suchen / sitemap / kontakt / shop suchen [AQuery ] [/icons/ [/icons/ ecblank.gif] [/icons/ home ecblank.gif] amnesty journal September 2006 ecblank.gif] presse IRAN mitmachen Eine Woche in Teheran urgent Im Iran werden täglich fundamentale actions Bürgerrechte verletzt. Gleichzeitig appellfa"lle wirft die Regierung in Teheran dem kampagnen Westen einen zynischen Umgang mit den mitglied Menschenrechten vor. werden Von Martin Ebbing dokumente In der Nacht zum 30. Juli dieses jahresbericht Jahres starb im Teheraner Evin- datenbank Gefängnis der 38-jährige Akbar asyl Mohammadi, wahrscheinlich an den la"nder Folgen eines Hungerstreiks. themen Mohammadi war zum ersten Mal newsletter gemeinsam mit seinem Bruder während spenden einer Demonstration im Juli 1999 wir_u"ber_uns verhaftet worden. Studenten und [amnesty Jugendliche hatten gegen die international] Schließung von Zeitungen protestiert und Meinungsfreiheit gefordert. Sicherheitskräfte nahmen Akbar Mohammadi fest. Er wurde wegen »Gefährdung der nationalen Sicherheit« zunächst zum Tode verurteilt, später wandelte man das Urteil in eine 15-jährige Gefängnisstrafe um. Sein Bruder bekam 13 Jahre, die dann in einem Berufungsverfahren auf sieben verkürzt wurden. Im Juli 2004 musste Akbar Mohammadi in ein Krankenhaus eingeliefert und behandelt werden. Danach entließ man ihn in einen Hafturlaub, bis er im Juli dieses Jahres ohne Angabe von Gründen erneut verhaftet wurde. Seinem Bruder waren bereits im Januar nach einem Hafturlaub so ergangen. Im Gefängnis verweigerten die Brüder jegliche Nahrungsaufnahme, um ihre Freilassung zu erreichen. Gleichzeitig schlossen sie sich damit einem dreitägigen Hungerstreik zur Freilassung aller politischen Gefangenen im Iran an, zu dem der prominente Dissident Akbar Ganji aufgerufen hatte. Ganji selbst war im März dieses Jahres nach der Verbüßung einer sechsjährigen Haftstrafe aus dem Evin-Gefängnis entlassen worden. Ob die Verweigerung von Nahrung und Flüssigkeit zum Tod von Akbar Mohammadi geführt hat, ist umstritten. Die Gefängnisverwaltung gab an, die Ergebnisse einer Autopsie in einigen Wochen zu veröffentlichen – es gibt keine Erklärung dafür, warum dies so lange dauern soll. Im Gegensatz dazu berichteten Mohammadis Eltern, Sicherheitskräfte hätten sie dazu gezwungen, den Leichnam in ihren Heimatort mitzunehmen, wo er ohne Autopsie begraben wurde. Ein Treffen mit dem Bruder des Toten sei ihnen nicht gestattet worden. Zwei Tage vor dem Tod Mohammadis wurde Ahmad Batebi, ein weiterer Aktivist der Demonstrationen im Jahr 1999, ebenfalls ohne Angaben von Gründen erneut verhaftet. Auch er war ursprünglich zum Tode verurteilt, die Strafe dann aber in 15 Jahren Haft umgewandelt worden. Über sein Schicksal ist bisher nichts bekannt. Ebenfalls am 30. Juli verurteilte das Teheraner Revolutionsgericht den bekannten Menschenrechtsanwalt Abdolfattah Soltani in einem nicht öffentlichen Verfahren zu fünf Jahren Gefängnis und weiteren fünf Jahren Berufsverbot. Das Gericht warf ihm Spionage vor, nachdem er eine Gruppe von Angeklagten vertreten hatte, die Geheimnisse aus dem iranischen Atomprogramm an »ausländische Mächte« weitergegeben haben sollen. Der Spionagevorwurf wurde inzwischen fallengelassen, aber man befand ihn für schuldig, klassifizierte Dokumente weitergegeben und Propaganda gegen die Regierung betrieben zu haben. Im selben Zeitraum verurteilte ein iranisches Gericht die 37-jährige Ashraf Kalhori zum Tod durch Steinigung. Kalhori hatte bereits eine fünfjährige Gefängnisstrafe wegen Ehebruchs und Beteiligung an der Ermordung ihres Ehemannes verbüßt. Auf Druck internationaler Menschenrechtsgruppen sowie der Europäischen Union hatte die iranische Justiz die Hinrichtung durch Steinigung zunächst ausgesetzt. Dies ist das erste Mal nach Jahren, dass ein Gericht auf diese im islamischen Recht vorgesehene Methode wieder zurückgreift. Das Urteil kann jetzt jederzeit vollstreckt werden. Diese »Menschenrechtsbilanz« der letzten Juliwoche ist weder vollständig, noch