recherche in unserer Länderdokumentation und im Internet können wir Ihnen zu oben genannter Fragestellung Materialien zur Verfügung stellen, die unter anderem folgende Informationen enthalten:
Überblick über die historische Persönlichkeit Khalid ibn al-Walid
Die Online-Ausgabe der Encyclopædia Britannica beschreibt Khalid ibn al-Walid, (gestorben 642) als einen der beiden Generäle während der islamischen Expansion unter dem Propheten Muhammad und dessen unmittelbaren Nachfolgern Abu Bakr und Umar. Obwohl Khalid im Jahr 625 bei Uhud gegen Muhammad gekämpft habe, sei er später zum Islam konvertiert und Muhammad in der Eroberung von Mekka im Jahr 629 gefolgt. Danach habe er mehrere Eroberungszüge auf der arabischen Halbinsel geleitet. Nach Muhammads Tod habe Khalid einige abtrünnige Provinzen wiedererobert, er sei an der Invasion des Irak und Syriens beteiligt gewesen. Im Jahr 636 habe Khalids Armee im Jarmuk-Tal eine byzantinische Armee vernichtend geschlagen:
“Khalid ibn al-Walid, died 642, byname  Sif, or Sayf, Allah (Arabic: “Sword of God”)   one of the two generals (with 'Amr ibn al-'As) of the enormously successful Islamic expansion under the Prophet Muhammad and his immediate successors, Abu Bakr and 'Umar.
Although he fought against Muhammad at Uhud (625), Khalid was later converted (627/629) and joined Muhammad in the conquest of Mecca in 629; thereafter he commanded a number of conquests and missions in the Arabian Peninsula. After the death of Muhammad, Khalid recaptured a number of provinces that were breaking away from Islam. He was sent northeastward by the caliph Abu Bakr to invade Iraq, where he conquered Al-Hirah. Crossing the desert, he aided in the conquest of Syria; and, though the new caliph, 'Umar, formally relieved him of high command (for unknown reasons), Khalid remained the effective leader of the forces facing the Byzantine armies in Syria and Palestine.
Routing the Byzantine armies, he surrounded Damascus, which surrendered on Sept. 4, 635, and pushed northward. Early in 636 he withdrew south of the Yarmuk River before a powerful Byzantine force that advanced from the north and from the coast of Palestine. The Byzantine armies were composed mainly of Christian Arab, Armenian, and other auxiliaries, however; and when many of these deserted the Byzantines, Khalid, reinforced from Medina and possibly from the Syrian Arab tribes, attacked and destroyed the remaining Byzantine forces along the ravines of the Yarmuk valley (Aug. 20, 636). Almost 50,000 Byzantine troops were slaughtered, which opened the way for many other Islamic conquests.“ (Encyclopædia Britannica online, ohne Datum)
Auch die Online-Ausgaben von Brockhaus und Meyers Lexikon verfügen über Einträge zu Chalid ibn al-Walid, allerdings ist der gesamte Eintrag nur nach Bezahlung zugänglich. Der kostenlos sichtbare Anfang der Einträge lautet:
„Chalid Ibn al-Walid [x-], arabischer Feldherr, * Mekka, † Homs oder Medina 642; zunächst Gegner Mohammeds, schloss sich 629 dem Islam an, leitete die Eroberung Mekkas 630.“ (Brockhaus; Meyers Lexikon, beide ohne Datum)
Benennungsbräuche von Baath-Organisationen
In den ACCORD derzeit zur Verfügung stehenden Quellen konnten im Rahmen der zeitlich begrenzten Recherche keine Informationen zu Benennungsbräuchen von Baath-Organisationen gefunden werden, es konnten auch keine Informationen zur Benennung von Organisationen/Gruppen/Zellen der Baath-Partei nach Khalid bin al-Walid gefunden werden.
 
Im Zuge einer Recherche in arabischer Sprache wurden jedoch 3 Quellen gefunden, die Khalid bin al-Walid als Bezeichnung für verschiedene militärische bzw. staatliche Einrichtungen erwähnen:
 
Ein auf der irakischen Nachrichten-Website veröffentlichter Artikel von Hamid al-Wasiti vom Dezember 2007 erwähnt im Zusammenhang mit der irakischen Militärakademie die Existenz einer Armee-Kompanie, die nach Khaled bin al-Walid benannt ist. (Hamid al-Wasiti, 27. Dezember 2007)
 
