28. März 2008
Medizinische Versorgungslage
a-6020-2 (ACC-TCD-6021)
Nach einer Recherche in unserer Länderdokumentation und im Internet können wir Ihnen zu oben genannter Fragestellung Materialien zur Verfügung stellen, die unter anderem folgende Informationen enthalten:
Auf den landeskundlichen Informationsseiten der Vorbereitungsstätte für Entwicklungszusammenarbeit (V-EZ) findet man folgende Informationen zur medizinischen Versorgung im Tschad:
„Das Bildungs- wie das Gesundheitswesen hat sich im Tschad aufgrund der instabilen politischen Lage der letzten Jahrzehnte nur rudimentär ausbilden können. Zwar hat sich die Situation durch die Unterstützung des Europäischen Entwicklungsfonds in den letzten Jahren verbessert, aber nach wie vor sind vor allem die ländlichen Gebiete sehr schlecht versorgt. Die jeweiligen Präfekturen sind in Préfectures Socio-Sanitaires eingeteilt und verfügen über Krankenhäuser und Krankenstationen, die jedoch oft nur mit dem nötigsten ausgestattet sind. Nur etwa 30% der Bevölkerung hat Zugang zu den primären Gesundheitseinrichtungen. Von vielen Tschadern werden somit nach wie vor sowohl aus Kostengründen als auch aus Überzeugung die traditionellen Heilmethoden bevorzugt.“ (V-EZ, ohne Datum)
Die WHO beschreibt im Bericht Health Action in Crises vom Jänner 2007 das Gesundheitssystem im Tschad: Die Politik des Gesundheitsministeriums werde in 64 Bezirken mit 911 Unterteilungen umgesetzt. Es gebe ein nationales Krankenhaus für 7,5 Millionen Menschen, vier regionale Spitäler für je 950 000 Menschen, 64 Bezirksspitäler und 911 Gesundheitszentren. Pro 1000 Personen würden zwischen 0,09 und 1,61 Spitalsbetten zur Verfügung stehen. Das Gesundheitspersonal sei quantitativ und qualitativ nicht ausreichend und auch nicht adäquat verteilt, an Anästhesisten und Radiologen herrsche akuter Mangel. Es gebe zu wenig Impfungen, Gesundheitsförderung und Vorbeugung von Krankheiten.
Medikamente würden privat verkauft und seien für die ärmsten Teile der Bevölkerung unerschwinglich.
Die Flüchtlinge im Osten und Süden würden von NGOs unterstützt, diese Hilfe müsse jedoch noch verstärkt werden:
• The national health system is structured into three levels:
o The central level, in charge of stewardship, health policy, evaluation and resource mobilization, consists of the Cabinet of the MoH, central directorates and central institutions;
o The intermediate level includes 18 provincial delegates in charge of implementing health policies and plans, managing human resources and providing technical assistance to the health districts;
o The third level is divided into 64 health districts and 911 sub divisions and handles the implementation of the national health policy through the minimal and complementary package of activities.
• The health infrastructure consists of one national hospital serving around 7.5 million people and four regional hospitals serving 950 000 people each. There are another 64 district hospitals and 911 health centres. The bed to population ratio ranges from 0.09/1000 in Massakory district to 1.61/1000 in Benoyé. In the east, the referral system is hinged on the regional hospital in Abéché and caters also for the refugees.
• Human resources are inadequate in terms of quantity, quality and distribution. There is approximately one doctor per 27 680 persons, one midwife per 9074 women of reproductive age and one nurse per 6453 persons. Some categories, such as anaesthesiologist and radiologist, are in acute shortage.
• Vaccination coverage is very low. Health promotion and disease prevention are weak.
• There is a flourishing private market for essential drugs, but the poorest segments of the population cannot afford to buy them.
• In the east, refugees have benefited from health assistance provided by medical NGOs, coordinated by UNHCR. However, most of the IDPs and the local population suffer from a lack of continued health care provision as a result of insecurity.
• Despite security problems, the early warning and response network set up by WHO continues to work. The increased risk of outbreaks in overpopulated camps requires reinforcing investigation capacities in the laboratory of the Abéché hospital and creating a regional contingency stock.