ungewöhnlich, sondern trauriger Durchschnitt. Die Nachrichten verbreiten sich meist von Mund zu Mund und werden dann von oppositionellen Webseiten und von ausländischen Medien aufgegriffen. Die überwiegende Mehrheit der Iraner erfährt davon nichts. Das heißt nicht, dass über Menschenrechtsverletzungen im Iran nicht berichtet wird. Mit Hohn und Spott kommentieren regimenahe Zeitungen die Ereignisse im Libanon. Ihrer Ansicht nach zeigt sich, wie zynisch der Westen mit Menschenrechten umgeht, indem er sich gegenüber dem Leiden der Zivilbevölkerung im Libanon gleichgültig zeigt oder sogar die israelischen »Verbrechen« noch unterstützt. Ähnliche Kommentare lassen sich auch über die Situation im Irak lesen. Die Übergriffe amerikanischer Soldaten, Abu Ghraib und andere Fälle, werden ausführlich dargestellt. Menschenrechte sind im Iran ein politisches Thema. Auch wenn es anders erscheint: Das Regime ist gegenüber ausländischer Kritik sehr sensibel. Bei der Machtelite des Landes gelten Menschenrechte als »ideologisches Vehikel«, mit dem »der Westen« die Islamische Republik untergräbt. Menschenrechtsgruppen stehen ständig unter Verdacht, mit »ausländischen Mächten« unter einer Decke zu stecken und in ihrem Auftrag zu agieren, um das System zu Fall zu bringen. Als eine Art Gegenoffensive veröffentlichte das iranische Innenministerium im Mai einen eigenen Menschenrechtsbericht. Aufgezählt wurden Beispiele der Diskriminierung von Moslems in Europa. Dem Kopftuchverbot in Frankreich räumte man besonders viel Raum ein. Kein selbstkritisches Wort zur Situation im eigenen Land. Präsident Mahmoud Ahmadinejad, für den das »liberale System«, wie er in seinem Brief an US- Präsident Bush geschrieben hat, abgewirtschaftet hat, setzt neue Akzente. Während der Amtszeit seines Vorgängers Mohammad Khatami galten Menschenrechte als ein universelles Prinzip, das auch im eigenen Land Gültigkeit besitzen müsse. Mit Ahmadinejad sind »Menschenrechte« zu einem Kampfbegriff geworden. Dem Westen soll auf seinem eigenen Gebiet aggressiv entgegengetreten werden. Symptomatisch war die Entsendung des Teheraner Oberstaatsanwaltes Said Mortazavi als iranischem Delegierten zur Eröffnungssitzung des UNO- Menschenrechtsrates in Genf. Mortazavi ist im Iran wegen der Schließung von mehr als hundert Zeitungen und seiner unbarmherzigen Verfolgung von nicht regierungstreuen Journalisten berüchtigt. Er war persönlich an den Verhören der iranisch-kanadischen Fotojournalistin Zahra Kazemi beteiligt, die an den Folgen der Misshandlungen während der Untersuchungshaft im Juli 2003 starb. Mortazavi nach Genf zu schicken, war ein deutliches Zeichen. Die Präsidenten des Iran haben einen bedeutenden Einfluss auf den öffentlichen Diskurs. Sie können Themen setzen, die Stimmung beeinflussen und ein politisches Klima schaffen. Ihren Amtsbefugnissen sind jedoch enge Grenzen gesetzt: Auch der reformorientierte Khatami konnte die Hinrichtung von Atefeh Rajabi am 15. August 2004 in dem kleinen Ort Neka nicht verhindern. Sie war wegen »Vergehen gegen die Sittlichkeit« zum Tode verurteilt worden. Der Fall sorgte landesweit für Aufsehen, weil der Verdacht bestand, dass Rajabi bei ihrer Verhandlung noch nicht volljährig war. Auch nach iranischem Recht dürfen Minderjährige nicht hingerichtet werden. Inzwischen weist ein Dokumentarfilm, der – auch ein Ereignis dieser Woche – in diesen Tagen in Teheran die Runde macht, nach, dass der zuständige Richter wusste, dass Rajabi erst 16 Jahre alt war, und er Dokumente gefälscht hat. Ihr wurde zum Verhängnis, dass sie sich auf ein Verhältnis mit einem ehemaligen Mitglied der Revolutionären Garden, der iranischen Elitetruppe, einließ, der sie dann missbrauchte. Sie wurde zum Tode verurteilt, der Mann kam mit 95 Peitschenhieben davon. Der Richter legte ihr bei der Hinrichtung persönlich die Schlinge um den Hals. Das Urteil erfolgte wie meist bei Gerichtsverfahren in der Provinz nach islamischem Recht. Deshalb unterlag die Prüfung des Verfahrens nicht