In einem im Februar 2006 erschienenen Artikel der irakischen Online-Tageszeitung al-Mada wird im Zusammenhang mit dem Putsch durch Abd as-Sallam Arif am 8. Februar 1963 erwähnt, dass die Putschisten der Baath-Partei damals Schulen zu Verhör- und Haftzentren umgewandelt hätten. In dem Artikel wird als Beispiel eine Schule namens „Khaled bin al-Walid“ in der Stadt Naseriya genannt. (Al-Mada Daily News, 12. Februar 2006)
 
In einem auf geocities.com veröffentlichten Artikel eines als Chefredakteur der schwedischen Zeitschrift „kurdische Studien“ titulierten Mannes namens Dr. Khaled Yunis Khaled über die irakische Baath-Partei wird erwähnt, dass Saddam Hussein die Religion für politische Zwecke instrumentalisiert habe. Als Beispiel werden die Anfal-Operation gegen die Kurden in den Jahren 1987-1988 genannt, bei der ca. 200.000 Kurden getötet worden seien, den Namen Anfal habe Saddam Hussein aus dem Koran entnommen. Weitere Beispiele seien die Benennung kurdischer Söldner-Truppen als „Fursan Salah ad-Din“ [Ritter Saladins] und arabischer Söldner-Truppen als „Fursan Khaled bin al-Walid“ [Ritter von Khaled bin al-Walid, Arbeitsübersetzung aus dem Arabischen durch ACCORD]. Der Artikel stammt vermutlich aus der Zeit zwischen 1999 und 2003. (Khaled, ohne Datum)
 
Die „Ritter Saladins“ werden auch in einem im Jahr 2002 in der Schriftenreihe der österreichischen Landesverteidigungsakademie erschienenen Artikel von Walter Posch erwähnt:
„Scheiche wie Aghas bildeten von Zeit zu Zeit paramilitärische Einheiten, die je nach Stellung zur kurdischen Unabhängigkeit als peschmerga – „[die] vor dem Tode [stehen]“ oder dschasch – „kleine Esel“ (offizieller Titel: Fursan Salahaddin/Ritter Saladins) bezeichnet werden. Nicht wenige Kurden ließen sich von der Regierung als Söldner anwerben. Meistens waren es Arbeitslose, die so ihr Dasein fristeten.“ (Posch, 2002)
Gründungsdatum der Brigaden „Khalid bin al Walid“, Verbindung zwischen Khalid bin Al-Walid Brigaden und Abu Musab al-Zarqawi
BBC News berichtet im Juli 2004 von der Entführung eines philippinischen Diplomaten im Irak. Auf einem auf al-Jazeera ausgestrahlten Video sei zu sehen, wie der Mann von bewaffneten Maskierten umstellt ist, dahinter habe sich ein Transparent befunden, das den Namen der Gruppe als „Iraqi Islamic Army - Khaled bin al-Waleed corps“ ausgewiesen habe. Von dieser Gruppierung sei laut BBC zuvor nichts bekannt gewesen. Laut Bericht von al-Jazeera habe die Gruppe sich zum Mord an einem irakischen Sicherheitsbediensteten bekannt, der den philippinischen Diplomaten begleitet habe:
“The Philippines' top diplomat in Iraq has confirmed that a Filipino national has been taken hostage there. The man was shown surrounded by masked gunmen on a videotape broadcast by Arabic satellite channel al-Jazeera. The video said he would be killed unless Manila withdrew its troops from Iraq within 72 hours  “Al-Jazeera showed a videotape of three gunmen and a man dressed in an orange jumpsuit kneeling in front of them. Behind them was a banner that said the group's name was the Iraqi Islamic Army - the Khaled bin al-Waleed corps. It has not been heard of previously. The channel reported that the group claimed it had already killed an Iraqi security guard accompanying the Filipino, who it said worked for a Saudi Arabian company linked to US forces.” (BBC, 8. Juli 2004)
In einer Aufzählung bewaffneter islamistischer Gruppierungen im Irak vom Juli 2005 erwähnt das Middle East Media Research Institute (MEMRI) die Gruppe Al-Jaysh Al-Islami Al-Iraqi – Fayaliq Khalid Ibn Al-walid (The Iraqi Islamic Army – Khalid ibn Al-Walid Brigades). Die Gruppe habe in einem am 7. Juli 2004 auf al-Jazeera ausgestrahlten Drohvideo verlangt, dass das philippinische Truppenkontingent von 60 Soldaten aus dem Irak abgezogen werde. Die Philippinen hätten damals vor den Drohungen der Gruppe kapituliert und die Geisel sei freigelassen worden. Mitte Juli 2004 habe die Gruppe eine „Warnung an das italienische Volk“ veröffentlicht und den Abzug der italienischen Truppen aus dem Irak gefordert:
“Al-Jaysh Al-Islami Al-Iraqi – Fayaliq Khalid Ibn Al-walid (The Iraqi Islamic Army – Khalid ibn Al-Walid Brigades): The organization threatened to execute a Filipino hostage unless the Philippines withdrew its small contingent of about 60 soldiers from Iraq. The Philippines capitulated to the threat, and the individual in question was released. The video was shown on Al-Jazeera TV on July 7, 2004. In mid-July 2004, the group issued "a warning to the Italian people" demanding the withdrawal of the Italian military from Iraq or face "fleets of car bombs." (MEMRI, 1. Juli 2005)
Auf der von Evan Kohlmann, einem US-amerikanischen Berater für Terrorfragen, betriebenen Anti-Terror-Website globalterroralert.com finden sich drei Verlautbarungen, die angeblich von irakischen Terrorgruppen stammen. Die Veröffentlichungen enthalten einen Hinweis, wonach die Originaldokumente dieser Verlautbarungen den (vermutlich amerikanischen) Militär- und Sicherheitsbehörden zugänglich seien.
 
Die erste Verlautbarung vom 16. Juli 2004 enthält eine Drohung an die italienische Regierung und ist unterzeichnet von „Brigade of Khalid Bin Al-Walid Al-Qaida network“:
“TO: ITALIAN government
FROM: KHALID BIN ALWALID GROUB”
“To: the crusader Italian government and especially to ((Berlusconi)) From: The Brigade of Khalid bin al-Walid (Al-Qaida network) We direct this special message to the Italian government and nation from the military brigade of Khalid bin al-Walid, belonging to the Al-Qaida network. Our messengers have sent previous messages, but the Italian government did not understand them, that we in the Brigade of Khalid bin al-Walid only follow the language of blood and jihad… O’ people of Italy, your government has continued participating in the war in Iraq and sent troops and weapons to our country. We warn you for the final time to make your government withdraw from Iraq peacefully, but [if you do not acknowledge this], numerous car bombings will be the solution… ”
The Brigade of Khalid Bin Al-Walid Al-Qaida network” (Communiqué #1 from the Brigade of Khalid bin al-Walid (Al-Qaida), 16. Juli 2004)
Die zweite auf globalterroralert.com veröffentlichte Verlautbarung stammt vom 18. Juli 2004 und ist mit „Brigade of Khalid bin al-Walid - Military Wing of Al-Tawheed wal-Jihad Movement“ unterzeichnet. Sie enthält Drohungen gegen die irakische Regierung und deren Verbündete. Explizit wird Abu Musab al-Zarqawi als Kommandant der Bewegung “Tawheed wal-Jihad“ genannt:
“This is a message from the Brigade of Khalid Bin Al-Walid, belonging to the Tawheed wal-Jihad Movement and its commander Shaykh Abu Musab al-Zarqawi, directed to the stooge of the Americans who is known as Iyad Allawi, and to the other traitors, their assistants, to their leader Ghazi Al-Yawer, and to the whole evil gang. “The message may be short, but its meaning is very profound… a solemn promise from the Brigade of Khalid bin al-Walid to the Americans and Governing Council that the lines of car bombs will not stop, God-willing, until the Americans and the tyrants step down from power and leave Iraq… the lions of Islam are coming [to Iraq] to wipe off the dust of humiliation and disgrace throughout the region… Those of us in the Tawheed Movement swore to Allah to kill you, your leaders, and your gang [for] Shaykh Abu Musab al-Zarqawi, and we declare on behalf of the Brigade of Khalid bin al-Walid to the nation of Iraq a bounty of 200,000 Jordanian dinars in exchange for the head of Allawi.
The Brigade of Khalid bin al-Walid Military Wing of Al-Tawheed wal-Jihad Movement” (Communiqué from Brigade of Khalid bin al-Walid (Al-Tawheed wal-Jihad Movement) in Iraq, 18. Juli 2004)
Die dritte Verlautbarung stammt vom 20. Juli 2004 und ist mit “The Media Department of Al-Tawheed wal-Jihad Movement” unterzeichnet. Darin wird erklärt, dass man mit Erstaunen die Verlautbarung, die der „Brigade Khalid bin al-Walid“ zugeschrieben wird, vernommen habe, wonach diese ein Teil der Bewegung „Al-Tawhid wal-Jihad“ sei. Diese Information sei falsch, lediglich Informationen, die von Abu Maysarah al-Iraqi über die Gruppe „Al-Tawhid wal-Jihad“ verbreitet würden, seien authentisch:
“...To correct the mistake, we would like to clarify to the Muslims in general, and especially the mujahideen that we are surprised and astonished by the erroneous statement recently attributed to ‘the Brigade of Khalid bin al-Walid’ that says it is part of Al-Tawhid wal-Jihad movement in Iraq. We ask the brothers everywhere to discover the truth and not to believe this false information. All of our statements are spread by means of the brother Abu Maysarah al-Iraqi, thus, we direct the attention of the brothers to pay attention to what he publishes about our group…”