• In the south, refugees benefit from humanitarian assistance (such as MSF and COOPI) for health but the presence of UN agencies is weak due to poor accessibility. Assistance and coordination need to be reinforced.” (WHO, Jänner 2007)
Der Statistik der World Health Organisation (WHO) von 2006 sind unter anderem die konkreten Zahlen zum Mangel an medizinischem Personal im Tschad zu entnehmen:
„Physicians: Number 345, Density 0.04
Nurses: Number 387, Density per 1000 0.27
Midwives: Number 112, Density per 1000 2004 0.01
Dentists: Number 15, Density per 1000 0.00
Pharmacists: Number 37, Density per 1000 0.00
Public and environmental health workers: Number 230, Density per 1000 0.03
Community Health workers: Number 268, Density per 1000 0.03
Lab technicians: Number 317, Density per 1000 0.04
Other health workers: Number 153, Density per 1000 0.02
Health management and support workers: Number 1 502, Density per 1000 0.17” (WHO, 22. November 2006)
Auf der deutschen Website Ärztliche Praxis erscheint im Februar 2008 folgender Beitrag über die aktuelle Tätigkeit der Ärzte ohne Grenzen im Tschad:
„Die Lage im Tschad hat sich inzwischen entspannt. Dennoch sind nach wie vor viele Flüchtlinge auf die Hilfe von Ärzte ohne Grenzen angewiesen.
Viele Flüchtlinge leben unter freiem Himmel und haben sich unter die ansässige Bevölkerung gemischt. Dadurch ist es sehr schwierig, ihre Zahl genau zu beziffern.
Die Teams von Ärzte ohne Grenzen haben mehr als 5.600 Kinder gegen Masern geimpft und über 3.600 Familien mit Hilfsgütern wie Decken, Plastikfolien, Kanistern, Seife und Moskitonetzen versorgt.
Ärzte ohne Grenzen bietet in drei Krankenhäusern von Kousseri sowie in der Ambulanz des Zentralkrankenhauses weiterhin kostenlose medizinische Versorgung an. Täglich finden in diesen Einrichtungen im Schnitt 400 Konsultationen statt. Ein Chirurgenteam ist nach wie vor im Zentralkrankenhaus tätig.
In N`Djamena, der Hauptstadt des Tschad, hat sich die Lage schnell normalisiert. Im Osten des Tschad hingegen kehrt langsam Normalität ein. Die Mitarbeiter bieten den sudanesischen Flüchtlingen und den Tschadern, die entweder vertrieben wurden oder in Abeche, Adre, Farchana, Goz Beida, Dogdoré, Guereda, Iriba und Am Timan wohnen, primäre und sekundäre Gesundheitsversorgung, psychosoziale Pflege, Wasser und Hygieneeinrichtungen.“ (Ärztliche Praxis, 29. Februar 2008)
Die Ärzte ohne Grenzen berichten im Juli 2007 über ihre Aktivitäten im Tschad und stellen die Situation folgendermaßen dar:
„Der Bedarf an humanitärer Hilfe ist im Tschad seit Juli 2006 stark gestiegen. Anhaltende Auseinandersetzungen zwischen Regierungstruppen und Rebellen sowie militärische Übergriffe in der Grenzregion zur sudanesischen Provinz Darfur haben das Land in eine tiefe Krise gestürzt. Viele Menschen wurden bei Kämpfen getötet oder verwundet, Zehntausende aus ihren Dörfern und Häusern vertrieben. Trotz schwieriger Sicherheitslage ist es Ärzte ohne Grenzen gelungen, die humanitäre Hilfe für die tschadischen Vertriebenen zu erhöhen, ohne dabei die Nothilfe für Flüchtlinge aus Darfur einzuschränken. Im Südwesten des Landes betreuen die Mitarbeiter zudem ein Malariaprojekt und unterstützen in dieser Region Flüchtlinge aus der Zentralafrikanischen Republik.
Die Aktivitäten im Einzelnen (Auszug)
* Seit 2003 leben rund 200.000 Menschen aus Darfur in Flüchtlingslagern im Osten des Tschad. Viele leiden aufgrund der Gewalterfahrung in ihrer Heimat unter einem psychischen Trauma. Gleichzeitig müssen sie damit fertig werden, dass sie angegriffen werden, wenn sie auf der Suche nach Feuerholz die Camps verlassen oder wenn sie gezwungen werden, nach Darfur zurückzukehren. Ihre Lage ist sehr prekär, denn sie sind völlig abhängig von internationaler humanitärer Hilfe. Diese aber unterliegt Schwankungen, wenn sich die Sicherheitslage oder die finanzielle Situation der Hilfsorganisationen verschlechtert.
* Ärzte ohne Grenzen leistet medizinische und psychosoziale Hilfe für rund 100.000 Flüchtlinge aus Darfur in den Lagern Iridimi, Touloum, Farchana und Breidjing sowie für die lokale tschadische Bevölkerung in der Umgebung. Die Mitarbeiter kümmern sich vor allem um Kinder und Mütter sowie um Opfer sexueller Gewalt. In den Krankenhäusern von Adré und Iriba bieten die Teams zudem chirurgische Hilfe an.
