Anfragebeantwortung zu Nigeria: Informationen zur allgemeinen Versorgungs- und Gefährdungslage insbesondere für männliche Minderjährige; Besonderheiten im Raum Lagos; Möglichkeiten für eine Kinderbetreuung außerhalb des familiären Rahmens; Zugang zu Bildung und Kosten [a-10958]

19. April 2019

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Informationen zur allgemeinen Versorgungs- und Gefährdungslage insbesondere für männliche Minderjährige; Besonderheiten im Raum Lagos

Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (United Nations Children's Fund, UNICEF) schreibt in einem im Juni 2018 veröffentlichten Finanzbericht zur Bewertung des Schutzes von Kinder (erstellt durch das Ministerium für das Budget und Nationale Planung und das Bundesministerium für die Angelegenheiten von Frauen und Soziale Entwicklung in enger Zusammenarbeit mit UNICEF), dass über 50 Prozent der Kinder bei ihrer Geburt nicht registriert würden. Deshalb könnte über die Hälfte der Kinder in Nigeria folgenden Risiken ausgesetzt sein: kein Schulbesuch ab dem vorgesehenen Alter, kein Zugang zu Gesundheits- und Impfdiensten, Zwangsehe, kein spezieller rechtlicher Schutz, keine angemessene Gesundheitsversorgung, keine Sicherstellung des Rechts auf Staatsbürgerschaft, kein Recht auf einen Reisepass, keine Identifizierung im Falle von Menschenhandel, kein Wahlrecht, Schwierigkeiten bei der Eröffnung eines Bankkontos oder bei der Arbeitssuche und kein Zugang zur Durchsetzung der Gesetze hinsichtlich des Mindestalters für Arbeit. Im Bundesstaat Lagos sei die höchste Rate der Geburtenregistrierung für die in der Studie untersuchten Bundesstaaten (Lagos, Gombe, Plateau, Cross River) verzeichnet worden (82,3%). Die Geburtenregistrierung in Lagos liege beträchtlich höher als der nationale Durchschnitt, der 46,9 Prozent betrage:

„More than 50% of children in Nigeria are not registered at birth […]. This implies that more than half of Nigeria's child population could be exposed to the following risks:

Not being enrolled in school at the appropriate age;

Not having access to health care services and immunization;

Being forced into marriage before they are legally eligible, without proof of age;

Not being given special protection when in conflict with the law, and not treated (legally and practically) as adults:

Not being given adequate health care;

Not securing the right to nationality, at the time of birth or at a later stage;

Not having the right to a passport;

Not being identified if they are trafficked, and not being eventually repatriated and reunited with family members;

Not having the right to vote;

Difficulty opening a bank account or finding employment; and

Not having access to the enforcement of laws relating to the minimum age of employment, facilitating efforts to prevent exploitative child labour.

Lagos State has the highest percentage of birth registration (82.3%) for the States included in the FBCP [Financial Benchmark for Child Protection] Study. Lagos birth registration is considerably higher than the national average (46.9%). Amongst FBCP States, Gombe has the lowest percentage of birth registration (29.6%) which means that 70% of children in Gombe are not registered at birth.” (UNICEF, Juni 2018, S. 8-9)

Fünfzig Prozent der nigerianischen Kinder zwischen fünf und 17 Jahren seien von Kinderarbeit betroffen und 40 Prozent hätten unter gefährlichen Bedingungen gearbeitet, so der Bericht weiters. Der Bundesstaat Cross River habe von den untersuchten Bundesstaaten mit 64,4 Prozent die höchste Rate und Lagos mit 16,9 Prozent die niedrigste Rate von Kinderarbeit verzeichnet:

„Fifty percent of Nigerian children aged 5-17 years were involved in child labour and 40% worked under hazardous conditions […]

Cross River has the highest rate of total child labour of the four FBCP states (64.4%), followed closely by Gombe (62.3%) while Lagos has the lowest rate at 16.9%.“ (UNICEF, Juni 2018, S. 9)

Fast 19 Prozent der Kinder würden vor dem Alter von 15 Jahren heiraten. 27,1 Prozent der Frauen zwischen 15 und 49 Jahren hätten in Gombe unter 15 Jahren geheiratet. In Lagos liege der Prozentsatz diesbezüglich bei 3,5 Prozent:

