14. Februar 2007
AIDS-Behandlungsmöglichkeiten
a-5264 (ACC-GAB-5264)
Nach einer Recherche in unserer Länderdokumentation und im Internet können wir Ihnen zu oben genannter Fragestellung Materialien zur Verfügung stellen, die unter anderem folgende Informationen enthalten:
Laut dem im Mai 2006 veröffentlichten globalen AIDS-Bericht 2006 des AIDS-Programmes der Vereinten Nationen, UNAIDS, leben in Gabun geschätzt 60.000 Menschen mit HIV (Stand: 2005, enthalten seien HIV-Kranke mit sowie ohne AIDS-Symptome). Die Schätzungen würden von 40.000 bis 87.000 Menschen gehen (UNAIDS, Mai 2006, Annex 1, S.359 sowie Annex 2, S.505).
Im CIA World Factbook wird die Zahl der Menschen mit HIV/AIDS auf 48.000 geschätzt (Stand 2003), geschätzt 3.000 HIV/AIDS-kranke Menschen würden laut CIA im Jahr 2003 gestorben sein (CIA, 8. Februar 2007).
Der UNAIDS-Bericht enthält auch Schätzungen zur Abdeckung des Bedarfs an Antiretroviraler Kombinationstherapie (AVR) aus verschiedenen anderen Berichten.
Für das Jahr 2005 werden zum einen Daten aus einem Bericht der WHO vom März 2006 entnommen (Spalte „3 by 5“). Diesem WHO-Bericht zufolge würden rund 8650 Personen antiretrovirale Therapie (AVR-Therapie) erhalten, während 2.000 diese benötigen würden, woraus sich ein Abdeckungsgrad von 23 Prozent ergibt (WHO, März 2006, S. 72).
Für eine zweite Schätzung für das Jahr 2005 greift UNAIDS auf einen weiteren Bericht der WHO (vom Juni 2004) zurück und schätzt die Daten für 2005 auf eine Abdeckung des Therapiebedarfs von 64,3 Prozent (UNAIDS, Mai 2006, Annex 3, S.557 und Fußnote S.560 bzw. Erklärung der Datenquellen S.584). [Anmerkung ACCORD: im WHO-Bericht vom Juni 2004 konnten von ACCORD keine Angaben zu Gabun gefunden werden.]
Unter Berufung auf einen Länderbericht von UNGASS von 2005 berichtet UNAIDS, dass 72,5 Prozent der Bluttransfusionen auf HIV getestet würden (UNAIDS, Mai 2006, Annex 3, S.562). Zudem, dass 10,7 Prozent der schwangeren Frauen eine vollständige antiretrovirale Prophylaxe zur Reduzierung der Mutter-Kind-Übertragung erhalten würden. Unter Berufung auf den oben bereits erwähnten WHO-Bericht vom Juni 2004 berichtet UNAIDS, dass geschätzt 0,7 Prozent der schwangeren Frauen eine ARV-Prophylaxe erhielten (UNAIDS, Mai 2006, Annex 3, S.554).
In einem Bericht über Kinder und HIV/AIDS vom Jänner 2007 schätzen UNAIDS, UNICEF und die WHO die Zahl der HIV-infizierten Schwangeren auf 3.600. Von diesen würden 90 Frauen bzw. rund drei Prozent eine ARV-Prophylaxe erhalten (UNAIDS, UNICEF, WHO, Jänner 2007, S.29).
Dem epidemiologischen Fact-sheet zu AIDS vom Dezember 2006, das gemeinsam von der WHO, UNICEF, der EU und UNAIDS herausgegeben wird, sind folgende Daten zu entnehmen:
Geschätzt 10.000 Erwachsene (über 15 Jahre) würden eine ARV-Behandlung benötigen (niedrige Schätzung 6.300, hohe Schätzung 15.000). 2.000 Personen würden eine solche erhalten (Stand 2005), der Abdeckungsgrad sei 21 Prozent. (WHO, Dezember 2006, S.12)
Einem Länderprofil von IRIN PlusNews vom September 2004 zufolge würden 48.000 Personen in Gabun mit HIV/AIDS leben, 7.200 Personen eine ARV-Therapie benötigen und erwartungsgemäß Ende 2005 würden geschätzt 3.600 Personen eine ARV-Therapie erhalten (IRIN PlusNews, September 2004).
Siehe auch ausführlich Staatenbericht durch das dem Gesundheitsministerium Gabuns unterstellte Nationale Programm zum Kampf gegen AIDS (PNLS/IST) an UNGASS (UN General Assembly's Special Session on HIV/AIDS) vom Dezember 2005. Der (englische) Bericht enthält Informationen über die Lage, politische Initiativen und Probleme.
