Dokument #1022392
Amnesty International (Autor)
Amtliche Bezeichnung: Republik Äquatorialguinea
Staatsoberhaupt: Teodoro Obiang Nguema Mbasogo
Regierungschef: Ignacio Milán Tang
Todesstrafe: nicht abgeschafft
Einwohner: 0,7 Mio.
Lebenserwartung: 51,1 Jahre
Kindersterblichkeit: 145,1 pro 1000 Lebendgeburten
Alphabetisierungsrate: 93,3%
Die politischen Spannungen nahmen im Berichtsjahr in Äquatorialguinea zu. Nach wie vor wurde die Opposition von den Behörden unterdrückt. So wurden politische Widersacher der Regierung schikaniert, festgenommen und für kurze Zeiträume in Haft gehalten. Im Vorfeld des Gipfels der Afrikanischen Union (AU), der im Juni in Äquatorialguinea stattfand, nahm die Zahl der Festnahmen zu. Im November wurden mindestens 30 Männer und Frauen, die sich offenbar in Geiselhaft befanden, von einem Militärgericht freigesprochen und aus der Haft entlassen. Sie waren seit Oktober 2010 ohne Kontakt zur Außenwelt und ohne Anklage oder Gerichtsverfahren festgehalten worden. Der Präsident begnadigte fünf gewaltlose politische Gefangene und 17 politische Gefangene, die daraufhin aus der Haft entlassen wurden. Die Rechte auf freie Meinungsäußerung und auf Versammlungsfreiheit waren nach wie vor eingeschränkt. Wie schon in den Vorjahren wurden Journalisten vorübergehend inhaftiert oder mit einem Berufsverbot belegt. Bei einer Volksabstimmung im November wurden Verfassungsänderungen gebilligt, die dem Präsidenten mehr Befugnisse verleihen.
Im Januar 2011 übernahm Präsident Teodoro Obiang Nguema Mbasogo den turnusmäßig wechselnden Vorsitz in der AU. Im Juni fand dann der AU-Gipfel in Malabo, der Hauptstadt des Landes, statt. Im gleichen Monat unterzeichnete der Präsident die Afrikanische Charta zu Demokratie, Wahlen und Regierungsführung.
Im Rahmen einer Untersuchung der mutmaßlichen Veruntreuung der Erdöleinnahmen von Äquatorialguinea durch den Präsidenten und seine Familie beschlagnahmte die französische Polizei im September vor einem Anwesen des Präsidenten in Paris mehrere Luxuslimousinen, die seinem ältesten Sohn Teodoro Nguema Obiang gehörten. Im gleichen Monat wurde die französische NGO Terre Solidaire von der Anklage der Verleumdung freigesprochen. Präsident Obiang hatte den Prozess gegen die NGO angestrengt, weil ein von Terre Solidaire 2009 veröffentlichter Bericht die Aussage enthielt, dass er und seine Familie "unrechtmäßige Gewinne" erworben hätten.
Im Oktober beantragte das US-Justizministerium beim Bundesgerichtshof der USA die Beschlagnahmung der Immobilien und anderer Vermögenswerte des Sohns von Präsident Obiang in den USA mit der Begründung, dass er durch die Plünderung der natürlichen Ressourcen von Äquatorialguinea an sein Vermögen gekommen sei und dieses durch Korruption in die USA transferiert habe.
Nach Massenprotesten in Nordafrika und im Nahen Osten kündigte Präsident Obiang im März 2011 eine Verfassungsreform an. Ziel der Reform sei es, den rechtlichen Rahmen für die Wahrnehmung aller Grundfreiheiten zu erweitern und den Menschen mehr Möglichkeiten zur Beteiligung an den politischen Angelegenheiten des Landes zu geben. Im Mai setzte er eine Kommission ein, die den Entwurf der Änderungen ausarbeiten sollte. Zu den von ihm ernannten Kommissionsmitgliedern gehörten auch Vertreter der politischen Parteien.
Die beiden einzigen unabhängigen politischen Parteien des Landes, die sozialdemokratische CPDS (Convergencia para la Democracía Social) und die Volksunion (Unión Popular - UP), lehnten die Mitarbeit in der Kommission mit der Begründung ab, dass ihre Forderung nach einer Generalamnestie und der sicheren Rückkehr von Exilanten nicht erfüllt worden sei. Die Ernennung von Kommissionsmitgliedern aus ihren Reihen durch den Präsidenten lehnten sie ebenfalls ab. Im Juli nahm das Parlament den Entwurf für die Verfassungsreform ohne Aussprache an. Im Oktober gab Präsident Obiang den Termin für eine Volksabstimmung über die Reform bekannt. Der Text des Reformentwurfs wurde der Öffentlichkeit jedoch nicht zugänglich gemacht, und die politischen Parteien erhielten ihn erst zwei Wochen vor der Volksabstimmung.