„Almost 19% of Nigerian children marry before the age of 15. The MICS [Multiple Index Cluster Survey] 2016-2017 Survey recorded that 27.1% of women age 15-49 years in Gombe were married before age 15, which is above the national average of 18.5%. The other three States surveyed for the FBCP exercise, recorded lower percentages, with Lagos at 3.5%, Cross River at 7.6% and Plateau at 12.1%.“ (UNICEF, Juni 2018, S. 11)

Dreißig Prozent der Kinder seien im Monat vor der Durchführung einer Umfrage vom Oktober 2017 (Multiple Index Cluster Survey, MICS) schwer körperlich bestraft worden. Die höchste Rate der schweren körperlichen Bestrafung der vier untersuchten Bundesstaaten sei mit 39 Prozent in Gombe aufgetreten. Lagos liege bei 26 Prozent. Früher durchgeführte Studien würden ebenfalls auf eine hohe Rate von Gewalt gegen Kinder hinweisen. Die Studie zu Gewalt gegen Kinder aus dem Jahr 2014, die von der Nationalen Bevölkerungskommission gemeinsam mit UNICEF und dem United States Centre for Disease Control durchgeführt worden sei, habe aufgezeigt, dass sechs von zehn Kindern Formen von körperlicher, sexueller oder emotionaler Gewalt vor einem Alter von 18 Jahren ausgesetzt seien. Über 70 Prozent aus dieser Gruppe seien wiederholt von Gewalt betroffen. Die Täter seien meist Personen, die das Kind kenne und die Gewalt werde oftmals zuhause ausgeübt, in der Wohnung des Nachbarn, in der Schule oder am Weg zur oder von der Schule. Der überwiegende Teil der Kinder würde aufgrund von Angt, Scham, Stigma und weil sie nicht wüssten, wo sie Hilfe suchen könnten, nie darüber sprechen. Weniger als fünf Prozent der Kinder, die Opfer von Gewalt würden, würden die Hilfe erhalten, die sie für eine Genesung brauchen würden:

„Thirty percent of Nigerian children were severely punished during the month preceding the MICS 2016-2017 Survey. The highest rate of severe physical punishment for the four FBCP states was found in Gombe (39%), followed by Plateau (33%); Cross River (29%) and Lagos (26%). Both Gombe and Plateau were above the national average. […]

Earlier studies also point to a high rate of violence against children. The Nigeria Violence Against Children Survey (2014) conducted by the National Population Commission in collaboration with UNICEF and the United States Centre for Disease Control, shows that six out of ten children in the country are subjected to one or more forms of physical, sexual or emotional violence before they reach age 18. More than 70% of this group experience repeated violence. One out of two suffer physical violence, such as punching, kicking, whipping, burning, choking, trying to drown, threatening or hitting with a weapon. One in four girls and one in ten boys experience sexual violence and one in five boys and one in six girls suffer emotional violence. Mostly, the perpetrators are someone the child knows, and the violence often takes place in their homes, in a neighbour's home, at school, or travelling to and from school: places where a child should be safe. The vast majority of children never speak out, silenced by fear, shame, stigma and a lack of knowledge of where to seek help. Fewer than 5% of children who are victims of violence ever get the help that they need to recover.“ (UNICEF, Juni 2018, S. 12)

Der Prozentsatz der Kinder, die mit keinem der beiden biologischen Elternteile leben würden, stelle eine stellvertretende Maßeinheit für „Kinder ohne angemessene Versorgung durch die Famile“ dar. Insgesamt 7,5 Prozent der Kinder würden nicht mit beiden Elternteilen leben. In Lagos liege der Prozentsatz nahe dem nationalen Durchschnitt:

„The percentage of children living with neither biological parent is a proxy measure for ‚children without adequate family care‘, one of the harm categories of the FBCP matrix. Altogether 7.5% of Nigerian children do not live with either parent. Lagos and Plateau are close to the national average, with Cross River considerably higher (11.9%).“ (UNICEF, Juni 2018, S. 13)