staatlichen Stellen, sondern einem Justizapparat, der direkt dem obersten geistigen Führer des Landes, Ayatollah Ali Khamenei, untersteht. Die unterschiedlichen Zuständigkeiten, das Wirrwarr um die Kompetenzen bietet nicht nur den Hardlinern ständig Schlupflöcher, sondern bildet auch einen Schutzwall gegenüber jeder Kritik von außen. Selbst wenn staatliche Stellen aufgrund internationalen Drucks zu Zugeständnissen bereit sind, bleiben die Reformbemühungen irgendwo in diesem Labyrinth stecken. Hinzu kommt ein Parallelsystem geheimer Gefängnisse, die sich jeder Kontrolle entziehen. Die verschiedenen Geheimdienste sowie der Justizapparat unterhalten eigene Greiftrupps, die Menschen ohne jede rechtliche Handhabe verhaften und wochenlang an geheimen Orten festhalten. Es gibt andere Ereignisse dieser Woche, die nicht von den Medien aufgegriffen wurden. Mansour Ossanlu wird beschuldigt, Rädelsführer eines Streiks der Busfahrer in Teheran im Januar dieses Jahres gewesen zu sein. Ali Akbar Mousavi Kho’ini, ein ehemaliger Parlamentsabgeordneter, der sich um die Aufdeckung von Geheimgefängnissen bemühte, befindet sich weiterhin in Haft. Er wurde am Rande einer Demonstration für Frauenrechte im Juni verhaftet. Von einer offiziellen Anklage ist in beiden Fällen nichts bekannt. Auch gegen Ramin Jahanbegloo, international bekannter Soziologe mit Lehrstuhl in Kanada, existiert keine offizielle Anklage. Man nahm ihn Ende April am Flughafen fest, als er auf dem Weg zu Vorträgen in Indien war. Einen Anwalt darf er nicht empfangen. Inoffiziell heißt es, er sei Teil eines US-Komplotts zum Sturz des Regimes. Seine Verhaftung löste im Iran Erstaunen aus, weil sich Jahanbegloo aus den politischen Debatten weitgehend herausgehalten hatte. Gemunkelt wird, es existiere mittlerweile eine Videoaufnahme seines Geständnisses, das demnächst im Fernsehen zu sehen sein soll. Solche erzwungenen Geständnisse sind bei prominenten Fällen eine übliche Praxis. Diese Woche war eine schlechte für die Menschenrechte im Iran. Eine Woche, wie viele andere auch. Der Autor ist Journalist und lebt in Teheran. Iran Die »Islamische Republik Iran« wurde am 11. April 1979 gegründet. Das Land hat rund 69 Millionen Einwohner, davon leben etwa elf Millionen in der Hauptstadt Teheran. Die Amtssprache ist Farsi, es gibt zahlreiche Minderheiten, darunter Kurden und Aserbaidschaner. Präsident der Republik ist seit August 2005 Mahmoud Ahmadinejad. Dem ai- Jahresbericht zufolge wurden im vergangenen Jahr mindestens 94 Menschen hingerichtet. Allein in den ersten sechs Monaten dieses Jahres starte ai 28 Eilaktionen. amnesty international fordert von der iranischen Regierung: * unverzüglich alle gewaltlosen politischen Gefangenen freizulassen; * die Fälle aller politischen Gefangnen, die ohne oder nur nach unfairen Gerichtsverfahren inhaftiert sind, neu zu verhandeln; * allen Gefangenen regelmäßigen Kontakt zu einem Anwalt ihrer Wahl zu gewähren; * allen Gefangenen den Kontakt zu ihren Familien zu ermöglichen sowie die notwendige medizinische Versorgung sicherzustellen; * wirksame Maßnahmen zu ergreifen, um Folter zu verhindern; * alle Vorwürfe über Folter und unmenschliche Behandlung zu untersuchen; * die Hinrichtung von Minderjährigen zu stoppen sowie ein Moratorium für alle bevorstehenden Exekutionen auszusprechen; * gegen die Willkür von Behördenvertretern vorzugehen, die rechtliche Verfahren zum Nachteil von MenschenrechtsverteidigerInnen missbrauchen – mit der Absicht, sie an ihrer legitimen Arbeit zur Verteidigung der Menschenrechte zu hindern. [/internet/resource.nsf/res/ 328B05719C0DD01BC1256A8B0026B769/ $FILE/ icon_zurueck.gif]_Zurück [/ icons/ecblank.gif][/internet/ resource.nsf/res/ 33C5287A7461B368C1256A86006669C8/ $FILE/icon_drucken.gif]_Druckversion amnesty international, Sektion der Bundesrepublik Deutschland e.V., 53108 Bonn Telefon: 0228/983 73-0 - Telefax: 0228/63 00 36 Spendenkonto: 80 90 100 - BfS Köln - BLZ 370 205 00 E-mail:ai-journal@amnesty.de [/icons/ecblank.gif]