Die Verfassungsreform wurde am 13. November per Volksentscheid mit 97,7% der Stimmen angenommen. Die Abstimmung fand in einem Klima der Einschüchterung und Schikanierung von Wählern statt. So waren beispielsweise bewaffnete Polizisten und Soldaten in den Wahllokalen postiert. In Bata wurden mehrere Vertreter politischer Parteien, die den Abstimmungsprozess beobachteten, aus Wahllokalen verwiesen. Einige von ihnen wurden geschlagen und vorübergehend inhaftiert. Durch die Verfassungsänderungen hat der Präsident zusätzliche Machtbefugnisse, sogar noch nach seinem Ausscheiden aus dem Amt.
Die Amtszeit des Präsidenten wurde zwar auf zwei aufeinanderfolgende Mandate von jeweils sieben Jahren beschränkt, die Altersgrenze für Bewerber um das Amt jedoch aufgehoben. Diese hatte bisher bei 75 Jahren gelegen. Die geänderte Verfassung sieht das Amt eines Vizepräsidenten vor, der vom Präsidenten ernannt wird und der regierenden Demokratischen Partei von Äquatorialguinea angehören muss. Außerdem gibt es nun einen Senat und einen Rechnungshof. Die Mitglieder dieser beiden Institutionen werden ebenso wie die Ombudsperson, ein neu geschaffenes Amt, vom Präsidenten ernannt. Die überarbeitete Verfassung war bis Ende des Jahres noch nicht in Kraft getreten.
Im Vorfeld des AU-Gipfels im Juni 2011 wurden politische Gegner und ungefähr 100 Studierende festgenommen und vorübergehend inhaftiert. Vor der Volksabstimmung über die Verfassungsreform im November kam es zu weiteren politisch motivierten Festnahmen.
Mindestens 30 Personen, die ohne Kontakt zur Außenwelt und ohne Anklageerhebung im Gefängnis von Bata festgehalten worden waren, wurden im November aus der Haft entlassen, nachdem ein Militärgericht sie freigesprochen hatte. Sie waren im Oktober 2010 festgenommen worden, nachdem zwei politische Gefangene und sechs Gefängnisaufseher aus der Strafvollzugsanstalt der Stadt Evinayong geflüchtet waren.
Bei den Häftlingen in Bata handelte es sich zumeist um Verwandte und Freunde der geflüchteten Gefangenen sowie um Personen, die der Beihilfe zur Flucht verdächtigt wurden, darunter Frauen und ein sechs Monate altes Kind. Mitte November wurden alle Gefangenen unerwartet vor ein Militärgericht in Bata gestellt. Die Anklage lautete auf Fluchthilfe. Alle Zivilpersonen und die Mehrzahl der Militärangehörigen wurden freigesprochen und aus der Haft entlassen. Gegen etwa sechs Militär- und Polizeiangehörige ergingen jedoch Schuldsprüche und Gefängnisstrafen, deren Höhe nicht bekanntgegeben wurde. Obwohl die meisten Angeklagten freigesprochen wurden, entsprachen die Prozesse nicht den internationalen Standards für faire Gerichtsverfahren.
Das Recht auf freie Meinungsäußerung blieb 2011 eingeschränkt. Die Presse wurde nach wie vor von staatlichen Stellen streng kontrolliert. Berichte, die den Behörden nicht genehm waren, wurden nicht zur Veröffentlichung freigegeben. Im Februar verbot die Regierung die Berichterstattung über die Ereignisse in Nordafrika, im Nahen Osten und in Côte d'Ivoire. Journalisten wurden für kurze Zeit festgenommen, ausländische Medienvertreter des Landes verwiesen. Die NGO Reporter ohne Grenzen, die Äquatorialguinea im April besuchen wollte, erhielt keine Visa für die Einreise. Zur Begründung hieß es, die Organisation habe sich abfällig über Präsident Obiang geäußert.
Obwohl die Verfassung des Landes die Versammlungsfreiheit garantiert, wurde sie von den Behörden weiterhin unterdrückt.
Fünf gewaltlose politische Gefangene - Cruz Obiang Ebele, Emiliano Esono Michá, Gumersindo Ramírez Faustino, Juan Ecomo Ndong und Gerardo Angüe Mangue - wurden im Juni 2011 aus Anlass des Geburtstags von Präsident Obiang begnadigt und aus der Haft entlassen.
Die Männer hatten seit 2008 eine Freiheitsstrafe von sechs Jahren wegen unerlaubter Vereinigung und angeblichen Waffen- und Munitionsbesitzes verbüßt. Außerdem wurden 17 politische Gefangene begnadigt und freigelassen, bei denen es sich ebenfalls um gewaltlose politische Gefangene gehandelt haben könnte. Die Freigelassenen hatten wegen angeblicher Putschversuche lange Freiheitsstrafen verbüßt.
Alle freigelassenen Gefangenen mussten ein Dokument unterschreiben, in dem sie Präsident Obiang für seine Güte dankten und sich verpflichteten, keine Straftaten zu begehen, die denen ähnlich waren, für die sie begnadigt worden waren.
© Amnesty International
Amnesty International Report 2012 - The State of the World's Human Rights (Periodischer Bericht, Englisch)