UNICEF führe auf seiner Website an, dass der Menschenhandel von Kindern zum Zweck von häuslichen Diensten, Prostitution und anderen Formen ausbeuterischer Arbeit in Nigeria ein weit verbreitetes Phänomen sei. Kinder und Frauen würden mit Versprechen auf gutbezahlte Arbeit in städtischen Zentren oder im Ausland rekrutiert und zu spät erkennen, dass sie in ein Schuldverhältnis gelockt worden seien. Gewalt, Nötigung und Täuschung würden angewendet, um die Opfer ihren Familien wegzunehmen. Nigeria sei ein Quellen-, Transit- und Zielland für Frauen und Kinder, die von Menschenhandel betroffen seien. Es gebe gegenwärtig keine verlässlichen Schätzungen zur Anzahl der Kinder, die intern und extern von Menschenhandel betroffen seien, hauptsächlich aufgrund der illegalen Natur des Phänomens:

„UNICEF reports further that the trafficking of children for the purpose of domestic service, prostitution and other forms of exploitative labour is a widespread phenomenon in Nigeria. Children and women are recruited with promises of well-paid jobs in urban centres within the country or abroad, realising too late that they have been lured into a debt bond. Violence, coercion and deception are used to take victims away from their families. Nigeria is a source, transit and destination country for trafficked women and children. There is, as yet, no reliable estimate of the number of children trafficked internally and externally, primarily because of the clandestine nature of the phenomenon. The causes of children and women trafficking are numerous. They include poverty, desperation to escape violence, corruption, unemployment, illiteracy and ignorance, as well as inadequate government mechanisms to combat trafficking and catch and punish traffickers.“ (UNICEF, Juni 2018, S. 13)

Das US-Außenministerium (US Department of State, USDOS) erwähnt in seinem Jahresbericht zur Menschenrechtslage vom März 2019 (Berichtszeitraum 2018), dass die Misshandlung von Kindern landesweit weiterhin weit verbreitet sei. Die Regierung habe jedoch keine ernsthaften Maßnahmen ergriffen, um dies zu bekämpfen. Laut einer im Jahr 2015 veröffentlichten Studie zu Gewalt gegen Kinder in Nigeria hätten etwa sechs von 10 Kindern unter einem Alter von 18 Jahren in ihrer Kindheit Formen von körperlicher, emotionaler oder sexueller Gewalt erfahren. Eines von zwei Kindern habe körperliche Gewalt, eines von vier Mädchen und einer von zehn Jungen sexuelle Gewalt und eines von sechs Mädchen und einer von fünf Jungen emotionale Gewalt erfahren. 2010 habe das Ministerkomitee zur Madrassa-Bildung berichtet, dass 9,5 Millionen Kinder als „Almajiri“ gearbeitet hätten. Dabei handle es sich um arme Kinder aus ländlichen Gebieten, die von ihren Eltern in städtische Gebiete geschickt würden. Anstelle Bildung zu erhalten, seien viele Almajiri gezwungen worden, manuelle Arbeit zu verrichten oder für ihren Lehrer betteln zu gehen. Die religiösen Lehrer würden die Kinder oftmals nicht mit ausreichend Unterkunft und Nahrung versorgen und viele der Kinder seien faktisch obdachlos geworden. In einigen Bundesstaaten seien Kinder, die der Hexerei beschuldigt worden seien, getötet oder unter anderem entführt und gefoltert worden:

„Child Abuse: Child abuse remained common throughout the country, but the government took no significant measures to combat it. Findings from the Nigeria Violence Against Children Survey released in 2015 revealed approximately six of every 10 children younger than age 18 experienced some form of physical, emotional, or sexual violence during childhood. One in two children experienced physical violence, one in four girls and one in 10 boys experienced sexual violence, and one in six girls and one in five boys experienced emotional violence. In 2010 the Ministerial Committee on Madrasah Education reported 9.5 million children worked as ‚almajiri,‘ poor children from rural homes sent to urban areas by their parents ostensibly to study and live with Islamic teachers. Instead of receiving an education, many ‚almajiri‘ were forced to work manual jobs or beg for alms that were given to their teacher. The religious leaders often did not provide these children with sufficient shelter or food, and many of the children effectively became homeless. In some states children accused of witchcraft were killed or suffered abuse, such as kidnapping and torture.“ (USDOS, 13. März 2019, Section 6)

Weitere Informationen zur Lage von Kindern entnehmen Sie bitte den oben zitierten USDOS-Bericht:

Relevante Informationen zur allgemeinen Versorgungslage entnehmen Sie bitte auch folgenden Berichten:

Detaillierte Informationen zu Ernährung und Gesundheit von Kindern entnehmen Sie bitte folgendem Bericht:

Es konnten keine weiteren Informationen speziell zur Lage im Raum Lagos gefunden werden.

