derStandard.at 14.11.2002 | Politik | International | Asien-Pazifik 
13.11.2002
14:25 MEZ
Fatwa verbietet Musik und Tanz im Westen Afghanistans
Regeln wie unter den Taliban in der Provinz Herat wieder eingeführt

Kabul - Genau ein Jahr nach dem Sturz des Taliban-Regimes in Afghanistan ist die Provinz Herat zum Verbot von Hochzeitsfeiern mit Musik und Tanz zurückgekehrt. Gouverneur Ismail Khan bestätigte eine Fatwa (islamischer Urteilsspruch) eines moslemischen Geistlichen, wonach Feiern in Hotels und Restaurants, bei denen Musik gemacht und getanzt wird und Männer und Frauen miteinander reden, gesetzwidrig sind. Selbst bei Feiern zu Hause ist es verboten zu tanzen. Das berichtete die afghanische Zeitung "Anis" am Mittwoch.

Jahr eins nach den Taliban

Diese Regeln galten auch unter den Taliban. Nach den US-Angriffen wegen der Terroranschläge vom 11. September war das Taliban-Regime in der Nacht auf 13. November 2001 in Kabul zusammengebrochen. Hochzeiten und andere Familienfeste werden seitdem zumindest in den Städten wieder wie früher öffentlich gefeiert.

"Ich habe mit eigenen Augen gesehen, wie Bräutigam und Braut zu indischer Musik getanzt haben. Das ist keine afghanische Kultur, sondern westliche", zitierte die Zeitung Khan. Die Menschen sollten nur geistliche Musik und Lieder über den Heiligen Krieg hören, fügte er hinzu. (APA/dpa)


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