Dem Bericht zufolge würden neun Prozent der Menschen mit fortgeschrittener HIV-Infektion eine ARV-Therapie erhalten (sieben Prozent Männer, zehn Prozent Frauen) (PNLS/IST, Dezember 2005, S.5). Darüber hinaus gibt der Bericht eine andere Zahl zu den getesteten Bluttransfusionen: unter Berufung auf das National Centre for Blood Transfusion würden 137 Prozent [sic] der Blutspenden auf HIV getestet (PNLS/IST, Dezember 2005, S.5-6).
BDP Gabon berichtet im September 2005, dass laut dem Direktor des PNLS rund 4.000 Personen eine Kombinationstherapie („trithérapie“) erhalten würden, bzw. von 54.000 HIV-Positiven im Alter von 15 bis 39 Jahren 6.000 regelmäßig medizinisch betreut würden (BDP Gabon, 16. September 2005).
Ein Artikel aus dem Bulletin der Société de Pathologie Exotique vom Jahr 2006 (erste Ausgabe des Bulletins 2006, erscheint fünfmal pro Jahr) beschreibt Schwierigkeiten, die Patienten des Ambulanzzentrums Libreville bei der Befolgung der ARV-Therapie haben. Befragt wurden 100 Personen Ende 2002 bis Anfang 2003. [Die Studie fasst die Probleme in die Kategorien Vergessen, (freiwillige) Auslassungen, Hinderungsgründe und Schwierigkeiten bei der Einnahme (z.B. wg. Nebenwirkungen). Im folgenden wird nur auf die Hinderungsgründe eingegangen.]
Von den 100 Befragten hätten 47 über einen Zeitraum von drei Monaten von Hinderungsgründen berichtet, laut Studie also 16 pro 100 Patienten und Monat. Die meistgenannten Hinderungsgründe seien die Kosten (12 Nennungen) sowie Probleme bei der Belieferung/Versorgung („problèmes d’approvisionnement“, 16 Nennungen). (Bulletin de la Société de Pathologie Exotique, #1/2006, S.23-27, siehe dort für Details)
Kosten
Die aktuellsten von der WHO verwendeten Daten zu Kosten im Gesundheitssystem Gabuns stammen vom Jahr 2003. Demzufolge würden 66,6 Prozent der Gesundheitsausgaben von der Regierung geleistet, 33,4 Prozent von Privaten. 1,7 Prozent der Regierungsausgaben für Gesundheit würden von einer Sozialversicherung stammen. Die privaten Ausgaben würden zu 100 Prozent aus so genannten „out-of-pocket payments“ bestehen (Direktzahlungen oder Selbstbehalte – offizielle sowie informelle) (WHO, 2006).
Info Plus Gabon berichtet im November 2006 von einem Solidaritätsfonds, der im Jahr 2003 eingerichtet worden sei. Die Preise für HIV-Tests und Behandlung seien seither stark gesunken:
Schüler und Studierende würden 2 US-$ (1.000 CFA Francs) für die Tests bezahlen, gabunische Arbeitnehmer 5 US-$, ausländische Arbeitnehmer 10 US-$:
« Le prix des tests de dépistage et des ARV a considérablement baissé au Gabon depuis la mise en place en 2003 d’un fonds de solidarité thérapeutique doté d’environ trois millions de dollars par an et destiné à aider les 53 400 séropositifs du pays, selon les autorités.
Jusqu’à présent, les élèves et étudiants payaient 2 dolars US ( 1 000 francs CFA), les travailleurs gabonais cinq dollars et les travailleurs étrangers 10 dollars. » (Info Plus Gabon, 7. November 2006)
In zugelassenen Gesundheitszentren würden folgende Personengruppen kostenlose HIV-Untersuchungen und –Behandlungen erhalten: HIV-Positive Schwangere, Kinder unter 12 Jahren, Vergewaltigungsopfer, Personen, die in Kontakt mit kontaminierten Bluttransfusionen kamen, Schüler, Studenten, Arbeitslose, Pensionisten, Bedürftige, Beamte deren Lohn 200,- Dollar oder weniger sei:
« Les femmes enceintes séropositives, les nourrissons et les enfants de moins de douze ans, les personnes violées ou ayant été exposées à du sang contaminé à la suite de transfusions, les élèves, les étudiants, les chômeurs, les retraités, les indigents et les fonctionnaires ayant un salaire mensuel inférieur ou égal à 200 dollars peuvent se faire dépister ou soigner gratuitement dans les centres de santé agréés. » (Info Plus Gabon, 7. November 2006)
Die ARV-Therapie koste zwischen vier und zehn US-$ pro Monat, vor dem Jahr 2003 habe sie noch 800 bis 1.000 US-$ gekostet. Weniger als 6.100 Personen würden medizinisch behandelt und 2.200 Personen würden eine ARV-Therapie erhalten:
« Les traitements ARV coûtent à présent entre quatre et 10 dollars US par mois, contre 800 à 1 000 dollars US avant avril 2003. Moins de 6100 personnes sont suivies médicalement et 2 200 reçoivent un traitement antirétroviral dans les centres agréés installés à travers le pays. » » (Info Plus Gabon, 7. November 2006)
Siehe für ähnliche Beträge auch IRIN PlusNews, 10. Juni 2004 und IRIN PlusNews, 29. April 2005.
Diese Informationen beruhen auf einer zeitlich begrenzten Recherche in öffentlich zugänglichen Dokumenten, die ACCORD derzeit zur Verfügung stehen. Diese Antwort stellt keine Meinung zum Inhalt eines bestimmten Ansuchens um Asyl oder anderen internationalen Schutz dar. Wir empfehlen, die verwendeten Materialien zur Gänze durchzusehen.
Quellen:
- BDP Gabon: Plus de 4.000 malades du SIDA traités au Gabon, 16. September 2005
http://www.bdpgabon.org/content/view/2256/ (Zugriff am 12. Februar 2007)
- Bulletin de la Société de Pathologie Exotique: Les difficultés rencontrées par les malades pour suivre leur traitement antirétroviral au Centre de traitement ambulatoire de Libreville, Gabon (Autoren: U. Nziengui, C. Zamba, J.-L. Rey), 2006, Tome 99, n° 1
http://www.pathexo.fr/pages/Bull-somm/2006n1.html#anchor08 (kostenpflichtig) (Zugriff am 12. Februar 2007)
- CIA: World Factbook – Gabon, 8. Februar 2007
https://www.cia.gov/cia/publications/factbook/geos/gb.html (Zugriff am 12. Februar 2007)
- Info Plus Gabon: Le ministre de la Lutte contre le Sida estime que le fléau constitue une sérieuse menace pour le développement du pays, 7. November 2006
http://www.infosplusgabon.com/article.php3?id_article=766 (Zugriff am 12. Februar 2007)
- IRIN PlusNews: Treatment Map: Gabon, September 2004
http://www.plusnews.org/aids/treatment/Gabon.asp (Zugriff am 12. Februar 2007)
- IRIN PlusNews: Price of AIDS testing and ARV drugs slashed, 10. Juni 2004
http://www.plusnews.org/pnprint.asp?ReportID=3501 (Zugriff am 12. Februar 2007)
- IRIN PlusNews: Dépistage et traitements gratuits pour les plus vulnérables, 29. April 2005http://www.plusnews.org/PNfrench/print.asp?ReportID=378 (Zugriff am 12. Februar 2007)
- PNLST/IST – Programme National de Lutte contre le SIDA et les Infections Sexuellement Transmissibles, Ministère de la Santé Publique, Gabon : National Monitoring Report on the Declaration of Commitment on HIV/AIDS (UNGASS) for 2006, Dezember 2005
http://www.ungass.org/index.php/en/content/download/1930/20404/file/ga
bon2006en.pdf (Zugriff am 12. Februar 2007)
- UNAIDS - Joint United Nations Programme on HIV/AIDS: Report on the global AIDS epidemic 2006, Mai 2006
Annex 1 – Country Profiles – G-L
http://data.unaids.org/pub/GlobalReport/2006/2006_GR_ANN1G-L_en.pdf (Zugriff am 12. Februar 2007)
Annex 2 - HIV/AIDS estimates and data
http://data.unaids.org/pub/GlobalReport/2006/2006_GR_ANN2_en.pdf (Zugriff am 12. Februar 2007)
Annex 3 - Country progress indicators
http://data.unaids.org/pub/GlobalReport/2006/2006_GR_ANN3_en.pdf (Zugriff am 12. Februar 2007)
Gesamter Bericht – Zip-file (24 MB)
http://data.unaids.org/pub/GlobalReport/2006/GR06_en.zip (Zugriff am 12. Februar 2007)
- UNAIDS, UNICEF, WHO: Children and AIDS: A stocktaking report, Jänner 2007
http://www.unicef.org/publications/files/ChildrenanAIDSAStocktakingLoR
esPDF_EN_USLetter_15012007.pdf (Zugriff am 12. Februar 2007)
- WHO: Progress on Global Access to HIV Antiretroviral Therapy: A Report on “3 by 5” and Beyond, März 2006
http://www.who.int/hiv/fullreport_en_highres.pdf (Zugriff am 12. Februar 2007)
- WHO: Epidemiological Fact Sheets on HIV/AIDS and Sexually Transmitted Infections – 2006 Update - Gabon, Dezember 2006
http://www.who.int/GlobalAtlas/predefinedReports/EFS2006/EFS_PDFs/EFS2
006_GA.pdf (Zugriff am 12. Februar 2007)
- WHO: Statistics – Core Health Indicators – Gabon, 2006
http://www3.who.int/whosis/core/core_select_process.cfm?country=GAB&am
p;indicator=NHA (Zugriff am 12. Februar 2007)
- WHO: Coverage of selected services for HIV/AIDS prevention, care and support in low- and middle-income countries in 2003, Juni 2004
http://www.who.int/hiv/pub/prev_care/en/coveragereport_2003.pdf (Zugriff am 12. Februar 2007)