Möglichkeiten für eine Kinderbetreuung außerhalb des familiären Rahmens

Im November 2016 veröffentlichen die SOS-Kinderdörfern (SOS Children’s Villages International) einen Bericht der Autoren Graham Connelly und Saater Ikpaahindi. Dieser wurde im Auftrag der Generaldirektion für Internationale Zusammenarbeit und Entwicklung der Europäischen Kommission (European Commission Directorate-General for International Cooperation and Development, DG DEVCO) erstellt. Der Bericht bezieht sich auf eine UNICEF-Studie aus dem Jahr 2015 zum alternativen Fürsorgesystem in Nigeria des Autors F. Abraham, die ergeben habe, dass „informelle Fürsorge durch Verwandte“ die am weitetsten verbreitete Form der Fürsorge sei. Diese werde nach traditionellen Praktiken arrangiert, wobei Kinder im weiteren Familienkreis integriert würden. Die Studie erwähne zudem die Existenz von informeller Pflegefürsorge, bei der ein Kind einem Freund oder einer Freundin der Familie übergeben werde. Die Nationale Menschenrechtskomission habe gegenüber den Autoren des Berichts vom November 2016 angegeben, dass sie viele Beschwerden die informelle Pflegefürsorge betreffend erhalten habe. Diese Beschwerden würden sich auf die Ausbeutung von Kindern beziehen, die unter dem Deckmantel von Fürsorge und Bildung Arbeit verichten müssten.

Einige Interviewpartner hätten zudem angeführt, dass in einigen Gemeinschaften das Problem bestehe, dass Kinder von den erweiterten Familien zurückgewiesen würden. Körperliche und sexuelle Misshandlung von Kindern, die zu Familien in den Städten geschickt worden seien, sei ebenfalls ein wachsendes Problem.

Formelle Fürsorge beinhalte Pflegeheime, Pflegeunterbringung und Adoption. Pflegeheime seien die am weitesten verbreutete Art formeller alternativer Fürsorge in Nigeria. Die Studie aus dem Jahr 2015, bei der 30 Pflegeheime untersucht worden seien, habe in vielen Einrichtungen „extreme Überbelegung“ festgestellt.

Die Studie von 2015 habe große Unterschiede sowohl hinsichtlich der Kapazität (acht bis 500) als auch der Anzahl der untergebrachten Kinder (keine bis 732) ergeben. Der Großteil der Pflegeheime würde von Wohltätigkeitsorganisationen verwaltet, darunter religiöse Organisationen, oder von unabhängigen Eigentümern. Sehr wenige würden direkt von der Regierung verwaltet, obwohl Regierungsbehörden zu den Ressourcen beitragen würden:

„The Abraham study found that ‘informal kinship care’ was the most common form of care, ‘arranged according to traditional practices, where children are integrated into extended family circles...usually provided by a direct family relation’. The report also notes the existence of ‘informal foster care’ where the child is placed with a family friend. […] The National Human Rights Commission told us that they have received many complaints which relate to informal child care. […] These complaints relate to the exploitation of children who are put to work in the guise of being provided with care and education.“ (Connelly; Ikpaahindi, November 2016, S. 34)

„Some of our informants told us that rejection of children by extended families is a problem in some communities. Physical and sexual abuse of children sent to live with families in the cities is also said to be a growing problem.“ (Connelly; Ikpaahindi, November 2016, S. 30-31)

„Formal care includes residential care facilities, foster care and adoption. Abraham (2015) states that residential care is the most common form of formal alternative care in Nigeria. The report did not quantify care placements, but noted that in the research sample of 30 residential homes there was ‘extreme overcrowding’ in many.“ (Connelly; Ikpaahindi, November 2016, S. 35)

