Document #1048750
Amnesty International (Author)
Amtliche Bezeichnung: Republik Kuba
Staats- und Regierungschef: Raúl Castro Ruz
Todesstrafe: nicht abgeschafft
Einwohner: 11,3 Mio.
Lebenserwartung: 79,1 Jahre
Kindersterblichkeit: 5,8 pro 1000 Lebendgeburten
Alphabetisierungsrate: 99,8%
Die letzten elf gewaltlosen politischen Gefangenen, die Opfer der Verhaftungswelle gegen Regimekritiker im März 2003 waren, kamen im März 2011 zusammen mit 62 weiteren politischen Gefangenen frei. Doch die staatliche Repression dauerte auch im Berichtsjahr an und führte zu Hunderten von Festnahmen und kurzfristigen Inhaftierungen. Journalisten und politische Dissidenten waren Schikanen und Einschüchterungsversuchen durch Angehörige der Sicherheitskräfte und Anhänger der Regierungspartei ausgesetzt, die mit stillschweigendem Einverständnis der Regierung agierten.
Ganz im Gegensatz zur medienwirksam dargestellten Freilassung mehrerer prominenter Dissidenten unterdrückten die kubanischen Behörden auch 2011 weiter die Rechte auf Meinungs-, Vereinigungs- und Versammlungsfreiheit. Hunderte von Dissidenten und Aktivisten der Demokratiebewegung wurden schikaniert, eingeschüchtert und willkürlich inhaftiert.
Im April verabschiedete die Kommunistische Partei Kubas auf ihrem ersten Parteitag seit 1997 ein Paket von über 300 Wirtschaftsreformen, die sukzessive eingeführt werden sollen. Es wurden dagegen weder Resolutionen verabschiedet, die den Kubanern mehr bürgerliche und politische Rechte einräumen, noch Gesetzesreformen zur Erweiterung der politischen Freiheit auf der Insel. Die kubanische Regierung führte im Laufe des Berichtsjahres einige zaghafte Wirtschaftsreformen ein. So erlaubte sie den Verkauf privater Autos und Häuser und ließ auch einige Erwerbsmöglichkeiten zu, die nicht unter ihrer direkten Kontrolle stehen.
Die Rechte auf freie Meinungsäußerung sowie auf Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit von Dissidenten, Journalisten und Menschenrechtsverteidigern wurden von den Behörden nach wie vor stark eingeschränkt. Viele Menschen aus diesem Personenkreis wurden willkürlich unter Hausarrest gestellt bzw. von den Behörden oder Anhängern der Regierung in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt und an der Durchführung ihrer legitimen friedlichen Aktivitäten gehindert. Alle Medien standen weiter unter der Kontrolle der Regierung.
Unterdrückung abweichender Meinungen
Im Februar 2011 nahmen die Behörden an einem einzigen Tag mehr als 100 Personen in Haft und stellten 50 weitere unter Hausarrest - ein Präventivschlag gegen engagierte Bürger, die an den Tod des Dissidenten Orlando Zapata Tamayo erinnern wollten. Zapato war im Februar 2010 nach über 80 Tagen im Hungerstreik im Gefängnis gestorben.
Im März 2011 ließen die kubanischen Behörden die letzten elf gewaltlosen politischen Gefangenen frei, die bei der Verhaftungswelle gegen Regimekritiker im März 2003 festgenommen worden waren. Auch andere politische Gefangene kamen auf freien Fuß, von denen einige bereits seit den 1990er Jahren einsaßen. Die Freilassung der letzten 52 gewaltlosen politischen Gefangenen hatte im Juli 2010 nach einer Vereinbarung mit der spanischen Regierung und einem Dialog mit der katholischen Kirche begonnen. Die meisten ehemaligen Gefangenen und ihre Angehörigen wurden gezwungen ins Exil zu gehen, nur wenige durften in Kuba bleiben.
Willkürliche Inhaftierungen
Auch 2011 führten die Behörden willkürliche Inhaftierungen durch, um Kritiker der Regierung zum Schweigen zu bringen.
Die "Damen in Weiß" (Damas de Blanco), eine Gruppe von Angehörigen der gewaltlosen politischen Gefangenen, die im Zuge der Verhaftungswelle von 2003 festgenommen worden waren, mussten bei ihren Protestaktionen in verschiedenen kubanischen Städten immer mit willkürlichen Festnahmen und tätlichen Angriffen rechnen. Im August 2011 wurden in der Stadt Santiago de Cuba fünf "Damen in Weiß" bereits auf dem Weg zur Kathedrale verhaftet, wo sie ihren Protestmarsch beginnen wollten. Wenige Tage später wurden 19 Mitglieder der Gruppe erneut in Haft genommen und 49 "Damen in Weiß" sowie Mitglieder der Unterstützergruppe Damas de Apoyo daran gehindert, im Zentrum von Havanna eine Solidaritätskundgebung für ihre Mitstreiterinnen in Santiago de Cuba und in anderen Provinzen im Osten der Insel durchzuführen. Wiederholt berichteten die "Damen in Weiß", dass sie bei ihren gewaltfreien Protestmärschen von Regierungsanhängern verbal und körperlich attackiert worden seien. Im Oktober wurden 26 Mitglieder der Gruppe von den Behörden vorübergehend in Haft genommen, um ihre Teilnahme an einem Treffen unmittelbar nach dem Tod ihrer Sprecherin Laura Pollán zu verhindern. Im Juli wurden in Palma Soriano in der Provinz Santiago de Cuba vor einem Protestmarsch der "Damen in Weiß", der vor der Kirche Nuestra Señora del Rosario beginnen sollte, mehr als 20 Mitglieder der Unterstützergruppe festgenommen. Weitere Dissidenten wurden auf dem Weg zur Kirche in Gewahrsam genommen, damit sie nicht an dem friedlichen Marsch teilnehmen konnten.
Im Januar 2011 gab die US-Regierung eine geringfügige Lockerung des Embargos bekannt. So wurden Reisen nach Kuba für Studierende, Künstler, Kirchengruppen und Journalisten erleichtert. Im Oktober verabschiedete die UN-Generalversammlung zum zwanzigsten Mal eine Resolution, mit der die USA dazu aufgefordert wurden, das seit 1962 bestehende Wirtschafts- und Handelsembargo gegen Kuba aufzuheben.
In Kuba tätige UN-Organisationen wie WHO, UNICEF und UNFPA berichteten auch 2011 von den negativen Auswirkungen des US-Embargos auf die Gesundheit der kubanischen Bevölkerung, vor allem der Menschen aus benachteiligten Gruppen. Der Zugang zu bestimmten Bedarfsgütern, Geräten, Medikamenten und Labormaterialien war stark eingeschränkt. Es galten nach wie vor Importbeschränkungen für Waren US-amerikanischer Unternehmen oder ihrer Tochtergesellschaften und für nach US-Patenten gefertigte Erzeugnisse.
Seit 1990 verweigern die kubanischen Behörden Vertretern von Amnesty International die Einreise.
© Amnesty International
Amnesty International Report 2012 - The State of the World's Human Rights (Periodical Report, English)