The Media Department of Al-Tawheed wal-Jihad Movement” (Communiqué from Al-Tawheed wal-Jihad Movement (Abu Musab al-Zarqawi) in Iraq, 20. Juli 2004)
In der oben erwähnten Aufzählung bewaffneter islamistischer Gruppierungen im Irak vom Juli 2005 erwähnt das Middle East Media Research Institute (MEMRI) neben der Gruppe “Al-Jaysh Al-Islami Al-Iraqi – Fayaliq Khalid Ibn Al-walid (The Iraqi Islamic Army – Khalid ibn Al-Walid Brigades)” gesondert die Gruppe “Qa'idat Al-Jihad Fi Bilad Al-Rafidain (Al-Qa'ida for Jihad in the Land of the Two Rivers)”. Diese Terrororganisation werde von Abu Mus'ab Al-Zarqawi geführt, die Gruppe sei früher als „Monotheism and Jihad [Al-Tawheed wal-Jihad]“ bekannt gewesen:
 “Qa'idat Al-Jihad Fi Bilad Al-Rafidain (Al-Qa'ida for Jihad in the Land of the Two Rivers): The key terrorist organization headed by Abu Mus'ab Al-Zarqawi, born as Ahmad Fadhil Al-Khalaila in Al-Zarqaa, Jordan. Previously known as Monotheism and Jihad [Al-Tawheed wal-Jihad].”
In einer Analyse über den terroristischen Werdegang von Abu Mus'ab Al-Zarqawi wird erwähnt, dass er spätestens Ende 2002 im Irak gewesen sei und bei der Terrorgruppe „Ansar Al-Islam“ im Nordirak Zuflucht gefunden habe. Nach der Besetzung des Irak im April 2003 habe Zarqawi höchstwahrscheinlich die “Ansar Al-Islam“ verlassen und habe seine eigene Organisation gegründet, die er „Al-Tawheed wal Jihad“ genannt habe:
“Zarqawi in Iraq: Al-Tawheed wal Jihad (Monotheism and Jihad)
It is not known when or by what means Al-Zarqawi entered Iraq. Accounts of Al-Zarqawi's movements suggest that after the fall of the Taliban, Al-Zarqawi went to Iran and it was from Iran that he entered northern Iraq. Former Iraqi interim prime minister Ayad Allawi speculated that Al-Zarqawi may have "infiltrated" into Iraq in 1999. [11] If he was indeed in Iraq in 1999, it would have been between his release from prison in Jordan and his departure to Pakistan.
King Abdallah of Jordan told the press that in 2002, Jordan had asked Iraq to extradite Al-Zarqawi following the murder of the U.S. diplomat Lawrence Foley, but the Saddam regime had ignored the request. Most agree that Al-Zarqawi was definitely in Iraq at the end of 2002, and that he was given shelter by the terrorist group Ansar Al-Islam(see below) which operated from northern Iraq. At some point, most likely after the occupation of Iraq in April 2003, he split from Ansar Al-Islam and created his own organization, which he called Al-Tawheed wal Jihad ("Monotheism and Jihad"), an Islamist organization devoted to the destruction of the apostate regimes in Islamic countries and the creation of Islamist forms of government founded on strict adherence to the rules of the Shari'a. This organization first came to world attention when U.S. citizen Nicholas Berg was beheaded in April 2004, under the banner of Al-Tawheed wal Jihad, allegedly by Al-Zarqawi himself, and the event was videotaped and posted on Islamist websites.” (MEMRI, 1. Juli 2005)
Bitte beachten Sie auch die Informationen in unserer Anfragebeantwortung a-5815-2 vom 20. Dezember 2007.
 
Diese Informationen beruhen auf einer zeitlich begrenzten Recherche in öffentlich zugänglichen Dokumenten, die ACCORD derzeit zur Verfügung stehen. Diese Antwort stellt keine Meinung zum Inhalt eines bestimmten Ansuchens um Asyl oder anderen internationalen Schutz dar. Wir empfehlen, die verwendeten Materialien zur Gänze durchzusehen.
Quellen:
Überblick über die historische Persönlichkeit Khalid ibn al-Walid
Benennungsbräuchen von Baath-Organisationen
Gründungsdatum der Brigaden „Khalid bin al Walid“