 „The Abraham study found wide variation in both capacity and actual number of children accommodated: the former ranging from as few as eight to as many as 500; and the latter ranging from no current residents to 732. Most residential facilities are managed by charities, including religious organisations, or by independent owners. Very few are managed directly by government, though government agencies may contribute to resourcing.“ (Connelly; Ikpaahindi, November 2016, S. 35-36)

Die Abteilung zur Entwicklung von Kindern des Bundesministeriums für die Angelegenheiten von Frauen und gesellschaftliche Entwicklung habe im Jahr 2007 unter mithilfe von UNICEF eine Studie zu Waisenhäusern und anderen Einrichtungen zur Fürsorge von Kindern durchgeführt, so der Bericht vom November 2016 weiters. Die Studie habe nur Einrichtungen untersucht, die von den Regierungen der Bundesstaaten anerkannt oder registriert worden seien. Von den 142 Waisenhäusern in der Studie seien drei anerkannt gewesen, jedoch nicht registriert. Im Vorwort der Studie hätten die Autoren angegeben, dass 55 Einrichtungen in einer zwei Jahre zuvor durchgeführten Studie nicht enthalten gewesen seien und dass etwa ein halbes Dutzend Einrichtungen nicht mehr tätig seien. Dies sei ein Hinweis auf die Fluidität der Lage:

„The Child Development Department of the Federal Ministry of Women’s Affairs and Social Development, with assistance from UNICEF, conducted a study in 2007 of ‘orphanages and other child care institutions’, to compile a list of institutions and map their geopolitical locations, and to determine such details as numbers of children, registration, basic infrastructure, and policies on adoption and fostering. The survey included only institutions ‘recognised’ or ‘registered’ by State governments. Of the 142 orphanages included in the survey, three were recognised, rather than registered. In the preamble, the authors note that 55 institutions had been included that had not featured in a previous survey two years earlier and ‘about half a dozen’ were no longer operating, and that this is an indication of the fluidity of the situation.“ (Connelly; Ikpaahindi, November 2016, S. 36)

Fast die Hälfte der Waisenhäuser befände sich in Privatbesitz, ein Viertel würde von Behörden der Bundesstaaten betrieben, fast ein Viertel von Glaubenseinrichtungen und vier Prozent von NGOs. Die Autoren des Berichts vom November 2016 seien angesichts der Bedeutung von NGOs in Nigeria von diesem geringen Prozentsatz überrascht gewesen:

„Almost half [oft he orphanages] were in private ownership, a quarter were run by State government agencies, almost a quarter by faith-based organisations, and 4% by NGOs (a low percentage which surprised the authors, given the prominence of NGOs in Nigeria overall).“ (Connelly; Ikpaahindi, November 2016, S. 36)

Vorschriften für formelle Pflegefürsorge durch Nicht-Verwandte und Adoption seien in Nigeria noch nicht weitverbreitet. In allen südlichen Bundesstaaten gebe es Adoptionsgesetze. Das Scharia-Recht sehe keine Adoption vor. In einem kürzlich erschienenen wissenschaftlichen Bericht sei angemerkt worden, dass die Praxis der Adoption in Nigeria zunehme. Die öffentliche Wahrnehmung habe sich aufgrund von Medienberichten, persönlicher Aussagen, Sozialforschung und anderer Quellen verbessert:

„Provisions for formal non-relative foster care and adoption are not yet commonplace in Nigeria. […] All southern States have adoption laws in place; Sharia law does not provide for adoption. A recent academic paper says that: ‘the practice of child adoption [in Nigeria] is growing with improved public awareness through media, personal testimony, social research and other sources’.“ (Connelly; Ikpaahindi, November 2016, S. 37)

Nur eine Organisation in einem Bundesstaat habe im Rahmen der Studie von 2015 über eine erfolgreiche Aufnahme von Kindern in Pflegefürsorge berichtet bzw. geantwortet. Scheinbar seien in keinem anderen Bundesstaat Aufzeichnugen zur Unterbringung in Pflegefürsorge geführt worden:

„The SOS study found only one organisation (in one State) responding to their survey reporting successful placement of children in foster care. None of the other States apparently had records of foster placements.“ (Connelly; Ikpaahindi, November 2016, S. 38)

Der gesamte oben zitierte Bericht enthält zudem weitere detaillierte Informationen zu alternativer Fürsorge in Nigeria:

Im Folgenden finden Sie Abschnitte des Berichts von Connelly und Ikpaahindi vom November 2016, die sich auf Lagos beziehen.

Den Autoren des Berichts hätten von Kindern erfahren, die auf den Straßen von Lagos aufgegriffen, von Organisationen gerettet und zu ihren Familien (die Unterstützung erhalten hätten) gebracht worden seien, aber wieder auf der Straße gelandet seien. Den Autoren sei über deratige Fälle berichtet worden, die sich in dieser Abfolge mehrmals wiederholt hätten:

„Family circumstances can change quickly. For example, we were told of examples of children found on the streets of Lagos who had been rescued by agencies and reunited with their birth families who were provided with support, only for the children to make their way back to the streets. We were told of examples of children who had been rescued and reunited with their families in this way on several successive occasions.“ (Connelly; Ikpaahindi, November 2016, S. 29)

Den Autoren des Berichts vom November 2016 sei zudem der Fall einer 12-Jährigen, die zwischen zwei und drei Tage auf einer Polizeistation (jedoch nicht in einer Zelle) in Lagos festgehalten worden sei. Ein Anwalt habe die Polizeistation besucht und habe darauf bestanden, dass das Kind zu einer der zwei Spezialeinheiten für die Wohlfahrt von Kindern der Polizei von Lagos gebracht werde. Der Anwalt habe angegeben, dass örtliche Polizeibeamte nicht für die Arbeit mit Kindern ausgebildet seien und es unzureichend Spezialbeamte im Vergleich zur Bevölkerungsgröße von Lagos gebe:

„For example, we were told of a case example by a lawyer who visited a police station in Lagos on another matter and heard a child crying. On enquiring, the lawyer was told that the child was a 12 year old who had been found nearby and had been brought to the police station by a member of the public. The child had been kept in the station – not in a cell, but in a room – for two to three days because officers felt she was not telling the truth. They had established that she was employed illegally as a domestic help, and had run away, but apparently would not tell them where the house was. The lawyer spoke to the child and established that this was simply because the child was unfamiliar with Lagos. The lawyer insisted that the child was taken to one of two specialist children’s welfare units run by the police in Lagos. In recounting the story, the lawyer made the point that the local officers were not trained in working with children and that there were insufficient specialist officers for a population the size of Lagos.“ (Connelly; Ikpaahindi, November 2016, S. 30)

Mehrere Interviewpartner hätten angegeben, dass das Bewusstsein gegenüber Gewalt innerhalb der Familien wachse und es Beispiele für gute Arbeit der Regierung und von NGOs gebe, Bildung zu gewaltfreien Ansätzen der Erziehung von Kindern zu fördern, damit sexuelle und körperliche Gewalt innerhalb von Familien nicht mehr akzeptiert werde. Der Bericht erwähnt in diesen Zusammenhang etwa ein Heft, das vom Einsatzteam für häusliche und sexuelle Gewalt des Bundesstaates Lagos produziert worden sei und ein Gesetz zum Schutz vor häuslicher Gewalt, ausgearbeitet vom Ministerium für die Angelegenheiten von Frauen und die Abwendung von Armut des Bundesstaates Lagos. Trotzdem ist nur ein niedriges Bewusstsein zum durch Gewalt verursachte Schäden vorhanden und es gebe für Kinder nur wenige Möglichkeiten Anzeige zu erstatten und Hilfe zu suchen:

„Several informants told us that there is growing awareness and more openness about violence within families, and there is evidence of good work by government and NGOs to promote education about non-violent approaches to child rearing, and making sexual and physical violence in families unacceptable. For example, we were given examples of materials aimed at children and adults, such as the excellent illustrated booklet aimed at young children, Safeguarding the Rights of a Child, produced by the Lagos State Domestic and Sexual Violence Response Team and A Law to Provide Protection Against Domestic Violence and for Connected Purposes, prepared by Lagos State Government Ministry of Women Affairs & Poverty Alleviation. Nevertheless, as the national survey quoted above concludes, there is widespread low awareness of the harm caused by violence, and there are also ‘few reporting mechanisms and obvious routes for children to seek help’.“ (Connelly; Ikpaahindi, November 2016, S. 30-31)

Der Bericht erwähnt weiters, dass nur im Bundesstaat Lagos Familiengerichte funktionsfähig seien. Der Bundesstaat Lagos habe mit dem Gesetz zu den Rechten von Kindern von 2007 ein Familiengericht eingerichtet, das sich mit Streitigkeiten betreffend Vormundschaft, Sorgerecht und Adoption, die nicht in Verbindung mit Ehesachen stehe, befasse:

„The Child ’s Rights Act 2003 made provision for the Family Court Division, with exclusive jurisdiction in legal matters relating to children (placement, fostering, adoption etc.) and the Child Justice Administration. However, as far as we can tell, family courts appear to be fully operational only in Lagos State. This is confirmed by the testimony of expert barristers, who say: ‘There are no separate family courts’ and ‘Lagos State has created a family court to deal with disputes relating to guardianship, custody and adoption not related to matrimonial causes in its Child Rights Law 2007.’ On the other hand, in our interview with a senior official at the Social Development Secretariat of the FST, we were told that ‘every case [involving a child] must go to the family court – this is a new thing which we are still trying to implement.’ " (Connelly; Ikpaahindi, November 2016, S. 46)

Lagos verfüge über zwei Spezialeinrichtungen der Polizei, die Fälle, die Kinder betreffen, untersuchen würden. Die Autoren des Berichts vom November 2016 hätten mit einem hohen Beamten einer der beiden Einrichtungen gesprochen. Dieser habe ihnen gegenüber angeführt, dass etwa 80 Prozent der Arbeit der Einrichtung aus Ermittlungen zu Fällen von ausgesetzten Babys und der Arrangierung der Wohlfahrtsmaßnahmen für Kinder bestehe. Die Rolle der Spezialabteilung beinhalte Fälle von ausgesetzten Kindern, den Schutz von Kindern vor unmittelbarer Gefahr, darunter die Bereitstellung vorübergehender Unterkunft; Suche und Zusammenführung der Kinder mit ihren Familien; Überweisungen an Wohlfahrtseinrichtungen und das Familiengericht:

„Lagos has two specialist police offices which investigate child - related cases. We were able to interview a senior officer at one of these who told us that about 80% of the office’s workload involved investigating the cases of abandoned babies and making arrangements for the children’s welfare. The role of the specialist department included: Dealing with cases of abandoned children; Protecting children from immediate danger, including providing temporary shelter; Family tracing and reintroduction of children to the family; Referral to welfare agencies and the family court.“ (Connelly; Ikpaahindi, November 2016, S. 47)

Zugang zu Bildung und Kosten

Das US-Außenministerium (US Department of State, USDOS) erwähnt in seinem Jahresbericht zur Menschenrechtslage vom März 2019 (Berichtszeitraum 2018), dass das Gesetz für jedes Kind im Grundschul- oder Hauptschulalter die Bereitstellung einer gebührenfreien, verpflichtenden und allgemeineren Grundausbildung vorsehe. Öffentliche Schulen seien qualitativ unterdurchschnittlich und viele Kinder seien aufgrund einer eingeschränkten Anzahl an Einrichtungen vom Zugang ausgeschlossen. Der Großteil der Finanzierung erfolge durch die Bundesregierung. Die Regierungen der Bundesstaaten müssten einen Anteil leisten. Die öffentlichen Investitionen würden nicht ausreichen, um eine allgemeine Grundausbildung zu erreichen. Die Budget-Abwicklung sei regelmäßig weit unter dem bestätigten Finanzierungsniveau gelegen. Die gestiegenen Aufnahmezahlen hätten zu Hindernissen bei der Sicherstellung qualitativ hochwertiger Bildung geführt. UNICEF zufolge seien auf einen oder eine LehrerIn 100 SchülerInnen gekommen. Von den etwa 30 Millionen Kindern im Primärschulalter, seien schätzungsweise 10,5 Millionen nicht an formell anerkannten Schulen eingeschrieben. Die niedrigsten Schulbesuchszahlen seien im Norden mit 45 Prozent der Jungen und 35 Prozent der Mädchen verzeichnet worden. Etwa 25 Prozent der Personen zwischen 17 und 25 Jahren hätten weniger als zwei Jahre Bildung erhalten. Der im Jahr 2015 durchgeführten Studie zu Bildungsstatistiken zufolge seien die Schulbesuchszahlen bei Primärschulen landesweit bei 68 Prozent gelegen. Jungen im Schulalter hätten wahrscheinlicher eine Primärschule besucht als Mädchen. Im Nordosten seien die Schulbesuchszahlen für Primärschulen am niedrigsten gelegen. Der wichtigste Grund dafür seien die Aufstände durch Boko Haram und die Gruppe Islamischer Staat in Westafrika (ISIS-WA) gewesen, die tausende Kinder von einem Schulbesuch in den Bundesstaaten Borno und Yobe abgehalten hätten:

„Education: The law requires provision of tuition-free, compulsory, and universal basic education for every child of primary and junior secondary school age. […] Public schools remained substandard, and limited facilities precluded access to education for many children. Most educational funding comes from the federal government, with state governments required to pay a share. Public investment was insufficient to achieve universal basic education. Actual budget execution was consistently much lower than approved funding levels. Increased enrollment rates created challenges in ensuring quality education. According to UNICEF in some instances there were 100 pupils for one teacher. Of the approximately 30 million primary school-age children, an estimated 10.5 million were not enrolled in formally recognized schools. The lowest attendance rates were in the North, where rates for boys and girls were approximately 45 percent and 35 percent, respectively. […] Approximately 25 percent of young persons between ages 17 and 25 had fewer than two years of education. […] According to the 2015 Nigeria Education Data Survey, attendance rates in primary schools increased to 68 percent nationwide, with school-age boys continuing to be somewhat more likely than girls to attend primary school. […] The Northeast had the lowest primary school attendance rate. The most pronounced reason was the Boko Haram and ISIS-WA [Islamic State-West Africa] insurgencies, which prevented thousands of children from continuing their education in the states of Borno and Yobe (due to destruction of schools, community displacement, and mass movement of families from those crisis states to safer areas). According to HRW, between 2009 and 2015, attacks in the Northeast destroyed more than 910 schools and forced at least 1,500 others to close.“ (USDOS, 13. März 2019, Section 6)

Die nigerianische Tageszeitung Leadership erwähnt in einem Artikel vom März 2019, dass Bildung in Nigeria kostenlos und verpflichtend für Kinder bis zu einem Alter von fünfzehn Jahren sei. Recherchen der Zeitung hätten jedoch ergeben, dass in einigen öffentlichen Schulen des Landes Aufnahmegebühren und andere Abgaben gefordert würden. Das Programm zur kostenlosen Bildung habe das Ziel, die Anzahl der Kinder zu verringern, die keine Schule besuchen. Einem Bericht des Nationalen Rats für Bildung von 2018 zufolge, belege Nigeria weiterhin den ersten Platz auf der Liste der weltweiten Länder mit der höchstens Anzahl der Kinder, die keine Schule besuchen. Trotz einiger Initiativen der Regierung, wie das Programm zur Allgemeinen Grundbildung (Universal Basic Education, UBE), scheine das Programm nicht so zu funktionieren, wie angenommen:

„This development left many wondering as to how free is free education in public primary school in Nigeria. The federal government of Nigeria has made education free and compulsory for every Nigerian child up to fifteen years. Sadly, investigation by this newspaper revealed that admission fees and other levies are being charged by some of the public schools in the country. This practice is no doubt frustrating the successful implementation of the free education programme, which core mandate is to downsize the number of out-of-school children in Nigeria. According to a 2018 report by the National Council for Education, Nigeria today still occupies first position on the table of countries with high number of out-of-school children in the world. Both local and international evidences have given credibility to the report, showing that Nigeria has performed poorly in managing out-of-school children. Despite some laudable initiatives by government in terms of policies such as the Universal Basic Education (UBE) program aimed at encouraging every child of primary and junior secondary school age to access free and compulsory education, the program seem not be working perfectly as expected.“ (Leadership, 30. März 2019)

Detaillierte Informationen zur Allgemeinen Grundbildung in Nigeria (Universal Basic Education, UBE) finden sich unter folgendem Link:

Weitere allgemeine Informationen zu Bildung in Nigeria finden sich auch unter folgenden Links:

Quellen: (Zugriff auf alle Quellen am 19. April 2019)