* Im Osten des Landes ist die Anzahl der tschadischen Vertriebenen dramatisch angestiegen. Während im März 2006 rund 40.000 Vertriebene Hilfe benötigten, waren es im Juni 2007 bereits 170.000. Sie leben in Camps in der Nähe von Goz Beida, Koukou, Am Timan, Am Dam und Dogdoré. Viele von ihnen sind schwer traumatisiert.
* Über viele Monate erhielten diese Menschen nicht die notwendige Unterstützung von der internationalen Gemeinschaft, obwohl ihre Unterkünfte schlecht waren, sie zu wenig Nahrungsmittel und Trinkwasser sowie nur beschränkten Zugang zu medizinischer Hilfe hatten. Dies führte dazu, dass sich ihre gesundheitliche sowie die sanitäre Lage sehr verschlechterten und viele Vertriebene Anzeichen von Unterernährung aufwiesen. Trotz der angespannten Sicherheitssituation leistet Ärzte ohne Grenzen umfassende medizinische Nothilfe. Im Juli 2007 betreuen die Mitarbeiter Vertriebene in Camps nahe Goz Beida, Adé, Koukou, Arkoum, Am Timan, Am Dam und Dogdoré.
* Seit Juni 2005 hat die zunehmende Gewalt in der benachbarten Zentralafrikanischen Republik dazu geführt, dass Zehntausende Menschen aus ihren Heimatdörfern in den Tschad geflohen sind. Rund 45.000 Flüchtlinge suchen im Süden des Landes nahe der Stadt Goré Schutz und Hilfe. Im dortigen Distriktkrankenhaus unterstützt Ärzte ohne Grenzen alle Abteilungen, um die Flüchtlinge und die lokale Bevölkerung medizinisch zu versorgen. Bis April 2007 kümmerten sich die Teams auch um die sanitären Anlagen sowie um die Trinkwasser- und Gesundheitsversorgung in den Camps.
* Im südlichen Distrikt Bongor läuft seit 2003 ein Malariaprogramm. Zwischen Juli 2006 und Juni 2007 wurden hier rund 88.000 Menschen mit einem Kombinationspräparat auf der Basis von Artemesinin (ACT) behandelt. Das sind mehr als 20 Prozent aller Patienten, die im Tschad aufgrund von Malaria behandelt werden.
Ärzte ohne Grenzen arbeitet seit 1981 im Tschad.“ (Ärzte ohne Grenzen, Juli 2007)
Die Swiss Agency for Development and Cooperation (SDC) liefert auf ihrer Website zum Tschad folgende Informationen: Der Gesundheitssektor sei immer noch prekär, da es an qualifiziertem Personal mangle. Der Zugang zu medizinischer Versorgung sei ein Problem, manche Bezirke hätten fast gar keine funktionierenden Strukturen zur Gesundheitsversorgung, und vor allem am Land seien Gesundheitszentren im Allgemeinen sehr weit von der Bevölkerung entfernt. Die SDC betreibe seit 1970 Programme zur Verbesserung der medizinischen Versorgungslage:
“The healthcare sector in Chad is still very precarious because of the lack of qualified personnel. Access to healthcare remains problematic. Some districts have almost no properly functioning sociomedical structure. The health indicators make grim reading. The infant mortality rate is 200 per thousand among children under 5 years of age, while maternal mortality is 900 per 100,000 births.
SDC has been involved in Chad's healthcare sector since 1970. The current programme focuses on the health centres and hospitals in two healthcare districts of Chari Baguirmi. The communal healthcare component of this programme is aimed at establishing and strengthening the structures for communal involvement. In a rural environment, moreover, the health centres are generally located very far away from a significant proportion of the population. As a result, the rural population often have to resort to the time-honoured forms of care offered by midwives or traditional healers. The programme aims to achieve mutual recognition of the complementary nature and limitations of traditional healthcare.
Starting in 2003, health-related activities are to be gradually introduced into the work of the regional teams, who will primarily be concentrating on the rural economy and basic education. The teams will initially be tackling the issues of prevention, the health of mothers and children, and aspects related to HIV and AIDS.” (SDC, ohne Datum)
Diese Informationen beruhen auf einer zeitlich begrenzten Recherche in öffentlich zugänglichen Dokumenten, die ACCORD derzeit zur Verfügung stehen. Diese Antwort stellt keine Meinung zum Inhalt eines bestimmten Ansuchens um Asyl oder anderen internationalen Schutz dar. Wir empfehlen, die verwendeten Materialien zur Gänze durchzusehen.
Quellen: